Android-Spielkonsole Ouya:
8,5 Millionen US-Dollar eingesammelt – und nun?

Ausgesprochen klingt ihr Name nach großer Begeisterung. Und die Schöpfer der Android-Spielkonsole Ouya haben auch allen Grund zur Freude, denn ihre mittels Crowdfunding finanzierte Idee war erfolgreich – sehr sogar. Jetzt stellt sich vor allem die Frage, ob die Macher diesem Hype gewachsen sind und ob sie sich nicht am Ende verkalkuliert haben.

Ouya ist kleiner, aber höher als ein AppleTV. (Foto: Kickstarter)Als wir Ouya das erste Mal Anfang Juli vorstellten, war das Kickstarter-Projekt noch nicht einmal am Start. Kurze Zeit später begann die Schwarmfinanzierung und innerhalb von weniger als zwei Tagen wurden die anvisierten 950.000 US-Dollar geknackt. Am Ende sind es jetzt sagenhafte 8,5 Millionen Dollar geworden. Mit diesem Erfolg hatte das Unternehmen hinter der Ouya-Konsole sicherlich nicht gerechnet. Weit über 50.000 Konsolen können mit dem Geld produziert werden, eine Auslieferung ist für den März 2013 vorgesehen.

Vorhandene Technik spart Entwicklungskosten

In Anbetracht der Tatsache, welche Unsummen Sony, Microsoft oder Nintendo für Forschung und Entwicklung künftiger Spielkonsolen investieren, sind die 8,5 Millionen Dollar vermutlich eine Winzigkeit. Andererseits setzt Ouya auf bereits vorhandene Technologien. Verbaut wird schließlich hauptsächlich Smartphone-Hardware, beispielsweise Nvidias Tegra 3-Quadcore-Prozessor. Auch das Betriebssystem ist keineswegs eine kostspielige Eigenentwicklung, verwendet der kleine Gamingwürfel doch Googles Android in Version 4.0, das eine individuelle Benutzeroberfläche und Gaming-relevante Funktionen erhalten wird. Für Software-Entwickler ist es somit leicht(er), eigene Spiele für Ouya anzupassen.

Ouya
Was wohl wirklich hinter "All Games Free" steckt? (Foto: Kickstarter)ouya_11ouya_10Sieht noch aus wie Photoshop - die Benutzeroberfläche von Ouya. (Foto: Kickstarter)
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ouya_4ouya_3ouya_2Ouya ist kleiner, aber höher als ein AppleTV. (Foto: Kickstarter)

Software-Unterstützung

Was wohl wirklich hinter "All Games Free" steckt? (Foto: Kickstarter)Während der Finanzierungsphase verkündeten erste Studios ihr Interesse. Das renommierte Unternehmen Square Enix wird beispielsweise eine Ouya-optimierte Umsetzung des Spieleklassikers Final Fantasy III zum Launch der Konsole anbieten. Aufwand? Vermutlich gering, ist das Spiel doch längst für iOS und Android erhältlich. Die deutsche Entwicklerstube Black Forest Games ist bereit, eine Ouya-Version des ebenfalls bei Kickstarter promoteten Spiels Project Giana zu programmieren, wenn genügend Geld für das Jump’n’Run zusammen kommt. Und Namco Bandai bringt Konvertierungen hauseigener Serien, darunter mit Sicherheit ebenfalls für Ouya angepasste Android-Spiele wie Pac-Man oder Galaga. Andere Branchenriesen, zum Beispiel Electronic Arts, Ubisoft und Gameloft, äußern sich gegenwärtig noch nicht zu Ouya. Vielleicht ist es die Angst vor der von den Produzenten explizit beworbenen, offenen Plattform? Ouya soll zum „Hacken“ einladen – das macht den etablierten Firmen womöglich Sorgen. Hier muss es Lösungen geben, um einerseits die versprochenen Freiheiten für Entwickler und „Hobbybastler“ zur garantieren, andererseits aber nicht das illegale Kopieren zu fördern. Klarheit herrscht hier keinesfalls. Immerhin ist ein erstes exklusives Spiel geplant: Robotoki von dem bisher unbekannten Studio Human Element. Weitere Entwickler werden nachziehen, das ist aufgrund der Android-Basis so gut wie sicher.

