Playstation Vita im Test (1/2):
Handheld-Konsole im Praxis-Check

1,2 Millionen Geräte konnte Sony von der neuen Handheld-Konsole Playstation Vita bereits absetzen. Der Konzern gibt sich zufrieden. Und wie sieht es aus dem Blickwinkel der Kunden aus? Hier die Vita im Praxischeck.


Schick, keine Frage. (Foto: Sony Computer Entertainment)Seit dem 22. Februar 2012 ist die Playstation Vita in der westlichen Welt erhältlich. Über 600’000 Geräte gingen allein in Europa und Nordamerika über den Ladentisch, die andere Hälfte der insgesamt 1,2 Millionen Konsolen entfällt auf Japan – wo sie bereits seit Ende des letzten Jahres verkauft wird.

Hightech vom Prozessor bis zur Bedienung

Mit Lieferengpässen hatte Sony trotzdem nicht zu kämpfen. Unverändert kann man die Vita für reguläre EUR 249 erwerben. Für den stolzen Preis erhält man ein wahres Technikmonster. Verbaut wurde in das schicke und an den Vorgänger PSP erinnernde Gehäuse ein Cortex-A9-Vierkernprozessor von ARM. Ihm zur Seite steht ein SGX 543MP-Grafikchip mit vier Kernen. Gemeinsam sollen sie das leuchtintensive OLED-Display (5 Zoll Diagonale) mit Bildern befeuern.

Und in der Tat: Hält man die Vita das erste Mal in der Hand, ist man positiv überrascht. Der Touchscreen sieht fantastisch aus und gibt keinen Grund zur Klage. Wer die Playstation Portable kennt, freut sich auch über den endlich vorhandenen zweiten Analogstick, der die Steuerung zum Beispiel bei Egoshootern und Action-Adventures künftig gravierend verbessern dürfte. Sonst ist alles gleich geblieben: Neben dem Steuerkreuz über dem linken Analogstick gibt es die vier typischen Playstation-Tasten über dem rechten Stick. Dazu gesellen sich die nicht ganz so einfach erreichbaren Start- und Select-Buttons sowie die fein placierten Schulterknöpfe. Und auf der Rückseite? Da integrierte Sony ein Touchpad. Mit diesem kann man Objekte oder gar Figuren in Spielen steuern – unauffällig durch das Darüberwischen mit den Fingern.

Playstation Vita: Praxischeck (1/2)
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Ordentliche Akkulaufzeit

Der Touchscreen selbst kann mehrere gleichzeitige Eingaben verarbeiten – wie man es bei typischen Smartphones und Tablets der Gegenwart kennt. Hier fällt ebenso auf: Die gesamte Menüführung des eigens programmierten Vita-Betriebssystems ist auf Fingertippen ausgelegt, mit den Sticks und Buttons kann man sich nicht durch die Menüs hangeln. Es wirkt fast so, als würde man einen Touchscreen-Mediaplayer verwenden, dem zusätzliche Knöpfe für Spiele spendiert wurden. Das sollte jedoch keinesfalls als Kritikpunkt angesehen werden. Letztlich überzeugt die Benutzeroberfläche, sie ist sehr aufgeräumt und besitzt viele Elemente, die man auch von iOS und Android kennt. Dazu gehören das Löschen und Anordnen von App-Icons oder das Gleiten durch die Optionen.

Löblich ist ferner die Akkulaufzeit der Vita: Im Standby-Modus schafft sie ohne weiteres vier, fünf Tage. Beim intensiven Spielen geht ihr nach spätestens fünf Stunden die Puste aus. Danach lädt man die Konsole mit dem beiliegenden USB-Ladegerät innerhalb von zirka zwei Stunden wieder auf. Zum Vergleich: Der 3DS, Nintendos aktuelles Handheld-Spitzenmodell, hält höchstens zwei Tage im Standby, von der reinen Spielzeit mit zwei bis drei Stunden ganz zu schweigen. Dabei ist dieser, abgesehen vom 3D-fähigen Display, technisch kaum konkurrenzfähig.

Apropos Nintendo: Sony ließ sich für die Vita sichtlich vom Mitbewerber inspirieren. Das Begrüssungscenter, in dem alle relevanten Funktionen der Konsole vorgestellt werden, könnte auch ohne weiteres von einer Nintendo-Konsole stammen. Oder die furchtbare Fahrstuhlmusik, die permanent abgespielt wird, aber zum Glück deaktiviert werden kann. In besagter App bekommt man dann auch endlich weitere Elemente mit: Die Vita besitzt zwei VGA-Kameras auf der Vorder- und Rückseite. Mit diesen kann man Fotos schießen und Videos aufnehmen, aber auch für Augmented-Reality-Spiele sind sie zu gebrauchen. Erwähnen möchte ich auch die drei Motionsensoren, das Gyroskop, den Beschleunigungssensor und den elektronischen Kompass. Aber all das besitzen ebenfalls die meisten Handys, Touchscreen-Computer und sogar seit Jahren der Nintendo DS (und 3DS).

