iPhone- und Android Strahlungsmesser-App:
Geigerzähler ohne Geigerzähler

Der früher für die Produktion des Computertreffs bekannte Fachautor Rolf-Dieter Klein hat eine App für Apple- und Android-Hardware entwickelt, die die eingebauten Kameras als Radioaktivitätsmesser missbraucht.

Screenshot Android App Radioactivity Counter (Bild: Rolf-Dieter Klein)Seit dem (bislang) letzten Atomunglück in Fukushima sind Geigerzähler wieder gefragt. Doch nur für die Möglichkeit, in Notfällen messen zu können, will niemand viel Geld ausgeben. Daher wurden auch Modelle entwickelt, die ein iPhone als Anzeigeelektronik benutzen und so günstiger sind.

Doch auch normale Digitalkameras können – im Dunkeln oder aber mit einer lichtundurchlässigen, doch sonst möglichst dünnen Abdeckung versehen – als Radioaktivitätssensoren missbraucht werden. Es verhält sich ähnlich, wie bei unbelichteten Filmen, die ja auch von radioaktiven Partikeln belichtet werden.

Zu sehen ist dies beispielsweise auf diesen Videos der in Sachen Radioaktivität ziemlich furchtlosen Youtube-Userin Bionerd23:

Wenn man ihre Videos betrachtet, in denen sie ihre Kamera gnadenlos sogar mit einem Glasschneider malträtiert, um die CCD-Abeckung abzunehmen und so auch Alpha-Strahlen messen zu können, erkennt man aber auch den Nachteil dieser Messtechnik: Die Strahlung kann nicht nur temporäre Lichtblitze in der Kamera erzeugen, sondern auch dauerhafte Fehlstellen. Wer mit seiner Kamera noch normal fotografieren möchte, sollte sie also nicht auf diese Weise als Radioaktivitätsdetektor missbrauchen.

Statt einer «richtigen» Digitalkamera oder Webcam kann natürlich auch ein Smartphone zum Radioaktivitätssensor umfunktioniert werden – die Anzeigeelektronik ist ja schon vorhanden. Der IT-Autor Rolf-Dieter Klein hat hierzu etliche Android-Smartphones und iPhones getestet – nicht jede Kamera reagiert gleich empfindlich – und bietet nun Apps für Android-Smartphones und später auch für iPhone und iPad an.

Zwar ist die Empfindlichkeit nicht mit der einee richtigen Geigerzählers vergleichbar: Die gemessenen radioaktiven Gegenstände auf den Videos von Rolf-Dieter Klein liegen direkt auf der Smartphone-Kameralinse. Doch lebensgefährliche Strahlungsintensitäten werden erkannt – und das ohne Hokuspokus mit einer App für nur EUR 3,49.

Als ständig eingesetztes Messgerät für Radioaktivität ist diese Lösung nicht zu empfehlen, da einerseits das Smartphone die Radioaktivität annehmen kann und ja üblicherweise körpernah getragen wird, andererseits wie gezeigt, die Kamera auf Dauer leiden kann. Um festzustellen, ob gerade eine Atombombe oder ein Atomkraftwerk nebenan hochgegangen sind oder die schöne grün glimmende Glasvase vom Flohmarkt gefährlich ist, ist sie jedoch durchaus geeignet.

 

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3 Kommentare

  1. Filme werden von radioaktiver STRAHLUNG belichtet, nicht von Partikeln. Und dass das Smartphone Radioaktivität aufnimmt mag stimmen, aber das tut es doch immer, genauso wie jeder andere Gegenstand!?

    • @Ken: Radioaktive Strahlung sind aber Partikel, Alpha und Beta sind Heliumkerne und Elektronen, zudem gibt es natürlich auch bei Gamma den Welle-Teilchen-Dualismus.

      Wenn man jetzt mal von der sprachlichen Beckmesserei absieht, daß die radioaktiven Partikel eigentlich die Materialien sind, die die Alpha/Beta/Gamma-Teilchen ausspucken und nicht letztere.

      Und ein Smartphone tragen viele ständig “am Mann”, in der Hosentasche gar. Oder man hat es am Ohr. Da habe ich doch etwas mehr Bedenken, es radioaktiv zu kontaminieren als bei einem expliziten Sensor wie einem Zählrohr. Vor allem, wenn die zu messenden Materialien auf Berührung rangehalten werden, wie bei RDK gezeigt wird in den Videos.

      Für Messungen im Alltag irrelevant, nur wenn man da sieht, wie strahlende Proben direkt draufliegen…

    • Strahlung annehmen kann ein Mobiltelefon in dem Sinne, dass es radioaktiv wird, nicht. Wenn man am Strand liegt und von der UV-Strahlung bestrahlt wird, bekommt man einen Sonnenbrand (Strahlenschaden) aber man leuchtet nicht selber.

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