Stellaris LaunchPad:
Auf das Minimum reduzierter Minicomputer für 10 Euro

Es geht immer noch billiger: Texas Instruments (TI) bietet seit jüngstem einen Microcontroller an, der sich zu einem Minicomputer ausbauen lässt und dabei im Online-Shop des Chip-Herstellers nur 13 US-Dollar (10 Euro) kosten soll. Der Vergleich mit dem Raspberry Pi allerdings hinkt: Das Stellaris LaunchPad läuft nicht gänzlich eigenständig, TI verzichtet außerdem auf einen Grafikchip.

Das Stellaris LaunchPad bietet nur das Notwendigste, kostet dafür aber auch nur 10 Euro. Bild: TI

Das Stellaris LaunchPad bietet nur das Notwendigste, kostet dafür aber auch nur 10 Euro. Bild: TI

Als Stromversorgung dient im Stellaris LaunchPad ein Micro-USB-Anschluss, über den man einen Windows-Rechner (XP oder 7) anschließt. Anders als über einen PC hat man anfangs keinen Zugang zu den Elementen des LaunchPads. Vom PC aus lassen sich dann einige zugeschnittene Programme starten und mit Hilfe einer Image-Bibliothek eine grafische Benutzeroberfläche zusammenklicken oder ein erstes eigenes Programm schreiben.

Herzstück ist ein Stellaris Microcontroller LM4F120H5QR, der auf einem ARM Cortex-M4 basiert und mit 80 MHz taktet – kein Schreibfehler. Ansonsten bietet der rudimentäre Computer eigentlich nichts außer einigen LEDs und Schaltern, sowie jeder Menge PINs, an die man unterschiedliche Anschlüsse für Ein- und Ausgabegeräte anbringen kann. Die Stromversorgung über einen PC ist praktisch vorgeschrieben, ein Grafikchip nicht vorgesehen. Fraglich, ob das Stellaris LaunchPad damit überhaupt als eigenständiger Computer angesehen werden kann, wie Mashable und VentureBeat schreiben. Immerhin: Es lässt sich fast alles nachrüsten. In einem Video zeigt ein TI-Mitarbeiter die ersten Schritte mit der gut dokumentierten Platine:

Zielgruppe sind offenbar Heimwerker, die sich einen Computer von der Pike auf selbst zusammenbasteln wollen, aber vor einem Lötkolben dann doch zurückschrecken. Für alle, die einen funktionierenden Minicomputer ohne Schnickschnack wollen, würde ich dennoch unumwunden auf den Raspberry Pi zeigen. Der kostet auch nur 25 Dollar und bietet dafür erheblich mehr: Eine CPU-/GPU-Einheit mit 256 512 MByte-RAM, einen Audio- und einen HDMI-Videoausgang, einen USB- und einen LAN-Anschluss, einen SD-Karten-Einschub und eine Stromversorgung über einen Micro-SD-Anschluss, den man ohne den Umweg eines PCs direkt mit der Steckdose verbinden kann. Ein vorinstalliertes Linux auf der SD-Karte kann beim Raspberry Pi als Betriebssystem dienen. Und wem die Funktionen nicht ausreichen, der kann das ganze für wenig Geld noch aufrüsten.

Und wem es wirklich aufs Geld ankommt, für den geht es sogar noch billiger: Das MSP430 LaunchPad von TI kostet sogar nur 4,30 Dollar (3,40 Euro), hat dafür weniger PINs und nur einen Prozessor mit 16 MHz (kein ARM Cortex). Immerhin: Basteln hat wieder Konjunktur. Baukästen wie der Raspberry Pi oder das Stellaris LaunchPad setzen einen Gegentrend zu nicht austauschbaren oder gar im Gehäuse verklebten Komponenten vieler heutiger Laptops und Tablets.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist freier Technikjournalist, Innovationsberater und Skeptiker.

