Zuse-Museum Hünfeld Teil 2/2:
Als Computer noch Zahnräder und Drehstromanschluss hatten

Ein Heimatmuseum, das für Technikfreaks interessant ist? Doch, das gibt es – das Zuse-Museum Hünfeld. Es hat zwar nur zwei Räume voller Computertechnik – doch die haben es in sich.

Bedienkonsole Zuse Z3 (Bild: wor)

Bedienkonsole Zuse Z3 (Bild: wor)

Konrad Zuses Rechenmaschinen stehen in Hünfeld nicht nur kommentarlos in der Gegend herum, wie in anderen Museen, sondern werden von den Mitarbeitern mitunter – zumindest teilweise – in Betrieb genommen. Vorsicht, dann wird es teils ziemlich laut, auch wenn keine Computer mit Dampfantrieb darunter sind! Ausserdem werden einige der Röhren- und Transistor-Schaltelemente einzeln erklärt.

Die Sammlung beginnt bei einem von Horst Zuse, dem Sohn Konrad Zuses erstellten funktionsfähigen Nachbau des Z3. Leider wurde das Original dieses ersten funktionsfähigen Computers im zweiten Weltkrieg vernichtet. Ausserdem ist der noch mit Schrittschaltern und Relais aufgebaute Z11 zu sehen, von dem immerhin 48 Stück hergestellt wurden. Des Weiteren sind der erste Zuse-Röhrenrechner Z22 und der erste Zuse-Transistorrechner Z23 zu sehen. Schliesslich noch ein Z25 und ein Z31.

Die Rechner von Konrad Zuse (Bilder: wor)
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Die Z11 kamen ab 1954 in der Flurbereinigung und Landvermessung zum Einsatz. Sie enthielten viele Schrittschalter, mit deren Hilfe geometrische Funktionen wie Sinus oder Tanges schnell und effektiv berechnet werden konnten. Erst Ende der 60er-Jahre wurden die Geräte von schnelleren elektronischen Rechnern abgelöst.

Der Z22 schaffte bereits 20 Rechenschritte pro Sekunde, sein Kernspeicher fasste 14 Worte à 38 Binärstellen, die Magnettrommel 8192 Worte. Sie gab mit 140 kHz auch den Arbeitstakt der Anlage vor. 440 Röhren bildeten Register, 2400 Halbleiter-Dioden logische Verknüpfungen. Der Z25 erreichte mit Transistoren etwa die doppelte Arbeitsfrequenz bei ebenfalls verdoppelter Speicherkapazität und halbem Stromverbrauch.

Der Z31 war eigentlich nur als kleiner kaufmännischer Rechner geplant, konnte jedoch nach dem Baukastenprinzip zu einer grossen Anlage erweitert werden. Auf bis zu zehn Magnettrommeln konnte der Z31 maximal 60.000 Datenworte à 10 Dezimalstellen zuzüglich Vorzeichen speichern. Damit ist der Z31 übrigens auch der einzige Zuse-Rechner, der die Zahlen im Dezimalsystem verarbeitete.

Der allerletzte Zuse-Rechner Z43, der erst nach dem Verkauf des Unternehmens unter dem Siemens-Label von 1970 bis 1983 in grosser Stückzahl hergestellt wurde, ist ebenfalls ausgestellt. Er kannte insgesamt 81 Befehle bei Wortlängen von 16 Bit oder 32 Bit und einem Arbeitsspeicher von 8 KB bis 64 KB.

Anstelle der nur einige Kilobyte fassenden Magnet-Trommelspeicher der älteren Zuse-Rechner benutzte der Z43 einen Magnetplattenstapel mit immerhin schon 2,9 MB. Dadurch konnte er mit bis zu 62 Peripherie-Geräten zusammenarbeiten, darunter auch die Graphomaten Z90 und Z92 sowie den auch im Museum ausgestellten Plotter Z64, der bereits vom Z25 gesteuert werden konnte. Dieser Rechner konnte auch erstmals Fernsehbildschirme zur Ausgabe von Zahlen, Texten und Zeichnungen ansteuern.

Der Haromat war das am Zuse-Rechner Z25 agierende Gegenstück zum Plotter: Mit ihm konnten die Koordinaten von Punkten auf technischen Zeichnungen sehr genau bis auf 0,05 mm eingelesen werden.

Ausserdem befinden sich im Konrad-Zuse-Museum etliche der Gemälde Konrad Zuses, mit denen von 1969 bis 2006 etwa 90 Ausstellungen bestückt wurden. Sie entstanden in der Zeit nach der Übernahme der in der Blütezeit der Zuse-Rechner gegründeten Zuse AG durch Siemens und dem Ausstieg dem Ausstieg Konrad Zuses.

Einen ausführlichen Rundgang finden Sie in der Bildergalerie, klicken Sie einfach auf die Übersicht oben. Oder Sie planen am Wochenende einen Ausflug dorthin.

 

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Auf der A7 bei der Durchfahrt der Rhön lädt ein grosses +Z- zu einem Abstecher ins Zuse-Museum nach Hünfeld - wir waren da.

3 Kommentare

  1. Achja ;)
    Wir haben als Kinder immer auf den Lochkarten von meinem Vater rumgemalt… da wusste man gar nicht, was das war *g*

  2. Im Museum für Kommunikation (MfK) Bern steht auch eine ERMETH (Elektronische Rechenmaschine der Eidgenössischen Technischen Hochschule), imposantes Maschinchen! Dazu noch eine riesige Ausstellung historischer Rechner, man kann den elektronischen Fortschritt richtiggehend erleben. Für mich eine der besten Ausstellungen der Schweiz – hingehen! :-)

  3. Für Alle die aus dem Raum Kassel kommen:

    http://museum-kassel.de/i…navi.php?parent=1060

    Da steht auch so einiges von Zuse.

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