«In Deutschland zu Hause – Einfallsreichtum»:
Technik auf der Marke

Viele der heute in Fernost produzierten Alltagsgegenstände wurden in Deutschland erfunden, das wird leicht vergessen. Die Deutsche Post erinnert nun an einige dieser Erfindungen mit zwei neuen Briefmarken.

Briefmarke In Deutschland zu Hause-Einfallsreichtum - Technik (Bild: Deutsche Post)

Manchen interessiert nur das spezielle Design eines Produkts: «Apple-Notebooks sind cool, Bill Gates hat ja schliesslich keinen Geschmack, sagte Steve Jobs.»

Auch aus Deutschland kam Technik im coolen Design – man denke nur an die legendären weissen HiFi-Anlagen von Braun.

Doch selbst wenn es das längst verschriene «Gelsenkirchner Barock» der Musiktruhen der 50er-Jahre ist – ein einmal gesehenes Design erinnert uns plötzlich an unser Zuhause.

In vielen Fällen steht hinter der Entwicklung von technischen Geräten oder Designobjekten ein einzelner Erfinder oder eine Entwicklerin und häufig genug sind damit auch konkrete Patentanmeldungen verbunden gewesen. Die Namen der jeweiligen Erfinder sind der Öffentlichkeit zumeist unbekannt.

Vor diesem Hintergrund will die Briefmarkenreihe «In Deutschland zu Hause» der Deutschen Post das in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geratene «Land der Ideen» wiederbeleben und hat insgesamt sechs deutsche Erfinder auf den zwei gängigsten deutschen Briefmarken – 45 und 55 Cent für Postkarte und Standardbrief – verewigen lassen.

Zunächst drei Alltags-Küchenerfindungen:

Thermosflasche: Reinhold Burger, 1903

Die Idee kam aus der chemischen Forschung: Eine doppelwandige Flasche mit einem Vakuum zwischen den beiden Glaskörpern hält Stoffe so gut kalt wie heiss. Der in Berlin ansässige Glasfabrikant Reinhold Burger griff das auf und meldete 1903 einen entsprechend konstruierten Behälter für Nahrungsmittel zum Patent an. 1904 begann die Produktion der Flaschen, für die nach einem Wettbewerb zur Namensfindung die Bezeichnung «Thermosflasche» zur geschützten Marke wurde.

Doppelkammerteebeutel: Teekanne, 1949

Es begann mit einem Missverständnis: 1904 verschickte ein amerikanischer Importeur Teeproben in kleinen Seidensäckchen. Seine Kunden entnahmen die Blätter nicht wie vorgesehen, sondern gaben den kompletten Beutel in die Kanne. 1949, mittlerweile im niederrheinischen Viersen ansässig, liess Teekanne den noch heute gebräuchlichen Doppelkammer-Aufgussbeutel patentieren. Der Name des Erfinders ist in diesem Fall nicht bekannt, doch die Teebeutel haben sich weltweit durchgesetzt.

Currywurst: Herta Heuwer, 1949

Keine Drei-Sterne-Küche, doch auch eine deutsche Erfindung: Die Currywurst! Entstanden an einem von Herta Heuwer betriebenen Imbissstand in Berlin, heute sogar im Museum zu finden (wenn auch nicht mehr geniessbar).

Auf der 55-Cent-Briefmarke wird es dann endlich elektronischer:

Grammophon: Emil Berliner, 1887

Der von Thomas Alva Edison 1877 entwickelte «Phonograph» übertrug Schallwellen noch auf eine mit Wachs überzogene Walze, die mit Hilfe einer Nadel abgespielt werden konnte. Die Lautverstärkung erfolgte über einen Trichter. Das funktionierte zwar, doch waren die Wachswalzen unhandlich und nutzten sich schnell ab.

Der 1851 in Hannover geborene Emil Berliner verwendete stattdessen eine runde Scheibe, die auf einem rotierenden Teller lag und hatte damit den Plattenspieler und die Schallplatte erfunden, der er auch diesen Namen gab. 1887 meldete er sein «Grammophon» in Washington zum Patent an. Kommerziellen Erfolg erzielte er erst nach 1895, als es ihm gelungen war, statt des anfangs verwendeten Hartgummis aus einem Gemisch von Füllstoffen, Russ und Schelllack eine beliebig oft kopierbare, dauerhafte Schallplatte zu entwickeln. In den 50er-Jahren wurde dann von dem zerbrechlichen und stark rauschenden Schellack nochmals auf PVC umgestellt, heute «Vinyl» genannt.

Tonband: Fritz Pfleumer, 1928

Fritz Pfleumer entwickelte in Dresden mit Bronzelack überzogene Papiere für Zigarettenmundstücke. Daraus entstand die Idee, als Träger für die magnetische Tonaufzeichnung Papierstreifen mit Eisenpulver zu beschichten statt der bis dahin verwendeten Stahlbänder und -drähte. 1928 meldete er sein Verfahren zur Herstellung von «Lautschriftträgern» zum Patent an. Als problematisch erwies sich dabei die geringe Reissfestigkeit der Papierstreifen. Dennoch griff die AEG Pfleumers Erfindung auf und gewann die Badische Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen für die Entwicklung eines strapazierfähigen Kunststoffbandes. 1934 wurde das erste damit arbeitende Tonbandgerät unter dem Namen «Magnetophon» präsentiert.

MP3: Fraunhofer-Institut, 1987, u.a. Dr. Karlheinz Brandenburg, Hans-Georg Musmann und Gerhard Stoll

Schon Ende der 1970er begannen an der Universität Erlangen-Nürnberg Entwicklungsarbeiten zur digitalen Speicherung von Musik. 1987 wurde in einer Forschungsallianz mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen das später MP3 getaufte Verfahren von einem Team so weiterentwickelt, dass nur noch 10 Prozent des Speicherplatzes des CD-Originals benötigt wurde. MP3 veränderte Hörgewohnheiten und Konsum weltweit. Musiksammlungen, die zuvor ganze Schränke füllten, passten nun in Abspielgeräte von der Grösse einer Streichholzschachtel.

Dr. Karlheinz Brandenburg ist als «MP3-Erfinder» bekannt geworden, doch war ein ganzes Team unter der Leitung von Hans-Georg Musmann an der Entwicklung beteiligt, dem auch der leider früh verstorbene Gerhard Stoll angehörte.

 

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