Amazon Kindle im Test (1/3):
Bücher lesen neu definiert

Den E-Book-Leser Kindle von Amazon gibt es nun schon eine Weile – doch erst das aktuelle Modell ist auch in einer deutschen Version erhältlich und mit seinem Preis knapp unter EUR 100,00 gerutscht. Ist er damit nun auch für Nicht-Geeks interessant geworden?

E-Books? Sparen Holz und Geld, können vom Ingenieurgrad aufwärts ohne Probleme am Computer gelesen werden und sind nur ein anderes Wort für PDF-Dateien.

E-Book-Reader? Sind so sinnvoll, unentbehrlich und ganzjährig vielseitig verwendbar wie Waffeleisen oder elektrische Eiswürfelcrusher.

So die gängigen – und falschen – Vorurteile zum Thema.

Kindle mit Bildschirmschoner (Bild: wor)

Kindle mit Bildschirmschoner (Bild: wor)

Am Computer liest natürlich niemand gerne ganze Bücher, nicht mal, wenn es ein handliches Notebook ist und das E-Book gratis ergattert wurde.

Auch ein iPad als Lesegerät ist nur bedingt beliebt: Es wird in der Hand auf Dauer einfach zu schwer – ganz abgesehen davon, dass es auch zu wertvoll ist, um es in den Urlaub zum Lesen an den Strand mitzunehmen.

Ein Smartphone ist dagegen eigentlich viel zu klein, um darauf “Krieg & Frieden” zu lesen, doch man hat es halt sowieso schon dabei. Und die E-Book-Lese-App gibt es umsonst dazu. Also wozu noch einen extra Reader?

Erste Versuche mit E-Book-Readern riefen bei mir ohnehin keine Begeisterung hervor: Die üblichen, wie ein gedrucktes Buch und auch auf dessen Grösse hin gelayouteten PDF-Dateien mutieren auf dem E-Book-Reader zum Mäusekino: Es ist in Ganzseitenansicht nichts mehr zu erkennen und wer zwecks vernünftiger Schriftgröße ins Bild zoomt, scrollt sich beim Lesen in den Wahnsinn.

Das allerdings ist ein Fehler des statischen Print-Formates PDF. Nicht ohne Grund sind Webseiten in HTML. So passt sich das Layout der Bildschirmgrösse an – Okay, nur bei gut designten Webseiten, versteht sich. Doch ebenso etwas benötigt man für E-Books: Die beiden wichtigsten Formate heissen Epub und Kindle. Sie kann man sogar noch auf dem Smartphone lesen. Wenn auch nicht perfekt.

Grund, sich deshalb nun den «richtigen» E-Book-Reader von Amazon vorzuknöpfen:

Amazon Kindle (Bilder: wor)
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Das vierte Kindle-Modell (mitunter deshalb auch Kindle 4 genant, dies ist aber keine offizielle Modellbezeichnung von Amazon, diese lautet für die hierzulande vertriebene Version D01100) bietet wie alle Vorgänger eine Auflösung von 600 x 800 px bei einer Bildschirmdiagonale von 6 Zoll. Da ist manches Smartphone höher auflösend. Doch ist die Bildschirmtechnologie eine andere: Es handelt sich um E-Ink – Elektrotinte.

Der Bildschirm ist nur schwarzweiss und nicht hinterleuchtet – wer unter der Bettdecke lesen will, braucht also noch die berühmte Taschenlampe. Dafür klappt es auch im Sonnenschein – die Bildqualität ähnelt einer Zeitungsseite oder einer Kopie auf Recyclingpapier. Also nicht ganz wie ein Buch, doch weit besser als ein normales LC-Display. Zudem wird nur bei einem Wechsel des anzuzeigenden Bildinhalts – also beim Umblättern – Strom verbraucht: Eine Akkuladung kann den ganzen Urlaub halten.

Die Folge: Der Kindle 4 liegt mit nur 8,7 mm Dicke und 170 g Gewicht – weniger, als manches Smartphone auf die Waage bringt – leicht in der Hand. Und man reist mit leichtem Gepäck und hat trotzdem jede Menge Lesestoff dabei.

Die Bedienung ähnelt der, eines Smartphone, nur ist der Einschalter unten statt oben und «gewischt» wird bei den hierzulande angebotenen Kindle-Modellen nicht: Der Kindle touch wird von Amazon nur in den USA verkauft. Stattdessen wird über zwei Tasten rechts und links am Gerät geblättert – und der Bildschirm ist matt statt glänzend und nicht ständig durch Fingerabdrücke verschmiert.

Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert, nur ein Micro-USB/USB-Kabel, doch sind die USB-Netzteile gängiger Smartphones gut verwendbar – ein Gerät weniger, das auf Reisen mitzuschleppen ist. Wichtiger ist eine Schutzhülle, wenn man die E-Books nicht nur zuhause auf dem Sofa lesen will. Schutzhüllen gibt es auch mit ansteckbarer LED-Leselampe. Die Hüllen von Amazon selbst schlagen teils nochmal mit über 50 Prozent des Kindle-Preises zu Buche, es gibt aber auch günstigere Modelle direkt aus China – echtes Leder verwenden sie jedoch alle nicht, das gibt es höchstens in Handarbeit gefertigt bei Dawanda. Das Gewicht verdoppelt sich mit Schutzhülle allerdings unter Umständen.

Beim Auspacken findet sich auf der Display-Schutzfolie eine Skizze, wie der Kindle an den Computer anzuschliessen ist. Wenn man diese Folie abzieht, gibt es lange Gesichter: Sie hat auf das Display abgefärbt, die Skizze hat sich durchgepaust. Bis man begreift, daß die Skizze gar nicht auf die Folie gedruckt war, sondern das Display mit dieser bereits ab Werk programmiert ist: E-Ink hält die Anzeige auch ohne Strom. Bei der erfolgreichen Inbetriebnahme des Kindle wird die Skizze gelöscht.

