Wonderbook – Das Buch der Zaubersprüche:
Augmented-Reality-Buch im Test

Auf der diesjährigen Spielemesse E3 stellte Sony erstmals das Wonderbook zusammen mit der Software “Das Buch der Zaubersprüche” vor. Das Konzept dahinter: Das Zubehör verbindet dank Augmented Reality, Bewegungssteuerung und PlayStation 3 das gute, alte Buch mit moderner, animierter sowie interaktiver Unterhaltung. Aber ob das in der Praxis auch klappt?

Das steckt dahinter

Das Wonderbook für PS3-Besitzer und Magiefreunde. (Foto: Sven Wernicke)

Das Wonderbook für PS3-Besitzer und Magiefreunde. (Foto: Sven Wernicke)

Für knapp 40 Euro erhalten Käufer das Paket, bestehend aus dem erstaunlich großen Wonderbook und dem eigentlichen Spiel. Benötigt wird eine PlayStation 3, ebenfalls sollte man bereits über eine PlayStation Eye-Kamera und einen Move-Controller verfügen. Wer beides nicht besitzt, kann sich ein entsprechendes Bundle zulegen, was dann wohl bei rund 80 Euro liegt. Das Wonderbook selbst sieht in der Tat auf den ersten Blick wie ein Buch aus, besitzt allerdings einige Besonderheiten. So befinden sich auf den 12 Seiten seltsame Symbole, mit denen man als Mensch nicht wirklich etwas anfangen kann. Die PS Eye-Kamera dagegen ist durch diese fähig, die Position, die aktuelle Seite oder Lage (schräg, in der Hand etc.) der Schaumstoff-Peripherie festzustellen und zusammen mit der PlayStation 3 auszuwerten. Im Grunde funktioniert dies alles ganz genauso wie beim Nintendo 3DS oder der PlayStation Vita mit den AR-Karten, die den Handheld-Konsolen beiliegen. Das ist also keine Magie, sondern längst bewährte Technik.

Wonderbook
wonderbook-coverAugmented Reality am TV: Spieler werden mit ins Geschehen eingebunden. (Foto: Sony)wonderbook_lifestyleDie Kamera muss zum Boden gerichtet sein. (Foto: sw)
Das Wonderbook für PS3-Besitzer und Magiefreunde. (Foto: sw)Komische Symbole? Sie haben einen Sinn. (Foto: sw)wonderbook_7wonderbook_6
wonderbook_5wonderbook_4Der Move-Controller verwandelt sich im Spiel in einen Zauberstab. (Foto: sw)wonderbook_2
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Schwierigkeiten beim Aufbau

Komische Symbole? Sie haben einen Sinn. (Foto: Sven Wernicke)

Komische Symbole? Sie haben einen Sinn. (Foto: Sven Wernicke)

Die Einrichtung des Wonderbook kann (!) sich schwieriger erweisen, wenn im eigenen Wohnzimmer nicht die optimalen Bedingungen herrschen – obwohl es auf Elektronik gänzlich verzichtet. Die PlayStation Eye-Kamera sollte beispielsweise grundsätzlich unter dem Fernseher platziert werden, genauer zwischen 70 bis 100 Zentimeter über dem Boden in einer zentralen Position. Der Spieler sitzt dagegen in rund 1,3 Metern Entfernung vor dem TV-Gerät, das Buch sollte vor ihm positioniert sein. Ferner müssen die Lichtverhältnisse stimmen. Der Raum sollte gleichmäßig beleuchtet sein, Schwierigkeiten gibt’s bei Strahlern, die die Eye-Cam stören könnten.

In der Praxis heißt dies: Es sollte vor dem Fernseher genügend Platz sein, die Kamera darf nicht zu weit oben oder unten angebracht sein und muss Richtung Teppich zeigen. Wer dies nicht garantieren kann, wird im schlimmsten Fall das Wonderbook nicht vernünftig nutzen können. Einsteiger können übrigens beruhigt sein: Das Spiel gibt praktische Tipps und hilft bei der Installation. Sowieso gibt sich die Peripherie zusammen mit dem Buch der Zaubersprüche sehr einsteigerfreundlich und macht es Laien leicht, sich zurecht zu finden. Das gilt auch für die Verwendung des Move-Controllers, der für die Bewegungssteuerung des Spiels benötigt wird. Einmal justiert, schon verwandelt sich die „Eistüte“ in einen Zauberstab. In dem Fall ist das wörtlich zu nehmen.

