Werksbesichtigung bei RIM:
So werden die Bochumer Blackberrys entwickelt und getestet

Eine Werksbesichtigung beim Blackberry-Macher RIM in Bochum zeigte einen Blick hinter die Kulissen, sozusagen hinter die Gehäuseschale von Smartphones. Sie zeigte aber auch, wie böse die Blackberrys behandelt werden, damit sie beim Kunden viele Jahre überstehen.

RIM in Bochum - Hier gehts zu den Laboren (Bild: kaz)

RIM in Bochum - Hier gehts zu den Laboren (Bild: kaz)

Wie viele Handyhersteller können sich schon ein “Designed in Germany” auf die Produktkartons schreiben? Bei einem weiß ich es ab heute ganz genau: Research in Motion. Denn RIM lud am heutigen 28. März 2012 nach Bochum in jene Ideenschmiede, in der fünf BlackBerry-Modelle entwickelt wurden: BlackBerry Bold 9700, Bold 9780, Bold 9790, Pearl 3G und Curve 9380. Aber was heißt “entwickelt” genau und was gab es in Bochum denn zu sehen?

Werksbesichtigung bei RIM
RIM in Bochum - Hier gehts zu den Laboren (Bild: kaz)RIM in Bochum - Test im Hochfrequenzlabor (Bild: RIM)RIM in Bochum - Test der Strahlungsintensität und Abstrahlcharakteristik (Bild: RIM)RIM in Bochum - Test der Strahlungsintensität und Abstrahlcharakteristik (Bild: RIM)
RIM in Bochum - Test der Strahlungsintensität und Abstrahlcharakteristik (Bild: RIM)RIM in Bochum - Test mit einem Wifi-Router (Bild: RIM)RIM in Bochum - Platine eines BlackBerrys (Bild: RIM)RIM in Bochum - Test im Hochfrequenzlabor (Bild: RIM)
RIM in Bochum - Test Antennenleistung (Bild: RIM)RIM in Bochum - Test im Hochfrequenzlabor (Bild: RIM)

Design versus Technik, Waterloo versus Bochum

Der kanadische Hersteller RIM ist als Weltkonzern überall vertreten, auch in Deutschland. Und darauf sind die Mitarbeiter vor Ort besonders stolz, denn sie bringen einige Alleinstellungsmerkmale mit, die nicht jede andere Dependance vorweisen kann.

In Bochum befindet sich eine eigene Entwicklungsabteilung, die zuletzt zwei Modelle des Blackberry Produktportfolios hervorgebracht hat: den Curve 9380 und den Bold 9790. “Entwickelt” ist ein tolles, aber sehr weit gefasstes Wort. Auf Nachfrage erfährt man: Die Deutschen mussten sich an einer klaren Vorgabe entlang hangeln. Die kanadischen Designer hatten das Aussehen vorgegeben, die Ingenieure in Bochum sind verantwortlich für das Innenleben.

Ein Mitarbeiter beschrieb den Prozess als ein “Tauziehen” zwischen den Designern in Waterloo und den Ingenieuren in Bochum. Da beschwert sich der Künstler, dass die Ingenieure das Design verschandelten und die Ingenieure beklagen, dass die Designheinis nicht ausreichend Platz für die Technik vorgesehen hätten.

Denn einerseits will man ein schmales Smartphone mit großem Display, dem schnellsten Datentransfer und ständiger Erreichbarkeit. Andererseits soll der Akku den ganzen Tag durchhalten, das Gerät nicht gleich bei jedem Fall zu Bruch gehen und sich nicht zu stark aufheizen.

Das alles sind Prämissen, die nur schwer unter einen Hut zu bringen sind. Also feilscht man um jeden Millimeter und “am Ende entscheidet die Deadline” – der ist es nämlich egal, wer stärker ist. Zu dem “vom Marketing vorgesehenen Starttermin” muss das Gerät marktreif sein. Auf die Nachfrage, wie lange man denn dafür Zeit hatte: „ein Jahr”.

