RIM Blackberry Bold 9900 im Test (1/2):
Für die Herren mit Anzug

Der RIM Blackberry Bold 9900 begeistert durch edles Design und gute Arbeitsgeschwindigkeit. Was ihn sonst noch hervorhebt wird dieser Test herausarbeiten.


RIM Blackberry Bold 9900 - Die Tastatur gehört immer noch zum Besten was der Markt hergibt (Bild: kaz)

RIM Blackberry Bold 9900 - Die Tastatur gehört immer noch zum Besten was der Markt hergibt (Bild: kaz)

«Willkommen am Flughafen Frankfurt» säuselt die Flugbegleiterin ins Mikrofon, die freundliche Begrüssung geht aber fast unter im Emailbenachrichtigungstonkonzert, das in diesem Moment einsetzt. Ein Blick nach rechts erklärt wieso: All die gestriegelten Herren mit Schlips und weissem Hemd starren auf ihr Display mit Tastatur drunter. Was würden die Anzugträger nur ohne ihren Blackberry tun?! Wahrscheinlich den neuen Research in Motion (RIM) Blackberry Bold 9900 kaufen.

RIM geht es zur Zeit nicht so gut. Die sagenumwobene Emailverschlüsselung, eigentlich die USP im Geschäftskundenbereich, ist ausgehebelt worden; nicht von finsteren Hackern, sondern von (nicht minder finsteren?) Regierungsstellen: Wobei die saudische und indische Regierung nicht im technischen sondern im politischen Sinne gehackt haben. Die Regierungen verlangten ganz offiziell Einsicht in den Emailverkehr, der über RIMs Server läuft – man will sich vor wiederum finsteren Terroristen schützen… Das kam einerseits einer Adelung gleich, da es beweist, dass selbst Geheimdienste die Emails nicht entschlüsseln können, schürte jedoch andererseits die Angst der Firmen, RIM würde möglicherweise auch anderen Regierungen Einblick gewähren und somit Firmenspionage Tür und Tor öffnen.

Als wären das der Ärgernisse nicht genug, musste RIM eine weitere Schlappe hinnehmen, denn während der Unruhen in London musste RIM Daten mehrerer Blackberry-Kunden an Scotland Yard weitergeben. Als wären das der Ärgernisse nicht genug, brockte sich RIM weiteren PR-Ärger ein: Während der Unruhen in London gab das Unternehmen Daten mehrerer Blackberry-Kunden an Scotland Yard weiter – nota bene freiwillig und (ironischerweise) mit der Absicht, das Ansehen der Firma nicht zu schädigen.

Die jüngste Katastrophe ereilte RIM in Form eines ausgefallenen … Ausfallsicherungssystems. Die Folge: tagelang konnten keine Mails an die Blackberries ausgeliefert werden. Wer mailen wollte, kam nicht umhin, den PC anzuwerfen. All diese PR-Desaster lasten schwer auf RIM, so schwer, dass man glatt vergessen könnte, dass Barack «Yes we can!» Obama mit einem Blackberry bewaffnet antrat, die Welt (oder zumindest die USA) zu verändern!

RIM Blackberry Bold 9900 - Tastatur und Display sind gut ausgeleuchtet (Bild: kaz)

RIM Blackberry Bold 9900 - Tastatur und Display sind gut ausgeleuchtet (Bild: kaz)

Wer nun aber das neue Flaggschiff der Kanadier in Händen hält, wird denken: «Yes they can!» Der Bold 9900 ist der perfekte Ersatz für seinen Vorgänger. RIM setzte alles daran, den Umstieg so sanft wie möglich zu gestalten. Schon beim Auspacken des Blackberry blickt man erhfürchtig auf das edle Smartphone – ich konnte mir ein stilles «Wow!» nicht verkneifen. Äusserlich ist der Bold 9900 ein echter Blackberry: Er hat ein Display im Querformat und erlaubt wirklich schnelles Tippen mit der typischen Hardware-Tastatur. Neu ist, dass das 2,8 Zoll grosse Display mit 640 x 480 px Auflösung berührungsempfindlich ist. So wechselt man zwischen dem optischen Trackball und dem Touchscreen spielend hin und her. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mitten in der Sonne steht oder aus einem steilen Winkel auf das Display lugt, es bleibt immer gut ablesbar.

Blackberries waren schon immer flinke Arbeitstiere. Daher fällt kaum auf, dass im Bold 9900 ein neuer, mit 1,2 GHz getakteter, Prozessor arbeitet, der auf 768 MB RAM zurückgreifen kann. Auf dem Papier ist die Leistung gestiegen, in der Praxis fällt das kaum auf. In absehbarer Zeit, wenn QNX endlich auf der Matte steht, könnte die bessere Hardware freilich eine Rolle spielen. Bis dahin begnügen wir uns mit dem, was wir haben und das ist eine Menge: HSDPA, n-WLAN, Bluetooth 2.1, NFC und ein microSD-Kartenslot. Vor allem die letzten zwei Punkte heben den Bold auch von iPhone, Lumia und Konsorten ab, denn seit der Kooperation mit MasterCard, ist an bestimmten Stationen das Bezahlen per NFC-Chip möglich und nichts geht über einen Speicherkartenslot, wenn man mal fix die Daten von der Digicam ins Internet laden will. So «fix» geht das dann doch nicht vonstatten, da man erst den Blackberry in seine Einzelteile zerlegen muss, bevor die Karte getauscht werden kann. Hier spätestens helfen kräftige Fingernägel oder ein flacher Gegenstand um die sehr stramm sitzende Batteriefachabdeckung zu lösen.

