RIM Blackberry Bold 9900 im Test (2/2):

Äusserlich konnte RIMs Blackberry Bold 9900 überzeugen, doch wie steht es um das Innenleben? Teil 2 unseres Tests wird diese Frage beantworten.


RIM Blackberry Bold 9900 {pd RIM;http://de.blackberry.com/devices/blackberrybold9900/features.jsp#!gallery}

RIM Blackberry Bold 9900 (Quelle: pd RIM)

Der Grund wieso Research in Motion (RIM) so bekannt wurde, dürfte eindeutig bei der Emailfunktion liegen. Kein Gerät war so gut im Darstellen von Emails, kein Gerät beherrschte damals Push-Funktionen, die Emails sofort nach Eingang in der Inbox auf das Gerät spielte – Mailbox abfragen gehörte damit der Vergangenheit an. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Emailhandling bei einem Frischling aus diesem Hause. Doch als Privatkunde kommt man nur teilweise in den Genuss dieses hervorragenden Emailservices. Der Unterschied zwischen Business- und Privatkunde manifestiert sich in einem einzigen Buchstaben: Private bekommen «BIS», Geschäftskunden «BES»

BIS, BES, WAS?

Hinter diesen kryptischen Abkürzungen verstecken sich die Begriffe «Blackberry Internet Service» (BIS) und «Blackberry Enterprise Server» (BES). Der Unterschied mag nur marginal erscheinen, fällt dem «Email-Addict» jedoch sofort auf: Während man beim BES, der nur Firmen mit eigenem Server vorbehalten ist, eine vollständige Integration in Microsoft Exchange vorsieht, die Kontakte, Kalendereinträge und Emails ständig synchron hält, muss der Privatnutzer sich mit einer «Notlösung» zufrieden geben.

An dieser Notlösung irritiert, dass zwar der IMAP-Standard zum Einsatz kommt, aber die entsprechenden Ordnerstrukturen nicht angezeigt werden können. Das ist schade, ist doch gerade das Anlegen von Ordnern für viele User ziemlich wichtig. So fühlt sich IMAP fast an wie POP3 – einen Artikel zu den Standards gibt’s hier.

Dafür spielt RIM bei der Emailfilterung wieder seine Trumpfkarten aus. Blackberries sind die einzigen Geräte, die standardmässig mit Emailfiltern arbeiten. So kann man bestimmte Nachrichten farbig kennzeichnen oder bestimmte Aktionen bei einem Absender ausführen. Solcherlei können selbst Apps von Drittherstellern aus den diversen Appstores der Konkurrenten nicht oder nicht so elegant.

Der grösste Vorteil von Blackberries im allgemeinen liegt am geringen Datenaufkommen: sämtliche Transfers werden auf einem Server komprimiert und so aufbereitet, dass man nur minimale Volumina beansprucht. So können mit circa 2 MB um die 500 Emails heruntergeladen werden. Damit ist auch klar, dass eine Blackberry-Option sich lohnt. Für das Surfen im Internet kann man den APN händisch ändern, durch Drittsoftware auch die Emails abrufen, doch wer die ganze Kraft der Brombeere will, kommt um BIS oder BES in Form der Blackberry Option nicht herum.

Liebe zum Detail

RIM Blackberry Bold 9900 - Insgesamt eine gute Bildqualtität ohne größere Mängel (Bild: kaz)

RIM Blackberry Bold 9900 - Insgesamt eine gute Bildqualtität ohne größere Mängel (Bild: kaz)

Wie Symbian, kann man auch Blackberry OS den Vorwurf machen, es sei zu kompliziert und verworren, aufgrund der vielen Einstellmöglichkeiten und verschachtelten Menüstruktur. Trotzdem finden sich auch wenig geübte User schnell damit zurecht – wenngleich sie meist nicht das volle Potential ausschöpfen werden.

Wer einen Emailaccount einrichten will, muss nur Benutzername und Passwort eingeben, schon ist man fertig. Nicht so leicht macht es einem das Hauptmenü mit all den vielen Programmen. Alles wird auf einer Seite angezeigt, erst nachdem man eigene Ordner angelegt und ein wenig aufgeräumt hat, stellt sich schöne Ordnung im Chaos ein – Wer mag, kann die Ordner gar mit einem Bild aus der Galerie verzieren.

