Doro PhoneEasy 615 und 715 im Test:
Handys für Schwerhörige

Wer seh- oder hörbehindert ist, wird vom Augen- oder Ohrenarzt eine Seh- oder Hörhilfe verschrieben bekommen. Damit ist der Alltag wieder gut zu bewältigen, anders als vor 100 Jahren. Bei starker Behinderung – also fast oder ganz vollständiger Blindheit oder starker Schwerhörigkeit – kommt es jedoch bei der Benutzung moderner Technik zu Problemen. Spezielle Hardware wie ein “PhoneEasy”-Handy von Doro soll helfen.

Doro PhoneEasy 715 (Bild: W.D.Roth)

Doro PhoneEasy 715 (Bild: W.D.Roth)

Über die Problematik sehbehinderter Menschen beim Radiohören hatte neuerdings.com bereits berichtet und auch ein als Abhilfe entwickeltes Radiomodell getestet. Mit Telefonen ergeht es ihnen ähnlich: Die Knöpfe und Tasten moderner Telefone, so sie denn überhaupt fühlbar und nicht nur auf einem Touchscreen angezeigt sind, wechseln je nach aktuell genutzter Betriebsart ständig die Funktion. Die sogenannten “Softkeys” sind am schlimmsten, deren aktuelle Funktion jeweils darüber im Display angezeigt wird, denn genau das kann der Sehbehinderte ja nur schlecht oder gar nicht erkennen.

Das umgekehrte Problem haben Hörbehinderte. Doch sie können zwar mit Untertiteln fernsehen statt Radio zu hören, aber ums Telefon kommt man auch im Zeitalter von Fax und E-Mail nicht immer herum, also eben dem Medium, wo ihre Schwäche liegt. Und gerade in seiner schnurlosen Variante macht das Telefon hier Ärger: Es strahlt ins Hörgerät und legt dieses lahm, Brummen, Rauschen, Knattern sind die Folge.

Doro-Handys im Test (Bilder: W.D.Roth)
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Abhilfe gibt es eigentlich, seit es Hörgeräte gibt: “Induktive Kopplung”, “T-Spule”, “Hörschleife” sind die Stichworte. Hier wird statt akustisch von Lautsprecher auf Mikrofon direkt magnetisch gekoppelt, was störende Kabelverbindungen vermeidet und dennoch unnötige Tonverschlechterungen verhindert – man nimmt ja auch mit dem Kassettenrekorder, pardon, MP3-Rekorder, nicht per Mikrofon vom Radiolautsprecher auf, wenn sich dies vermeiden lässt.

Praktisch jedes Hörgerät hat so eine “Telefon-Stellung”, in der es induktive Kopplung bietet – nur die heutigen Telefone haben oft keine Hörkapseln mit Spulen mehr, weshalb die T-Spule nicht bedient werden kann.

Hörgeräteakustiker kennen sich mit diesen Geräten oft nicht aus – nur die noch recht neue Firma Versacustik erwies sich in einem Praxistest als kompetent und bot auch Hilfe und Zusatzgeräte an, die großen Ketten können dagegen meist nur Hörgeräte verkaufen und sonst nichts, und der Hörbehinderte weiß nichts davon, dass es solche Hilfsmittel gibt.

Es sind also spezielle Telefone für Schwerhörige gefragt – dazu zählen auch einige normale Handys wie das Nokia-Modell 2710, die Doro-Modelle – oder, bequemer, beispielsweise eine Hörschleife mit Bluetooth-Ankopplung wie die CM-BT2 von Humantechnik. Die kann dann via Bluetooth mit einem geeigneten Handy oder Festnetztelefon gekoppelt werden und bedient ihrerseits über eine Induktionsschleife das Hörgerät. So entfällt dann auch die Problematik mit den Störungen durch die Funkabstrahlung des Handys und der Rückkopplungsgefahr. Zudem kann der Schwerhörige nun wie mit einer Freisprechanlage auch beim Autofahren oder Spazierengehen telefonieren, sofern Umgebungsgeräusche trotzdem noch übertragen werden, aber die Umgebung hört nicht mehr ungewollt alle Gespräche mit.

Wie gut schlagen sich die Doro-Handys in der Praxis?

