RIMs Pechsträhne selbst verschuldet? – ein Kommentar

Der kanadische Hersteller RIM steckt in einer Krise. Die ist teilweise selbstverschuldet, denn wer seinem neuesten Spross eine exotische Displayauflösung verpasst, manövriert sich selbst ins Aus.

Blackberrys Vorzug: eine echte Tastatur (Bild: kaz)

Blackberrys Vorzug: eine echte Tastatur (Bild: kaz)

Manchmal fasst Murphys Law die Lage am Besten zusammen: „Alles was schief gehen kann, geht schief”. So ähnlich dürfte man sich zur Zeit auch bei RIM fühlen, denn von außen scheint es, als laufe nichts wie geplant.

Die Unglücksserie begann mit einem Versagen der E-Mail-Server im Oktober 2011. Der Hauptserver fiel damals für drei Tage aus und durch einen Fehler versagte auch die Backup-Lösung, mehrere Millionen Kunden standen tagelang ohne E-Mailverkehr am BlackBerry da. Kurz nachdem RIM angab, alles laufe wieder fehlerfrei, geschah das Unglück ein zweites Mal.

Bald darauf mussten die Kanadier zugeben, dass sich das überteuerte BlackBerry Playbook schlecht verkauft, gerade mal 500.000 Stück verließen die Lager und man musste einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben – Apple war zu diesem Zeitpunkt schon mit 11 Millionen iPads am Markt.

BB OS 10 verzögert sich

Ab diesem Moment wurde die Kritik an RIM stärker. Man mäkelte am veralteten BlackBerry OS 6 bzw. 7 herum und fragte nach mehr Touchscreen-Modellen. Indes legte RIM seine ganze Hoffnung auf BlackBerry OS 10, das man durch den Zukauf von QNX nicht nur aktuell, sondern auch ausfallsicher, schnell und stark vernetzt programmieren wollte. Doch als Ende 2011 angekündigt wurde, dass man frühestens Ende 2012 ein neues BlackBerry Smartphone mit BB OS 10 verkaufen werde, schrumpfte die Hoffnung noch weiter und die Aktienkurse sanken in den Keller.

Seither hat sich nicht viel getan, aber die Gerüchteküche brodelte und wurde durch einige verwirrende Aussagen noch angeheizt: “BB OS 10 doch schon im August”, “BB OS 10 im Oktober” titelten einige – bis dann Martin Thyssen gegenüber der Financial Times Deutschland im Juni sagte: “In den nächsten Monaten werden wir mit Sicherheit den Launch eines ersten Geräts mit BB10 sehen, noch in diesem Jahr”. Nur einen Tag zuvor hatte RIM offiziell angegeben, vor dem ersten Quartal in 2013 keine BB-OS-10-Geräte zu liefern.

Mittlerweile scheint es Konsens zu sein, dass 2012 nichts Neues von RIM zu erwarten ist – außer noch mehr schlechte Neuigkeiten, wie sich inzwischen herausgestellt hat.

(K)ein Standard für alle

BB 10 Dev Alpha (Bild: RIM)

BB 10 Dev Alpha (Bild: RIM)

Denn vor kurzem hat sich das offizielle Entwicklerblog der Kanadier zu Wort gemeldet und eine “Standardisierung der Displayauflösungen” verkündet. Zukünftig soll es nur noch zwei Auflösungen geben: die beliebte 1.280 x 720 px-Auflösung und das ungewöhnliche 720 x 720px. Das ist per se eine sehr gute Entwicklung, nur nicht für die “Early Adopter”, die das erste BB OS 10-Gerät kaufen werden, denn der Erstling bekommt 1.280 x 768 px. 48 Pixel mehr als der neue Standard sein wird.

Während also die Masse der neuen Geräte mit Software versorgt werden wird, darf man davon ausgehen, dass das erste BB-Gerät entweder stiefmütterlich behandelt oder schwarze Balken an den Seiten zeigen wird. Auf einem 4,2 Zoll Display eine erhebliche Platzverschwendung. Die Begründung für diesen Schritt liefert das offizielle Blog gleich mit: Das erste BlackBerry-10-Gerät wird seit einiger Zeit entwickelt. Daran ist eine Menge an Zulieferermanagement und Werkzeugausstattung beteiligt. Da kommt man fast nicht mehr raus.

Eine äußerst plausible Erklärung, aber die wird den Kunden nicht interessieren, denn wenn er hört, dass sein Gerät noch vor Verkaufsstart bereits Probleme verspricht, wird er sich mit dem Kauf eher zurückhalten. Doch genau das ist es, was RIM jetzt benötigt: Käufer.

Wie denkt ihr darüber: Seid ihr weiterhin an einem BlackBerry Smartphone mit dem neuen OS 10 interessiert oder schreckt euch das ab?

 

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2 Kommentare

  1. Als beruflicher Nutzer eines BB 9860 mit Touchscreen (OS7.0) und privater Nutzer eines iPhone 4S und iPad bete ich nur noch um Eins. Den Untergang von RIM.

    Der Touchscreen funktioniert nach nun knapp 1 Jahr nur noch partiell, ich drücke “a”, das Display zeigt “b”, die Menüführung ist wenig intuitiv und das Einzige, wozu es taugt, ist Emails lesen. Gott bewahre Dich davor, auf Emails auch antworten zu müssen. Was das iPhone nahezu intuitiv macht, versteht OS7 vom Blackberry einfach nicht.

    Leider bin ich beruflich an die Nutzung der RIM gebunden, unsere IT stellt Sicherheit des Systems über den Nutzerkomfort.

    Zusammengefasst – nicht auf der Höhe der Zeit, wenig innovativ, beweglich wie die Schrankwand meiner Großeltern. Geht unter, RIM, und verschont uns mit neuen Erfindungen. Züchtet lieber Brieftauben.

  2. ich hätte gerne eine Blackberry App.

    Diese App sollte ein ein sich geschlossenes System sein welches auf allen gängigen Plattformen installiert werden kann. Egal ob iDevice, Android, winmobile oder ultrabook. Die App ist kpl. verschlüsselt, verbindet sich ausschliesslich über sichere Verbindungen und bietet natürlich einen per Policy definierbaren Passwortschutz.

    Innerhalb der App hätte ich dann gern Termine, Aufgaben und den Kalender in Synchronisation mit den gängigen Systemen im Firmenumfeld, egal ob Exchange, Lotus Notes oder…

    Als InApp Kauf kommen dann Optionen hinzu wie Officedokumente, pdf Bearbeitung usw.. evtl. auch upgrades zur Integration von Salesforce oder anderen CRM Systemen, oder zenDesk und andere Ticketsysteme, oder…. da gibt es im Businessumfeld viele etablierte Lösungen die man gerne gegen Gebühr anbinden kann.

    Die Geräteentwicklung sollte man sich sparen, keiner möchte mehr mit 2 smartphones rumlaufen. Wenn man eine sichere Firmenumgebung auf den vorhandenen Plattformen etabliert kann man eine viel grössere Reichweite erreichen, als über die “Hürde” eines separaten Gerätes.
    Mehr Kunden, mehr Monatsgebühr, mehr Umsatz und mehr Gewinn ?

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