TDK ST-700 im Test:
Satter Bass im 90er-Jahre-Look

Der Kopfhörer TDK ST-700 muss sich dem Hörtest unterziehen und überzeugt mit Umgebungsgeräusch-Abschirmung und satten Bässen.


Die Auswahl an Kopfhörern hat enorm zugenommen. Bügelkopfhörer, In-Ear, On-Ear, Nackenbügel oder lieber sportlich die Ohren umschlungen? Nachdem man fast alles bedient hatte, musste es dann grösser und «fetter» werden. Bei all der Liebe zum Design kommt bei den meisten Dingern aber nur Lärm heraus. Eine wohltuende Ausnahme stelle ich mit dem TDK ST-700 vor. Ist der kultig-zurückhaltende Kopfhörer seine EUR 100 wert?

TDK ST-700
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Früher war alles besser, auch das Design

…und so ließ sich TDK von Modellen aus den 90er-Jahren inspirieren. Das schwarze Gehäuse ist matt gummiert und fühlt sich gut an, während die weichen Ohrpolster aussen goldfarben glänzen und an grosse Lautstärkeregler erinnern. Der fast gänzliche Verzicht auf glänzende, glatte Flächen erleichtert die Reinigung enorm. Für den Transport klappt man die Bügel in den kräftigen Metallscharnieren ein und verstaut den Kopfhörer im mitgelieferten, samtartigen Beutel. Bis hierher würde ich sagen «Top-Produkt» und sein Geld wert. Aber leider patzt TDK beim Kabel in mehrfacher Hinsicht: Erstens ist es fest angebracht und kann nicht getauscht werden, zweitens hat das Kabel eine solche Eigensteifigkeit, dass die runde Wicklung sich auch nach Tagen noch nicht geglättet hat. Und drittens kommt aus jedem Hörer ein Kabel heraus, das mag der Qualität und Langlebigkeit vielleicht zuträglich sein, weil keine Kabel geknickt werden beim Zusammenklappen oder die Kontakte immer sauber bleiben, aber komfortabel ist das nicht so sehr. Dafür hat es mit 40 cm die richtige Länge, um den MP3-Player in der Brusttasche zu verstauen.


Reingehorcht

Obwohl ich als eingefleischter Naturwissenschaftler nicht an «Audio-Voodoo» glaube, habe ich dem TDK 20 Stunden «Burn-In» erlaubt. Als Burn-In beschreiben Audiofetischisten den Vorgang des, wie soll man das rational ausdrücken, «Einhörens» des Lautsprechers: Eine gewisse Zeitspanne wird das Audiogerät mit Musik abgespielt, danach soll sich die Klangcharakteristik verändern – physikalisch kann mir das keiner erklären. Klanglich setzt sich das ST700 von den Designwundern gehörig ab: kräftiger Klang mit starkem Bassfundament und schönen Mitten. Die Violinen in Bachs Violinenkonzert in a-Moll (BWV 1041, Philipps Classics 1996) klangen zwar rein und unverzerrt an einem Mittelklasse CD-Spieler (Denon DCD-685) es fehlte jedoch an Räumlichkeit. Bei Pet Shop Boys «New York City Boy» (EMI Records 1999) filterte diese Eigenschaft das fiese Zischen der Vocals elegant heraus und wummerte mit kräftigen Bässen. Hier zeigte sich auch schnell, woran das liegt: Umso toller die Songs werden und umso mehr man die Lautstärke aufdreht, desto besser werden die Höhen. Das ist ein häufig zu beobachtender Sachverhalt, doch beim TDK muss man schon arg aufdrehen. Deshalb ist der ST-700 zwar auch ein Kopf- vorrangig jedoch ein Lauthörer.

TDK hat den Kopfhörer bewusst in seiner Klangcharakteristik beeinflusst er klingt warm und angenehm, dämpft jedoch die hohen Frequenzen ab. Dass der ST-700 sehr wohl auch klare Frequenzen oberhalb von 14’00 Hz reproduzieren kann, stellt ein Equilizer unter Beweis, dann klingt der Kopfhörer fast so, wie er sollte – klar und rein. Nur machen hier viele Hersteller einem einen Strich durch die Rechnung, da man die Equailizer-Voreinstellungen nur selten verändern kann.

Für den «Strassenmusiker», der mit Kopfhörern in der Bahn fährt und auch im Supermarkt lieber seine eigene Musik hört, eignet sich der TDK schon deshalb, weil er ein geschlossener Hörer mit guter Abschirmung ist. Dabei sollte das Endgerät aber auch gehörig Lautstärke liefern, denn der ST-700 ist nicht so responsiv, wie beispielsweise ein «Nokia Purity HD Stereo Headset by Monster» (das Kabel ist genauso lang wie der Name! Test folgt noch), das schon bei kleinen Lautstärken guten Krach macht. Der TDK bringt eine angenehme Lautstärke erst bei hohen Pegeln, an der heimischen Anlage spielt er fröhlich mit, beim iPhone 4S oder Lumia 800 erreicht man schnell maximale Lautstärke ohne wirklich laut zu hören.

Fazit

Der TDK macht Spass und eignet sich vor allem für Live-Musik und basslastiges Material. Leider sitzt er sehr stramm und drückt entsprechend auf Brillenbügel – unbedingt vorher aufsetzen und ausprobieren. Durch sein geschlossenes Design schirmt er bei der Autofahrt beispielsweise komplett ab. Leider muss man die Lautstärkepegel hoch drehen, um in den Genuss guten Klangs zu gelangen. Der TDK ist ein gut designter, solide klingender Mittelklasse-Kopfhörer, der zurecht HiFi im Namen tragen darf – aber es gibt noch Verbesserungsspielraum.

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