Photoduino im Test:
Automatischer Kamera-Auslöser im Selbstbau

Durch den Kamera-Controller Photoduino kann man verblüffende Hochgeschwindigkeitsaufnahmen mit seiner Spiegelreflexkamera machen. Gastautor Søren Schaffstein hat sich das Selbstbau-Kit auf Basis von Arduino besorgt und ausprobiert. Hier seine Erfahrungen und ersten Fotos.

Der Photoduino-Controller, wenn er fertig montiert ist. (Foto: photoduino.com)

Der Photoduino-Controller, wenn er fertig montiert ist. (Foto: photoduino.com)

Der Photoduino ist ein Open-Source-Kamera-Controller basierend auf der Arduino-Plattform. Mit ihm lassen sich die meisten DSLR-Kameras automatisch auslösen. Eine umfangreiche Kompatibilitätsliste für unterstützte Kameras stellt das Photoduino-Projekt für Interessierte bereit. Dabei wird der Photoduino einfach per Kabel über den Fernauslöser-Anschluss mit der Kamera verbunden.

Photoduino
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DIY – erst einmal muss gebastelt werden

Ich habe mir den Photoduino als Kit zum selbst zusammenbauen bestellt. (Soweit mir bekannt ist, wird er aktuell auch nur so angeboten.) Dazu gleich noch das nötige “Arduino UNO”-Board, eine Laserdiode und die nötigen Anschlusskabel für meine Kamera und meinen Blitz.

Für den Zusammenbau habe ich als erfahrener “Löter” dann inklusive der Sensoren etwa 1,5 h gebraucht. Wäre es nicht nachts um 2 Uhr gewesen, hätte es vielleicht sogar noch ein bisschen schneller geklappt ;-) Wenn man die wirklich ausgezeichnete Anleitung befolgt, kann man den Schwierigkeitsgrad für den Zusammenbau getrost als “einfach” einstufen. Wer allerdings noch keine oder nur wenig Löterfahrung hat, sollte vorher ein wenig üben, damit er nicht aus Versehen ein Bauteil “grillt”.

Beim Werkzeug reicht die Basisausstattung: Lötkolben, Lötzinn, Zange, Messer, Feuerzeug. Aber auch das ist in der Anleitung alles bestens beschrieben.

Der Photoduino-Controller vermittelt zwischen Sensoren und Foto-Ausrüstung. (Bild: photoduino.com)

Der Photoduino-Controller vermittelt zwischen Sensoren und Foto-Ausrüstung. (Bild: photoduino.com)

Was heißt “automatisch auslösen” jetzt genau?

Grundsätzlich kennt der Photoduino zwei Modi zum Auslösen:

  1. Die Timer-gesteuerte Auslösung in frei definierbaren Zeitintervallen.
  2. Die Sensor-gesteuerte Auslösung über einen der vielen, möglichen Sensoren.

Timer-gesteuerte Auslösung: Hier lässt sich die Kamera in Zeitintervallen von theoretisch 1 ms bis zu 59.999 Tagen auslösen. Die Extremwerte wird man wohl eher selten benötigen, aber sie lassen erahnen, dass hier keine Wünsche offen bleiben. Zusätzlich lässt sich einstellen, wie viele Auslösungen überhaupt erfolgen sollen.

Wer noch keinen Timer-gesteuerten Auslöser besitzt, hat mit dem Photoduino (neben dem Sensor-gesteuerten Auslöser) gleich noch einen sehr exakt einstellbaren Timer. Wer allerdings nur diese Funktion benötigt, greift lieber direkt zu einem einfachen Fernauslöser mit Timer.

Sensor-gesteuerte Auslösung: Das ist das eigentliche Spezialgebiet des Photoduino. Mit ihr lassen sich ohne großen Aufwand Hochgeschwindigkeitsaufnahmen machen, für die man sonst jede Menge Glück, Geduld und Ressourcen benötigt.

Mit dem Photoduino Kit hat man dabei direkt eine umfangreiche Auswahl an Sensoren zur Hand:

  • Schall-Sensor
  • Schock-Sensor
  • Sensor für sichtbares Licht
  • zwei Sensoren für Infrarotlicht (ein etwas genauerer für kurze Strecken und ein zweiter für größere Distanzen)
  • Infrarot-LED zum Aufbau einer Infrarot-Lichtschranke
  • Zusätzlich lässt sich mit einer Laserdiode (die man am besten gleich dazu kauft) eine Laser-Lichtschranke realisieren.

Erste Bilder mit dem Photoduino

Vor kurzem habe ich Bilder von Gegenständen gemacht, die in ein halb gefülltes Aquarium fallen. Dabei habe ich noch ohne Photoduino gearbeitet und versucht, den richtigen Moment der Auslösung durch “Trial and Error” zu finden.

