Withings Blutdruckmessgerät im Test:
Wenn Oma Käthe ihren Blutdruck twittert…

Im Test hatten wir ein “Online-Blutdruckmessgerät” von Withings, das mit iOS-Geräten arbeitet. Wie schlägt sich das Gerät, wie sieht denn die Zielgruppe aus – das haben wir uns mal genauer angesehen.

Withings Blutdruckmanschette (Bild: gar)

Withings Blutdruckmanschette (Bild: gar)

Jedem, der schon mal ein beliebiges Blutdruckmessgerät in der Hand hatte, fällt wahrscheinlich sofort auf: Das Withings Online-Blutdruckmessgerät hat keinerlei LCD-Anzeige oder Bedienelemente. Es ist nur eine Oberarm-Manschette mit einem Batteriefach, aus dem ein Kabel kommt. Für sich allein genommen funktioniert dieses “Ding” nicht, es kann nur mit einem iOS-Gerät betrieben werden. Man braucht also ein iPhone, einen iPod Touch oder ein iPad, um damit den Blutdruck zu messen. Das i-Endgerät speichert die Messdaten und liefert die Bedienoberfläche, nachdem man die Withings-App darauf installiert hat. Sehr schön: Es hat auch mit meinem “vintage iPod touch”, etwa drei Jahre alt, ganz prima funktioniert. Die App findet man im iTunes Store, selbstredend kostenlos.

Withings Blutdruckmessgerät
Alternative Angebote gibt es auch... (Bild: gar)Withings App (Bild: gar)Withings Online BlutdruckmessgerätWithings App: FAQs zu Blutdruck (Bild: gar)
Withings App: Blutdruckverlauf als Grafik (Bild: gar)Blutdruckmessgeräte im Größenvergleich: Oberarm-Manschette von Withings und Handgelenk-Manschette Tensoval von Hartmann (Bild: gar)

Was kann das Online-Blutdruckmessgerät?

Vor dem ersten Betrieb muss man die App installieren und ein persönliches Nutzerkonto einrichten. Leider ist die App zunächst englischsprachig eingestellt – das muss umgestellt werden, wenn man der Sprache nicht mächtig genug ist. Schließt man dann das Messgerät an, wird man jedoch in einfachen Schritten durch die Messung geführt.

Das Withings Messgerät erfasst den systolischen und den diastolischen Blutdruck – das sind die zwei Zahlen, die man immer zu hören bekommt etwa “120 zu 80″ -, und es misst den Puls. Diese Messergebnisse werden in der App auf dem iOS-Gerät gespeichert und nach Angaben des Herstellers auch an den Server von Withings als Backup übertragen. Die Werte können als Zahlen angezeigt werden, und kippt man das i-Endgerät, wechselt die Anzeige zu einer Grafik.
Withings gibt an, dass man die Daten mit Microsoft HealthVault und Google Health synchronisieren kann, und dass eine Verknüpfung mit dem persönlichen Facebook- oder Twitter-Account möglich ist.

Das Withings Online Blutdruckmessgerät gibt es für rund 130 Euro beispielsweise hier.

Braucht man das?

Ob man nun darauf steht, seinen Blutdruck zu twittern, ist ganz sicher Ansichtssache. Meinen Geschmack trifft das eher nicht. Und wenn ich mir überlege, wie denn die Zielgruppe für so ein Blutdruckmessgerät aussieht, habe ich meine Zweifel, ob das ein sinnvolles Gerät ist.

Menschen im Alter meiner Eltern – so um die 60, 70+ – interessieren sich meist zwangsläufig irgendwann für ihren Blutdruck. Im Alter steigt der an, das ist nicht gut fürs Herz und muss eventuell behandelt werden. Insofern schaffen sich die meisten Senioren irgendwann mal so ein Gerät an.

