Camera Culture Research Project am MIT:
Die Kamera, die um die Ecke blickt

Die einfallsreichen Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) können um Ecken schauen. Durch das „Echo” eines Laserstrahls werden Gegenstände hinter einer Mauer sichtbar.


Die Kamera des MIT nutzt Laserstrahlen so ähnlich wie ein Sonar in der Schifffahrt, um Gegenstände hinter einer Wand zu erfassen.

Die Kamera des MIT nutzt Laserstrahlen so ähnlich wie ein Sonar in der Schifffahrt, um Gegenstände hinter einer Wand zu erfassen.

Wenn man „jemanden um die Ecke bringt”, heißt das im Normalfall nichts Gutes für die Person. Woran liegt das? Weil hinter der Ecke etwa eine Falle lauert? Eine zweite Person mit einem Knüppel gar? Was auch immer sich hinter der Ecke versteckt: Mit der am Massachusetts Institute of Technology entwickelten Kamera im Rahmen des „Camera Culture Research Project” kann man praktisch um Ecken blicken!

Das Prinzip dahinter ähnelt dem Sonar, bekannt aus der Schiffahrt: In diesem Fall wird ein Laserstrahl für Bruchteile einer Sekunde auf eine Wand geschossen. Um genau zu sein sind es 50 Femtosekunden, das sind 15 Nullen hinter dem Komma. Die Strahlen werden reflektiert, treffen auf Hindernisse hinter der Ecke und prallen irgendwann so ab, dass sie wieder zurück zum Laser gelangen. Dort steht ein Sensor, der die Strahlen in Bilder umwandelt, in je zwei Picosekunden ein Bild (eine zwei mit zwölf Nullen vor dem Komma). Die Zeitdifferenz zwischen dem Verschießen des Laserstrahls und dem Auftreffen auf dem Sensor reicht, damit man eine ungefähre Ahnung erhält, was sich hinter der Wand abspielt. Um sich ein umfassenderes Bild von den Objekten hinter der Ecke machen zu können, wechselt der Laser zwischen 60 Positionen und kann dadurch Räumlichkeiten annähernd abbilden.

Das folgende Video zeigt euch dieses Funktionsprinzip:

Aber es gibt andere Hindernisse zu überwinden…

Der Positionswechsel hat jedoch noch einen anderen Grund: Was tun, wenn zwei Photonen zwar unterschiedliche Objekte treffen, aber die gleiche Zeit unterwegs waren? Da ein Computeralgorithmus nur über die Latenzzeit Objekte bestimmt, können Verwirrungen auftreten, deshalb wechselt der Laser die „Schussrichtung”, über die unterschiedlichen Informationen und eine Wahrscheinlichkeitsannahme, werden so aus den diffusen Reflektionen letztlich verlässliche Bilder. Da nämlich alle zwei Picosekunden ein Bild verarbeitet wird, erreicht man eine Auflösung von unter einem Millimeter.

Das Ganze scheint jedoch ein paar Einschränkungen zu haben: Bei hellen Umgebungen, sinkt die Zuverlässlichkeit höchstwahrscheinlich, schwarze Gegenstände schlucken Licht und die Bildverarbeitung dauert momentan zehn Minuten. Die Forscher hoffen, dass mit fortschreitender Entwicklung hinter der „10” bald nur noch „Sekunden” stehen wird.

Was haltet ihr von dieser Kamera? Sollte sie irgendwann Serienreife erlangen und für kleines Geld erhältlich sein, was würdet ihr damit anstellen? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren.

Via Nature.

 

Mehr lesen

Cubli Roboter: Die Würfel rollen nun von allein

25.12.2013, 0 KommentareCubli Roboter:
Die Würfel rollen nun von allein

Cubli ist ein Würfel aus der Schweiz und kann mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Völlig ohne Fremdeinwirkung stellt er sich selbst auf die Spitze, balanciert und rollt über den Untergrund.

Interaxon Muse: Gedankenlesendes Stirnband

28.8.2013, 1 KommentareInteraxon Muse:
Gedankenlesendes Stirnband

Geräte schlichtweg mit den eigenen Gedanken zu steuern, ist realistischer und näher an der Verwirklichung, als mancher meinen würde. Ein Beispiel ist das Interaxon Muse: Was aussieht wie ein Stirnband, ist ein High-Tech-Gedankenleser.

