Das Smartphone als PC-Ersatz – ein Kommentar

Immer mehr Gigahertz-Power schlummert in aktuellen Smartphones. Damit diese auch voll ausgenutzt wird, bietet Canonical sein Ubuntu für Android-Smartphones an. Ist das die Zukunft oder ein großer Irrtum?

Ubuntu auf einem Android-Smartphone (Bild: Canonical)

Ubuntu auf einem Android-Smartphone (Bild: Canonical)

Mittlerweile sind die Grenzen beim Begriff “Smartphone” fließend. Die einfachste Definition eines Smartphones dürfte wohl über Apps laufen: Wenn Du Apps installieren kannst, ist es ein Smartphone. Oder muss ein Smartphone mindestens eine 4-Zoll-Diagonale besitzen? Der Focus zum Beispiel rettet sich mit dem deutschen Begriff des “Computer-Telefons” aus der Affäre. Ein sehr uneleganter Name, für etwas das bald genau dazu in der Lage sein könnte: Canonical arbeitet nämlich an einer Ubuntu-Version für Android-Telefone.

Desktop-Linux neben Android

Eine, wenn nicht die bekannteste, Linux-Distribution ist Ubuntu. Durch die einfache Installation, Ähnlichkeit zu Windows und die gute Softwareauswahl, hat sie sich schnell einen Namen gemacht. Auch der Ableger Android basiert auf Linux. Und was wäre schöner, als die gesamte Familie zusammenzuführen? Laut Canonical sei es möglich, auf einem aktuellen Dual-Core-Android parallel ein Ubuntu zu installieren. Motorola hat die Praktikabilität mit der Webtop-Integration bereits bewiesen: Wird das Smartphone mit einem Dock verbunden, kann der Desktop-Firefox gestartet werden – leider nur in einer veralteten Version. Mit einer aktuellen Ubuntu-Version wären nicht nur die Update-Nöte vergessen, sondern auch die Notwendigkeit eines Laptops. Einfach HDMI-Stecker rein, Bluetooth-Tastatur an und schon ist der Arbeitsplatz gekapert. Die Ubuntu-Entwickler zeigten mit einem Motorola Atrix 2, dass dies möglich ist.

Die hass-geliebte Unityoberfläche würde zum jetzigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Es ist eine neue Benutzeroberfläche für Ubuntu, die vor allem den Zugriff auf Programme und dessen Funktionen vereinfachen soll. Ich halte davon nichts und merke außer den gestiegenen Hardware-Anforderungen keinen positiven Effekt dieses Launchers. Doch abgesehen davon schreit die Demo richtiggehend nach Folgeprodukten.

Praktischer Einsatz

Auflistung nach Betriebssystem

Auflistung nach Betriebssystem

Nach der ersten Euphorie sollten wir jedoch noch einmal innehalten: Wie groß ist die Verbreitung von Linux auf Desktop-PCs? StatsCounter zählt Linux unter “ferner liefen”, dieser Posten macht insgesamt um die 2% aus. Doch den Großteil nimmt Windows mit seinen unterschiedlichen Versionen ein. Wer würde freiwillig auf Linux wechseln?

Die Anwender sind da, doch ich befürchte, dass diese nur einen kleinen Teil ausmachen. Wer schaut beim Kauf darauf, dass ein HDMI-Ausgang dabei ist? Wie spielt man mit dem Smartphone Blu-Ray-Filme ab? Und wie kriegt man die riesige Multimedia-Sammlung in den kleinen, teuren Flashspeicher?

Die eigentliche Idee hinter Google Android war ein einfaches Betriebssystem für mobile Geräte zu schaffen. Doch mit der vermehrten Nutzung steigen auch die Ansprüche. Es reicht heute nicht mehr, nur E-Mails verschicken und Anrufe tätigen zu können. Facebook und Twitter wollen genutzt, Flashfilme angeschaut und Fotos bearbeitet werden. Wozu braucht man noch einen PC, sollte die Frage lauten und nicht: Wann kommt der PC aufs Smartphone.