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8 Kommentare

  1. Den Raspberry Pi gibt es jetzt schon mit 512MB für den selben Preis.

  2. Kleiner Tippfehler: Die Stromversorgung des RasPis erfolgt nicht “über einen Micro-SD-Anschluss”, sondern über USB.
    Fertig verfügbar gibt es meines Wissens momentan ausschliesslich das Model B, bei welchem im September das Platinenlayout etwas angepasst wurde (unter anderem Befestigungslöcher) und welches seit ca. Oktober eben mit 512MB RAM ausgeliefert wurde. Das RAM hat also nicht unmittelbar mit dem Model B zu tun – ob, wann und mit welchem Speicher das Model A (ohne RJ45, nur ein USB-Port, billiger) für Nicht-Selber-Ätzer verfügbar ist, weiss ich nicht.

  3. Hallo,

    ich glaube das da jemand was falsch verstanden hat.
    Das Stellaris Launchpad ist ganz sicher kein “Mini-Computer” wie ein Raspberry Pi.
    Und durch zusätzliche Hardware lässt es sich auch nicht zu so einem “MIni-Computer” umbauen.
    Beide haben zwar einen ARM-Kern als Basis Prozessors, aber ein Motorroller wird auch nie ein Auto sein, obwohl beide mit einem Ottomotor laufen.
    Der Vergleich mit dem MSP430 Launchpad passt da schon deutlich besser: Beide Boards richten sich hauptsächlich an Hardware-Bastler und Firmware-Entwickler. Die Idee hinter dem Raspberry-Pi ist, vornehmlich Kindern das programmieren näher bringen, die GPIO-Pins sind da eher eine nette Zugabe.
    Einen “richtigen” Computer könne beide Platformen nicht ersetzen, beide benötigen einen PC um in betrieb genommen zu werden.
    Ein passender Vergleich zum Stellaris Launchpad ist meiner Meinung nach der neue Arduino Due.
    Beide Entwicklerplatinen basieren auf einem ARM Cortex Prozessor und lassen sich einfach ohne teure Zusatz Hardware programmieren.

    Vielleicht überlegt sich der Autor des Artikels diesen Vergleich nochmals.

    Grüße

    Max

  4. @Max: Genau das dachte ich beim ersten Überfliegen auch, hätte es vermutlich aber schlechter verbalisiert.
    Ich habe das Launchpad hier, vllt kommt mir jetzt das Stellaris dazu. Es muss ja nicht immer Atmel sein. ;)

  5. Ich habe mir gestern gleich zwei von den MSP430 bestellt. Bin schon sehr gespannt, ob sie vor dem Raspberry Pi eintreffen, die ich Anfang Oktober bestellt habe…

  6. Das ist wirklich Schnee von vorvorgestern. Bereits seit mehr als 10 Jahren konnte man fast vollständige Computer in der Schweiz im Einzelhandel für ca. Fr. 5.– kaufen. Allerdings handelte es sich nicht um ein Board, sondern um einen Chip. Damals musste man allerdings noch einen Quarz anschliessen. Das ist bei den modernen Chips nicht mehr nötig. Der Artikel zeigt auch ein generelles Missverständnis was ein Computer ist. Ein Computer ist ein frei programmierbarer Rechner. Heute sind die meisten Computer in Geräten verbaut. Da besteht wirklich kein Bedarf für einen Graphikchip.

  7. Hallo Jürgen,

    du hast da wohl was vollkommen falsch verstanden.
    Das Stellaris Launchpad ist ein Microcontroller und kein “eigenständiger computer”. Es ist auch absolut nicht gedacht ein Linux oder ähnliches darauf zu installieren. Aber für alle möglichen Steuerungsarbeiten perfekt. Vergleichbar eigentlich nur mit dem Arduino.
    Gedacht ist es als Entwicklungsumgebung und “Probierset” für den neuen LM4F120 Microcontroller von TI, der dann wiederum in alle möglichen Geräten verbaut wird….

    Auch zum Arbeiten damit braucht man keinen Computer, ist der Controller einmal Programmiert und seine Funktionen festgelegt kann der Controller über das USB-Interface mit 5V DC gespeist werden, was die 5V liefert ist absolut belanglos.

    Grüße

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