Make·Play·Live Spark Tablet:
Offenes Linux-Tablet

Das Spark Tablet hat den Funken einer Chance etwas ganz ganz Grosses zu werden. Leider verspricht das Linux Tablet mehr als man erhält.


Spark Tablet - Offenes Linux-Tablet mit fehlendem Feintuning {Aseigo;http://aseigo.blogspot.com/}
Spark Tablet - Offenes Linux-Tablet mit fehlendem Feintuning (Quelle: Aseigo)
Wenn man ein ungelöstes Problem elegant lösen will, dann sucht man nach einer «zündenden Idee». Beim «Spark Tablet» könnte dies zur Namensgebung geführt haben. Oder es war das «Fünkchen» Hoffnung, dass Linux sich doch endlich mal durchsetzt, denn das «Spark Tablet» wird mit KDE Plasma Active UI und dem Linux-Derivat «Mer» verkauft.

Das Spark Tablet hat theoretisch das Zeug zum Hit, auch wegen des anvisierten Preises von um EUR 200, der deutlich unter dem der Konkurrenz liegt. Mit einer Displaygrösse von 7 Zoll kann man gut leben, das Playbook stellt dies vorzüglich unter Beweis, aber nicht mit einer mageren Auflösung von 800 x 480 px. Das ist in Zeiten hochauflösender Smartphones kein Kaufgrund mehr, ein Lumia 800 löst mit der gleichen Pixelanzahl auf, ein Motorola Razr XT910 gar mit noch mehr. Wo wir gerade bei «zu wenig» sind: 1 GHz mögen auf den ersten Blick auch nach wenig klingen, doch es handelt sich um einen ARM Cortex A9, dem gleichen der angeblich im neuen iPad 3 verbaut wird und einer potenten Mali 400 GPU. Die kann ihre Stärke über einen HDMI-Ausgang bei 1080p beweisen. Doch genauso knauserig waren die Entwickler bei Arbeits- und internem Speicher: 512 MB RAM und 4 GB Speicher sind alles andere als zeitgemäss, deshalb auch der microSD-Slot.

Etwas verwundert bin ich über die zwei USB-Ports, die als miniUSB-Slave-Buchsen ausgeführt sind. Das ist aber stringent mit der veraltet wirkenden Ausstattung und ermöglicht sowohl den Anschluss als Massenspeicher an den PC, als auch die Verwendung als USB-Host für UMTS-Modems oder eine externe Tastatur – microUSB wäre jedoch sinniger gewesen. Zwar sind ein 3,5 mm Klinkenstecker und eine Frontkamera verbaut, doch der Entwickler weist klar darauf hin, dass Skype für das Betriebssystem nicht in Sicht ist. Es besteht die Möglichkeit, dass «Empathy», ein Linux-Multimessenger-Client, vielleicht einmal damit zusammenarbeiten wird.

Das Betriebssystem habe ich bewusst bisher ausgeklammert, denn «Mer» bedarf einiger Erklärungen. «Maemo reconstructed», verkürzt «Mer» beerbt den Nokia Abkömmling Maemo, der zum Beispiel auf dem N900 zum Einsatz kommt. Es war geplant mit «Mer» die Unterstützung von ARM-Prozessoren beizubehalten, da Maemo 5 auf OMAP-CPUs setzt. Nachdem aber Meego als Initiative von Intel und Nokia Maemo ablösen sollte und wenig später Intel im Alleingang «Tizen» durchsetzen und von Meego nichts mehr wissen wollte, lenkten die führenden Mer-Entwickler um und versuchten nun Mer so zu programmieren, dass es als «Meego 2.0» auch rückwärts kompatibel zu Meego ist. Das ist alles genauso verwirrend, wie es klingt!

Nachdem wir geklärt haben, was Mer ist, widmen wir uns dem KDE Plasma Active. Es stellt eine Benutzeroberfläche für Touchscreens dar, läuft aber alles andere als flüssig auf dem Spark Tablet. Das liegt an der fehlenden OpenGL-Unterstützung, weshalb die CPU die ganzen «schönen» Effekte rendern muss. In der Demo ist auch kein Pinch-To-Zoom zu erkennen, stattdessen tippt der Nutzer auf eine Vergrösserungslupe.

Ich hatte mich zuerst gefreut, durfte ich doch auf ein tolles Linux-Tablet hoffen, bei dem man die Software völlig frei anpassen kann. Leider bleiben die Hardware und auch die Flüssigkeit der Bedienung weit hinter den Erwartungen. Es wird wohl noch ein paar Monate dauern, bis die Hardwareunterstützung optimal läuft, mal abgesehen von den mageren technischen Daten. Schade.

Via Make·Play·Live.

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