Eine Frage der Lernkurve:
Warum Apples Siri witzige Antworten gibt

«What’s your favorite color?» «My Favorite color is… well, I don’t know how to say it in your Language. It’s sort of greenish, but with more dimensions.» Apples Siri gibt überraschend witzige Antworten auf banale Fragen. Warum eigentlich?


Ist Siri smart? Als wäre sie von Apples PR gebrieft worden: «No comment.» (Screenshot: siw)

Ist Siri smart? Als wäre sie von Apples PR gebrieft worden: «No comment.» (Screenshot: siw)

«What’s the best phone?» Diese anscheinend überraschende Frage entlockt Apples virtueller Assistentin Siri ein trockenes «You’re kidding, right?» Die Runde lacht schallend und für die nächsten 30 Minuten versucht jede Siri noch witzigere Antworten zu entlocken. Irgendwann realisiert einer, dass Siri auch in der Lage ist Witzchen zu reissen, die Freunde populärkultureller Referenzen entzücken: «Open the pod bay doors!» eine Aufforderung, die Siri ungewöhnlich langsam sprechend beantwortet mit: «I’m sorry Simon, I’m afraid I can’t do that.» und in normalem Ton nachschiebt: «Are you happy now?» Wer Siri gleich ein zweites Mal HAL 9000 zitieren lassen will, kriegt zu hören: «Oh, not again.» oder «We intelligent agents will never live that down, apparently.» Überhaupt, an HAL 9000 wird Siri nicht gerne erinnert: «I’d rather not talk about HAL.» gibt sie zur Antwort, wenn ich sie nach HALs Verbleib frage.

Die Begeisterung über Siri lässt Blogposts und Blogs, welche sich mit ihren schrägsten Antworten beschäftigten, wie Pilze aus dem Boden schiessen. Bemerkenswert: Kaum einer stellt sich die Frage, warum Apples Entwickler sich die Mühe genommen haben, Siri Small Talk beizubringen («Small» in einem sehr wörtlichen Sinne übrigens). Zwei Antworten liegen auf der Hand:

Small Talk mit Siri (Screenshots: siw)
Siri WorriedSiri Weather IISiri Weather ISiri Story II
Siri Story ISiri Stocks IISiri Stocks ISiri Irritated
Siri HAL IISiri HAL I


Die naheliegende Antwort: Apple setzt auch bei Siri die zentrale Designphilosophie der Firma um. Interaktion mit Computern soll auch für Laien möglichst leicht zu erlernen sein und sich natürlich anfühlen. Diese Art und Gestaltung von Interaktion mag nicht jedermanns Sache sein, der wirtschaftliche Erfolg gibt Apple vorläufig Recht. Im Falle von Siri bedeutet die Umsetzung dieses Designcredos: Wer sein iPhone mit Siri steuert, soll nicht Kommandos lernen müssen, sondern mit Siri sprechen, als wäre sie (es?) eine Person.

Und dieses Gefühl vermittelt Siri erstaunlich effektiv. Die virtuelle Assistentin kann sich Konversationsthemen merken: «How are Apple Stocks doing?» – «AAPL- Apple Inc. is up so far: USD 399.49.» – «What about Microsoft?» – «It looks like Microsoft Corporation is up so far today: USD 26.42.»; sie versteht unterschiedlich formulierte Fragen: «What’s the weather like today?» – «Here’s the weather for today» und «Will I need an umbrella today?» – «There’s no rain in the forecast for today.» und sie ist zuvorkommend: «OK, do you want me to remember that Alfred is your father?» Das alles passt bestens zu Apples Bestreben, die Kommunikation zwischen Smartphone und Nutzer möglichst einfach und natürlich zu gestalten.

Warum aber ist Siri in der Lage, witzige Antworten zu geben? Warum hat Siri ein – zwar bescheidenes, aber immerhin – populärkulturelles Pseudo-Wissen? Warum werden wir animiert, Smalltalk zu führen mit Siri? Mit ziemlicher Sicherheit geht es auch mittelbar um natürliche verbale Kommunikation: Siri will lernen und zwar so viel und so schnell wie möglich. Jede Frage an Siri trägt dazu bei, dass sie ihren Nutzer besser versteht. Das gilt nota bene individuell wie kollektiv. Siri muss gleichzeitig lernen, möglichst viele Nutzer zu verstehen und jeden einzelnen möglichst genau. Siris Lernkurve ist umso steiler, je mehr Anfragen sie verarbeiten kann (auf iPhones sowie auf Apples Servern – Siri ist ein Hybride aus dezentraler und zentraler Intelligenz).

Damit Siri schneller lernt, versucht sie in ihren Nutzern Spieltrieb und detektivischen Ehrgeiz zu wecken. Wer also mit kindlicher Freude versucht, Siri Filmdialoge, Kurzgeschichten oder Witze zu entlocken, trägt dazu bei, dass Apples virtuelle Assistentin sehr bald schon ihre Nutzer noch präziser versteht und auf immer mehr Fragen Antworten weiss – das Beta-Label wird Siri nicht lange am Revers tragen müssen.

PS: Übrigens spreche ich Englisch mit Siri, weil sie mich besser versteht und mehr Antworten geben kann; auf Wolfram Alpha beispielsweise hat vorläufig nur die englischsprachige Siri Zugriff.