Dabei muss man sich eigentlich gar keine Mühe machen, solange man den Namen des gesuchten Programmes oder Menüpunktes kennt: Die Suchleiste ist stets sichtbar und sobald man dort etwas eintippt, wird in Kontakten, Programmen und Menüeinstellungen danach gesucht. Damit findet man auch versteckte Einstellungen und verloren geglaubte Progrämmchen im Nu. Und für die meistgenutzten Programme gibt es den überaus praktischen, automatischen «Favoriten»-Tab, den man mit einem kurzen Wisch zur Seite erreicht.

Leider hat RIM einige Kinderkrankheiten übersehen, so sperrt sich der Bold 9900 nicht mehr automatisch, wenn er ins Holster gesteckt wird – das sollte eigentlich Standard sein. Bei einem Anruf klingelt es nur am Gerät selbst, nicht aber im Kopfhörer, und der mitgelieferte Wecker erlaubt maximal eine Weckzeit. Am ärgerlichsten ist die automatische Sperrfunktion: Dauern Videos länger als das Sperrintervall, verriegelt der Blackberry rigoros das Display, ungeachtet wie aufregend die gerade anschaute Szene ist – es ist eben ein Arbeitstier.

Multimedia

Und doch, obwohl als Arbeitstier angepriesen, stattet RIM seinen Bold 9900 auch mit entsprechenden Multimedia-Vorzügen aus: Die 5-Megapixel-Kamera bietet einen guten Weissabgleich bei wenig Detailschärfe. Die Qualität der Bilder bei Tageslicht reicht für Ausdrucke der üblichen Fotogrössen. Zum Einsatz kommt übrigens die EDoF-Technologie, die prinzipbedingt mehr Licht benötigt. (Zu den Vor- und Nachteilen der Technik gibt es hier einen ausführlichen Bericht) Bei Videoaufnahmen spielt EDoF dann seine Stärken aus: Der Blackberry macht gute Videos ohne nervöses fokussieren bei weiterhin guter Farbtreue mit sagenhaften 40 Bildern pro Sekunde. Damit wird auch die schnellste Verfolgungsfahrt ruckelfrei aufgezeichnet. Entsprechend der Qualität der Kamera sind Aufnahmen bis 720p möglich, dass RIM auf das antiquierte Format 3gp setzt, könnte an der geringeren Hardwareanforderung liegen.
Videos kommen auf dem klaren Display gut zur Geltung, können aber auf einem 2,8 Zoll Schirm nicht ihre «wahre Grösse» entfalten. Freunde guter Musik dürfen aufatmen, das Bold 9900 wird auch sie nicht enttäuschen. Zwar ist man in dieser Preisklasse besseres gewöhnt, doch der Klang ist für unterwegs ausreichend.

Akkulaufzeit

Im Internet gibt es widersprüchliche Aussagen zur Akkulaufzeit, auch Kollegen anderer Blogs und Magazine sind sich in dieser Sache uneins. In meinem Fall konnte ich bis zu drei Tage aus dem Gerät herauskitzeln, eingefleischte Blackberry-Fans können über diese kurze Laufzeit nur müde lächeln, da das für ein RIM-Gerät fast schon unterdurchschnittlich ist. Andere berichten, dass der Akku nur eineinhalb Tage durchhielt. In jedem Fall hat das Bold 9900 ausreichend Saft für einen ganzen Tag. Wie lange das Gerät in der Praxis durchhält hängt natürlich auch vom Netzbetreiber und dessen Netzabdeckung ab. Um Energie zu sparen, setzt RIM auf verschiedenste Stromsparmechanismen, augescheinlichste sind die Komprimierung und die Push-Funktion.

Fazit

Blackberry OS wurde etwas aufgemöbelt, wirkt aber weiterhin nicht so fortschrittlich wie die Betriebssysteme der Konkurrenz und selbst langjährigen Blackberry-Usern fallen die Verbesserungen nicht gleich auf. Man muss aber klar zwischen Aussehen und Funktion unterscheiden, denn BB OS bietet hinsichtlich Email-Management das gesamte Spektrum, welches man auch vom PC gewohnt ist. Einstellungen sind bis ins kleinste Detail möglich – so ist beispielsweise für Menschen mit Lesebrille die Möglichkeit, Schriftart und -grösse zu bestimmen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Insgesamt ein sehr schönes Gerät, doch wage ich zu bezweifeln, dass man für mehr als EUR 500 den gewünschten Absatz einfährt, denn zu diesem Preis bietet der Blackberry Bold 9900 leider keine Argumente, welche die Konkurrenz nicht auch liefern könnte – ohne Aufpreis für eine Blackberry-Option. Und selbst langjährige Blackberry-Kunden dürften den Torch mit grösserem Display eher in Betracht ziehen, als den Bold 9900. Trotzt alledem ist ein Blackberry ein Gerät, dass man ausprobieren muss. Die technischen Daten treten bei der Nutzerphilosphie in den Hintergrund – Geschwindigkeit und hohe Zuverlässigkeit zeichnen einen Blackberry aus. Auch wenn der Kult um Blackberries nicht so riesig ist wie bei anderen Herstellern, Blackberry-User sind eine eingeschworene Gemeinde.