Mein persönliches Fazit

Ich freue mich riesig auf ein Desktop-Linux im Smartphone. Für mich wird das die nächste große Evolutionsstufe und ein völlig neues Nutzerverhalten nach sich ziehen. Doch für den Großteil bedeutet das eher einen Rückschritt: einen “Laptop” ohne eigenen Bildschirm. Ein Smartphone mit 1001 Funktionen, wovon sowieso nur 10 im ständigen Einsatz sind. Ganz tolle Idee, aber wahrscheinlich in die falsche Richtung.

Via Canonical.

Seid ihr auch schon gespannt auf Ubuntu am Smartphone? Oder reicht Euch das Smartphone völlig aus? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

 

Mehr lesen

goTenna: Verschlüsselte Nachrichten auch ohne Netz senden und empfangen

22.7.2014, 4 KommentaregoTenna:
Verschlüsselte Nachrichten auch ohne Netz senden und empfangen

goTenna ist ein Unternehmen, das handliche kleine Langwellen-Sender und -Empfänger herstellt. Diese verbinden sich via Bluetooth Low Energy mit Android- oder iOS-Smartphone und ermöglichen den Versand und das Empfangen von Nachrichten auch ohne Mobilfunknetz oder WLAN.

DotPen: Feiner Stift für Tablets und Smartphones

19.7.2014, 5 KommentareDotPen:
Feiner Stift für Tablets und Smartphones

Mit dem DotPen soll man besonders elegant Notizen, Skizzen und mehr auf seinem Smartphone oder Tablet anfertigen können. Auf Kickstarter suchen die Macher nach Unterstützern. Es gibt aber bereits mächtig Konkurrenz.

LG KizOn: Buntes Minimal-Handy plus GPS-Tracker für Kinder

10.7.2014, 1 KommentareLG KizOn:
Buntes Minimal-Handy plus GPS-Tracker für Kinder

Mit dem Armband „KizOn“ will LG allen Eltern helfen, die über den aktuellen Standort ihres Kindes auf dem Laufenden bleiben wollen. Damit die Kleinen das etwas klobig geratene Gerät auch tragen wollen, kommt es mit bunten Accessoires daher.

Keepod Unite: Betriebssystem to go für ausrangierte PCs

8.2.2014, 3 KommentareKeepod Unite:
Betriebssystem to go für ausrangierte PCs

Wie verschafft man 5 Milliarden Menschen den Zugang zu einem PC? Die Organisation Keepod Unite will das mit alter Hardware und einem neuen Linux-Stick lösen: Nimm dir einen ausrangierten PC und bring dein modernes Betriebssystem einfach selbst mit.

CuBox-i: Mini-PC mit Android und Linux zum Schnäppchenpreis

10.9.2013, 0 KommentareCuBox-i:
Mini-PC mit Android und Linux zum Schnäppchenpreis

Der CuBox-i Mini-PC ist gegenüber seinem Vorgänger leistungsfähiger geworden und zugleich erheblich im Preis gesunken. Hersteller SolidRun setzt dazu auf einen neuen Chipsatz. Nutzer können den winzigen Würfel mit Linux oder Android betreiben und beispielsweise als Mediacenter einsetzen.

Spiri: Quadrocopter für autonome, programmierbare und intelligente Flüge

15.8.2013, 0 KommentareSpiri:
Quadrocopter für autonome, programmierbare und intelligente Flüge

Eine autonome, vielseitig programmierbare Drohne - das klingt doch verlockend, oder?

Ubuntu Orange Box: Einmal Cloud zum Mitnehmen, bitte!

21.5.2014, 1 KommentareUbuntu Orange Box:
Einmal Cloud zum Mitnehmen, bitte!

Ubuntu-Anbieter Canonical hat die Cloud zum Mitnehmen erfunden: ein oranger Kasten, der an ein Server-Rack erinnert, alles mitbringt um Daten sicher abzulegen und natürlich mit der neuesten Version der Linux-Distribution Ubuntu bestückt ist. Kostenpunkt: Knapp 10.000 Euro.

Ubuntu Edge: Nicht finanziert, aber trotzdem hat Canonical gewonnen

23.8.2013, 3 KommentareUbuntu Edge:
Nicht finanziert, aber trotzdem hat Canonical gewonnen

Canonical hat das Ziel zur Finanzierung des Ubuntu Edge verfehlt. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn Canonical hatte vermutlich ein ganz anderes Ziel: Aufmerksamkeit.