Was passiert in Bochum?

RIM in Bochum - Test der Strahlungsintensität und Abstrahlcharakteristik (Bild: RIM)

RIM in Bochum - Test der Strahlungsintensität und Abstrahlcharakteristik (Bild: RIM)

In Bochum gibt es interessante Aufgabenbereiche:

  • Software- und Hardware-Entwicklung
  • Hochfrequenztechnik
  • Mechanik
  • Audio/Display/Kamera
  • Qualitätssicherung
  • In der Qualitätssicherung werden fertige Geräte auf ihre Praxistauglichkeit überprüft. Dafür gibt es das, in meinen Augen, “Gruselkabinett des Doktor Mabuse”: In verschiedenen Laboren werden die bösesten Tests auf die armen, wehrlosen Smartphones losgelassen. Die Klimakammer heizt den Blackberrys kräftig ein, im Fallturm schlägt das Gehäuse auf Beton auf, eine Eisenkugel variablen Gewichts wird auf das Display geworfen und die neueste Gemeinheit ist die Kammer mit Salzwassersprühnebel: Damit kann man laut der Aussage eines Ingenieurs ein Klima “wie in Meerwasser erzeugen, also fast”.

    Am besten bleibt mir aber die “Käfighaltung” der Smartphones im Gedächtnis: In fünf Kammern befindet sich jeweils ein Smartphone in “Einzelhaft”. Diese Kammer, von etwas mehr als einem Meter Länge, rotiert pro Minute rund zehn Mal und lässt den Blackberry jedes Mal einen Meter tief fallen. Bei jedem Aufschlag kann man die Smartphones praktisch schreien hören – doch der unbarmherzige Kerkermeister kommentiert diese Misshandlung nur mit dem lapidaren Spruch: “Oh, da hat es schon eines zerlegt”. Simuliert werden damit unkontrollierte Stöße und Schläge, wie ein Fallenlassen des Smartphones. Gern hätte ich euch Fotos von diesen Maschinen gezeigt, doch leider war das hier nicht erlaubt.

    Ingenieurstechnik “Made in Germany”

    RIM in Bochum - Test mit einem WLAN-Router (Bild: RIM)

    RIM in Bochum - Test mit einem WLAN-Router (Bild: RIM)

    Von den fast 300 Ingenieuren und Wissenschaftlern in Bochum entfällt ein Teil auch auf das Hochfrequenzlabor. Dort passieren völlig unspektakuläre, weil nicht sichtbare Dinge: Ein Blackberry dreht sich um seine eigene Achse in einer Kammer, die mit einem Schaumstoff in spitzer Form ausgekleidet ist. Wozu? Hier wird die Abstrahlcharakteristik ermittelt. In wenigen Zentimeter Entfernung empfängt dazu eine Antenne die gesendete Strahlung. So wird sichergestellt, dass die Sendeleistung auch nach mehreren Stürzen immer gleich bleibt. Im nächsten Raum hängen die verschiedensten WLAN-Router, wie Trophäen aufgereiht. Folgerichtig wird hier nachgeschaut, wie gut die Blackberrys mit WLAN umgehen können.

    Sehr stolz ist der Leiter des Labors auf seine fähigen Mitarbeiter: “Wir zertifizieren hier verschiedenste Blackberrys für die Wifi Alliance oder CCX, die Kompatibilität mit Cisco Geräten. Und bisher hat jeder Blackberry die hohen Standards erreicht.”

    Wie es von der Designstudie zu einem fertigen Produkt kommt, werde ich im zweiten Teil berichten. Also bleibt dran.

     

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    1. [...] hatte der Presse die Gelegenheit gegeben, hinter die Kulissen des Werkes in Bochum zu blicken. Siehe dazu auch den ersten Teil meines Berichts. Ein Programmteil des Tages beschäftigte sich mit der Entwicklung von Smartphones. In einer [...]

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