Foto: Søren Schaffstein

Foto: Søren Schaffstein

Das hat in dem Beispiel oben mit der Zitrone auch geklappt, war aber recht aufwendig: Für dieses Bild habe ich etwa 70 Versuche und mehrere Stunden Zeit benötigt.

Sobald man etwas fotografieren möchte, das während des Fotografierens zerstört wird, ist es durchaus wünschenswert, dass man möglichst wenige Fehlversuche verursacht. Mein zweites Bild einer zerplatzenden Wasserbombe wäre mit 70 Wasserbomben zwar durchaus im Budget gewesen aber wahrscheinlich hätte ich irgendwann Knoten in den Fingern gehabt. Mit dem Photoduino waren dann aber lediglich 5 Ballons und 5 Versuche nötig:

Foto: Søren Schaffstein

Foto: Søren Schaffstein

Der Aufbau war recht einfach: Die Laser-Lichtschranke verlief direkt neben dem Ballon. Beim Zerstechen des Ballons habe ich die Lichtschranke dann gleichzeitig mit der Hand unterbrochen und so Kamera und Blitz ausgelöst.

Bei der zerplatzenden Glühbirne war es noch wichtiger, wenig Fehlversuche zu verursachen, da ich nur drei Glühbirnen zur Verfügung hatte:

Foto: Søren Schaffstein

Foto: Søren Schaffstein

Mit dem Audio-Sensor (Einstellung zur Auslösung: 50 ms Verzögerung nach Geräusch) war das Foto dann aber tatsächlich ein Kinderspiel – sofort der erste Versuch war erfolgreich. Ich habe danach selbstverständlich noch die zwei weiteren Birnen zerstört und auch diese Bilder sind sehr gut geworden. Ohne Photoduino hätte ich wahrscheinlich sehr viele alte Glühbirnen sammeln müssen, um auch nur ein gutes Bild in den Kasten zu bekommen… Wer’s nachmachen möchte, dem empfehle ich undbedingt Brille, Handschuhe und eine Kopfbedeckung zu tragen – die Splitter fliegen ordentlich durch die Gegend!

Fazit

Ich bin begeistert! Für einen sehr fairen Preis (alle Teile und Kabel zusammen unter 200 Euro) und etwa 1,5 h Bastelzeit bekommt man einen wirklich vielseitigen Kamera-Controller der keine Wünsche offen lässt. Wer mit dem Lötkolben umgehen kann und schon immer mal Luftballons beim Platzen fotografieren wollte, sollte sofort zuschlagen. Und wer sich für Tropfenfotografie begeistert, für den gibt es als Zusatzgerät noch das automatische Tropfenventil – aber darüber in einem anderen Post mehr…

Mehr über Arduino

In diesem Intro zu Arduino hier auf neuerdings.com erfahrt ihr mehr darüber, was diese Plattform alles kann und wie man den Einstieg findet. Photoduino ist da nur ein Beispiel unter vielen.

Über den Gastautor

Søren Schaffstein ist Geschäftsführer bei der dkd Internet Service GmbH in Frankfurt am Main. Er fotografiert seit vielen Jahren mit Begeisterung und liebt fotografische Herausforderungen. Auf seinem Blog “Lego Alter Ego” zeigt er die Welt aus den Augen einer Lego-Minifigur. Obwohl er gutes Equipment liebt, ist er davon überzeugt, dass man mit allem was Bilder machen kann, auch gute Bilder machen kann.

 

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3 Kommentare

  1. Respekt für die 70 Versuche mit der Zitrone, 70 Wasserballons wären wohl wirklich übertrieben gewesen ;-) Was heißt denn “erfahrener Löter” sollte man vorher nur probe gelötet haben oder sich schon an etwas herangetraut haben?
    Good shots!

  2. Geh mal auf die Shopseite von Photoduino. Da siehst Du, dass ziemlich filigrane Teile auf eine Platine gelötet werden müssen. Das ist für mich wohl ebenfalls schwer machbar. Da würde ich schon 50 Euro mehr zahlen und ein fertiges Gerät kaufen, welches aber nicht angeboten wird. Schade, ist wohl nur was für Bastler.

  3. Hi Carla,
    wenn Du schon mal Bauteile auf eine Platine gelötet hast, ist der Photoduino kein Problem für Dich. Wenn nicht, kauf Dir zum Ausprobieren doch einfach mal so einen 10 EUR Bausatz beim Elektronikversand. Wenn das klappt, kommt als nächstes einfach der Photoduino dran ;)

    Viele Grüße,
    Søren

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