Da gibt es die etwas teureren Ausführungen mit Oberarm-Manschetten und es gibt die mit Handgelenk-Manschetten. So oder so: Standard sind auf jeden Fall solche Blutdruckmessgeräte, bei denen man auf einen Knopf drückt und dann nach dem Aufpumpen und Luftablassen die Werte auf einem LCD angezeigt bekommt. Diese Alternative bietet Withings nicht. Und nun stelle ich mir vor, wie meine Mutter auf ihrem (dann anzuschaffenden) i-Dings ein Programm installiert, das erstmal nur Englisch mit ihr sprechen will. Und dann stelle ich mir den Twitteraccount “@bloodmom” oder “@momunderpressure” vor, und wie wohl ihre Facebookseite aussehen würde… ähm, nein!

So schön und bequem es ist, dass das Withings Blutdruckmessgerät die gemessenen Werte speichert – auch die Darstellung als Grafik ist toll -, ist es dafür vielleicht noch etwas zu früh. Es gibt sicher noch viele Senioren, die sich von so viel moderner Technik überfordert fühlen. Auch der Preis ist mit rund 130 Euro (UVP des Herstellers ist sogar noch höher) vergleichsweise happig. Kürzlich fiel mir die Werbung für ein ähnliches Produkt für rund 70 Euro in die Hände. Die ganz normalen Blutdruckmessgeräte kosten so ab etwa 40 Euro aufwärts. Wer übrigens bemängeln möchte, dass die Billigklamotten nicht geeicht sind: Ja, das ist insbesondere bei den günstigen Geräten tatsächlich der Fall. Aber ein Messgerät, was beim Kauf geeicht war, müsste eigentlich nach etwa einem Jahr ebenfalls neu geeicht werden.. Am Besten ist es also, zur Messung in die Apotheke oder zum Arzt zu gehen. Für ältere Leute bedeutet das gleich noch einen Spaziergang und Sozialkontakte. Außerdem gibt es da zudem die richtigen Maßnahmen, falls der Blutdruck aus der Norm fällt. Aus all diesen Gründen kann ich keine Kaufempfehlung aussprechen, auch wenn ich das Gerät ganz witzig finde – ich selbst brauche es ja zum Glück noch lange nicht.

Messbereich des Withings Online Blutdruckmessgerätes laut Hersteller:

  • Blutdruck: 0 bis 285 mmHg mit einer Genauigkeit von 2 Prozent des Messwertes
  • Puls: 40 bis 180 Schläge pro Minute mit einer Genauigkeit von 5 Prozent des Messwertes

Abmessungen: 13 x 15 x 9 cm – Passend für Armumfang von 22 bis 42 cm

Übrigens: Kürzlich hat sich meine Kollegin Nadine Dressler mit einem verwandten Thema befasst und die neue Waage von Withings vorgestellt.

 

Gabriele Remmers

Gabriele Remmers schreibt gelegentlich als freie Autorin bei neuerdings.com. Sie interessiert sich für Fotografie, aber auch sonst für alles, was irgendwie “klick” bei ihr macht.

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7 Kommentare

  1. Ich finde die Lösung mit Kabel überholt. Wenn es einen Refresh des Blutdruckmessers mit Bluetooth Smart gäbe – würde ganz prima zu meinem Wahoo Blue HR & Blue SC passen – wäre das Teil interessant. So leider nicht…

  2. Ich gehöre zur Elterngeneration der Autorin und muss mich schon wundern. Ich war vor jetzt dreissig Jahren einer der ersten Mac-User in Deutschland, habe alle Modellgenerationen miterlebt und bin Early-iPhone- und sonst was Adopter. Und werde hier zum senilen Opa erklärt, der nicht in der Lage ist, mit so einem Blutdruckmessgerät umzugehen.
    Falls die Autorin es noch nicht gemerkt hat: Die Generation 50plus genießt den Fortschritt durchaus und weiß ihn zu schätzen. Mein Hausarzt gehört übrigens auch dazu. Ich kann ihm meine Werte mailen, twittern, whats-appen – what ever. Blutdruck, Herzfrequenz beim Sport, Blutzuckerwerte, was auch immer. Es geht auch noch analog, keine Frage, aber per iPhone ist es einfach cool. Schon mal gehört das Wort?