RIM Blackberry Bold 9900 - NFC im Akkudeckel und nicht Hot-Swap-fähiger Kartenslot (Bild: kaz)

RIM Blackberry Bold 9900 - NFC im Akkudeckel und nicht Hot-Swap-fähiger Kartenslot (Bild: kaz)

Was beim Kartenwechsel ärgerlich ist, kommt der Haptik zugute: Der Bold fühlt sich wertig und stabil an in der Hand. Trotz des vielen Plastiks versprüht das Gerät elegantes Understatement, hervorgerufen durch die satinierte, metallene Einfassung, welche das Gehäuse umläuft sowie die Carbonoptik auf der Rückseite. Viele Anbieter versuchen mit glatten Materialien einen bleibenden Eindruck beim Kunden zu hinterlassen – doch nach dem ersten Sturz bleibt nur noch ein bleibender Eindruck der rauhen Strasse auf dem Gehäuse. RIM umschifft das Problem elegant, indem die Rückseite nicht nur eine Griffmulde vorweisen kann, sondern zu den Seiten hin auch noch Gummierungen verwendet werden – das sorgt für einen sicheren Griff auch in schwitzigen Stresssituationen.

Als unschön gelöst, dürfte man die linke Seite beschreiben: Der microUSB-Port ist scharfkantig ausgefräst und der Kopfhöreranschluss wölbt sich aus dem Gehäuse hervor. Rechts finden sich die gewohnten Lautstärketasten und die Komforttaste, die mit einer beliebigen Funktion belegt werden kann. Immer noch dabei ist die kleine Benachrichtigungs-LED, die sowohl über Nachrichteneingang, als auch Netzsignal informiert, dummerweise ist sie so hell, dass man sie unweigerlich wieder deaktiviert, um nicht ständig geblendet zu werden. Schade drum, im Dunklen findet man den Blackberry sofort und ein kurzer Blick auf die LED signalisiert bei ausgeschaltetem Display, ob SMS oder E-Mails eingegangen oder allenfalls die Verbindung zum Netz abgebrochen sind.

Im zweiten Teil werfe ich einen Bilck auf Akkulaufzeit, Multimedia und die Kamera.

Der RIM Blackberry Bold 9900 (Affiliate-Link) ist momentan für rund EUR 490 erhältlich.

 

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6 Kommentare

  1. Schöner Artikel. (^_^)
    Allerdings glaube ich mich erinnern zu können, dass Rim einmal gesagt hat, dass das neue BBX nur auf Smartphones bzw Tabletts läuft, die einen Dualcore besitzen, was meines Wissens sämtliche aktuelle Blackberry Modelle ausschließen würde.

    Na ja, vielleicht ändern sie noch Ihre Meinung und überdenken ihre Updatepolitik aufgrund ihrer Erfahrung mit dem Storm. (^_^)

  2. Daran erinnere ich mich auch: Dual-Core. Allerdings gehts RIM nicht so gut, da gehe ich davon aus, dass man den Kunden in jeder möglichen Weise entgegen kommen wird. Zwar steigen die Verkaufszahlen, doch der Marktanteil schwindet und das merken die Kanadier auch!

  3. Als wären das der Ärgernisse nicht genug, musste RIM eine weitere Schlappe hinnehmen, denn während der Unruhen in London musste RIM Daten mehrerer Blackberry-Kunden an Scotland Yard weitergeben.

    Wie im von dir verlinkten Artikel klar erklärt wird, hat RIM die Daten freiwillig angeboten, und wurde von keiner UK-Behörde darum gebeten. Siehe auch hier:
    http://dradio.de/dkultur/…ungen/thema/1526013/

    • Hallo LNS,
      danke für den Hinweis, in diesem Fall gebe ich Dir völlig recht, leider ist da eine frühere Artikel-Version online gegangen, die ich später noch redigiert habe, das sieht man ja auch schon an der Überschrift des verlinkten Artikels.
      RIM hat von sich aus angeboten Scotland Yard die Daten weiterzugeben.

      Nichtsdestotrotz kann ich Linus Neumann nicht völlig zustimmen. Es macht zwar einen fälschlichen Eindruck, RIMs Rolle bei den Krawallen so hochzuspielen, doch in England ist das meistgenutzte Gerät klar ein Blackberry, deshalb ist die Aussage nicht ganz so falsch, dass sich RIM-Kunden über den BB Messenger ausgetauscht haben sollen.
      Auch die Behauptung, die Verschlüsselung bei Firmenkunden sei nicht so dolle, mag vielleicht stimmen, doch wieso wollten dann die Regierungen Zugriff darauf? Mit dieser Ankündigung wären doch sämtliche Terroristen vorgewarnt.
      gruß
      kai!

  4. Zurzeit besitze ich zwar noch ein Nokia, doch durch die Möglichkeit von einer guten Freundin für ein Wochende zu leihen. Wörtlich: “Um es auf dem Festival zu verlieren ist es viel zu schade, da geb ich es lieber dir vielleicht wirst du ja auch ein Blackberryjünger”
    Gesagt, getan und bis jetzt muss ich echt sagen: Nach kurzem Einfuchsen frage ich mich waeum hast du dir nicht schon früher eins gekauft? Nun vielleicht lag das an Image eines Blackberry da solche eben ihre Anwendung im Businessbereich.

    Die Bedienung ist superlogisch aufgebaut, das Internet funktioniert ebenso wie das Multitasking vollkommen ruckelfrei, Musikhören und Fotos schießen geht problemlos von statten.

    Mein Fazit: Eine echte Alternative zum Android und I Phone Wahn, habe mir meins in stylischem Weiß bestellt wird am Wochenende geliefert bin jetzt schon ganz hibbelig ;-)

    Gruß an alle treuen BB-Fans

    Patrick

    • Na das klingt ja toll. Viel Spass mit Deinem BlackBerry und willkommen in der BB-World!

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