Philips Design Line im Test (2/2):
Auch innere Werte zählen

Rund zwei Monate stand der Philips Design Line, «42PDL7906K» mit exaktem Namen, in meinem Wohnzimmer. Dabei zeigte sich, Fernseher und Heimkinosystem überzeugen mit gutem Bild und Ton sowie einer Unzahl an Funktionen - letzteres ist nicht nur gut.


Vorweg sei festgehalten: Ich habe den Fernseher als Heimkino getestet, das heisst, Blu-ray-, AppleTV-, DVD- sowie Vimeo- und Youtube-Filme darauf abgespielt. Wie das Designstück analoge oder digitale TV-Signale verarbeitet, kann ich nicht beurteilen. Blu-ray (via SoundHub), AppleTV und Vimeo (direkt, dank Einbindung des Fernsehers ins W-LAN) konnten mich voll überzeugen. Natürlich ist bei letzteren beiden entscheidend, dass man HD-Filme wählt – einige wenige SD-Filme im iTunes Store sind unfassbar schlecht codiert, ein Paradebeispiel im negativen Sinne: der eigentlich wunderbare « Wall E (Affiliate-Link)» (ausgerechnet ein Pixar Blockbuster…).

Eine Frage der Quelle

James Camerons «Avatar» ab Blu-ray, «Thor» in HD über AppleTV und beispielsweise Sam O’Hares «The Sandpit» von Vimeo machen sich richtig gut auf dem grossen FullHD-Display (107 Bildschirmdiagonale). Im abgedunkelten Wohnzimmer kommt richtig gute Stimmung auf, dank einer Technologie, die nur Philips im Angebot hat: Ambiligth. Auf der Rückseite des Bildschirms sind LEDs angebracht, welche zum Fernsehbild passend die Wand hinter dem Gerät mit farbigem Licht bestrahlen. Fehlt eigentlich nur noch eines zum absoluten Beleuchtungsglück: die Möglichkeit, Ambilight mit Philips’ LivingColors zu koppeln…

Das von Philips mitgelieferte Heimkinosystem SoundHub (ein Subwoofer, zwei Satelliten) sorgte mit druckvollen Bässen und glasklaren Höhen bei einer Gesamtleistung von 500 W (RMS) für blockbustergerechten Sound. Allein die mittleren Frequenzen wirken im Vergleich etwas dürftig (bei jeder möglichen SmartSound-Einstellung übrigens). Dieses Problem plagt viele andere Heimkinosysteme und geht vermutlich auf die schleichende Bose-isierung im Audiobereich zurück («Mittlere Frequenzen werden ja überbewertet»). Nichtsdestotrotz, sämtliche Gäste, die ich zum Probeschauen einlud, waren von der Bildqualität, von Ambilight und dem Soundsystem beeindruckt.

Die Begeisterung liess etwas nach, wenn ich Filme ab DVD vorführte. Da wurde jeweils trotz «Pixel Precise HD» überdeutlich, dass der Fernseher die Bildauflösung hochrechnen muss. Das stört weniger, wenn man ein Youtube-Film streamt; bei einem bildgewaltigen Epos wie BBCs « Human Planet (Affiliate-Link)» ab DVD enttäuscht die Bildqualität aber. Besonders in schnell bewegtem Hintergrund entstehen um ein Objekt im Vordergrund grobpixelige Silhouetten die an JPEG-Artifakte erinnern. Hier zeigt sich überdeutlich: Ein sehr guter Fernseher ist auf sehr gute Rohdaten angewiesen.