Später zeigt das E-Ink-Display in Deutschland einen «Bildschirmschoner», wenn das Gerät abschaltet, dekorative Bilder mit Motiven aus der Schreiberei. In den USA gibt es auch werbefinanzierte Kindles, die dann Werbung anzeigen und dafür weniger kosten. Mit einem kleinen Hack, den ich später beschreibe, kann man den «Bildschirmschoner» auch stillegen – wie bei einem Buch bleibt die zuletzt gelesene Seite dann dauerhaft auf dem Display.

Über das USB-Kabel wird das Gerät mit Strom und Daten gefüttert. Es hat aber auch einen eigenen WLAN-Empfänger nach IEEE 802 b/g/n, kann also auch drahtlos Lesestoff laden, wenn man ein WLAN im Haus hat. Sogar im Internet surfen kann man mit gewissen Einschränkungen mit dem Kindle – auch hierzu später mehr. Surfen unterwegs liegt aber nicht drin, da kein UMTS-Zugang verfügbar ist wie bei anderen Kindle-Modellen, doch diese Einschränkung ist verschmerzbar.

Eine Tastatur hat der Kindle 4 im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht – doch während ich diese an Smartphones stets vermisse, ist sie am E-Book-Reader entbehrlich: Gelegentliche Texteingaben sind immer noch über eine Bildschirmtastatur in Verbindung mit den Cursortasten möglich.

Über 1 GB verfügbarer Speicher reichen für Tausende E-Books. Leider ist das Ordnungssystem des Kindle etwas ungeschickt: Statt der vom PC gewohnten Ordner gibt es «Sammlungen». Auf den ersten Blick erfüllen diese dieselbe Funktion, man kann seine E-Books so beispielsweise in Sachbücher, Romane und Lyrik sortieren und hat ein aufgeräumtes Startmenü. Dumm dabei ist jedoch, dass bei der Einstufung einer Datei diese stets aus allen vorhandenen E-Books gewählt werden muss statt nur aus den noch unsortierten; auch ist es nicht möglich weitere «Untersammlungen» anzulegen.

Zur Bedienbarkeit des Kindle im Alltag und der Konkurrenzfähigkeit zu einem Buch aus Fleisch und Blut Papier schreibt Kollege Kai Zantke mehr in Teil 2 des Tests

 

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9 Kommentare

  1. Ich habe in meinem Blog einmal versucht, Links zu sammeln, die noch mehr aus einem Kindle rausholen können: http://tobias.schulz-hess…linksammlung-kindle/
    Für mehr Links bin ich offen – und auf den Tipp zum Bildschirmschoner sehr gespannt.

  2. hast du damit: “So passt sich das Layout der Bildschirmgrösse an – Okay, nur bei gut designten Webseiten” neuerdings.com aber einen Korb verpasst, wird zumindest bei mir nicht angepasst, am normalen PC.

  3. Klasse Test! Deckt sich mit meinen Erfahrungen nach 2 Monaten Kindle. Endlich lese ich wieder :)

    Mir fehlt nun nur noch, dass ich mit einer Sprinterladung Papier nach Bad Hersfeld fahren kann und nach einem kleinen Barcode-Scan-Marathon eine preisgünstige Umwandlung in E-Books bekomme.

    Lassen sich die Bildschirmschoner eigentlich schon personalisieren, oder ist dazuimmer noch ein Jailbreak notwendig?

  4. Bedenkt man, dass wir erst gaaaaanz am Anfang der technischen Entwicklung der E-Book-Reader stehen, dann ist der Kindle 4 schon ein erstaunliches Gerät. Ich lese gerne damit, finde allerdings die integrierte Tastatur noch nicht ausgereift: Es dauert einfach zu lange, mal einen Kommentar oder eine Notiz zu schreiben. Verwirrend finde ich – wie auch von Dir kritisch angemerkt – das Ordnungssystem des Gerätes. Ich habe aktuell etwa 50 Titel auf meinem Kindle, da bedeutet es schon eine Herausforderung, den Überblick zu behalten. Wie soll das erst mit wesentlich mehr Titeln werden?

  5. @Ruprecht sieh Dir mal das Programm Calibre an, damit kann man nicht nur die Bücher verwalten und aus anderen Formaten für den Kindle wandeln, es gibt auch ein Plugin das nach verschiedenen Kriterien automatisch Sammlungen genereieren kann.

  6. Hi Rupi!

    Calibre kann ich auch wrmstens empfehlen. Ist wie iTunes für ebooks. Nicht ganzso hübsch und intuitiv, aber sehr, sehr praktisch.

    Wie rwi schon sagte, gibt es für calibre auch eine Erweiterung um kindle Sammlungen bequem am Rechner zu verwalten. Ausserdemkonvertiert es so ziemlich jedes Textformat in Kindles Mobi um.

    Was ich darüber hinaus noch empfehlen kann ist die KindleExport Option von Instapaper. So kann man alle Artikel, die im Instapaper auf Halde liegen in einem Ebook zentral mitnehmen und lesen.

5 Pingbacks

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  2. [...] 100 Euro für einen E-Book-Reader inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit. Und wie unser Test des Amazon Kindle zeigte, kann es die elektronische Variante mittlerweile fast mit dem Papier aufnehmen. Leider gibt [...]

  3. [...] das Weihnachtsgeschenk mit einem möglichen E-Book-Reader-Update (den bisherigen bekommt dann die Familie) wollte sich Amazon offensichtlich doch nicht entgehen lassen und kommt [...]

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