Spielemesse E3 2012:
Die Neuheiten von Microsoft, Nintendo und Sony auf einen Blick

Für die Spieleindustrie ist die Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles neben der Tokyo Game Show die wichtigste Veranstaltung des Jahres, um hauseigene Produkte zu präsentieren und sich selbst im (Miss-)Erfolg zu baden. 2012 war, bezogen auf neue Technologien oder gar Spielkonsolen, wenig ereignisreich. Es gab dennoch einiges zu sehen.

"Innovation unveiled" heißt es auf der Website der E3. Halten konnte die Messe dieses Versprechen kaum.

Bereits im Vorfeld verkündeten Microsoft und Sony, keine Nachfolger ihrer aktuellen Spielekonsolen vorstellen zu wollen. Stattdessen konzentrierten sich die Unternehmen auf ihre mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Xbox 360 und PlayStation 3 sowie Sony auf die noch junge PlayStation Vita. Einzig Nintendo zeigte bereits kurz vor dem offiziellen Start der E3 in einer Nintendo Direct genannten Präsentation den Wii-Nachfolger.

Neues von der E3 2012
Wonderbook_SmallwikipadDas neue Logo der Wii U. (Foto: Nintendo)wii_u_lifestyle
wii_u_gamepad_prowii_u_gamepadwii_uMicrosofts Smart Glass. (Foto: Microsoft)
Das Indie-Abenteuer Limbo auf einem HDTV via Gaikai spielen. (Foto: Samsung)razer_artemisps3move_wheel

Nintendo und die Wii U

Das neue Logo der Wii U. (Foto: Nintendo)Vermutlich im Dezember, garantiert aber zum Weihnachtsgeschäft 2012, erscheint die Wii U. Genaue technische Daten gibt es nach wie vor keine, immerhin verriet der japanische Konzern, dass die Konsole Full HD über HDMI darstellen kann, über einen Mehrkernprozessor von IBM und einen Grafikchip von AMD verfügt.

Ansonsten steht derzeit der Tablet-Controller im Fokus. Der hört mittlerweile auf den Namen GamePad und verzichtet auf Multitouch-Funktionalitäten. Abgesehen von dieser unverständlichen Entscheidung wurde das Eingabegerät seit der E3 2011 in vielerlei Hinsicht optimiert: Die beiden Slide Pads wurden durch vollwertige Analogsticks ersetzt, die man auch eindrücken kann – ähnlich wie bei den Joypads der Xbox 360 oder PlayStation 3. Hinzu gesellen sich praktische Funktionen wie die Möglichkeit, das GamePad als TV-Fernbedienung zu verwenden. Ein NFC-Reader ist vorhanden, sodass man Objekte quasi aus der Realität in ein Spiel übertragen kann. An der Ergonomie feilten die Techniker ebenfalls.

Das GamePad ist in der Lage, Spieleinhalte direkt von der Wii U auf den Touchscreen zu streamen, alternativ erweitert der ergänzende Bildschirm das Gezeigte auf dem Fernseher. Wie das genutzt wird, ist den Spieleentwicklern überlassen.

Eine weitere Besonderheit der Wii U ist das sogenannte Miiverse. Das Nintendo-eigene soziale Netzwerk für Gamer ermöglicht das Kommunizieren mit Freunden, während man beispielsweise gerade ein Spiel verwendet. Man verabredet sich für Multiplayer-Duelle oder sucht nach Freunden, die bei einem Spiel behilflich sein können.

So sehen Controller und Konsole final aus. (Foto: Nintendo)

So sehen Controller und Konsole final aus. (Foto: Nintendo)

Im Rahmen der Wii U-Vorstellung „enthüllte“ Nintendo etliche neue Spiele, die Gebrauch von der Hardware machen werden. Die typischen Kandidaten fehlen nicht, es erwarten uns New Super Mario Bros. U, Wii Fit U, die Minispielesammlung Nintendo Land und zahlreiche Titel von Drittherstellern wie Warner Bros. (Batman: Arkham Asylum) oder Ubisoft (Zombie U). Sichtlich ist Nintendo bemüht, das „Casualgamer-Image“ der Wii gar nicht erst aufkommen zu lassen, auch Erwachsene möchte man mit Software versorgen. Dazu passt die Ankündigung des Pro-Controllers. Dieser kann an der Wii U verwendet werden, beispielsweise für klassische Actionspiele. Optisch erinnert er frappierend an den Xbox 360 Pad. Alternativ verwendet man an der neuen Konsole die bereits vorhandenen Controller der Wii.

Gerade die Core-Gamer, die sich unter anderem intensiv in den sozialen Netzwerken über die E3-Pressekonferenz und Nintendo Direct unterhielten, waren enttäuscht. Vor allem das Spieleaufgebot war nicht zufriedenstellend und Nintendo nannte zu wenige technische Details. Das ist dahingehend seltsam, da die Wii U in einem halben Jahr in den Regalen stehen soll.

