Nokia Lumia 710 im Test (1/2):
Wackelkandidat mit Potenzial

Das Nokia Lumia 710 spricht all die preisbewussten Käufer an, die beim Lumia 800 nicht zuschlagen wollten. Kann die abgespeckte Version überzeugen oder handelt es sich um eine Mogelpackung?


Nokia nimmt wieder Fahrt auf, indem es Kurs auf Windows Phone 7.5 (WP 7.5) setzt, weg von der einsamen Insel Symbian. Ein riskantes Unterfangen, denn viele glauben nicht an den Erfolg von WP 7.5. Da man mit hochpreisigen Geräten den Markt nur schleppend erschliesst, lässt Nokia mit dem Lumia 710 ein günstiges Schnellboot zu Wasser: Abgespeckt aber dem grossen Flaggschiff Lumia 800 technisch durchaus ebenbürtig.

Nokia macht eine schwierige Zeit durch. Der Marktanteil schwindet und die Konkurrenz reisst mit billigen Android-Smartphones Löcher in die Segel. Also setzen die Finnen auf Windows Phone. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn aller Unkenrufe zum Trotz zeigt WP, dass ein Smartphone auch Spass machen und leicht bedienbar sein kann. Es ist natürlich nicht jedermanns Sache, hier und da hakt es noch, beziehungsweise fehlen wichtige Apps (ausgerechnet Skype?), aber WP nimmt Fahrt auf. Kann das kleine Schnellboot aus Espoo seinen Teil dazu beitragen? Dieser Test soll das klären.

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«Qualität hat seinen Preis»

Nokia hat sich die Hardware des Lumia 800 genau angesehen und das Lumia 710 zu einem fairen und vor allem wettbewerbsfähigen Preis vom Stapel gelassen. Wie konnte der Preis gedrückt werden? Da die Innereien vorgegeben sind, musste das Gehäuse dran glauben. Statt dem Unibody-Design setzt man nun auf einen Batteriedeckel und einen wechselbaren Akku. Eigentlich eine tolle Sache. Ist der Saft alle, kann ein neuer Akku eingewechselt werden. Doch leider wirkt das Plastikgehäuse nicht wertig und knarzt im oberen Bereich leicht. Andererseits wirkt es, mal abgesehen vom Knarzen, wie aus einem Guss. Die runde Rückseite schmeichelt der Hand und die 3,7 Zoll-Bildschirmdiagonale eignet sich perfekt für die Einhandbedienung.

Sonnige Aussichten

Leider muss «Speedy» beim Display zurückstecken. Wie bei vereinzelten anderen Symbian-Modellen aus der Werft Nokia, bekam auch das Lumia 710 einen unschönen Farbstich verpasst, diesmal ins sonnig-gelbliche. Wohl ist dieser nicht augenfällig, doch wenn man vorher ein anderes Display anstarrte, wird man sich beim Blick auf den Bildschirm des Lumia fragen, was mit dem Display nicht stimme. Bei schwacher Displayhelligkeit sieht man es verstärkt, je heller die Displaybeleuchtung wird, desto schwächer wird der Effekt. Immerhin hat man auch dem Lumia 710 ein Corning Gorilla Glas spendiert und so muss man sich wenigstens über Kratzer keine Sorgen machen.


Ein echtes WP-Smartphone

Durch die rigiden Hardware-Vorgaben von Microsoft ist der Spielraum zur Einsparung gering, 1,4 GHz CPU und Adreno 205 Grafikchip aus dem Flaggschiff finden sich auch hier drin. Einzig Speicher und Kameraauflösung wurden reduziert. Ein Smartphone mit nur 8 GB und ohne Kartenslot ist grenzwertig.
Andererseits bietet die Konkurrenz auch nicht mehr. Das HTC Radar (wurde von mir bereits getestet und) segelt in den gleichen Preisgewässern, hat jedoch mit einem SLCD ein etwas besseres Display an Bord, während es gleichzeitig mit 1 GHz in puncto Geschwindigkeit unterlegen ist – auf dem Papier, in der Praxis spürt man davon nichts. Dafür fühlt sich das Gehäuse des «Radar» wertiger an.
Ein zweites Mikrofon zur Reduzierung von Umgebungsgeräuschen und eine extra Taste für die Kamera runden das Angebot des Lumia 710 ab. Verspielte Naturen wechseln den Akkudeckel gegen eine farbige Variante und schlaufen einen kleinen Anhänger durch die Öse an der rechten unteren Ecke.

Vorläufiges Fazit

Das Nokia Lumia 710 ist sein Geld wert, wenn auch das Gehäuse keine Zweifel daran lässt, dass wir es mit einem Mittelklassemodell zu tun haben. Trotz des robusten und widerstandsfähigen Plastiks mag beim Anfassen kein wertiges Gefühl aufkommen, obwohl es hervorragend in der Hand liegt. Zudem habe ich das Gefühl, dass das Display Schweiss und Schmutz magisch anzieht. Obwohl vieles für das Lumia 710 spricht, potente Hardware, angenehme Form, kann es mich nicht so recht überzeugen. Vielleicht mutet es zu jugendlich an?

Wieso das Lumia 710 trotzdem eine Überlegung wert ist, erfahrt ihr im zweiten Teil. Dort wird es um Akkulaufzeit, Audioqualität und die Kamera gehen.
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5 Kommentare

  1. swen
    schrieb am 15. Februar 2012 um 08:44 Uhr (#)

    ..und wieder einmal vielen lieben Dank für deinen Test. Ich selbst konnte mir das 710er auch noch nicht anschaun, da kommt dein Test (der sich wie immer super liest) gerade recht. DANKE

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 15. Februar 2012 um 14:15 Uhr (#)

      Danke für die Blumen. Aber mal ehrlich, Du wirst Dein Lumia 800 doch nicht gegen das hier eintauschen wollen?! Eben, deshalb lohnt sich der Gang zur Ladentheke nicht. ;-)

  2. swen
    schrieb am 15. Februar 2012 um 14:18 Uhr (#)

    …nein, natürlich nicht (wobei mein 800er grad wieder zurück zu Nokia geht… da es sich nicht mehr einschalten lässt) aber Hardware rund um WP teste ich dennoch gern… (vorteil wenn man in der Firma für die EDV zuständig ist).

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 15. Februar 2012 um 14:21 Uhr (#)

      Zurück? Was ist denn der Fehler? Wundert mich nicht all zu sehr: 8 Monate Entwicklungszeit und ne Menge Druck von oben, da kann das mal passieren. Obwohl ich sonst nichts Negatives dazu gehört habe. Egal wen ich zum 800er befrage, immer dieselbe Antwort: Top-Gerät!

  3. swen
    schrieb am 15. Februar 2012 um 14:26 Uhr (#)

    Ich hatte das DING ja vor Verkaufsstart erhalten, von Nokia direkt, vielleicht (auch wenn Sie es verneinen) war das eine “Art” Testgerät… Freunde mit 800er haben keine Probleme damit und “lieben” ihr Lumia … ich eigentlich auch … defekte Hardware hatte ich zu iPhonezeiten mehr als genug (da mußte man stellenweise sogar 50Doller hinterlegen, damit Apple das überhaupt abgeholt hat (3G)) Das 800er mag sich nicht mehr einschalten, egal wie man es versucht, auch auf den Bootloader komm ich nicht mehr drauf… bleibt alles DUNKEL… nun ja, für mich jetzt nicht tragisch… hab noch “ein paar” hier rum liegen *g*

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