Alibaba und die vierzig Google-Brüder:
China-Android “Aliyun OS” verärgert Google

Eine große chinesische E-Commerce-Firma nutzt Android als Grundlage für ein eigenes OS, lässt Acer ein Smartphone dafür bauen und gerät dann von Google in die Kritik. Was ist passiert?

Aliyun OS (Bild: via Gadgetian)

Aliyun OS (Bild: via Gadgetian)

Eines der Märchen aus 1001 Nacht handelt von Ali Baba, der vierzig Räuber um ihren Schatz bestiehlt. In unserer Geschichte hier aber geht es um die chinesische E-Commerce-Firma „Alibaba” und diese „bestiehlt” angeblich Google. Sie nutzt nach Googles Angaben nicht nur Android, das als Open Source Software angeboten wird, sondern verdingt sich angeblich darüber hinaus als Software-Pirat. Als sich die Chinesen nun Acer ins Boot holen, wird aus „Sesam öffne dich” aber sehr schnell eine Nullnummer.

Zum Hintergrund: Alibaba ist Chinas größte Firma im E-Commerce und damit eine wichtige Säule für den Vertrieb von Waren. Alibaba hat ein neues Betriebssystem erschaffen: Aliyun OS. Es soll zwar auch eine ausgewählte Anzahl von Android-Apps unterstützen, ist aber hauptsächlich auf Cloud-Software angepasst und lässt optisch keine Ähnlichkeit mit Android erkennen. Da man mit Alibaba eine große Masse an Kunden erreicht, hatte Acer ein Smartphone (CloudMobile A800) mit Aliyun OS vorbereitet, das am 13. September vorgestellt werden sollte. Doch auf Druck von Google hat man sich kurzfristig umentschieden. Die Begründung:

Unser Partner (Acer) wurde durch Google in Kenntnis gesetzt, dass man ihm sämtliche Produktverträge und die damit verbundenen Rechte zur Nutzung bestimmter Technologien entziehen wird, wenn das Aliyun Betriebssystem im neuen Smartphone zum Einsatz kommt.

Acer ist Mitglied der „Open Handset Alliance” (OHA), ihre Mitglieder verpflichten sich „eine einzige Android-Plattform zu etablieren und keine inkompatiblen Android-Geräte zu verkaufen. Es ist ihnen freigestellt, an anderen, konkurrierenden Betriebssystemen zu arbeiten.” Google sagt, dass das Aliyun OS von Android abgeleitet und zugleich inkompatibel ist und somit gegen diese Vorgabe verstößt.

Durch die Mitgliedschaft in der OHA erhalten Hersteller Vorabversionen und können so zum Marktstart neuer Android-Versionen schnell ein passendens Smartphone anbieten. Ein Verlust dieser Vorrechte wäre ein klarer Nachteil – insbesondere für Acer, die im Android-Geschäft nur schwer Fuß fassen. Anders liegt der Fall beispielsweise bei Amazon: Das Unternehmen nutzt zwar für seinen Kindle Fire ebenfalls ein modifiziertes Android, ist jedoch nicht Mitgleid der OHA.

Google sieht in Aliyun mehrere Verstöße, denn es soll die Android Runtime, das Framework und dessen Entwicklerwerkzeuge nutzen. Zudem sind Google Apps implementiert, die nur unter bestimmten Auflagen freigeschaltet werden. Google spricht hier von „Piraterie von Apps”. Hinter den Kulissen könnte jedoch noch ein anderer Grund mitschwingen: Angst vor dem Mitbewerber. Business Insider titelt denn auch, es gehe eine große Gefahr von Aliyun aus. Was sich natürlich relativiert, wenn man bedenkt, dass es nicht auf direkt auf Linux aufbaut, wie in dem Artikel behauptet, sondern auf dem auf Linux basierten Android.

Wir werden Aliyun für euch im Auge behalten, denn man kann ja nie wissen…

Quellen: Gadgetian, Engadget, Business Insider

 

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2 Kommentare

  1. Hätten sie doch lieber iOS kopiert; Apple würde bestimmt nicht meckern. ;-)

  2. Schon lustig, das ein Unternehmen sich darüber beschwert das ihr OS kopiert wurde – wobei das OS selbst schon die dreisteste Kopie ist!

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