Sony mit einigen Kleinigkeiten

Sony stellte sich routiniert dar. Vor allem standen Spiele für die PlayStation 3 und die PS Vita auf der Tagesordnung, abseits dieser gab es aber auch nennenswerte Neuheiten zu entdecken. So möchte man das Zusammenspiel zwischen PS3 und Vita ausbauen – in eine ähnliche Richtung wie die Wii U. Zukünftig unterstützen mehr Spiele die Remote Play-Funktionen, ebenfalls wird man auf der stationären Konsole ein Spiel beginnen und auf der Vita fortführen können. Und die Option, mit der Vita PS3-Titel zu kontrollieren, ist außerdem ein Thema. Wer möchte, kann sogar virtuelle Inhalte von der einen zur anderen Konsole übertragen. In Ansätzen ist all das schon jetzt möglich, für die Zukunft verspricht man viele weitere Spiele, die die Remote-Play, Cross-Play, Cross-Controller, Cross-Save und Cross-Goods getauften Features unterstützen.

Rennspiel-Freunde werden im Herbst das PlayStation Move Racing Wheel kaufen können. Es handelt sich um ein Stück Plastik, in das der Move-Controller gesteckt wird. Dadurch verwandelt man den Bewegungssensor-Controller in ein voll funktionsfähiges Lenkrad. Von einem realistischen Spielgefühl, Vibration und einer hohen Präzision ist die Rede. Letztlich dürfte uns hier vor allem eines erwarten: eine Alternative zum Mario-Kart-Lenkrad für die Wii. Sicher nicht zufällig werkelt Sony gegenwärtig an Little Big Planet Karting, einem Funracer im Stil des Nintendo-Konkurrenten. Und für diesen Titel ist das Racing Wheel unter anderem gedacht, genauso für die bereits erhältlichen Genrevertreter Gran Turismo 5, Need for Speed: Hot Pursuit und MotorStorm Apocalypse. Preis für das Zubehör: rund 40 Euro.

Eine witzige Peripherie hatte Sony dann doch parat. Das Wonderbook ist eine Art interaktives Buch, das mit dem Move-Controller und der PS Eye-Kamera zu einem einzigartigen Lesevergnügen verschmelzen möchte. Das Brett, das wie ein Buch aufgeschlagen wird, ist eine Projektionsfläche, die dank der PlayStation 3 auf dem Fernseher mit bewegten Inhalten gefüllt wird. Dies soll zu einem großen Spaß für große und kleine Lesefreunde werden. Als erste Software holte sich Sony prominente Unterstützung ins Boot: J. K. Rowling steuert das Buch der Zaubersprüche bei, das im Harry-Potter-Universum angesiedelt ist. Das Lehrbuch für angehende Zauberer wird mit Animationen und Interaktionsmöglichkeiten zum Leben erweckt. Im November 2012 soll das Wonderbook in den Handel kommen, weitere Bücher sind fortlaufend geplant – sofern der unkonventionelle Ansatz überhaupt bei den Menschen ankommt.

Microsoft schaut durch Glas

Microsofts Smart Glass. (Foto: Microsoft)Microsoft hatte auf der E3 keinerlei neue Hardware im Gepäck, sehr wohl aber neue Software-Lösungen. Eine davon: Smart Glass. Unter diesem Namen versteht man die Vernetzung der Xbox 360 mit einem Smartphone oder Tablet. Sowohl die Konsole als auch mobile Geräte mit Windows Phone 7 beziehungsweise Windows Phone 8 erhalten eine App, die einen Austausch von Daten ermöglicht. Zum Beispiel soll man so Videos oder Fotos schnurlos über die Konsole zum Fernseher bringen können. Oder man streamt ein Video von der Xbox 360 direkt auf ein Tablet. Sogar der nahtlose Übergang von einem Gerät zum anderen soll sichergestellt werden. Wer möchte, lässt sich beim Schauen eines Films über Zune (Xbox 360) Zusatzinformationen auf sein Handy oder den Touchscreen-Computer bringen.

Ferner erhält die Xbox 360 bald den Internet Explorer zum Surfen im Internet, navigiert wird optional mit dem über Smart Glass verbundenen Tablet. Interessant: Spieleentwickler können Smart Glass für ihre kommenden Games benutzen, um so weitere Mehrwerte zu schaffen. Und ähnlich wie bei der Wii U wird man über Smartphone oder Tablet während des Spielens mit Freunden kommunizieren können. Erstaunlich: Microsoft wird passende Apps später für iOS und Android zur Verfügung stellen.

Alles in allem lässt sich sagen: Die Wii U mit dem GamePad-Controller regt auch Microsoft und Sony dazu an, ähnliche Mechanismen einzuführen. Der Unterschied ist nur, dass die beiden letztgenannten Unternehmen keine Notwendigkeit sehen, hierfür neue Hardware zu entwerfen. Wozu auch?

Und sonst?