Für Europäer in Maßen interessant

Im Rahmen der Kickstarter-Geldsammelaktion verrieten die Macher weitere Details. Ouya wird vier Game-Controller gleichzeitig unterstützen, Mehrspieler-Spaß an einer Konsole ist also theoretisch möglich. Ebenso wird das XBMC, die Open-Source-Mediaplayer-Streaming-Software, ihren Weg auf die Daddelkiste finden. Naheliegend, steht die Android-Version seit ein paar Tagen in den Startlöchern.

Für europäische Käufer derzeit nicht relevant sind ergänzende Dienste für Ouya, darunter die Onlineradio-Anbieter iHeartRadio sowie TuneIn, der Musikvideo-Service VEVO und die Cloudgaming-Software OnLive. So reizvoll diese klingen – für den hiesigen Markt sind diese vorerst nicht gedacht, nicht einmal das für Ouya wirklich sinnvolle OnLive. Mit etwas Glück könnte sich das bis zum März des nächsten Jahres ändern.

Wie geht es weiter?

Sieht noch aus wie Photoshop - die Benutzeroberfläche von Ouya. (Foto: Kickstarter)Wie geht es nun weiter? Inzwischen sind die technischen Details bekannt: 1 GB RAM, 8 GB Flash-Speicher, HDMI-Ausgang (1.080p), Wi-Fi, Bluetooth 4.0, USB-2.0-Anschluss, Android 4.0 und wohl auch Ethernet-Port. Laut offiziellen Aussagen ist ein Prototyp der Konsole fertig und nun sollen die Arbeiten an der Benutzeroberfläche voranschreiten und die erste Charge der Hardware in Produktion gehen. Hier aber schweigt der Hersteller noch über die Pläne für die kommenden Monate und ob der Releasezeitraum eingehalten werden kann.

Eventuell ist das auch ein Grund, der derzeit etwas skeptisch macht? Es fehlt dezent an Transparenz, wofür die 8,5 Millionen Dollar verwendet werden, ob diese ausreichen und sich die Verantwortlichen nicht womöglich finanziell übernommen haben. Denn bei einem Konsolenpreis von 99 Dollar dürfte der Verkauf der Hardware (vorerst) nicht für Gewinne sorgen. Ferner ist noch völlig schleierhaft, womit die Verantwortlichen Geld verdienen wollen. Gibt es schon ein Geschäftsmodell, beispielsweise für den Vertrieb der Apps? Der offizielle Slogan “all games free” ist so oder so irreführend. Genauso sind die Hochglanz-Fotos schon etwas merkwürdig, könnten sie ohne weiteres von einem Photoshop-Künstler stammen.

So groß der Hype während der „Projektphase“ auf Kickstarter war – jetzt muss man sich wohl erst einmal gedulden und darauf hoffen, dass Ouya nicht nur eine Spinnerei bleibt oder gar das gleiche Schicksal ereilt wie andere „Innovationen“ der Vergangenheit. Man erinnere sich nur an die Handheld-Konsole Gizmodo, die immerhin in den Handel kam – nur mit Jahren Verzögerung und allerlei Skandalen.

Die prominenten Männer und Frauen hinter der Ouya machen aber Hoffnung auf ein solides Produkt, das vielleicht aufgrund des Preises, der Ansätze und der an sich in anderen Bereichen erprobten Technik der alt eingesessenen Konkurrenz von Microsoft, Sony und Nintendo etwas Angst bereitet. Ob Ouya letztlich überhaupt ein ernsthafter Mitbewerber für PS3, Xbox 360 und Wii/WiiU werden kann? Für eine Antwort ist es noch viel zu früh. Denn es kann auch ganz anders kommen: Eventuell wird Ouya eher eine Google-TV-Alternative, eine Casual-Konsole für Einsteiger, ein facettenreicher Medienplayer fürs Kinderzimmer? Oder es bleibt bei einer Fiktion, die sich in ein paar Monaten in Luft auflöst?

