Chromebook im Alltag:
Wie gut funktioniert das Leben in der Cloud? Ein Bericht

Gerade haben Samsung und Google ein neues “Chromebook” vorgestellt, also ein Laptop mit Googles Chrome OS. Das Betriebssystem setzt ganz aufs Internet und praktisch alles befindet sich in der Cloud. Aber wie bewährt sich das im Alltag? Darüber berichtet Martin Thielecke im folgenden Gastbeitrag.

Das jetzt vorgestellte neue Chromebook von Samsung. (Foto: Google)

Das jetzt vorgestellte neue Chromebook von Samsung. (Foto: Google)

Seit der ersten Ankündigung der Chromebooks am 7. Juli 2009 stand für mich fest: So ein Ding muss ich haben. Doch halt – geht das überhaupt? Nein. Denn “damals” war man noch an die Leine gekettet. Ich arbeitete lokal und hatte alle meine Daten auf der lokalen Festplatte, das Backup auf einer externen. Die Installation aller Programme nach einem Rechner-Crash dauerte unter Windows oft Tage, unter Linux mehrere Stunden.

Das ist inzwischen Vergangenheit. Ich habe alle meine Daten in die Cloud verlagert, mein Workflow ist auf die Cloud optimiert, ich arbeite in der Cloud, ich lebe sogar dort. Dank des Chromebooks.

Zwei Generationen Chromebooks von Samsung
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Es geht nicht um Leistungsstärke auf dem Papier

Wenn ich zu Kunden fahre, habe ich mein Chromebook dabei. Wenn ich zu Hause auf dem Sofa sitze, habe ich nur noch mein Chromebook auf dem Schoß. Und es funktioniert. Während ich oft lese, dass die Hardware der Chromebooks und der jetzt vorgestellten Chromebox nicht so berauschend seien, denke ich mir nur: Wie bitte? Das ist nur reine Zahlendreherei.

Es geht beim Chromebook gar nicht um die Leistungsstärke. Es geht darum, dass man effizient und ohne Wartezeit für das Laden des Betriebssystems das Web benutzen kann. Immer und überall. Und das funktioniert solange gut, bis man zum “Tab-Messie” wird. Dann schreitet nämlich das Betriebssystem des Chromebooks namens Chrome OS ein und schaufelt Arbeitsspeicher für die Webseiten frei, die man gerade aktiv nutzt. Alle anderen werden bei der Auswahl des Tabs neu geladen.

Chrome OS ist resistent gegen jede Beeinflussung

Martin Thieleckes Chromebook

Martin Thieleckes Chromebook

Und dann gibt es da noch die Internetausdrucker, die sich beschweren, dass man gar keinen Drucker an den USB-Anschluss anschließen kann. Ich sage: Das ist auch gut so. Denn Drucker sind ein Flickwerk proprietärer Software, die man erst installieren muss. Diese Treiber verwursten sich in das Betriebssystem und das nicht zu knapp. Da Chrome OS aber völlig resistent gegen jede Beeinflussung ist, wird das natürlich nichts.

Diese Resistenz hat auf der anderen Seite zur Folge, dass ich völlig unbekümmert im Netz surfen kann. Würde ich mir irgendwetas Schadhaftes einfangen, würde Chrome OS mich direkt davor warnen und es verhindern.

Wenn der Schädling es doch schaffen sollte, wird beim nächsten Bootvorgang gewarnt, dass das Betriebssystem modifiziert wurde und der weitere Ladevorgang wird verhindert, um weiteren Schäden vorzubeugen. Über einen USB-Stick kann man in wenigen Minuten das System dann neu einrichten. Und da alles in der Cloud gespeichert ist, ist auch nach wenigen Sekunden die Oberfläche wieder so eingerichtet, wie sie es vor dem Angriff war.

So können auch unbedarfte Benutzer gefahrlos auf das Internet losgelassen werden, ohne dass sie großartig etwas kaputt machen können, was man bei einem Standard-Windows-PC lieber nicht möchte.

Dank Offline-Funktionalität braucht man nicht immer Internet

Mein Lieblingsbeispiel hierfür ist eine typische Versicherung. Diese kann ihren Außendienstmitarbeitern einfach ein Chromebook mit einer SIM-Karte in die Hand drücken und damit kann der Mitarbeiter vor Ort den Kunden beraten und Formulare online im Browser ausfüllen. Da der Chrome-Browser und damit auch Chrome OS über Offline-Funktionalität verfügen, kann man die Formulardaten bei fehlendem Empfang auch zwischenspeichern und dann später versenden. Das stellt programmatisch kein Problem dar. Auch wenn diese Geräte kaputt gehen oder gestohlen werden, stellt es keinen großen Schaden dar, denn alle Benutzerdaten (und davon gibt es nicht viele) werden verschlüsselt auf der Festplatte gespeichert und können ohne Login nicht weiterverwendet werden. Somit ist nur die Hardware weg, die Datensicherheit wird nicht beeinflusst.