Wie auch Jerry Seinfeld zu berichten weiss:

Testvideo des Blackberry 9900

Der Blackberry bold 9900 (Affiliate-Link) ist ab sofort erhältlich und kostet rund EUR 510.
Weitere Infos auf der Produkthomepage des Blackberry Bold 9900.

 

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6 Kommentare

  1. Die 7er Plattform hat auch einige Nachteile wie ich erschreckt feststellen musste!

    Es gab einige Applikationen die auf der neuen Oberfläche des BB 9900 nicht mehr laufen.

    Manche Apps werden sogar überhaupt nicht mehr für die neue OS angeboten! StarFinance App für Online Banking z.B. sagte mir als User, Sie würden die Kosten zur Realisierung der neuen App nicht mehr im Verhältnis zu den Downloads sehen und stellen daher die Entwicklung der Software auf BB Devices ein! Das schockte mich schon, gerade weil das eher ein Business App ist und BB Devices je ebenfalls eher eine businesslastige Anhängergruppe haben.

    Einige sehen die Berries wohl schon auf dem Abstellgleis?!

    • Die Vermutung liegt nahe, muss jedoch nicht zwangsläufig korrekt sein: Eventuell sind Blackberry-User mehr über ihre Sicherheit besorgt und lassen deshalb solche kritischen Anwendungen auf dem PC. Ein Handy ist schnell geklaut und unterwegs im Zug lugt der Hintermann vielleicht aufs Display.
      Vielleicht warten die Programmierer auch auf QNX / BBX und haben Angst ihre Applikaitonen könnten dann nicht mehr laufen oder müssten aufwendig umgeschrieben werden. Laut RIM-Studien, verdienen Entwickler das meiste Geld bei – RIMs Blackberries..

      Aber klar ist auch: RIMs Anteil in Deutschland wird fast zur Gänze über Geschäftskunden getragen und die waren bisher bei Installationen stark eingeschränkt, jetzt nicht mehr. (Stichwort: Blackberry Balance)

  2. Also den APN im Browser kann man ab Software OS6 nicht mehr umstellen, diese Angabe im Text ist falsch. Außer das wäre ganz neu wieder eingeführt worden.

    Das Surfen ist auch deutlich langsamer als bei vergleichbaren Geräten.

    Die Frage ist auch mit welcher Softwareversion das Gerät getestet wurde. In den ersten Version war scheinbar ein größerer Bug drin, sodass die Akkulaufzeit unterirdisch war. Erst mit der 504er hat sich das deutlich gebessert und ist akzeptabel.

    Gruß
    Karl

    • Hallo Karl,
      der APN ließ sich an meinem Testgerät verändern. Da die Blackberry-Option erst in der zweiten Woche des Tests aktiviert war, war dies anfangs die einzige Möglichkeit den Browser zu nutzen. Leider habe ich nicht auf die Software-Version geachtet und muss beschämt zugeben, dass ich das im Nachhinein nicht mehr nachprüfen kann – es wird sich aber um die aktuellste Version handeln.
      gruß und Danke für den Denkanstoß.

  3. Hallo Kai,

    ich glaube nicht, daß es die aktuellste Version war, da dies bei den Blackberrys anders läuft.

    Normalerweise wird das Update über den Desktop-Manager gemacht. Dieser findet aber nur die offiziell vom Provider für dieses Gerät freigegebenen Variante. Wenn man jetzt z.b. ein T-Mobile Gerät hat, sitzt man immer noch auf der 296er fest.

    Man kann über Tricks die offiziellen Versionen anderer Provider installieren, dies muß aber manuell nach einer bestimmten Vorgehensweise passieren. Ich glaube nicht, daß dies mit deinem Testgerät passiert ist, außer von Dir selber.

    Der APN ist mit aktivierter BB-Option nicht mehr änderbar, man kann zwar einen APN einstellen, der Browser ignoriert diesen aber.

    Gruß
    Karl

    • Oh,
      das war mir nicht bewußt. Gut dass Du mich darauf hingewiesen hast Karl, denn der nächste Blackberry-Test steht schon wieder an :-)

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