Amazon Kindle im Test (2/3):
Einfach – tolles Gerät!

Der Kollege Roth widmete den ersten Teil des Tests der Hardware, doch ohne entsprechendes Interface nutzt das beste Stück Elektronik nichts. Ist der neue Kindle für Leser jeden Alters geeignet?


Amazon Kindle (Bild: kaz)

Amazon Kindle (Bild: kaz)

Der Amazon Kindle begeistert die Leser seit geraumer Zeit und mausert sich zu einem Verkaufsschlager. Nicht umsonst legt Amazon seinen EBook-Reader immer wieder neu auf. Und als Antwort für die eingangs gestellte Frage gibt es ein kurzes, aber überzeugtes: Ja!

Einfach

Ein Gerät, das ein Buch ersetzen soll, muss zuerst einmal eines sein: Einfach. Dem unbedarften Papierkrieger muss sich die Bedienung sofort erschließen. Und das tut sie.

Amazon Kindle
Amazon Kindle -  PDF-Darstellung, Schrift ist recht klein (Bild: kaz)Amazon Kindle -  Einstellungsmenü (Bild: kaz)Amazon Kindle -  Verschiedene Schriftgrößen (Bild: kaz)Amazon Kindle - (Bild: kaz)
Amazon Kindle - (Bild: kaz)Amazon Kindle - (Bild: kaz)Amazon Kindle - Vergleich Buchseite und E-Ink (Bild: kaz)Amazon Kindle (Bild: kaz)

Amazon Kindle - Vergleich Buchseite und E-Ink (Bild: kaz)

Amazon Kindle - Vergleich Buchseite und E-Ink (Bild: kaz)

Schaltet man den Kindle ein, erscheint sofort die Bibliothek, und mit dem Steuerkreuz wählt man das entsprechende Buch aus. Das mittlerweile zum Standard erhobene “Haussymbol” bringt den Leser wieder zur Bücherauswahl zurück. Geblättert wird mit den großen Tasten an der Seite. Das geht flink und fast unterbrechungsfrei. Anfangs war ich jedoch etwas verwirrt, wenn ich die gegenüberliegende Taste drücke blättere ich nicht etwa zurück, sondern vorwärts. Auf beiden Seiten liegen sowohl die Funktionstasten für Vorwärts als auch Rückwärts.

Vier Menütasten am unteren Ende sollen durch das Menü führen. Dabei erhält jede Taste eine klare Funktion: Der rückweisende Pfeil, geht jeweils einen Schritt zurück, dabei werden die Einstellungen jedoch nicht zurückgenommen. In Büchern blättert man sich so schnell über die vorherigen Kapitel zum Anfang. Die Taste mit den vielen Punkten öffnet die Tastatur, die ein schnelles Durchforsten der Bibliothek oder des Dokumentes erlaubt. Die Strichliste führt in die Untiefen des Menüs und das Haussymbol kennen wir ja bereits.

Das Menü

Im Menü finden sich selbst wenig technikaffine Menschen zurecht – solange sie gewillt sind zu lesen. Jede Option wird übersichtlich auf einer einzigen Seite dargestellt oder durch einen Einrichtungsassisten begleitet. Im Panikfall drückt man entweder die Haus-Taste oder den Zurückpfeil und gelangt auf schnellstem Wege zurück in die Bibliothek.

Buchformate

Die Formatauswahl beschränkt sich auf das amazon-eigene Buchformat AZW, PDF-, HTML-, TXT- und Word-Dateien. Die weitverbreitete EPUB-Datei versteht der Kindle nicht, dafür muss sie erst in ein MOBI-Format umgewandelt werden. Der Kindle erweist sich im Umgang mit PDF-Dateien als bedingt tauglich: Die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus geschieht innerhalb einer akzeptablen Zeit und die Vergrößerung auf 150% läßt die Schrift ausreichend groß erscheinen ohne das Layout aus dem Bildbereich zu schieben – sofern das PDF entsprechend formatiert ist; Seiten mit breiten Einzügen werden dagegen unleserlich.

Amazon Kindle - Einstellungsmenü (Bild: kaz)

Amazon Kindle - Einstellungsmenü (Bild: kaz)

Die Option auf “Seitenbreite” zu verkleinern erlaubt ein Lesen ohne seitwärts scrollen, kann aber für Menschen ohne Lesebrille schnell zu einer Tortur werden. Hier empfiehlt sich eine vorherige Konvertierung ins Mobipocket-Format über die platformübergreifende Software Calibre – wie das geht, wird im dritten Teil des Tests erklärt.