Das Indie-Abenteuer Limbo auf einem HDTV via Gaikai spielen. (Foto: Samsung)Abseits der drei großen Spielkonsolen-Produzenten dominierten fraglos die Computer- und Videospiele die E3. Doch hier und da zeigten sich weitere Unternehmen mit ihren „verspielten“ Ideen. Samsung wird beispielsweise im Herbst den Samsung Cloud Gaming-Dienst für die eigenen Smart TV-Geräte der 7000er-Reihe sowie alle diesjährigen Modelle veröffentlichen. Der Konzern verspricht Konsolen-Spielegenuss direkt am Fernseher. Live aus dem Internet streamen aktuelle PC-Spiele dank des Services Gaikai – ohne lange Ladezeiten. Leider ist Samsung Cloud Gaming derzeit nur für den US-Markt vorgesehen, auch weil Gaikai in Europa noch nicht am Start ist.

Nicht unerwähnt sollte das Wikipad bleiben. Das Gaming-Tablet des gleichnamigen US-Startups wurde bereits Anfang 2012 angekündigt, auf der E3 gab es weitere Details. Bereits im 3. Quartal 2012 wird die Handheld-Konsole mit Android 4.0, 10,1 Zoll großem Display, Tegra-3-Quadcore-Prozessor, Gaikai-Cloud-Gaming sowie echten Buttons und Analogsticks weltweit veröffentlicht. So zumindest die Aussage der Wikipad Inc. Damit unterscheiden sich die Angaben teils gravierend von den ursprünglichen. Ob’s dabei bleibt? Das wird sich zeigen. Immerhin konnte Nvidia als enger Kooperationspartner gewonnen werden.

Die „üblichen Verdächtigen“, sprich Razer, QPAD und SteelSeries zeigten neues Zubehör, in erster Linie Gamingmäuse oder gar passend zu erwarteten Spielen wie Guild Wars 2 gestaltete Peripherie. Hervorstechen konnte vor allem Razer mit dem Artemis-Controller. Das von BattleMech-inspirierte Eingabegerät erinnert an das Cockpit eines Kampfroboters und soll bei dem kommenden MMOG-Action-Titel MechWarrior Online zum Einsatz kommen.

Persönliches Fazit

Meine subjektive Meinung? Mich hat nichts wirklich überrascht. Vielleicht bin ich mittlerweile dauerhaft reizüberflutet, vielleicht aber einfach „zu alt für den Quatsch“? Ernsthaft: Nintendo, Sony und Microsoft sind offenbar davon überzeugt zu wissen, was der Konsument wünscht. Aber will ich ständig ein Tablet oder einen ähnlich großen Controller in der Hand halten? Brauche ich unbedingt soziale Vernetzungen mit vermeintlichen Spiele-Freunden? Muss ich mir ständig und überall irgendwelche Medien zu Gemüte führen? (Vermeintliche) Trends hin oder her – ich will doch einfach nur spielen. Unkompliziert und manchmal auch in Ruhe. Trotz großer Shows und Pressekonferenzen zeigte die E3 zumindest mir, dass die Auswahl an wirklich originären Spielideen sehr überschaubar war. Zwei, drei frische Marken, aber sonst? Reboots, Fortsetzungen, Franchise-Ausschlachtungen. Keine Wunder, dass ich nicht so recht mit der diesjährigen E3 zufrieden bin.

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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4 Kommentare

  1. Wenn Sony sich jetzt weiter auf die Vita konzentriert, sollten sie auch mal endlich Vorgängerspiele mit der Konsole kompatibel machen. Damit haben sie viele Käufer enttäuscht, denn da ist immer noch nix, wie zunächst angekündigt, passiert. Lieber erst da nachhaken, als die Konsole zur Fernbedienung mit Touchpad abzuwerten.

    • Naja, ein Großteil der PSP-Spiele ist ja kompatibel mit der Vita – man muss sie halt nur wieder kaufen. :/ Das Programm, um PSP-Spiele quasi auf die Vita als Digital-Download zu übertragen wurde in der westlichen Welt nicht eingeführt. Persönlich glaube ich ja, dass man bei Sony dachte: “Hat, den Leuten kann man das schon zumuten…”. Du kannst dir aber sicher sein: Da wird nix mehr seitens Sony passieren. Es werden höchstens die PSP-Spielepreise im Store sinken (sind jetzt schon teils sehr niedrig)…

  2. Lieber Sven,
    dir ist schon klar, dass der XBox360-Controller von der reinen Tastenbelegung identisch dem Gamecube-Controller ist?
    (Bis auf die fehlende linke Schultertaste beim Gamecube-Controller.)
    Den WiiU Controller nun eine Kopie des XBox360 zu nennen, finde ich daher ein wenig blödsinnig.

    • Blödsinnig? Na, na! :) Also zum einen rede ich vom Pro-Controller (siehe hier: http://neuerdings.com/201…2/wii_u_gamepad_pro/ ) zum anderen ähnelt der optisch dem Xbox 360-Pad sehr wohl. Außerdem bin jetzt nicht darauf eingegangen, wer vom wem irgendwann abgekupfert hat. Ich habe nichts anderes getan, als dem Pro-Controller vorzuwerfen, er sähe wie der von der MS-Konsole aus. Das Wort Kopie hast nur du in den Mund genommen. :P

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