Pure One Elite Series II:
Digitalradio mit “PVR-Funktion”

TV-Receiver, ob terrestrisch (DVB-T), Kabel (DVB-C) oder Satellit (DVB-S), haben heute oft eine Festplatte integriert oder verfügen über einen Anschluss für externe Platten, um Sendungen zwischenspeichern zu können («Personal Video Recorder», PVR). In Radioempfängern ist diese Funktion dagegen rar. Pure hat nun ein neues Modell mit «Aufnahmetaste» vorgestellt.

Pure One Elinte Series II: Mit Zwischenspeicher (Bild: Pure)

Pure One Elinte Series II: Mit Zwischenspeicher (Bild: Pure)

Der Pure One Elite Series II wird vom Hersteller stolz unter dem Motto «Verpassen Sie nie mehr Ihre Lieblingssendung im Radio» angepriesen: Er kann Rundfunksendungen digital zwischenspeichern!

Da es sich um ein «DAB+»-Digitalradio handelt, ist dies technisch nicht so aufwendig, wie es sich anhört: Es muss nur der Datenstrom auf eine Speicherkarte geschrieben werden, auf den dann später wieder zugegriffen werden kann. Pure hatte auch bereits solche Radios im Sortiment, in die man direkt SD-Speicherkarten einschieben konnte. Genial: wie in alten Zeiten mit dem Kassettenrekorder einfach die Musik aus dem Radio aufnehmen, ohne Tauschbörsen und Abmahngefahr, und doch kostenlos! Blaupunkt hatte sowas auch als Autoradio im Programm.

Dass es dann von Pure keine weiteren derartigen Radios mehr gab, liegt daran, dass für Geräte mit Aufnahmefunktion höhere Zollsätze bei der Einfuhr fällig werden und sich die Geräte damit deutlich verteuern. Stattdessen kamen Funktionen, die beispielsweise erlaubten, das gerade gehörte Stück auf Knopfdruck kostenpflichtig bei einem Online-Musikanbieter erwerben zu können: Daran verdient man natürlich mehr.

Listen Later-Kapazität des Pure One Elite Series II je nach Bitrate der Aussendung:

64 kbit/s: 90 Min.
80 kbit/s: 75 Min.
96 kbit/s: 60 Min.
112 kbit/s: 50 Min.
128 kbit/s: 45 Min.
160 kbit/s: 35 Min.
192 kbit/s: 30 Min.

Mit dem One Elite Series II scheint diese Funktion nun endlich zurückgekehrt zu sein, sie nennt sich listen later (= «hör es Dir später an») im Gegensatz zu listen again, das im englischen Sprachraum üblicherweise den Abruf einer Sendung aus einer Mediathek des Senders meint. «Listen later» funktioniert dagegen auch ohne Online-Verbindung und Sender-Mediathek: Sie nimmt, ähnlich einem Videorekorder, zu programmierbaren Zeiten Sendungen auf. Doch leider ist die Funktione in der vorliegenden Form nur eine halbe Sache:

  • Der Speicher ist fest eingebaut. Man kann die Aufnahme nicht auf ein anderes Gerät übertragen, sondern nur auf dem Radio selbst wieder abspielen. Um etwas Neues aufzunehmen, sind alte Aufnahmen zu löschen.
  • Der Speicherplatz ist nicht gross: Bei der für gute Tonqualität notwendigen DAB-Bitrate von 192 kB/s kann gerade mal eine halbe Stunde gespeichert werden. Das mag für den Wetterbericht oder den aktuellen Ohrwurm ausreichen, für eine komplette Sendung dagegen nicht. In DAB+ halbieren sich zwar die Datenraten und damit verdoppelt sich die Aufzeichnungszeit, doch das ist immer noch wenig. Nicht ohne Grund empfiehlt Pure die Funktion besonders für Wortbeiträge wie Fussballspiele auf dem Bundesliga-Sender «90elf» – diese kommen meist mit geringeren Bitraten aus und passen mit ihren 90 Minuten in den Speicher. Andererseits: Wer bitteschön hört sich ein Fussballspiel denn später an, wenn die anderen bereits in den Strassen tanzen und das nächste Match läuft? Fussball dürfte so ziemlich der ungeeignetste Kandidat für diese Funktion sein, denn im Radio kann man die Aufzeichnung nicht einmal dazu nutzen, um in Zeitlupe nachzusehen, ob der Ball nun wirklich im Aus war oder nicht.

Die Idee ist also gut – die Umsetzung lässt dagegen noch zu wünschen übrig: Um das laufende Radioprogramm bis zu 15 Minuten «anzuhalten», weil es an der Tür geklingelt hat und man nichts verpassen will, ist der Zwischenspeicher bereits gut geeignet. Für ganze Sendungen dagegen eher nicht – denn man will ja nicht nur eine einzige Sendung aufnehmen, sondern durchaus mehrere. Hier wäre deutlich mehr Speicher von Nöten – entweder als steckbare Speicherkarte oder mit einer Festplatte, wie bei den Video-PVRs.

Immerhin: Als Zusatzfeature ohne grosse Zusatzkosten ist listen later schon mal ganz nett. Doch eine Option, für EUR 10 oder EUR 20 mehr auch eine brauchbare Menge Speicherplatz erwerben zu können, wäre sinnvoll.

Übrigens kann das Gerät auch normales UKW-Radio empfangen. Da ist es dann allerdings nichts mit listen later, da kein digitaler Datenstrom zur Aufzeichnung vorliegt und das Digitalisieren des Analogsignals zu aufwendig wäre: Das Gerät würde deutlich teurer!

Features des Pure One Elite Series II (Herstellerangaben):

  • DAB-Digital- und UKW-Radio
  • Listen Later zum Aufzeichnen Ihrer Lieblingssendung
  • Anhalten und Zurückspulen des Digital-Radioprogramms für bis zu 15 Minuten.
  • Zusatzeingang für iPod/MP3-Player
  • Erfordert ein optionales ChargePAK C6L Akkupack für Betrieb unterwegs
  • Uhr mit Sleep-Timer
  • Weckfunktion mit Weckton- oder Radiosignal
  • Countdown-/Küchentimer
  • Einstellbare Bässe und Höhen
  • 3″-Doppellautsprecher für hochwertigen Stereo-Sound
  • textSCAN zum Anhalten und Überprüfen von Lauftext
  • Intellitext für die Abfrage von gespeicherten Lauftexten der teilnehmenden Sender bei Bedarf
  • 50 Speicherplätze (25 digitale, 25 UKW)
  • USB-Anschluss für Produktupgrades
  • UVP: EUR 125, Akkusatz zusätzlich EUR 50
 

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