Das gilt selbstverständlich auch für 3D-Filme. Während «Transformers 2» in 3D nicht nur enttäuschte, sondern bei einem Tester gar Kopfschmerzen und Schwindel auslöste – vielleicht lag’s auch an den Dialogen? – begeisterte der Kinderfilm(!) «Legend of the Guardians: The Owls of Ga’Hoole» auf ganzer Linie. Das liegt auch daran, dass der Film 3D Effekte gewinnbringend einsetzt – was nicht bei jedem Film der Fall ist *hust* «Alice in Wonderlanfd» *hust*. Philips setzt bei diesem Gerät auf passive Brillen, die leicht und günstig sind und nicht ständig auf eine Ladestation gelegt werden müssen. Allerdings halbiert sich die vertikale Bildauflösung verfahrensbedingt. Mich, den TV-Laien, störte die reduzierte Auflösung jedoch kaum.


Welcome to the Jungle

Apropos Reduktion: Davon hätte ich mir bei den unübersichtlichen und verschachtelten Menustrutkuren und redundanten Funktionen mehr gewünscht, ebenso hinsichtlich kurioser Aussetzer. Zu ersterem ist knapp zu sagen: «Nice try Philips!» Die Menüs sind zwar ansatzweise hübsch gestaltet, allerdings vermiesen unnötige und zeitraubende Animationen sowie die komplizierte (und teilweise kontraintuitive) Struktur die Lust am Bedienen – Fast möchte man statt von «UX» (User Experience) von «UU» (User Unexperience) sprechen.

Ein Teil des UX-Problems ist dem Funktionsumfang geschuldet. In Kombination mit dem Heimkinosystem SoundHub wird der Fernseher zum wahren Funktions-Whiz-Kid. Neben USB-Stick, SD-Karten, W-LAN, HDMI-Anschluss et cetera kann auch ein iPod oder iPhone als Bild- und Tonquell benutzt werden. Das ist recht und gut. Allerdings, sowohl SoundHub als auch TV beherrschen viele dieser Funktionen für sich alleine. Werden sie per «EasyLink» zusammengeschlossen, sind diese quasi doppelt vorhanden und können über zwei unterschiedliche Wege, nämlich via TV-Menü und HTS-Menü mit jeweils zwei unterschiedlichen Fernbedienungen angesteuert werden. Plötzlich findet sich der Nutzer in einem wahren Funktions- und Menüdschungel wieder.

«Easy» wäre, wenn der Fernseher in seinem Menü jene Funktionen hinzufügen würde, welche das angeschlossene HTS beherrscht und er nicht – und alles mit nur einer Fernbedienung gesteuert werden könnte. Bezeichnend für die suboptimale UX ist, dass die Lautstärke des Subwoofers nicht verändert werden kann währenddem ein Film abgespielt wird. Wer den bombastischen Klang des Soundsystems nachbarschaftsfreundlicher einstellen möchte, muss sich dazu durch mehrere Menüpunkte des Konfigurationsmenüs hangeln…

Zu guter Letzt trübten einige sonderbare Aussetzer den eigentlich trotz einiger UX-Fails guten Gesamteindruck: Mal wurden plötzlich Untertitel nicht mehr angezeigt, bis Fernseher und HTS neu gestaret wurden; mal verstummte das System bis… neu gestartet wurde; mal verstanden sich HTS und Fernseher trotz EasyLink gar nicht mehr, bis… neu gestartet wurde. Das klingt aber ärgerlicher, als es tatsächlich war. Diese Aussetzer kamen in zwei Monaten nur gerade je ein Mal vor und schmälerten den Filmgenuss kaum; und doch sind sie symptomatisch. Fast könnte man meinen Hardware (sehr gut) und Software (viel Verbesserungspotential hinsichtlich UX) kämen nicht aus demselben Hause.