Misstrauen hin oder her – von meiner Wenigkeit gab es schon Geld für Ouya. Ein wenig Mut zum Risiko darf es ruhig sein, oder?

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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8 Kommentare

  1. Ich würde mich freuen wenn der kleine Würfel es auf den Markt schafft. Als kleine Media Center alternative würde ich ihn durchaus in Betracht ziehen auf den man ab und an mal ein paar kleine Spiele spielen kann aber ich sehe ihn nicht als Konkurrent für Microsoft, Sony und Nintendo.

    • Denke die Voraussetzungen sind dafür gegeben. Was natürlich noch toll wär, wär ein Bluray-Laufwerk – das würd jedoch sicherlich den Preis verdoppeln. ;)

  2. Die Finanzierung ist nicht schleierhaft. “Von den Verkäufen der Vollversionen oder Ingame-Gegenständen bekommt der Entwickler 70% der Einnahmen, 30% gehen an OUYA.” (http://hegewald.hkdm.de/o…n-der-spielekonsole/)

    • Danke für den Link. Davon höre ich das erste Mal. Und “All games free” bezieht sich nur auf die Demos? Da wäre mal interessant zu erfahren, wie andere Anbieter mit diesem Konzept erfolgreich sind. Zum Beispiel Microsoft mit seinen XBLA-Titeln. Nur so oder so müsste sich Ouya dann millionenfach verkaufen, sonst funktioniert vermutlich das gesamte Geschäftsmodell nicht. Bei sagen wir mal 100.000 verkauften Geräten wären ja auch die laufenden Kosten (Serverbetrieb etc.) so hoch, dass wohl nur 30% der Umsätze nicht ausreichen würden. Würde ich jetzt mal spontan schätzen….

  3. Ja, diese Info ist nicht mal auf der kickstarter-Seite und ich wusste nur, dass ich es irgendwo mal gelesen hatte. Habe mir btw auch eine Ouya gekauft. Spiele hin oder her – das Ding hat so schon für mich wichtige Einsatzmöglichkeiten.

    • Der Link erscheint mir zwar recht glaubwürdig, persönlich warte ich trotzdem mal auf eine offizielle Stellungnahme von Ouya. Eben weil deren Konzept (70:30) wohl nur dann funktioniert, wenn sie eine gewisse Reichweite besitzen.

      Aber wie du schon sagst: Ich denke, wenn Ouya was wird, gibt es sicher auch so genügend Einsatzmöglichkeiten, die 100 Dollar rechtfertigen. :)

6 Pingbacks

  1. [...] dieser Woche wird wieder einmal ein Crowdfunding-Projekt die Medien beschäftigen. Anders als bei der Android-Spielkonsole Ouya oder der Smartphone-Uhr Pebble richten sich die Blicke nun jedoch auf einen Onlinedienst: App.net [...]

  2. [...] für Coregamer – werden. Hier gibt sich Googles Android weitaus offener, wie beispielsweise Ouya oder snakebyte eins [...]

  3. [...] Spielkonsole für 99 US-Dollar? Gab es so etwas nicht schon einmal? Richtig: Die Android-basierte Ouya erscheint, wenn alles klappt, im April 2013 für besagten Winzigpreis. Auch das Unternehmen [...]

  4. [...] verbunden, eine Spielkonsole zu entwerfen und zu produzieren. Nachdem es die Android-basierte Ouya bereits vor einigen Monaten erfolgreich bei Kickstarter vormachte, möchten nun die [...]

  5. [...] HDMI-Stick, den man in einen aktuellen Fernseher steckt. Zum Einsatz kommt – ähnlich wie bei OUYA und eigentlich auch allen aktuell erhältlichen HDMI-Sticks – Googles mobiles Betriebssystem [...]

  6. [...] Bilder gibt es von der Konsole noch nicht.OUYA und GameStick zeigen, dass Spielkonsolen heutzutage über Crowdfunding finanziert werden können. [...]

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