Gerücht:
Apples asymmetrische Schrauben als Hürde für Bastler – Fake?

Hersteller versuchen mit allen Tricks, Bastler vom Öffnen der Geräte abzuhalten – hat Apple mit der „asymmetrischen Schraube” eine neue Barriere erschaffen? Wohl eher nicht…

Eine asymmetrische Apple-Schraube (Quelle: Reddit)

Eine asymmetrische Apple-Schraube (Quelle: Reddit)

Dank solcher Bastelseiten wie iFixit, wissen Neugierige nicht nur, was sich im Laptop oder Smartphone versteckt, sondern auch wie man es austauscht. Ganz zum Leidwesen der Hersteller die ihre kostbare Hardware vor dem Zugriff „unautorisierter” Pfuscher schützen wollen. Dabei verfolgen sie ganz unterschiedliche Ansätze: aufgeklebte Garantiesiegel, Plastiknasen, die beim Eindrücken abbrechen oder auch ungewöhnliche Schraubenköpfe. Apple begann ab 2009 eine Pentalobe-Schraube für MacBook-Modelle einzusetzen, die ohne Spezialwerkzeug nicht lösbar war. Lange Zeit half dann nur das Einschicken des Gerätes, bis Anbieter diesen Drehertyp nachbauten. Nun geht es offenbar weiter im Kampf „Bastler gegen Hersteller”: Angeblich will Apple eine „asymmetrische Schraube” in neuen Modellen verwenden. Sie soll ein Rundgewinde und einen merkwürdigen Schraubenkopf haben – ob das stimmt?

Auslöser für diese wilden Spekulationen ist ein anonymer Nutzer namens „thrownawayyesok” bei reddit. Sein einziger Beitrag im Forum lautet: “Ein Freund nahm dieses Bild vor einer Weile bei der Fruchtfirma auf. Sie designen offensichtlich sogar schon ihre eigenen Schrauben”. Im Foto wird eine Schraube abgebildet, mit dem Betreff: „asymmetrische Schraubenentwicklung”, im Text wird man dann deutlicher, „das ist die letzte Computergrafik”, die Schraube ist „total asymmetrisch”, es seien keine Werkzeuge dafür bekannt. Auf Nachfrage, wieso er dieses Foto weiterreiche und seinen Freund gefährde, antwortete er: „Es macht ihm nichts aus. Sie seien Deppen und er arbeite dort nicht mehr”. Das lässt viel Raum für Spekulationen, doch die Indizien sprechen für eine Fälschung.

Zwei erste Argumente liefert ein Kommentator, der sich als Apple-Werkzeug-Nachbauer outet. Es sei bei einem asymmetrischen Modell schwierig, Schraubendreher und Schraube maschinell auszurichten, außerdem würde sich der Schraubendreher schnell abnutzen. Zudem ließe die gezeigte Konstruktion genug Spielraum, um einen handelsüblichen Schlitz-Schraubenzieher anzusetzen.

Rundgewinde einer Glühbirne und eines Tee-Eis (Bild: Kai Zantke)

Rundgewinde einer Glühbirne und eines Tee-Eis (Bild: Kai Zantke)

Das größte Rätsel gibt jedoch das Gewinde auf: Es handelt sich um ein Rundgewinde mit ungewöhnlich starker Steigung. Solche Gewindearten kennt man von der Glühbirne, dem Tee-Ei oder auch von Feuerwehrschläuchen. Sie werden bevorzugt dort eingesetzt, wo man mit Dreck oder Temperaturausdehnung zu kämpfen hat und häufig aufgeschraubt wird. Bei Smartphones und Laptops sind sie denkbar ungeeignet.

Dabei kann es sich beim Rendern dieses Gewindes nicht um einen Fehler handeln, denn die gängigen CAD-Programme zählen das Rundgewinde nicht zum Standardrepertoire. Dies lässt nur zwei Schlüsse zu: Apple will die Schrauben verkleben oder aber man hat absichtlich ein außergewöhnliches Gewinde gewählt, um optisch mehr herzumachen.

Meiner Meinung nach hat Apple mit dem Festlöten von Bauteilen bereits den meisten Bastlern den Grund genommen, das Gerät zu öffnen. Die angeführten Gründe bestärken mich in der Annahme, dass es sich um einen Scherz handelt und die Behauptungen nur für den Obsthändler an der Ecke zutreffen. Weitere Typen solcher Schrauben findet man übrigens beim VDI.

 

Mehr lesen

Bluelounge Jimi USB-Verlängerung für iMacs: Clevere Umleitung zum Hintereingang

24.4.2014, 0 KommentareBluelounge Jimi USB-Verlängerung für iMacs:
Clevere Umleitung zum Hintereingang

Jimi von Bluelounge ist ein J-förmiger USB-Stecker, der iMac-Besitzern das Leben leichter machen soll. Er verlängert den rückseitigen USB-Port so, das man einen Stick in seinen iMac stecken kann, ohne sich zu erheben.

Apple CarPlay: So will Apple unsere Autos erobern

4.3.2014, 6 KommentareApple CarPlay:
So will Apple unsere Autos erobern

Mit einem Paukenschlag hat Apple sein System "CarPlay" vorgestellt. Etliche große Automarken sind mit im Boot und Konkurrenten wie Microsoft oder Android schauen staunend zu. Wir zeigen euch, was CarPlay kann und erklären, warum es für Apples Zukunft ein so spannendes Projekt ist.