    • Hallo hanswurst,
      es liegt mir doch völlig fern, irgendwen voreilig zum alten Eisen zu zählen. Wo im Text haben Sie etwas von der Generation “50+” gelesen?
      Schaut man von den 50+ mal so gute 15-20 Jahre in die Zukunft – im Text: “so um die 60, 70+” – sieht es schon anders aus. Die meisten Menschen in diesem Alter aus meinem Umfeld sind zwar sehr patent – wir basteln gemeinsam am Haus herum, installieren Wasserhähne, reinigen die Heizungsanlage -, aber online sind die wenigsten. Viele von diesen netten Leuten würden mit diesem Blutdruckmessgerät nicht reibungslos klarkommen.
      Logisch, auch Ausnahmen gibt es immer, wie etwa meine 85jährige Großtante, die eMails schreibt, online einkauft und selbstverständlich mit der Enkelin in Singapur per Skype spricht. Genauso gibt es aber Menschen in meinem Alter, die nicht mal einen Computer zuhause haben (ein Schulfreund). Bei diesem jungen Mann (mit Hochschulabschluss) würde ich schwer vermuten, er täte sich mit dem Withings Blutdruckmessgerät schwerer als meine Tante Lotte. Die ist übrigens ziemlich cool ;)

    • vielleicht sollte man die Funktionalität nicht auf twittern oder posten (facebook) beschränken, denn das muss man nicht zwangsläufig tun!

      Es gibt nämlich jede Menge Gesundheits Apps bzw. Webdienste die man anbinden kann. Somit hat man dann automatisch ein Protokoll der Daten, ohne das man Zettel und Stift oder Excel bemühen muss.
      Einfach auf die Waage stellen und schwupps sind die Daten in der App, ebenso mit dem Blutdruck… Ist man nun ein Risikopatient mit der recht verbreiteten Kombination aus hohem Blutdruck und hohem Gewicht, so kann dieses Protokoll bei der Überwachung helfen. Bei der nächsten Sprechstunde loggt man sich mit dem Arzt ein und er sieht dann den Verlauf und kann den Erfolg der Diät oder der Medikamente beurteilen.

      Bitte nicht jede Internetanbindung im “Internet der Dinge” auf Twitter und Facebook als denkbar schlechte Beispiele reduzieren… da bieten sich viel mehr Möglichkeiten

  3. Schade das der Beitrag doch einige Halbwahrheiten und Vorurteile enthält.

    Zum einen sind nicht alle “Älteren” unfähig solch ein Gerät zu bedienen, zum anderen gibt es auch einige Jüngere denen die Überwachung des eigenen Blutdrucks angeraten wird. Bitte die Zielgruppe eines Blutdruckmessegerätes nicht pauschal als alt und technikfern kategorisieren.

    Desweiteren ein Hinweis zum “eichen nach etwa einem Jahr”
    Ein Blutdruckmessgerät ist ein Medizinprodukt mit Messfunktion und unterliegt nicht(mehr) der Eichpflicht, sondern dem MPG (MedizinProdukteGesetz) Dieses fordert eine messtechnische Kontrolle mit 2jähriger Frist.

    Wenn ich mir die Spezifikation des Messgerätes anschaue dann kann ich mir nicht vorstellen das es ein CE Zeichen trägt. Gefordert wird meines Wissens eine Messgenauigkeit +/- 3mmHg
    Da reichen die angegebenen 2% leider nicht ganz…

  4. Ausschlaggebend für den Kauf für mich: Oberarmumfang. Die wenigsten bieten soviel!

  5. Die ganze Geschichte mit allem öffentlich zu präsentieren, davon halte ich absolut nichts. Für was braucht man denn nun schon ein Online- Blutdruckmessgerät? Sorry, aber ich verstehe die Welt nicht mehr.

    Es reicht doch völlig, wenn man seine Daten zum aktuellen Zeitpunkt sich messen und notieren kann. Also Geräte, die einem immer alles aufzeichnen, speichern und dann zum Teil auch noch puplizieren; das braucht doch für den Hausgebrauch keiner.

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