«Geiger Fukushima»:
Japanischer Geigerzähler für das iPhone

Weil Geigerzähler im Lande knapp und unbezahlbar wurden, hat der Japaner Yuichiro Saito nun ein eigenes, preisgünstiges Modell konstruiert, das es auch als reinen Sensor zum Anschluss an ein iPhone gibt.

Manchmal macht es wenig Freude, Recht zu behalten: Der Eingangssatz meines 2009 kaum beachteten, weil 23 Jahre nach Tschernobyl zu abseitigen scheinenden Geigerzählertests wurde im März 2011 plötzlich makaber aktuell; so makaber gar, dass neuerdings.com ihn aus dem Posting strich. Doch, diese Bemerkung sei mir gestattet, nicht Zynismus hatte diesem Satz zugrunde gelegen, sondern mangelndes Vertrauen in die Herrschaft der Menschen über Dinosaurier-Technik. Dieses Misstrauen hatte mich schon viel früher dazu veranlasst, selbst einen Geigerzähler zu basteln. Diese allerdings wollte irgendwann nicht mehr funktionieren und durch etwas Moderneres ersetzt werden. Und so kam es, dass ich das Gerät von Dr. Mirow erwarb.

Wer sich erst nach einem Atomunglück nach Geigerzählern umsieht, wird feststellen, dass diese sonst kaum gefragte Ware auf einmal vom Markt verschwunden ist. Weil es offenbar in Japan ohnehin keinen Hersteller solcher Produkte gab, liess Yuichiro Saito, Präsident der Sanwa Corp., den «Geiger Fukushima» entwickeln:


Ich möchte, dass unser Produkt den Bewohnern dabei hilft, sich von Bereichen mit starker Strahlenbelastung zu schützen, ich habe die Ängste der lokalen Bevölkerung seit der Katastrophe im März hautnah miterlebt.

lässt sich Yuichiro Saito zitieren.

Herausgekommen sind zwei Produkte: Ein eigenständiger «Geiger Fukushima», der für JPY 18’800 (ungefähr EUR 181) angeboten wird, und eine iPhone-Version, die nur aus Sensor (Zählrohr) und Software besteht und nur JPY 9’800 (EUR 64) kostet. Das ist zunächst einmal wirklich günstig.

Geiger- und iGeiger-Zähler «Fukushima» werden nun im Online-Shop der Non-Profit-Organisation Eigyoshientai angeboten. Allerdings ist diese nur auf japanisch verfügbar, und welche Lieferzeiten und Portokosten anfallen, ist unbekannt.

Auch unbekannt ist, welches Zählrohr der «Geiger Fukushima» einsetzt – und das ist neben einer guten Elektronik für die Verlässlichkeit der Messwerte entscheidend. Das Gerät von Dr. Mirow hat hier auf ein recht teures Zählrohr gesetzt, das auch Alpha- und Beta-Strahlung messen kann – dies dürfte bei dem Fukushima-Geigerzähler nicht der Fall sein. Zu bedenken gilt auch, für die Untersuchung von Lebensmitteln sind normale Geigerzähler nicht geeignet, da das Zählrohr zu klein ist, um genügend Strahlung zu erfassen.

Der Geigerzähler von Dr. Mirow wurde seit dem Test weiter verbessert und ist inzwischen wieder verfügbar, wenn auch mit etwa acht Wochen Lieferzeit:

Wir liefern für alle Gerätetypen eine erheblich verbesserte Platine aus (schnellerer Daten-Download, eigene Löschtastenkombination, kürzere Protokollabstände, erheblich erweiterter Speicherplatz u.v.a.).

Um unsere Messqualität zu verteidigen halten wir aber an dem Zählrohr LND 712 fest. Und das ist nun mal nur in beschränkten Mengen verfügbar. Ich weiss, daß die Konkurrenz zur Steigerung der Mengen das russische SMB 20 einsetzt. Ich will aber nicht die notwendigen Qualitätskompromisse machen.

schrieb Dr. Mirow in einer E-Mail vom September 2011

Dr. Mirow hat seinen Geigerzähler übrigens ebenfalls in der Folge des Schocks über einen Atomunfall, über Tschernobyl entwickelt:

Ich hatte mich seinerzeit über die Informationspolitik des Bundesinnenministers (CSU) beim Tschernobylunfall geärgert und wollte ein ordentliches Produkt anbieten.

Das dann zugegeben etwa das Doppelte des eigenständigen Fukushima-Geigerzählers kostet und ein Vielfaches des iPhone-Sensors. Dafür läuft es allerdings auch 10 Jahre mit einer Batterie – ob man im Falle eines Atomunglücks japanischer Ausmasse sein iPhone noch geladen kriegt, kann durchaus angezweifelt werden…

Via Pressetext.at

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