Morephone und Morphees: Displays verbiegen sich, wenn ein Anruf eingeht

3.5.2013, 0 KommentareMorephone und Morphees:
Displays verbiegen sich, wenn ein Anruf eingeht

Biegsame Displays werden kommen, also warum nicht die Besonderheit des flexiblen Materials ausnutzen? Gleich zwei Forschungsprojekte arbeiten derzeit an Displays, die sich verformen, wenn eine bestimmte Anwendung gestartet wird oder ein Anruf eingeht.

QX100: Die Linsenkamera von Sony im Alltagstest

7.2.2014, 3 KommentareQX100:
Die Linsenkamera von Sony im Alltagstest

Mit seinen Linsenkameras (oder Kameralinsen?) QX10 und QX100 hatte Sony überrascht: Sie sind wie kompakte Digitalkameras, aber ohne Kamera. Man hat im Grunde nur das Objektiv in der Hand und als Steuereinheit dient das Smartphone. Ist das nun eine gute Idee oder eine Spielerei? Wir haben es ausprobiert.

Panono: Kamera-Wurfball für ein Bild, das alles festhält

14.11.2013, 0 KommentarePanono:
Kamera-Wurfball für ein Bild, das alles festhält

Panono ist ein Kamera-Wurfball, der alles aufnimmt, was um, unter und über uns passiert. 36 Einzelkameras setzen das Bild zusammen. Die Crowdfunding-Kampagne des Berliner Startups hat gute Chancen, umgesetzt zu werden.

Lomografie-Linsen: Vintage-Effekte für Digitalkameras

5.11.2013, 0 KommentareLomografie-Linsen:
Vintage-Effekte für Digitalkameras

Mit drei Aufsatzlinsen können ambitionierte Fotografen den Effekt der Lomokamera auch mit ihrer modernen Digitalkamera erleben. Die Linsen sind für Micro-Four-Thirds-Kameras optimiert, können aber auch mit einem Adapter betrieben werden.

Qwerkywriter: Tastatur mit mechanischen Schaltern in Steampunk-Optik

16.6.2014, 4 KommentareQwerkywriter:
Tastatur mit mechanischen Schaltern in Steampunk-Optik

Das Kickstarter-Projekt Qwerkywriter will den Spagat schaffen, die ansprechende Optik antiker Schreibmaschinen mit dem Schreibkomfort moderner mechanischer Tastaturen (Stichwort: Cherry MX-Schalter) zu verbinden.

19.2.2013, 0 KommentareSakrale Tonkunst:
Dinkel hat's wieder getan

Georg Dinkel hat es wieder getan: einige Monate reichten ihm aus, um ein iPad-Dock der besonderen Art zu erschaffen. Und dabei herausgekommen ist wieder ein Stück sakraler Tonkunst für die digitalen Gerätschaften von heute.

Trotify: Für die Biker der Kokosnuss

28.11.2012, 0 KommentareTrotify:
Für die Biker der Kokosnuss

Trotify ist ein mit Muskelkraft betriebenes Gadget, das als flacher Holzbausatz per Post ins Haus kommt. Der künftige Nutzer muss es nur noch zusammenbauen, eine Kokosnuss hinzufügen und das fertige Trotify an seinem Fahrrad befestigen.

2 Kommentare

  1. In 10 Jahren in Autos. Sehen was aus einer Ausfahrt kommt. Im Sicherheitssektor (Kameras). Und vor Allem in der Medizin. Je nach Wellenart der Laser könnte dies Röntgenstrahlen ersetzen. Zudem ist das abtasten per Laser eine wesentlich exaktere Möglichkeit der Fotografie. Oder um genau zu sein, die erste Möglichkeit “wirklich” digital zu fotografieren. Bisher werden analoge Daten zu digitalen umgewandelt. In diesem Fall wäre die Auflösung kein Vergleich mehr zu aktuellen MP Kameras und quasi “unendlich” Zoombar. Die Farben lassen sich ebenso durch die Reflexionsgeschwindigkeit ermitteln. Es würde allerdings eine unglaubliche Rechen und Speicherleistung voraussetzen.
    Wir werden uns wohl noch einige Male um die Sonne bewegen bis wir diese Technik in Handy besitzen, wenn diese Teile dann noch Handy`s heißen.

  2. Traurigerweise halte ich es für das Wahrscheinlichste, dass diese Technologie hauptsächlich im militärischen Bereich zum Einsatz kommen dürfte. Sie ist geradezu prädestiniert dazu… sehen, was verdeckt ist, bzw. sich versteckt.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder