Google Chromebook im Test (2/2):
Gefangen in der Cloud

Nach ein paar Wochen Praxistest mussten wir uns vom Google Chromebook wieder trennen – Nun stellt sich die Frage: Wie gross war der Trennungsschmerz?

Für mich stellt sich die Frage nicht, ob ich auf Dauer mit einem Chromebook arbeiten könnte. Ich bin zu sehr auf Windows und seine Werkzeuge angewiesen. Wer davon aber unabhängig sein will oder muss, wer sich bewusst lösen will von den Restriktionen des Lokalen (alle Dateien immer nur auf einem Computer und damit gefährdet, falls der ausfällt), für den bietet das Chromebook beste Voraussetzungen. Google bietet genügend Platz für die eigenen Dateien in den (vermeintlich?) ausfallsicheren Wolken.

Wie aber kommt man an die Daten in der Wolke? Entweder per W-LAN (bis zu 300 MBit schnell) oder über das UMTS-Modul. Dank preiswerter Internet-Flatrates von Anbietern wie simyo, die uns das Chromebook zur Verfügung stellten, sollte unterwegs immer eine Verbindung verfügbar sein. Die Betonung liegt hierbei auf sollte.

Google Samsung Chromebook im Test
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Das Chromebook weigerte sich in unserem Haus mehrfach, sich per W-LAN zu verbinden. Nachdem ich das soundsovielte Mal die WLAN-Schlüssel vergebens eingeben hatte, stieg ich auch zu Hause auf 3G um. 3G ist in unserem Stadtteil eigentlich nicht besonders zuverlässig, mit simyo zum Glück schon.

So funktioniert die E-Netz-basierte 3G-Verbindung via simyo hier gut und ist durchweg stabil (was man von einem anderen grossen Anbieter, der das D-Netz verwendet, nicht sagen kann). Das Chromebook verlangt auch im Zweifel nur einmal je Arbeitssitzung nach dem vierstelligen Code für die Mobilfunk-SIM. Die Google-Anbindung geschieht automatisch, weil man sich mit dem eigenen Account auch beim Chromebook anmeldet.

Viele, viele, bunte Apps

Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Mail – dafür gibt es die bereits vorinstallierten Apps. Der Rest kann (meist kostenlos) im Webstore von Google heruntergeladen werden. Die Installation ist relativ einfach; die allfällige Deinstallation aber geht nur über Umwege, aber daran gewöhnt man sich.

Wer nur im Chrome-Universum unterwegs sein will, braucht hierfür übrigens nicht zwangsläufig das gleichnamige Chromebook. Alle Applikationen stehen auch zur Verfügung, wenn man Googles Browser installiert. Im direkten Vergleich – also auf einem Notebook mit identischer Hardwareausstattung – dürften diese allerdings immer etwas langsamer sein, da Windows 7 noch dazwischen hängt und Ressourcen in Anspruch nimmt.

CDs und DVDs kann man mit dem Chromebook nicht ansehen, da kein optisches Laufwerk verbaut ist. Aber «es gibt ja alles online». Selbst HD-Filme (wir schauten uns beispielsweise den Trailer von The Avengers an) werden zügig und ruckelfrei abgespielt. Für die eigenen Dateien ausserhalb der “Cloud” ist an der Vorderseite ein SD-Card-Steckplatz vorhanden, der Karten mit bis zu 32 GB Kapazität aufnimmt.

Neues Notebook für eine neue Zeit

Googles Chromebook ist ein Gerät, das den Menschen von seinen Geräten emanzipiert: Wichtig ist nicht mehr die Hardware, sondern das Netz, das Medium, in dem sich alles abspielt. Mit dem Chromebook gebe ich mein digitales Leben aus der Hand: Hardware ist beliebig, und Software sowie Daten liegen woanders.

Egal wo man ist, man muss nicht immer den ganzen Daten-Ballast mit sich schleppen. Die «Reiseschreibmaschine» Chromebook und ein W-LAN oder 3G-Netz sind alles was man noch braucht.

Ich bin eher konservativ und habe meine Daten, Programme und Geräte bei mir und unter meiner Kontrolle. Deswegen bin ich nicht traurig, dass Chromebook nach vier Wochen wieder zurückzuschicken. Und auch wer spezielle Software wie DTP, CAD und Konsorten braucht, kommt mit dem Chromebook nicht weit, denn diese Anwendungen existieren im Google-Universum noch nicht.

Wer mit den grundlegenden Programmen allein auskommt und genügend Vertrauen in die Cloud hat, dem kann diese Befreiung jedoch Erleichterung verschaffen. Für den sind die EUR 400 gut angelegtes Geld. Ausser der gewählten monatlichen UMTS-Flat entstehen voraussichtlich keine weiteren Kosten mehr – die wichtigsten Applikationen sind nämlich (noch?) Open Source.

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