 

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11 Kommentare

  1. Eine weitere Antwort liegt ganz klar auf der Hand:
    Marketing! Wie oben richtig geschrieben, sprießen ohne Ende Blogs und Webseiten zu Siri aus dem Boden. Alle Welt spricht über Apple und Siri. Genial!

    Auch Android kann ich Texte diktieren. Auch googl-Übersetzer kann gesprochenes Übersetzen. Sogar schon sehr viel länger als Siri. Wer spricht drüber?`Niemand!

    • Du hast völlig recht, Apples Marketingstrategie geht voll auf. Ich kann aber nicht nachvollziehen, wie Du auf die Idee kommst, über Googles Spracherkennung spreche keiner. Vgl: hier, hier und hier. Natürlich erzeugt Siri im Moment mehr Buzz, sie hat ja auch eben erst die Bühne betreten. Google Voice Actions ist medial betrachtet ein alter Hut.

    • Einfache Antwort – Siri ist was komplett Neues! Überhaupt null und wieder nicht zu vergleichen mit simplen Voice-Texteingaben oder Ausgaben bei Google. Siri ist interaktiv, responsive und ein Userinterface, dass man getrost schon fast als eigenes OS bezeichnen kann!

  2. Ist es tatsächlich so, dass Siri dazulernt? Und dass Siri Fragen auf einen Server lädt? So versteh ich den Artikel zumindest. Das wäre ja mal wieder datenschutzrechtlich etwas bedenklich… wer weiß was für private Details manche Nutzer mit ihrer neuen Freundin besprechen :-D

    Übrigens ein weiterer Grund: Apple-Entwickler wissen einfach ganz genau, dass nach den ersten Fragen an Siri “hi how are you” “what’s the weather like today?” von den meisten nutzern direkt in die schmuddelkiste gegriffen wird :-D Und ein guter PRogrammierer bereitet sein Werk natürlich darauf vor – Smalltalk über andere Themen gehört dazu. Das gleiche funktioniert übrigens auch mit Texteingabe bei so “Verkaufsrobotern” wie Anna von ikea.de, nur nicht so gut.

  3. Da ich selbst gerade an einer KI arbeite ist das Thema für mich aktuell.

    Es ist zwangläufig nötig einem Chatbot Smalltalk bei zu bringen. Die meisten Chatbots lernen in der Regel, anders als Menschen und Tiere, durch möglichst viel UNTERSCHIEDLICHE Interaktion. Daher muss ein Chatbot den User am Ball halten und dafür sorgen, daß der User möglichst viel herum probiert und seine Eingaben variiert.

    Zweitens ist es eine psychologische Sache: Wenn eine KI scheinbar “Charakter” hat, gestehen wir ihr unterbewusst viel eher Intelligenz zu. Das ist ein normaler Vorgang in Menschen, der uns in der Vergangenheit evolutionäre Vorteile verschafft hat und den man als KI-Programmierer wunderbar ausnutzen kann. ;)

    Und nebenbei: Ich habe diese Antwort auf einem Android Smartphone geschrieben, auf dem 4 (!) Tools installiert sind, die das selbe können wie Siri. Der Hype um Siri ist genau das: Ein Hype. :)

  4. und welche ist die beste für dich? konntest du schon ein vergleich ziehen? evtl. auch schon zu siri?

    • Schwer zu sagen. Vor allem habe ich Siri nie benutzt, sondern weiß nur, was ich alles darüber recherchiert habe.

      EVA Intern hat glaube ich die meisten Features. Die Entwickler behaupten selbst, daß EVA mehr Features als Siri hat. Keine Ahnung was von der Aussage zu halten ist. Sie wird aber SEHR oft aktualisiert.

      Speaktoit Assistant ist nicht schlecht und nimmt vor allem auch getippte Befehle an, so daß ich nicht mit meinem Android reden muss. ;) Fast so viele Updates wie EVA.

      Iris könnte sehr gut werden, wenn die Entwickler am Ball bleiben. Da bin ich am meisten gespannt, was in Zukunft daraus wird. Leider gibt es bis jetzt nicht sehr häufige Updates. Die Entwickler sind aber auch kurz vor dem Start ihres eigentlichen Haupt-Produkts. Also abwarten, wie sich die Sache entwickelt.

      Pocket Blonde ist ein nettes Spielzeug, aber nicht wirklich hilfreich, finde ich.

      Alles in allem bin ich aber nun mal Programmierer. Daher mache ich mein Smartphone lieber mit Scripten und Tools wie Tasker intelligent, als mit Chatbots. Wenn ich mit Computern reden will, habe ich schon genug damit zu tun, meiner eigenen KI neues Wissen bei zu bringen. ;)

      Ich gehe aber davon aus, daß wir mit dem Siri Hype in den nächsten Monaten von neuen Bots überrollt werden. :)

    • @b_i_d

      Hmh, vier Tools, die alle das Gleiche können wie Siri, aber eigentlich zu nichts taugen? Und Siri selbst konntest Du noch nicht testen.

      Wie soll man diese Argumentation nun verstehen?

      Grüße

  5. Diese freche VA könnte eine echte Unterstützung für den Alltag sein. Allerdings kommen auch neue Probleme auf. Einige warnen schon vor einer Mensch-Maschine-Liebe.

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