RIM Blackberry Torch 9860 im Test (1/2):
Alles aber nicht wasserscheu!

Der Blackberry Torch 9860 der Kanadier RIM kommt ganz ohne Tastatur aus. Nun muss er sich im Praxistest beweisen – die Taufe hat er schon hinter sich.


Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Deutschlands kennt die Marke mit dem Buchstaben-Zwilling. Ihre Anhänger kleiden sich in schwarze Jacken, schwarze Hosen und halten regelmässig geheime Treffen ab, wo sie grosse Dinge beschliessen. Ständig auf der Flucht steigen sie hektisch in Flugzeuge, stürzen aus Taxis und stürmen in Aufzüge. Es sind die Macher der Nation, die Manager und Entscheidungsträger, die auf ein Blackberry vertrauen, aber nur in Deutschland. Um auch hierzulande das Image der Blackberry-Marke zu verändern, bietet Research in Motion die Torch-Reihe an: Blackberrys mit einem riesigen Bildschirm und versteckter Tastatur. Der Torch 9860 verzichtet gar gänzlich auf Tasten und versucht sich als Multimedia-Smartphone zu etablieren. Kann ein Blackberry in Deutschland als trendig gelten? Wir werden es herausfinden.


Klassisch elegant

Der Blackberry ist flach und elegant. Das Display geht schwungvoll in den silber-grauen Rahmen über, welcher das Gerät umspannt. Es ist fast völlig symmetrisch, läuft an den Spitzen rund aus und zeigt an Kopf- und Fussende jeweils eine leichte Verdickung. Nur die 5 Megapixel-Kamera durchbricht die Symmetrie etwas. Der Kopfhörerausgang wechselt bei RIM gerne seinen Standort, am Torch findet er sich an der rechten Seite wieder. Darunter liegen die Mute- und Lautstärketasten, auf der anderen Seite sieht man zentriert den USB-Anschluss. Ich kann Sascha Lekic, Director Enterprise Sales bei RIM, nur beipflichten: Ja, der Torch 9860 sieht aus wie eine Spielkonsole und mit beiden Händen gehalten, fühlt er sich auch so an. In das Kopfende wurde nahtlos die Tastensperre inegriert, die einen undefinierten Druckpunkt vorweist. Eine Tastensperre gehört meines Erachtens an die Seite, wo sie leicht erreichbar ist und ich keine Fingerakrobatik durchführen muss.

Das Fussende ist von fünf echten Tasten besidelt, wovon sich zwei als Hörertasten outen, eine Seltenheit mittlerweile. Das optische Trackpad wurde beibehalten, es reagiert gut auf Eingaben, oft lohnt es sich jedoch den Touchscreen zu bemühen. Der ist mit seinen 3,8 Zoll grosszügig bemessen und reagiert flink auf Eingaben, leider gibt er kein vibrierendes Feedback und ist kratzempfindlicher als Gorilla Glass und Konsorten. Dafür bleibt der Betrachtungswinkel in allen vier Richtungen stabil. RIM hat sich bemüht, die Farbverfälschungen in die Diagonalen zu legen, wodurch man das Gerät ohne Einbussen sowohl quer, als auch Kopfüber halten kann.

Der Blackberry Torch 9860 versteckt wider Erwarten kein NFC in seinem Metallbatteriedeckel, sondern verzichtet gänzlich darauf. Die microSD-Karte kann im laufenden Betrieb gewechselt werden, sitzt in einem kleinen Kompartiment und kommt ganz ohne Feder aus. Obwohl sie nur durch die elektrischen Kontakte gehalten wird, bleibt sie selbst bei wilden Bewegungen und Erschütterungen an ihrem Platz. Und obwohl der Akku nur 1230 mAh fasst, reicht er problemlos für einen ganzen Tag, inklusive Überstunden.

Robust und wasserfest

Jeder Hersteller behauptet, seine Geräte durchliefen hochanspruchsvolle Experimente und würden in aufwändigen Tests bis aufs Letzte malträtiert. Die RIM-Männer erzählten mir ähnliches, dem ich nur mit halbem Ohr zuhörte. Nun sagt man ja, ungewöhnliche Ereignisse schweissen zusammen. Und mich verbindet mit dem Blackberry ein ganz besonderes Band: Das Gehäuse ist nicht besonders rutschsicher, deshalb beinhaltet die Verpackung noch eine passgenaue Silikonhülle mit Aussparungen. Trotz dieser sehr griffigen Umhüllung, ist mir der Blackberry aus der Hand gefallen. Nicht etwa auf weichen Teppich, auch nicht auf harten Beton, sondern in den Wasserbottich… Geistesgegenwärtig holte ich den armen Torch aus dem kalten Wasser, enttriss ihm den Akku und legte das Gerät zwei Tage zum trocknen neben die Heizung. Bei einem Gerät für rund EUR 400 rutscht auch mir das Herz in die Hose, immerhin ist es nur ein Leihgerät. Doch allen Befürchtungen zum Trotz läuft das Gerät einwandfrei weiter. Ich würde sagen «Test» bestanden.

Der nächste Teil widmet sich dem Betriebssystem, der Kamera- und Audioqualität und wird ein paar Blackberry-typische Funktionen beleuchten.

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