Die Praxis

Die Kamera muss zum Boden gerichtet sein. (Foto: Sven Wernicke)

Die Kamera muss zum Boden gerichtet sein. (Foto: Sven Wernicke)

Sind genannte Hürden hoffentlich erfolgreich genommen, wird man schnell überrascht sein. Die Augmented Reality-Idee funktioniert erstaunlich gut. Bewegt man das Buch oder nimmt dieses in die Hand, wird das sofort vom Spiel erkannt und darauf reagiert. Das Geschehen findet dabei auf dem Fernseher statt. Zwar ist eine minimale Verzögerung zwischen realer Aktion und dem Präsentierten auf dem TV wahrnehmbar, diese dürfte aber technisch bedingt sein und fällt ohnehin nicht ins Gewicht. Es ist schon ein wenig „magisch“, dass das Buch der Zaubersprüche stets die korrekte Seite erkennt, das Umblättern wahrnimmt und auf bestimmten Stellen bewegte Objekte darstellt, die man mit dem Move-Controller (der im Spiel die Form eines gewählten Zauberstabes besitzt) verändern oder aktivieren kann. Sicherlich ist das Kantenflimmern an den Buchrändern feststellbar, genauso kann es zu minimalen Grafikfehlern bei sich verändernden Lichtbedingungen kommen – doch im Großen und Ganzen ist die „Illusion“ gelungen und absolut stimmig.

Trotzdem: Das Wonderbook selbst enthält fest vorgegebene Symbole auf den Seiten. Das bedeutet, dass zukünftige Spiele und Programme wohl ähnlich aufgebaut sein werden wie das Buch der Zaubersprüche. Ob das Buch also noch mehr Möglichkeiten als die hier servierten bieten kann? Das ist aktuell noch unklar.

Das Spiel

Augmented Reality am TV: Spieler werden mit ins Geschehen eingebunden. (Foto: Sony)

Augmented Reality am TV: Spieler werden mit ins Geschehen eingebunden. (Foto: Sony)

Das Spiel selbst richtet sich in erster Linie an ein jüngeres Publikum mit Harry-Potter-Affinität. Denn das gemeinsam mit der Autorin J. K. Rowling entworfene Bilderbuch widmet sich über 20 Zaubersprüchen, die erlernt und angewandt werden sollen. Ähnlich wie in einem Märchen erzählt ein Sprecher die Geschichte des Zauberbuches, das Spieler nun sozusagen in den Händen halten oder auf dem Boden liegen haben. Zuerst spricht man den Zauberspruch nach (hier kommt das Mikrofon der PS Eye-Kamera grob zum Einsatz), danach malt man mit dem Move-Controller Linien nach, die den gewünschten Zauber aktivieren. Und später probiert man gerade Erlerntes in Form eines Minispiels aus. Das wird leider recht schnell eintönig, zumindest für ältere Semester. Dagegen dürfte sich der Nachwuchs sehr über eine liebevolle Ausarbeitung und eine tolle Präsentation „in der eigenen Wohnung“ freuen. Das Buch ist schön anzusehen, die Szenarien sind hübsch und manche Ideen sehr spaßig. Beispielsweise werden einige Hintergründe in Form von interaktiven Theaterstücken erzählt, die man durch den Zauberstab minimal beeinflussen kann. Das gefällt sicher auch Erwachsenen.

Ideal für Familien

Allgemein entsteht wohl der größte Spaß, wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam das Buch der Zaubersprüche entdecken. Zwar darf nur alleine gespielt werden, aber Mami oder Papi können ja bei den kniffligeren Aufgaben behilflich sein. Ja, das Wonderbook ist ein Familienvergnügen zur anstehenden Weihnachtszeit. Und danach? Wird es mit etwas Pech im Schrank verschwinden oder bei Ebay landen. Denn bisher ist kein Software-Nachschub angekündigt. Und hat man alle wichtigen Zaubersprüche erlernt, ist die Luft aus dem neckischen Ansatz irgendwie auch raus. Andererseits stimmt der Preis. Das Wonderbook kann ohne weiteres ein paar Abende gut unterhalten, was an dem interessanten sowie funktionierendem AR-Ansatz liegt. Es ist und bleibt eine amüsante, stellenweise faszinierende Spielerei. Nicht mehr, nicht weniger.

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten,  darunter Polygamia.de und GamingGadgets.de.

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