Handel und Startups jubeln: Apples dritter Frühling dank Bluetooth 4.0

3.2.2014, 3 KommentareHandel und Startups jubeln:
Apples dritter Frühling dank Bluetooth 4.0

Apples iPhone drohte in der Smartphone-Liga von Android verdrängt zu werden. Doch die frühe Unterstützung von Bluetooth Low Energy und der derzeitige Boom von Smart Devices und iBeacon spielen dem iPhone in die Hände.

19.2.2013, 0 KommentareSakrale Tonkunst:
Dinkel hat's wieder getan

Georg Dinkel hat es wieder getan: einige Monate reichten ihm aus, um ein iPad-Dock der besonderen Art zu erschaffen. Und dabei herausgekommen ist wieder ein Stück sakraler Tonkunst für die digitalen Gerätschaften von heute.

Trotify: Für die Biker der Kokosnuss

28.11.2012, 0 KommentareTrotify:
Für die Biker der Kokosnuss

Trotify ist ein mit Muskelkraft betriebenes Gadget, das als flacher Holzbausatz per Post ins Haus kommt. Der künftige Nutzer muss es nur noch zusammenbauen, eine Kokosnuss hinzufügen und das fertige Trotify an seinem Fahrrad befestigen.

Dominic Wilcox „No Place Like Home GPS Shoes”: Immer der Schuhspitze nach

18.9.2012, 1 KommentareDominic Wilcox „No Place Like Home GPS Shoes”:
Immer der Schuhspitze nach

Mit den GPS-Schuhen des Künstlers Dominic Wilcox findet man immer nach Hause: Einfach die Hacken zusammenschlagen und LEDs in der Schuhspitze weisen den Weg.

8 Kommentare

  1. Alle diese Maßnahmen sind legitim, denn letzendlich entscheide immer noch ich wem ich mein Geld gebe. Obiges würde ich als Entscheidungshilfe kategorisieren.

    • Thomas,

      ich akzeptiere, “unauthorisierte Eingriffe” zu erkennen und (begründet, nicht pauschal!) die Gewährleistung abzulehnen.
      Aber dem User das Öffnen des Gerätes zu verunmöglichen ist eine sehr unfaire Sache.
      Arbeite selbst im IT-Support und habe nicht erst ein Gerät aufgeschraubt, mit Tüchern und anschliessend im Umluftofen bei 50 Grad getrocknet.
      Ungeöffnet dauert so etwas Tage und die Korrosion ist schon weit fortgeschritten.

      Gruss, Georg

  2. “Sie werden bevorzugt dort eingesetzt, wo man mit Dreck oder Temperaturausdehnung zu kämpfen hat…”
    Ich will ja nun nicht bashen, aber das ist ja schon fast eine Steilvorlage dafür :P. Gedanken sind frei.

    mfg SCORPiON

  3. Wie sollte sich solch eine Konstruktion denn von den ASP und anderen legitimierten Reparaturpartnern öffnen lassen um Geräte zu reparieren?

    Apple wird sich nicht den Stress antun VON EXTERNEN DIENSTLEISTERN NICHT REPARIERBARE Geräte herzustellen, denn erstens könnten sie diese Menge an Reparaturen nicht leisten und zweitens würde sich das Apple-Nachhaltigkeitsimage deutlich verschlechtern.

    Pentalobe war/ist eine Schraubenform, die zumindest einem genau beschränkte Teil der externen Dienstleister ermöglicht Reparaturen durchzuführen.

    Aber wer weiß schon Genaueres? Im Zuge der heutigen Miniaturisierung der elektronischen Komponenten bleibt die Reparatur zunehmend auf die restlichen Komponenten beschränkt. Akkus sind schon (fast) nicht mehr wechselbar, ICs und sonstige Bauteile gar nicht mehr. Löten an defekten Platinen o.ä. = unmöglich.

    Insofern stellt sich mir die Frage, was die Info über eine ungewöhnliche Schraube überhaupt bringt: Irgendwas fixen an so technisch hochkomplexen Geräten kann man doch fast eh nicht mehr selbst. Und wenn es um Spezialersatzteile geht muss ich mich spätestens dann an den Hersteller oder einen autorisierten Partner wenden …

  4. Wahrscheinlich hat Apple ein Patent auf diese Schraube und wartet jetzt darauf dass die ersten Nachahmer auftauchen um die dann auf Schadensersatz zu verklagen … auch ein lukratives Geschäftsmodell ;-)

  5. Nunja, wer schon mal in der Technik gearbeitet hat, weiß auch das ein Großteil der Apple-Geräte erst gar nicht repariert werden, sondern direkt in der Tonne landen und im ganzen durch ein neues Gerät getauscht werden.
    Bei Notebooks und Monitoren schaut das wiederum ein wenig anders aus, aber auch hier wird eher entsorgt als großartig repariert.

  6. Und wer hats erfunden? Ein Schwede: http://is.gd/tGtda8

    GRANDIOS!

Ein Pingback

  1. [...] ferngehalten werden sollen. neuerdings.com-Kollege Kai Zantke wollte nicht an den Wahrheitsgehalt dieser vor einigen Tagen durchs Web geisternden Meldung glauben und sollte mit seiner Vermutung Recht behalten: In einem Blogbeitrag outet sich die [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder