Rob Bishop, Raspberry Pi:
“Wir machen lieber eine Sache gut, bevor wir neue Ideen angehen”

Rob Bishop von der Raspberry Pi Foundation tourt derzeit durch die USA, um für den überaus erfolgreichen Minimal-Computer zu trommeln. Vor allem Programmierer und Bastler will er begeistern. Bei seinem Zwischenstopp im Hackerspace “Noisebridge” in San Francisco gab er zugleich einen (vorsichtigen) Ausblick auf die Zukunft des Projekts. Wir waren dabei.

Rob Bishop von Raspberry Pi (li.) im "Noisebridge"-Hackerspace San Francisco. (Foto: Jan Tißler)

Rob Bishop von Raspberry Pi (li.) im "Noisebridge"-Hackerspace San Francisco. (Foto: Jan Tißler)

Als die Macher des Minimal-Computers Raspberry Pi Geld für ihr Projekt einsammelten, gingen sie davon aus, vielleicht 10.000 Stück davon zu verkaufen. Inzwischen sind es 500.000 und ein Ende ist nicht abzusehen. Reich werden sie dadurch nicht, denn das gesamte Projekt ist gemeinnützig angelegt und im Heimatland Großbritannien auch entsprechend anerkannt.

Der Grundgedanke beim Raspberry Pi war ursprünglich, Schülern und Studenten die Basis für Experimente mit Computern zu geben. Für unter 50 Euro pro Stück im Einzelverkauf bekommt man das derzeit aktuelle Modell. Hier haben wir euch den Raspberry Pi vorgestellt. Ein noch günstigeres Modell ist in Vorbereitung – es hat nur einen statt zwei USB-Ports und keinen Ethernet-Anschluss.

Rob Bishop von Raspberry Pi in San Francisco
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Raspberry Pi und der Erfolg bei Bastlern und Hackern

Der Raspberry Pi hat aber darüber hinaus weltweit Programmierer und Bastler begeistert  - so sehr, dass das kleine Board Anfang des Jahres fast gar nicht zu bekommen war. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. So mancher setzt ihn als Mediacenter ein, andere als Webserver und der britische Professor Simon Cox hat aus 64 “Raspis” einen Raspberry Pi Supercomputer gebaut.

Bei seinem Besuch im Hackerspace “Noisebridge” in San Francisco war Rob Bishop von der Raspberry Pi Foundation begeistert und dankbar für diesen enormen Zuspruch. Er tourt derzeit in seiner Freizeit durch US-Hackerspaces, erklärt die Hintergründe, zeigt Beispiele, gibt Ausblicke und steht für Fragen und Antworten zur Verfügung. Der Grund: Die Bastler und Programmierer zeigen dem Projekt, was schon gut funktioniert und was noch hakt. Denn natürlich werde sich der Raspberry Pi weiterentwickeln, erklärte Rob Bishop, auch wenn er zu Details nichts sagen wollte und sich auch keinen Zeitplan entlocken ließ. “Es hat einfach keinen Sinn, hier Daten für die weitere Entwicklung zu nennen, wenn wir nicht wissen, ob wir sie einhalten können.” Denn so unglaublich es klingt: Der erfolgreiche Raspberry Pi wird derzeit von gerade einmal sechs Personen betreut und das in deren Freizeit. Als gemeinnütziges Unternehmen macht niemand Gewinne damit. Insofern fühlt sich Rob Bishop von Vergleichen mit berühmten Garagen-Firmengründungen im Silicon Valley geschmeichelt, aber letztlich passt er nicht.

Ist Raspberry Pi “open” genug?

Rob Bishop war sich natürlich bewusst, dass er im Noisebridge Hackerspace nicht etwa unkritischen Fanboys des Projekts gegenüberstand – auch wenn die Atmosphäre überaus freundlich, aufgeschlossen und entspannt war. Ein paar Fakten zum Hintergrund von Noisebridge: Über 400 Quadratmeter Platz stehen hier zur Verfügung, die mit zahllosen Gerätschaften aller Art gefüllt sind, dazwischen Platz für Computer in funktionsfähigem oder sonstigem Zustand. Die Adresse 2169 Mission Street ist ein ehemaliges Fabrikationsgebäude mitten im spanischen Viertel der Stadt. Der Raum steht allen zur Verfügung, die sich für Hardwarebasteleien und andere Experimente interessieren und immer wieder gibt es auch Veranstaltungen wie nun den Besuch von Rob Bishop.

Das Publikum entsprach vielfach dem Bild, das einem Filme und Serien von typischen Nerds vermitteln wollen: lange Haare und Bärte, Kugelschreiber in der Hemdtasche oder T-Shirts mit Aufdrucken wie: “Come to the Nerd Side. We have Pi.” Es ist eine Atmosphäre, in der keine Idee zu verrückt erscheint.

Was nicht jedem am Raspberry Pi schmeckt: Er ist nicht komplett Open Source. Rob Bishop erklärt, dass es ihnen sehr wichtig ist, so offen wie nur möglich zu sein. Aber an manchen Stellen müssen sie derzeit Kompromisse eingehen, um das Board überhaupt in dieser Form zu diesem Preis anbieten zu können. Stein des Anstoßes ist dabei vor allem ein Broadcom-Chip, der eben Closed Source ist. “Wenn wir eine Möglichkeit finden, noch offener zu werden, werden wir das machen”, sagte Rob Bishop. Als man die Wahl hatte, entweder maximale Offenheit zu haben oder ein Produkt, das man Schülern und Studenten in die Hand geben könne, habe man sich eben für das Produkt entschieden.

Die eigentliche Mission im Blick behalten

Nach dem großen Erfolg des Raspberry Pi stellt sich natürlich die Frage danach, wie es weitergeht. Aber auch wenn Rob Bishop keine konkreten Pläne offenlegen wollte, stellte er doch eines klar: Die Foundation will sich auf eine Sache konzentrieren und die erst richtig gut machen, bevor die Macher vielleicht über weitere Ideen nachdenken. Sie sehen ihre Aufgabe nach wie vor darin, so vielen Kindern und Jugendlichen wie möglich zu zeigen, dass “Computer eben nicht nur schwarze Rechtecke mit runden Ecken” sind. Dass man mit einem Basis-Board wie dem Raspberry Pi eben eigene Ideen verwirklichen kann. Dass man damit Basteln kann, Programmieren, kreativ werden. Und nicht zuletzt wolle man auch Mädchen und Frauen dafür begeistern. “Wir müssen uns nur hier und heute umschauen, um zu sehen, dass wir ein Geschlechterungleichgewicht haben”, sagte Rob Bishop.

Ein wenig professionalisieren wird sich die Raspberry Pi Foundation aber wohl schon und ganz vorsichtig deutete Rob Bishop an, dass er vielleicht der erste Vollzeit-Mitarbeiter werden könnte. Der Grund ist simpel, wie er halb im Scherz erklärte: Als Absolvent hat er es am einfachsten von allen Beteiligten und müsse keinen gut bezahlten Job dafür aufgeben. Denn die Foundation wird weiter bescheiden bleiben und nur kleine Schritte gehen.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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