Fazit

Philips hat mit den Modellen der DesignLine und dem passend designten SoundHub echte Hingucker – im doppelten Wortsinne – im Angebot. Für einen Fernseher mit 107 cm Bildschirmdiagonale kommt der «42PDL7906K» erstaunlich elegant daher, wenn auch nicht so schlank wie Konkurrenten aus Südkorea. Der etwas massigere Aufbau hat auch damit zu tun, dass im Philips Ambilight steckt und just diese einzigartige Technologie ist ein starkes Kaufargument. Die Atmosphäre im Heimkino gewinnt klar durch die Aura, welche die LEDs auf die Wand hinter dem Fernseher werfen. Allein, die UX könnte besser sein. Hätte Philips doch nicht nur die Hardware schön und funktional gestaltet hätte…

Trotzdem, EUR 1’199,00 (UVP: 1’399,00) für den grossen DesignLine (Affiliate-Link) mit 107 cm Bildschirmdiagonale und EUR 1’059,00 (UVP: 1’099,00) für den kleineren Bruder (Affiliate-Link) mit 81 cm Bildschirmdiagonale scheinen angemessen. Der SoundHub «HTS 9241» ist mit EUR 999,99 (UVP) etwas teuer geraten. Wie teuer der SoundHub bei Amazon sein wird, ist noch nicht klar (Affiliate-Link). Vollkommen klar dagegen ist, sollte ich je einen Fernseher kaufen, der Philips Design Line stünde auf Pole Position.

Wer sich die technischen Spezifikationen des SoundHub anschauen möchte, klicke hier wer sich für die Kennzahlen der Design Line interessiert, hier respektive hier.

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5 Kommentare

  1. Rico Eichhorn
    schrieb am 11. November 2011 um 19:50 Uhr (#)

    Jaja, die Software bei Philips! Hatte gehofft, dass die sich gebessert hätten.
    Daher danke für die Hinweise.
    Über die Hardware kann man eigentlich sehr selten schimpfen, aber Philips sollte seine Softwareentwicklung echt mal neu besetzen.
    Als Beispiel mein amBX-System für den PC. Die Hardware eigentlich klasse, auch wenn es soundtechnisch in dem Preissegment noch besseres gäbe, aber der Ton ist gut und dank regelbarem Subwoofer selbst amstimmbar.
    Aber Software und Treiber sind ne Frechheit! Das 2.1-System kam über 250€ (zum Glück hab ichs auf der CeBit gewonnen ;) ) und da erwartet man doch, das es sich problemlos benutzen lässt und das die Versprechungen für eigene noch in Entwicklung stehende SOftware auch eingehalten wird. Denkste …
    Wer es unter Vista nicht und erst viele Monaten nach Win7-Veröffentlicheung schafft 64bit Treiber zu veröffentlichen, bei denen man noch eine 2-seitige Anleitung zum Installieren braucht, hätte ein Armutszeugnis verdient. Es gab noch mehr Probleme, aber Schluss jetzt.
    Daher eine Bitte an Philips: STELLT NEUE SOFWAREENTWICKLER EIN!

  2. Peter
    schrieb am 12. November 2011 um 21:13 Uhr (#)

    Gerade im TechBlog sollte man etwas mehr Wert auf die Rechtschreibung legen,

    es heißt Blu-Ray und nicht Blueray.

    Danke.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Simon Wüthrich
      schrieb am 12. November 2011 um 23:09 Uhr (#)

      Besten Dank für diesen Hinweis.

  3. Frank Kraeh @ Testberichte Magazin
    schrieb am 7. Dezember 2011 um 11:30 Uhr (#)

    Frage: Was macht einen besseren Klang? Bass Boxe an der Wand oder im Raum stehend…

    1. Daniel
      schrieb am 29. Dezember 2011 um 07:51 Uhr (#)

      durch den abstand zur wand ändert sich vor allem das bassvolumen. je näher zur wand, je grösser die tieftonanhebung. allerdings wird der gesamtklang dann oft “matschig” bis “dröhnend”. in der raummitte entstehen hingegen oft “basslöcher” durch stehende wellen.

      bester kompromis ist meist ca. 50cm abstand zu rückwand einzuhalten. keinesfalls lautsprecher in die ecke stellen.

      http://avguide.ch/magazin…auf-das-hoererlebnis

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