Doro-Handys 615 (oben) und 715 (unten) (Bild: W.D.Roth)

Doro-Handys 615 (oben) und 715 (unten) (Bild: W.D.Roth)

Doro, Hersteller von Senioren-Handys, hat nun auch elegantere Geräte im Sortiment. Die neuen Klapp- (615) bzw. Slider-Handys (715) sind nicht mehr wesentlich größer als normale Modelle und haben nun auch Kamerafunktionen und was sonst bei Handys inzwischen so üblich ist. Das im 4. Quartal 2012 erwartete Modell 740 wird sogar ein Smartphone mit Android-Oberfläche sein, was für Hörbehinderte besonders interessant sein dürfte, weil dann auch E-Mail möglich ist.

Damit es klappt mit Hörgerät und Telefon, muss letzteres möglichst wenig Funkwellen in Richtung Ohr strahlen, laut sein und am besten nicht nur etwas lauter sein als normale Modelle, sondern auch eine sogenannte T-Spule haben, mit der das Hörgerät induktiv statt akustisch angekoppelt werden kann – man nimmt ja auch Radiosendungen tunlichst nicht mit dem Mikrofon vom Lautsprecher auf.

Bislang verfügbare Telefone mit diesen Features waren ausschließlich Seniorenhandys – und damit oft groß und mit wenigen Funktionen. Für junge Menschen, die sich eventuell sowieso bereits wegen ihrer Schwerhörigkeit schämen, war das keine brauchbare Option. Der Seniorenhandy-Hersteller Doro hat sich nun mit den Modellen PhoneEasy 615 und 715 Mühe gegeben, auch diese Klientel zufrieden zu stellen.

Zwar sind die Doro-Handys nach wie vor eher auf ältere Nutzer ausgelegt, die eine einfache Bedienung wünschen. Auch ICE-Datenbank (“In Case of Emergency”) und Notruffunktionen sind deshalb vorgesehen, die aber auch bei jüngeren Nutzern nicht schaden – optisch auffällig sind sie nicht, der Handybenutzer muss also nicht befürchten, damit unangenehm aufzufallen. Seh- und Hörschwächen werden im bekannten Rahmen unterstützt (große, kontrastreiche Schrift, große Lautstärke, T-Spule), Spezialitäten wie Tasten mit Blindenschrift sucht man vergeblich, allerdings können die meisten Blinden auch so die richtige Taste ertasten, wenn sich deren Gesamtzahl in Grenzen hält.

Die Hörgerätekompatibilität der neuen Doro-Handys entspricht T3/M4. Der T-Wert besagt, wie stark ein Magnetfeld ist, das in T-Stellung eines Hörgeräts oder Cochlea-Implantats induktiv empfangen werden kann (“T-Spule”, Telefoneinstellung). Diese Betriebsart ist störfester als der Empfang per Mikrofon.

Der M-Wert besagt wiederum, wie stark das Handy in das Mikrofon des Hörgeräts einstrahlt – bei einer höheren Zahl ist das Handy zum Hörgerät hin besser abgeschirmt und stört dieses weniger als ein Standard-Modell. Mit M4 ist auch hier ein Doro-Handy besser geschirmt und hörgerätetauglicher als ein einfaches Gerät.

In unserem Test wurde das Doro-Gerät zwar als angenehm empfunden, doch gibt es Härtefälle, in denen erst eine Bluetooth-Induktionsschleife zu einer befriedigenden Lösung führt, weil auch ein so optimiertes Telefon noch das Hörgerät lahmlegt. Auch diese lassen sich mit den Doro-Geräten betreiben.

Wer also einem Familienmitglied oder Bekannten eine Freude machen möchte, ohne ihn mit einem “Oma-Telefon” als senil hinzustellen, wird nun bei den Doro-Modellen 615, 715 und 740 fündig.

Weitere Informationen auf den offiziellen Doro-Websites für Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

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Ein Kommentar

  1. Hallo ! Ja,das Doro kenne ich und hatte es mal in Gebrauch,bis es mir mal im Dunkeln aus der Jackentasche rutschte,und weg war es,weil ich es nicht gehört hatte.
    Meistens schreibe ich damit sms und telefoniere selten damit.
    Ich wollte dieses Handy dann meinem Mann auch kaufen,aber ich hab Sorge,dass er als Spastiker öfter mal die falsche Taste erwischt und dann auch ohne Absicht und ohne Not den Notruf betätigt. Das kann schlimmen Ärger geben. Deshalb kann mein Mann kein Handy haben. Freundliche Grüsse D.Isserstedt

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