Denn der Kindle ist prinzipiell offen für «alles». So ist man nicht nur auf den Amazon-Store festgelegt und kann problemlos Bücher über eine USB-Verbindung aufspielen, auch die heruntergeladenen Bücher (abhängig von Verlag bzw. Autor mit DRM-Kopierschutz) können auf dem PC archiviert werden. Alternativ geschieht dies sowohl in der «Cloud» als auch über die Kindle-Software, die beide an das Amazon-Konto gebunden sind.

Alltägliche Nutzung

Amazon Kindle - (Bild: kaz)

Amazon Kindle - (Bild: kaz)

Der Kindle ist super. Die schiere Leichtigkeit, die bequeme Lesehaltung und das klare E-Ink-Display machen richtig Spass. Aufgrund der stromsparenden Elektronik, mache ich mir überhaupt keine Gedanken über Akkuladung, sondern kann mich ganz dem Lesespass widmen. Auch E-Ink ist dem weißen Papier weiterhin unterlegen, doch die Unterschiede schwinden zusehends. An einem wolkigen Tag, in einem Zimmer mit nur einem Fenster, wünscht man sich eine zweite Lichtquelle, wenngleich der Text weiterhin lesbar bleibt – in diesem Moment wäre die Ausleuchtung für echtes, weißes Papier noch ausreichend gut. Trotzdem würde ich den Kindle kaufen. Studenten, die häufig Formeln im Unterricht sehen, sollten sich zuerst Gedanken über die Größe des Displays machen: Viele wissenschaftliche Ebooks sind als PDF-Dateien kostenlos in der Uni-Bilbiothek verfügbar, aber nur selten als Epub oder Mobipocket-Datei. Dadurch ist das Layout nicht immer korrekt und man muss auf einem kleinen Display viel hin und herscrollen – hier lohnt sich ein 10 Zoll-Ebookreader oder entsprechender Tablet-PC.

Vorläufiges Fazit

Der Kindle überzeugt durch die riesige Auswahl an Büchern aller Genres, die einfache Bedienung und die bequeme Haltung beim Lesen. Der Spagat zwischen Papierbüchern und digitalem Papier ist gelungen, ganz besonders im Bereich der Belletristik. Für wissenschaftliche Literatur empfehle ich weiterhin Geräte mit wenigstens 10 Zoll Diagonale, um nicht auf winzige Buchstaben starren zu müssen. Für knapp unter hundert Euro ist der Kindle (Affiliate-Link) eine gute Investition.

Im nächsten Teil des Tests geht es um die praktische Benutzung mit unterschiedlichen Dateitypen.

 

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5 Kommentare

  1. Ihr versteht es Lust auf den Kindle zu machen. Ich lese allerdings eher magazinartige Inhalte im PDF Format und bin da noch etwas skeptisch was die Eignung dafür angeht.
    Kommt der Kindle mit 250 seitigen A4 PDFs mit vielen Fotos klar?

    • Ja der Kindle ist sehr schnell im Seitenaufbau (nur ausgebremst durch E-Ink). Schnelles durchblättern ist problemlos möglich und die Bilder werden sehr gut dargestellt – nur eben in Graustufen.
      Allerdings sind DIN A4Seiten in PDF Format nicht ganz einfach, da im ungünstigsten Fall die Schrift zu klein sein könnte. Als kleinen Service meinerseits, kannst Du mir das PDF schicken und ich stelle ein Bild davon rein, damit Du die Schriftgröße sehen kannst.
      gruß
      kai!

  2. Der Kindle ist zwar zum Betrachten von PDFs geeignet aber nur bedingt für Fotos, Schrift wird zwar ganz gut dargestellt, Fotos sind da aber Problematischer, Grobkörnigkeit, nur Schwarz/Weiß, die Größe des Displays.

    • Von Grobkörnigkeit ist da keine Spur. Das siehst Du ja auch in der Bildergalerie, dass Fotos sehr gut dargestellt werden. Allerdings eben nur in Graustufen und auf nur 6 Zoll.

  3. Also für mich als Mathestudent eher ungeeignet, schade…

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