Das neue Chromebook von Samsung (Mitte) mit den beiden Geräten der ersten Generation. (Foto: Google)

Das neue Chromebook von Samsung (Mitte) mit den beiden Geräten der ersten Generation. (Foto: Google)

Ein Haken: Eng verknüpft mit Google

Worüber man sich vor der Anschaffung eines Chromebooks oder einer Chromebox allerdings Gedanken machen sollte: Chrome OS ist von Google und dementsprechend ist alles auf die Google-Services abgestimmt. Will heißen: Der Login läuft über ein Google-Konto oder über den Gastzugang. Natürlich versucht Google sein Business-Produkt “Google Apps” an die Firmen zu verkaufen, was, außer in Datenschutz-Deutschland, auch sehr gut funktioniert. Somit werden alle Daten in der eigenen Firmendomäne gespeichert und sind für den Benutzer nahezu transparent.

Möchte man sich jetzt auf die eigene Infrastruktur verlassen und z.B. alles über Exchange machen, wird es bei der Benutzerführung schon deutlich holpriger.
Entweder zieht hier Microsoft irgendwann nach, was mit Windows 8 bisher nicht danach aussieht, oder aber man lässt sich auf einen Deal mit Google ein.
Der Vorteil für Firmen: Ab zehn Geräten kann man die Chromebooks leasen und bekommt dann immer die neuesten Geräte zur Verfügung gestellt.

Natürlich ist so ein Chromebook auch nichts für Menschen, die mit proprietären Installationslösungen wie Photoshop arbeiten müssen. Ich habe dieses Problem einfach gelöst, indem ich im Büro, nur dort benötige ich so etwas, noch einen Windows-Laptop mit diesen Lösungen stehen habe und der dann bei Bedarf kurz aufgeklappt wird.

Aber diese Momente werden glücklicherweise immer seltener.

Über den Gastautor

Martin Thielecke ist Mitgründer und Geschäftsführer der version zwei GmbH und bekennender Cloudfreund. Er ist seit 12 Jahren Webentwickler, notorischer Besserwisser und liebt Gadgets jeder Art.

 

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9 Kommentare

  1. Super Artikel über ein schönes Produkt, von dem ich schon lange überlege, mir eines zuzulegen. Vorallem die Offline-Funktionen lassen mich nun noch mehr überlegen. Und wenn man dann von Erfahrungen anderer damit hört, wird man ja schon heiß auf so ein nettes Stück Technik! :D

  2. Für das was Chromebooks leisten sind sie leider denn noch preislich deutlich zu hoch angesetzt, das bestätigt sich mit den neuen Geräten wieder.

    Der normale Bürger will mehr als nur online sein und hat fast immer irgendein Desktop Programm von dem er sich nicht trennen möchte.

  3. Ich liebe mein Chromebook und ich freue mich, daß es bald ein neues geben wird und auch eine Chromebox. Hoffentlich kommen beide Geräte bald nach Deutschland, ich werde mir wahrscheinlich eines der beiden Geräte zulegen oder doch beide? ;-)

  4. Wenn dann mal Roaming abgeschafft ist, könnte ich mir sowas vorstellen. Vorher mal gar nicht. Klar, es gibt die Offline-Funktion. Aber will ich mir immer vorher überlegen, was ich vielleicht unter Umständen möglicherweise offline brauche?

  5. Kann ich genau so nur unterschreiben. Ich arbeite seit knapp 6 Monaten mit meinem Chromebook und will es nicht mehr hergeben.

  6. Den Artikel könnte man erst als Fanboyschrieb abtun, aber Google macht es tatsächlich in vielerlei Beziehung richtig. Die Onlinedienste funktionieren exzellent, sind weitestgehend kostenlos und praktisch ohne Konkurrenz. Besonders erwähnenswert ist der Speed, welcher im praktischen Alltag mehr von der eigenen Verbindung beeinflusst wird, denn von der Antwortzeit der Google-Server.

    Diese zunehmende Abhängigkeit von Google passiert freiwiliig und bei vollem Bewusstsein und mit leichtem Grummeln im Bauch.

  7. Hat hier zufällig jemand Erfahrung damit, wie sich Chromebooks im Umgang mit auf einem lokalen Server gehosteten Anwendungen (mit HTML-Frontend, klar) verhalten, wenn mal aus irgendeinem Grund keine Internetverbindung da ist. Geht das problemlos?

    • Wenn die lokal gelegte Anwendung ein Offline-Manifest hat und im Cache des Browsers ist: Kein Problem. Nur dynamische Inhalte werden dann nicht funktionieren.

      Dies kann man dann aber mit localStorage ueber JavaScript wieder glattbuegeln.

  8. Naja, mich macht der Artikel eher Mißtrauisch. Soviel Lobgesang kann einfach auf kein Produkt zutreffen. ;-)

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  1. [...] ist auf die Cloud optimiert, ich arbeite in der Cloud, ich lebe sogar dort. Dank des Chromebooks.Weiterlesen bei neuerdings.com Twittern Flattr.flattr{margin-top:0px !important}Mehr lesenChromebookcloudGoogle Chrome [...]

  2. [...] kann ja geteilter Meinung sein über das Chromebook – manche sind begeistert, andere eher nicht. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Chrome bisher noch nicht richtig [...]

  3. [...] 30.05.2012: Chromebook im Alltag: Wie gut funktioniert das Leben in der Cloud? Ein Bericht [...]

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