Actionpro SD20F im Test (2/2):
Der Konkurrenz eine Aufnahme voraus

Die Actionpro rehabilitiert sich durch ihre duchdachten Funktionen und mausert sich im Vergleich zu anderen zu einem Preis-/Leistungssieger.


Update 1: Video hinzugefügt

Actionpro SD20F - Wäre noch ein Helmstrap dabei, wäre die Ausstattung komplett (Bild: kaz)

Actionpro SD20F - Wäre noch ein Helmstrap dabei, wäre die Ausstattung komplett (Bild: kaz)

Der erste Eindruck zur Actionpro war zugegebenermaßen sehr kritisch, immerhin hatte ich nur wenige Tage zuvor noch die GoPro ausprobiert. Doch eines sollten wir nicht vergessen: Die SD20F rangiert in einer völlig anderen Preisklasse! Für rund EUR 300 gibt es eine Komplettausstattung, die für die meisten Einsätze völlig ausreicht. Bei GoPro investiert man für eine ähnliche Ausstattung inklusive Fernbedienung und das LCD mindestens weitere EUR 450 und gleichzeitig kann man beides auch nicht nutzen – bei der Actionpro SD20F schon. Aber lassen wir all die Theorie beiseite, wie sieht es in der Praxis aus?

Die Actionpro vereint zwei völlig entgegengesetzte Ansätze: Einerseits ist das Menü mit den kryptischen Abkürzungen ohne LCD nicht bedienbar und einige Einstellungen gut vor den suchenden Blicken ihres Besitzers versteckt (Framerate-Einstellung über PAL/NTSC Auswahl). Aber auf der anderen Seite trumpft sie mit gut durchdachten Features auf, die man bei der GoPro schmerzlich vermisst.

Zielerfassung

Der von mir bemängelte Laser kommt mittlerweile häufiger zum Einsatz als gedacht. Sobald die Kamera auf dem Helm steckt, sehe ich ja nicht mehr, was ich aufnehme. Egal wie groß mein Blickwinkel (FOV) ist, es ist immer besser, das gewünschte Motiv mittig zu fokussieren. Hier hilft der Laser, weil er dem «Opfer» wie in einem James-Bond-Film einen roten Punkt aufs Herz setzt, in erwartungsvoller Hoffnung den Auslöser zu drücken. Durch langen Druck ist er auch sofort wieder deaktiviert und kann während der Aufnahme nach Belieben und Bedarf zu- und abgeschaltet werden.
In manchen Situation ist das aber einfach nicht machbar, weil man Gefahr läuft, dem Motiv doch mal ins Auge zu lasern. Um trotzdem die Kontrolle zu behalten, muss man die nackte Actionpro einsetzen; für das mitgelieferte Gehäuse ist das aufsteckbare LCD zu groß. Sind Stöße oder Wasser zu erwarten und will man gleichzeitig das LCD einsetzen, muss ein erweitertes Gehäuse gekauft werden.

Actionpro SD20F - Richtig eingesetzt, ist der Laser ein Garant für gelungene Aufnahmen (Bild: kaz)

Actionpro SD20F - Richtig eingesetzt, ist der Laser ein Garant für gelungene Aufnahmen (Bild: kaz)

Tauchstation

Wie auch die GoPro, ist die SD20F wasserdicht – jedoch «nur» bis 20 Meter. Im Prinzip reicht die Wasserdichte des Gehäuses völlig aus, denn der “Tauch-Anfänger” mit Open-Water-Diver-Lizenz (OWD) darf nicht tiefer als 18 Meter tauchen – was für die beliebten Ziele wie Sharm El-Sheikh oder Malediven normalerweise ausreicht. Die von den Uhrenherstellern angeführte Diskussion um dynamische und statische Wasserdichte darf als reine PR angesehen werden. Ein Objekt, das für eine bestimmte Wassertiefe ausgelegt ist, kann diese auch problemlos einhalten. Nur die Uhrenhersteller beschreiben aus Gewährleistungsgründen ihre 30 Meter Wasserdicht mit: “Kann zum Händewaschen getragen werden”. Versierte Taucher (AOWD) greifen zum oben angesprochenen, größeren Gehäuse mit 40 Metern Tauchtiefe und können dann gleichzeitig noch das LCD einsetzen. Der geringe Aufpreis von gerade mal EUR 30 spielt im Vergleich zum anstehenden Urlaub dann keine Rolle mehr.

Farbwahl

Die Farben erscheinen etwas flau, mit schwachen Kontrasten – besonders im direkten Vergleich mit einer GoPro. Diese Einstellung ist allerdings gewollt. Durch starkes Überzeichnen und Kontrastieren (auch bei einer GoPro kommen die Bilder nicht so knackig aus dem Sensor) gehen Bildinformationen unwiderruflich verloren. Die neutrale Grundeinstellung der SD20F dagegen versucht den vollen Farbumfang zu wahren und kann im Schnittprogramm mit den entsprechenden Vorlieben kodiert werden. Die SD20F zeigt allerding ein leichtes Rauschen, das dem CMOS-Sensor mit 1/2,5″ geschuldet ist.