Mobile Betriebssysteme: Die Geheimfavoriten, die Etablierten und die Außenseiter

14.8.2013, 11 KommentareMobile Betriebssysteme:
Die Geheimfavoriten, die Etablierten und die Außenseiter

Android ist mittlerweile auf fast 80 Prozent aller neu verkauften Smartphones installiert, das iPhone mit iOS bleibt aber das meist gewählte Modell und dann ist da auch noch Nokia mit Windows Phone. Welche mobilen Betriebssysteme gibt es noch? Und wie sehr ist mit ihnen zu rechnen? Ein Überblick.

14 Kommentare

  1. moin :-)
    “wozu braucht man noch einen pc” … das ist
    die frage, die sich sicherlich 90% der pc
    nutzer stellen könnten, nur sehe ich als alternative
    nicht das smartphone mit etwaigem extra monitor
    und tastatur, sondern ganz klar die tablets.
    alles das, was der “normal user” so tagtäglich an seinem
    rechner macht, Facebook, Mail, YouTube, etc,
    läßt sich viel komfortabler mit tablets machen.
    und das speicherproblem der kleinen wunderwerke
    ist auch längst gelöst. wozu gibt es sonst
    cloud speicher? der von dsl anbietern sogar
    kostenlos als zugabe bereitgestellt wird( 1&1
    bietet mir zB 1TB netzwerkspeicher ohne aufpreis,
    zugriff via WebDAV auf SSL).

    aber es wird weiterhin auch immer user geben,
    die auf mehr rechenpower und somit auf desktop
    rechner angewiesen sind. ich möchte apps nicht
    auf smartphones oder tablets entwickeln, egal
    ob großer monitor oder nicht. genauso wenig
    kann ich mir vorstellen, meine raw entwicklung
    auf die minirechner zu verlagern.

    und zu guter letzt: das was hier bestaunt wird,
    ist in der apple welt längst vorhanden. IOS ist
    nix anderes als Mac OS X mit einem anderen UIKit
    für die ein- und ausgaben. hätte google von
    anfang an etwas weiter gedacht und ein wirklich
    gutes betriebssystem entwickelt, stünde längst
    ein desktop android zur verfügung.

    für mich ist und wird in absehbarer zeit android
    KEINE alternative zu MacOS und IOS sein. die linie
    vom desktop mit iMac, über iPad zum iPhone ist
    wirklich gut gedacht und extrem zuverlässig.

    viele grüße
    thorsten

    • Du
      weißt
      schon,
      dass
      hier
      auf
      Neuerdings
      die
      Zeilen
      im
      Text
      automatisch
      umgebrochen
      werden,
      wenn
      diese
      zu
      lang
      sind?

  2. Ich muss zugeben, dass ich genau das schon seit über einem Jahr mit meinem Nokia N8 unter Symbian nutze. Zu Hause wird es über seinen HDMI – Ausgang an den Bildschirm angeschlossen und über Bluetooth Maus und Tastatur erfolgen die Eingaben. Für das schnelle Bearbeiten von einfachen Dokumenten, das Schauen von Filmen, meine Emails und gelegentliches Surfen ist das für mich ausreichend.
    Es gibt ein schönes Video, welches genau diesen Aufbau zeigt: http://www.youtube.com/watch?v=SmwE_U3NtOM
    Natürlich bleibt bei dieser Nokia Symbian Variante immer noch das Problem der Apps, für mich war die “Desktop-Fähigkeit” des Nokia aber schon einer der Hauptkaufgründe.

    • Wenn wir schon bei “Zugaben” sind: Ich auch ^^
      Mein E7 versorgt mich perfekt mit Twitter (Gravity), E-Mail (Profimail), externen Daten (USB OTG) und YouTube-Videos.
      Leider erkennt das E7 den 16:10 Monitor nicht als solchen und zeigt mir falsche Seitenverhältnisse bei Filmen. Mal ganz abgesehen von dem lahmen Arbeitstempo..
      Aber ein Ubuntu auf einem Motorola Razr Maxx wäre natürlich die Krönung!

