Rundfunkmuseum Fürth 2/2:
Alte Töne und Bilder und ihre Entstehung

Fünf Stockwerke voller alter Radio und Fernseher? Ist das interessant anzusehen? Ja, denn im Rundfunkmuseum Fürth werden die Geräte in das Umfeld ihrer Zeit gestellt – und manche darf man auch selbst ausprobieren.

50er-Jahre-Wohnzimmer mit Hausbar-Radio-TV-Musiktruhe (Bild: W.D.Roth)

50er-Jahre-Wohnzimmer mit Hausbar-Radio-TV-Musiktruhe (Bild: W.D.Roth)

Das Museum beginnt im Erdgeschoss mit den ersten zehn Jahren des deutschen Rundfunks von 1923 bis 1933 und den darauf folgenden weniger erfreulichen Jahren der Naziherrschaft, des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Weitere Räume der folgenden Stockwerke zeigen dann den Rundfunk der 50er-Jahre, die 60er und 70er und die Geschichte des Fernsehens samt Bildaufzeichnung. Außerdem gibt es eine permanente Ausstellung mit Radios, Fernsehern, Tonbandgeräten und Plattenspielern der DDR sowie Räume, die sich speziell der Entwicklung der Röhrentechnik, der Plattenspieler bis zum CD-Spieler, der Tonbandgeräte vom Stahldraht bis zur Kassette, der Autoradios und schließlich sogar der fast vergessenen Scherz-Radios in Colaflaschen, Cremedosen, Keksschachteln und anderen ungewöhnlichen Verpackungen verschrieben haben.

Offiziell endet die rein chronologisch aufgebaute Ausstellung hier, doch findet sich unterm Dach noch eine Amateurfunkstation mit historischen, aber auch aktuellen Geräten, die vom Rundfunkhörerklub adxb-DL betreut werden, der dort auch seine Mitgliedstreffen abhält, sowie einige nichttechnische Exponate aus der Firmengeschichte des Hauses Grundig, beispielsweise die hauseigenen Ingenieurs-Abschlusszeugnisse.

Rundfunkmuseum Fürth
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Ebenso leicht zu übersehen ist die Sendetechnik im Keller des Gebäudes, wozu nicht nur ein 100-kW-Mittelwellensender von 1940 zählt, sondern auch Filmabtaster, Studio-Tonbandmaschinen und alles, was sonst so zu einer Sendeanstalt gehört.

Eine eigene Zeitschrift des Fördervereins des Rundfunkmuseums, die weitere Hintergründe liefert, erschien bis ins Jahr 2004 unter dem Namen “Kleeblattradio” im Format DIN A5, seitdem in DIN A4 unter dem Namen “Rundfunk und Museum”. Weitere Druckwerke des Rundfunkmuseums behandeln beispielsweise die auch in den Museumsräumen ausgestellte Geschichte des “Rundfunkverbrechers” Willi Mühlhofer, der im Naziregime von seinen Untergebenen im Wasser- und Straßenbauamt der Stadt Nürnberg bei der Gestapo verpfiffen wurde, “Feindsender” zu hören und dafür nicht nur zu über einen Jahr Zuchthaus verurteilt wurde, sondern auch seine Stelle verlor. Er durfte Jahrzehnte um eine Entschädigung kämpfen und bekam schließlich wieder eine Stelle im Wasser- und Straßenbauamt bei den alten Kollegen, die ihn zuvor denunziert hatten.

Zusätzlich sind jede Menge Literatur und historische Tonaufzeichnungen ausgestellt, die man sich über Kopfhörer oder Lautsprecher anhören kann. Das Museum ist am Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr und am Wochenende sowie gesetzlichen Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich sind Schulveranstaltungen und Feiern in den Räumen des Museums möglich und interessierte Firmen können ein Fenster “erwerben”, also gegen eine entsprechende Unterstützung des Museums ihr Firmenlogo auf einem der Fenster darstellen.

Für den, der auf den Geschmack gekommen ist, aber nicht so schnell nach Fürth kommt, gibt es hier noch mehr der Bilder aus diesem Beitrag und einem späteren Museumsbesuch.

 

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