Mitgedacht

Kommen wir zum Abschluss zu den erwähnten Kleinigkeiten:

  • Die Actionpro SD20F kann durch ihren mechanischen Schiebeschalter vollständig ausgeschaltet werden, das spart Strom unterwegs, ohne gleich den Akku herausnehmen zu müssen. Anfangs befürchtete ich, ich könne das bei einem Tauchgang beispielsweise vergessen und Unterwasser, dann ein nutzloses Case mitherumziehen. Doch solange der Schalter sich nicht in der ON-Position befindet, hat man Mühe die Kamera ins Gehäuse zu stopfen – der Schalter behindert das Einsetzen.
  • Die zweite Kleinigkeit, die sich schnell zu einer großen Hilfe aufschwingt, ist die Geräuschaktivierung. Erreicht man mehr als ca. 65 Dezibel wird die Kamera automatisch aktiviert, das kann zum Beispiel bei Außenmontage am Auto eingesetzt werden. Und natürlich muss auch die Fernbedienung erwähnt werden, die nicht nur bei Auslieferung gleich dabei ist, sondern auch ohne spezielles Zubehör sofort funktioniert; es können auch mehrere SD20F mit einer FB bedient werden.
  •  Stativgewinde in der Kamera und dem Gehäuse (GoPro verlangt für diese Trivialität ein extra Zubehör), mit Standardgehäuse schwimmfähig (die GoPro sinkt sofort ab).
  • Die Kamera kann nicht nur über die Gelenke vor und zurück bewegt werden, sondern auch um die eigene Achse – allerdings macht sie das empfänglicher auf Ruckler, weshalb man fester anziehen muss, wodurch man wieder einen Schraubenzieher dabei haben sollte.

Gleichzeitig fehlen jedoch auch nützliche Features:

  • Die angesprochene Einstellung zur Veränderung des Blickwinkels wäre praktisch oder auch das Rotieren des Bildes bei Kopf-Über-Montage. Doch entsprechende Firmware-Änderungen sollten nicht sehr schwierig sein und Actionpro bemüht sich sehr, die Wünsche seiner Kunden zu berücksichtigen.

Fazit

Actionpro SD20F - Statt teure Zubehör schon integriert: Stativgewinde (Bild: kaz)

Actionpro SD20F - Statt teure Zubehör schon integriert: Stativgewinde (Bild: kaz)

Abseits der Äußerlichkeiten zeigt Actionpro, dass es sich um ein überlegtes Produkt handelt. Die vielen Nettigkeiten (wie der Laser, der hilft das Motiv anzuvisieren) oder das integrierte Stativgewinde sucht man bei Mitbewerbsprodukten vergebens.

Auch der Preis ist günstiger als bei anderen Kameras dieser Art: Die Actionpro bringt in der Grundausstattung alles mit, was der «normale» Extremsportler benötigt (bis auf einen Helmstrap für EUR 22…), kostet EUR 270 und kann kotengünstig erweitert werden. Die Entscheidung ist deshalb recht simpel: Wer kompromisslose Bildqualität bei hervorragender Lichtausbeute will und den Preis nicht scheut, kommt um die GoPro nicht umhin. Wer jedoch ein kleinwenig Abstriche hinnimmt, stets wissen will, ob das Motiv noch im Fokus liegt und eine Fernbedienung einsetzen möchte der sollte bei der Actionpro SD20F genau hinschauen, denn sie bietet ihm all die Annehmlichkeiten, die der GoPro fehlen.

Die Actionpro SD20F (Affiliate-Link) kostet EUR 270. Hier geht es zur Produkthomepage der Actionpro SD20F.

 

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5 Kommentare

  1. Das mit der Fernbedienung finde ich sehr interessant – wie weit weg funktioniert diese Fernbedingung?

    Gibt es vielleicht Testvideos in einer schlechteren Lichtumgebung – also z.B. in einem Haus?

    • Hallo Denise,
      ich werde in den nächsten Tagen noch ein Video mit schummrigem Licht nachreichen und auch die Reichweite der Fernbedienung ausloten.
      liebe grüße kai!

  2. Fernbedienung
    Ich habe die Kamera in meinem BMW an der Heckscheibe montiert. Vom Fahrersitz aus reicht das Signal. Von außen gesteuert reicht das Signal nur ca. 0,50m. Darüber hinaus geht nichts. Die Kamera soll aber auch über dem Bugrad meines Flugzeuges installiert werden. Ich befürchte aber, dass das Signal der Fernbedienung aus dem Cockpit nicht ausreichen wird. Werde das mal morgen austesten.

  3. Das ist ein toller Test, den ich leider erst jetzt lese.

    Jetzt gibt es die neue Actionpro SD21 Pro. Die ist deutlich besser als der Vorgänger, kommt wieder mit sehr viel Zubehör und verbesserter Fernbedienung.

    Die Videoqualität ist ein absoluter Hammer und kann voll mit meiner GoPro HD 2 mithalten.

    Für mich liegt neue Actionpro wirklich vorne. Hier gekauft:

    http://www.helmkamera-systeme.de

    BR
    Darko

  4. Hallo zusammen

    Ich habe jetzt die neue Pro in Bezug auf Reichweite getestet.

    Stelle ich auf meinen BMW eine Papier Küchenrolle un darauf die Kamera komme ich auf 13m bei Sichtkontakt. Stelle ich die Kamera direkt auf das Dach, dann beträgt die Reichweite nur noch ca. 8m.

    Ich habe sie jetzt auch am Flugzeug getestet. (Metallhaut)

    Auf der Tragfläche, 2,5m vom Cockpit entfernt, geht.
    Über dem Bugrad montiert geht. (Cowling aus Kunststoff)
    Direkt unter der Tragfläche installiert, ca. 4m vom Cockpit entfernt, geht nicht.

    Es scheint wohl so zu sein, dass Metallflächen direkt unter und über der Kamera das Funksignal stark abschirmen und der eingebaute Empfänger nicht genug Feldstärke bekommt.

    Was die Kamera anbetrifft, ganz toll. Aufsteckbarer Zusatzakku, verbesserte Software, sehr schön.

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