Keine UMDs mehr, aber…

Kleine Spielmodule gibt es jetzt. (Foto: Sony Computer Entertainment)Geändert hat sich noch etwas: Gab es bei der Playstation Portable spezielle Disks (UMDs), die ein rotierendes Laufwerk verlangten, entschieden sich die Techniker bei der Vita für ein Modul-Format. Vollpreisspiele kauft man regulär im Handel auf kleinen Speicherchips, ähnlich denen vom Nintendo DS oder 3DS. Was Sony verschweigt: Zusätzlich wird eine Speicherkarte zwingend benötigt, die es bisher von keinem anderen Zubehörhersteller als Sony gibt. Für 8-GB-Karten, auf der man Spielstände, Musik und andere Inhalte speichert, werden EUR 20 fällig. Die 16-GB-Varianten liegen preislich bei stolzen EUR 50. Ohne diese Speicherkarten kann man sich nichts herunterladen oder gar Spiele installieren – was bei einigen Titeln wie zum Beispiel «Uncharted: Golden Abyss» zwingend nötig ist. Und: 8 GB sind schnell ausgereizt, vor allem wenn man gerne viel herunterlädt. Vollpreisspiele, digital im Playstation Store erworben, liegen gerne bei 3 bis 4 GB. So oder so sind die Ladezeiten von den Medien teils unerträglich lang. Hier sind die Entwickler gefragt, sich Lösungen einfallen zu lassen.

3G? Nicht nötig!

Wer EUR 50 mehr, also EUR 299, für seine Vita ausgeben möchte, kann auch zur 3G-Ausgabe greifen. Dank einer beliebigen SIM-Karte (es gibt keinen SIM-Lock) ist das Surfen im recht ordentlichen, aber Flash-freien Browser von jedem Ort der Welt möglich. Ebenfalls erhält man dann das GPS-Modul gratis dazu. Es sei aber betont: Die Mehrinvestition lohnt sich nicht, wenn man bereits ein Smartphone mit einer entsprechenden Internetflatrate besitzt. Aktuelle Telefone mit Android und iOS können problemlos einen Hotspot aufbauen und somit einen Webzugang für eine WLAN-Vita herstellen. Die präzise GPS-Ortung ist bisher nicht von Bedeutung für Spiele, außerdem dürfte die Feststellung der Position über WLAN-Netze ausreichend sein. Und: Mit der 3G-Konsole kann und wird man auch in Zukunft nicht regulär telefonieren können – wozu also unnötig mehr Geld aus dem Fenster werfen?

Und sonst? An wen richtet sich denn das Hightech-Feuerwerk für die (grosse) Hosentasche? Das verrät der zweite Teil des Vita-Tests.

 

Sven Wernicke

Sven Wernicke hat eine Vorliebe für verspielte Gadgets, kunterbunte LEDs und Technik, die unterhalten möchte.  Wenn ihm als Freiberufler noch etwas Freizeit bleibt, bastelt er an seinen eigenen Projekten wie zum Beispiel Polygamia.de.

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3 Kommentare

  1. …,,3G? Nicht nötig!
    Wer EUR 50 mehr, also EUR 299, für seine Vita ausgeben möchte, kann auch zur 3G-Ausgabe greifen…”

    Das Argument ist sicherlich verständlich.
    Aber wie sieht es mit dem Wiederverkaufswert aus?
    Als Applerianer erwerbe immer möglichst die Ausstattungsvarianten welche sich auch möglichst lukrativ weiterverkaufen lassen.
    Sprich wenn ich das Gerät in einem Jahr weiterverkaufe und ich behalte Multimediageräte selten länger als 2 Jahre, rentiert es sich wahrscheinlich die 3G Variante erworben zu haben.

    • Das verstehe ich nicht: Du kaufst also teurere Hardware (also mit 3G z.B.), um so später für mehr Geld verkaufen zu können? Ich gehe nicht davon aus, dass sich die 50 Euro Mehraufwand bei der Vita bei einem späteren Weiterverkauf lohnen. Du solltest auch bedenken: Die Vita ist vorrangig zum Spielen da. Wieso sollte man sie nach zwei Jahren verkaufen? Konsolen besitzen normalerweise einen längeren Lebenszyklus als ein iPhone, das ja nach einem Jahr schon durch ein neues Modell ersetzt wird…

  2. Ich find die Werbung echt cool die Sony da für die neue Vita macht. Passt sicher auch für das Publikum. Allerdings ist die Konkurrenz schon sehr gross in dem Bereich …

2 Pingbacks

  1. [...] ein dazugehöriges Spiel lag bei rund USD 200 (rund EUR 150). Zum Vergleich: Die aktuelle PlayStation Vita ist für rund EUR 300 [...]

  2. [...] der PS4 erhalten haben, Ende des Jahres soll die Hardware soweit fertig sein und auch eng mit der PlayStation Vita zusammenarbeiten – ähnlich wie die Wii U mit dem eigenen [...]

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