  3. Wobei statt Nokia doch auch diverse aktuellere Androiden HDMI-Ausgang und eine BT-Kopplung von HIDs können dürften?

    Bleibt bei dieser Ubuntu-im-Handy Geschichte zu hoffen, das das tauglicher ist als Atrix im Original. Da steckte ja nur ‘zufällig’ das Desktop-System im gleichen Gerät.
    Dazu nur eine unidirektionale Zwischenablage, der Rest war völlig getrennt.
    Da ist es ggf wohl besser nur mit Monitor und Tastatur/Maus sein vorhandene Android zu vergrößern, außer man braucht wirklich dringend und ständig einen ultraportablen Voll-PC für den man aber an jedem erdenklichen Einsatzort die nötige Zusatzhardware stehen hat.

    • Völlig korrekt, andere Smartphones können das selbstverständlich auch. Allerdings wollte ich in diesem Moment auch dem Erstling huldigen: Meines Wissens nach, war Nokia der Erste, der einen Composite-Ausgang verbaute. Und das ist bei vielen (fast allen?) Serie 60 / S^3-Smartphones der Fall. Gleiches gilt für die HID-Protokolle von Mäusen. Tastaturunterstützung ist eigentlich schon Standard bei allen Anbietern.

      Und klar: Ohne den externen Monitor wird aus dieser Fantasie nicht viel.

  4. Easy-Debian for Maemo, nearly as old as the N900. So, nothing new.

    • Mit einem winzigen Unterschied: Android+Ubuntu for the masses. Maemo for the freaks and nerds.
      Klar, Ubuntu ist ein Debian Derivat. Klar das N900 konnte es vorher. Ja auch auf dem N710 war schon ein Mini-Debian lauffähig. ABER, besonders flüssig läuft das alles nicht – was auch an der Hardware liegt. Man könnte jetzt auch mit den vielen Emulatoren auf diversen Plattformen anfangen. Auch das ist eine Art von Vorläufer.

      Was mit Ubuntu jedoch versucht wird: Ein Linux beim Kauf mitzuliefern. Die breite Masse anzusprechen. Ganz ohne hacken, rooten. Das nimmt dem Ganzen den Charme, sorgt aber für eine weite Verbreitung. Hängt aber von dern Smartphone-Herstellern ab.

  5. Super Sache.
    Ich bin erstaunt über die Geschwindigkeit mit der die Programme aufgerufen werden. Die kleinen Smartphones haben mehr Power als man denkt.
    Ubuntu mit dem Smartphone nutzen hätte für den Android Kunden einen echten Mehrwert. Bin gespannt ob der Markt (Kunden) da mitmacht. Für die Zukunft könnte dies der richtige Weg sein. Microsoft geht mit Win8 ja auch in diese Richtung.
    Unity Oberfläche ist dann für die Anwendung auf Smartphones eine gute Bedienung. Damit hätte Canonical dann doch noch alles Richtig gemacht.

  6. Komplett werden Smartphone, zumindest in arbeitstechnischer Hinsicht, den Desktop PC oder das Laptop nicht ablösen.

  7. Ich kann die ganze Aufregung nicht so recht verstehen.

    Ubuntu und andere Linux Derivate lassen sich schon heute auf einer ganzen Anzahl von Android Phones und Tablets ausführen. Näheres siehe Play Market und unter Linux On Android

    • Ja Linux on Android ist nett… Braucht aber Root/Custom Kernel und läuft über VNC… Yeah X.x

  8. Ich spiel gerade Battlefield 3 auf meinem Smartphone per docking-station. Allerdings verlangt das Game soviel Rechenpower dass es schon anfägt zu glühen wie ne Wunderkerze :-)
    Und wenn Steam nach Linux kommt kann man auch aufm Linux-Smartfön noch mehr spiele spieln.

  9. Ich finde das es eine supa Idee is. Derjenige der auf seinem Tablet oder Smartphone alles machen kann wie auf einem normalen PC der soll sich mal melden. Also Trotz Iphone und iPad brauch ich noch immer einen guten alten PC. Also versteh ich die Aussage wer braucht das schon nicht!!

Ein Pingback

  1. [...] Länge ist das fast nicht spürbar. Der einzige Grund auf Quadcore zu setzen, wäre das Warten auf Linux auf einem Smartphone. Abgesehen davon wird das Smartphone insgesamt schneller veraltet sein, als dass der Dualcore die [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder