Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (6/7):
Nokia BH-111 und ein Nachzügler Jawbone Icon

Die zwei letzten im Test sind das Nokia BH-111 und das Aliph Jawbone Icon. Beide Headsets setzen viel Wert auf Aussehen und können mit guter Akustik überzeugen. Während das Nokia sich für Aktivitäten anbietet, bei denen es rau zu geht, kommt das Jawbone Icon überall dort zum Einsatz, wo es laut hergeht.

Nokia BH-111

Nokia BH-111 - Angenehm anders (Bild: kaz)

Nokia BH-111 - Angenehm anders (Bild: kaz)

Das Nokia BH-111 gibt es in fünf verschiedenen Farben (schwarz, weiss, blau, grün und pink). Das hochwertige, glänzende Plastik, eine Weichgummi-Abdeckung der Knöpfe und die runde Form erinnern an ein teures Kinderspielzeug. Damit setzt es sich aus dem Einheitsbrei der anderen Wettstreiter ab, schränkt andererseits die Zielgruppe unnötig ein. Das BH-111 (Affiliate-Link) kostet um die EUR 30 und gehört damit zu den günstigeren im Test.

Dabei muss man nicht auf Qualität und Leistung verzichten, denn der Klang liegt auf hohem Niveau, was man teilweise auch selbst steuern kann, je nachdem welche Kopfhörer man in den 3,5mm Klinkenstecker hineindrückt. Gut gefallen können die grossen, leicht zu erreichenden Tasten, mit denen man ohne lästige Doppelfunktion vor- und zurückspulen kann, die Lautstärke ändert oder ein Telefonat beginnt.

Nokia BH-111 - (Bild: kaz)Nokia BH-111 - Garantierter Halt durch enorm starken Clip (Bild: kaz)Nokia BH-111 - Angenehm anders (Bild: kaz)Jawbone Icon - (Bild: kaz)
Jawbone Icon - (Bild: kaz)Jawbone Icon - Ungewöhnliche Optik (Bild: kaz)Jawbone Icon - Dicker Bauch, wenig Inhalt - 4 Stunden sind definitiv nicht genug Akkulaufzeit (Bild: kaz)Jawbone Icon - Eine umfassende Ausstatung gepaart mit exklusivem Design (Bild: kaz)

Das BH-111 wird idealerweise am (Polo-)Hemd angeklemmt, Pulli- und T-Shirt-Träger müssen sich mit unschönen Falten behelfen. An einem dünnen Schal befestigt, hält der Clip selbst dann, wenn man auf dem Motorrad mit 80 km/h über die Strasse brettert und durch die großen Tasten erreicht man seine Wunschfunktion auch mit dicken Winterhandschuhen beim Snowboarden – wo die flippigen Farben auch wunderbar passen. Dabei hält es auch den einen oder anderen Sturz durch und lässt sich auch von Dreck und Staub nichts anhaben.

Nokia BH-111 - Garantierter Halt durch enorm starken Clip (Bild: kaz)

Nokia BH-111 - Garantierter Halt durch enorm starken Clip (Bild: kaz)

Etwas enttäuscht war ich von der kurzen Laufzeit von nur sechs Stunden – das Sony Ericsson MW600 beispielsweise erreicht trotz schlankem Korpus acht bis zehn Stunden mit einer Ladung und trägt weniger dick auf. Für den einen oder anderen längeren Aufenthalt im Freien ist das in jedem Fall genug. Nur der Clip spielt nicht so richtig mit, er ist steif, sehr fest und man fragt sich, wo man die Einheit befestigen soll. Für mich hat sich der Kragen des Sporthemdes als ideal erwiesen, wer jedoch viel schwitzt, könnte das Bh-111 direkt in seiner «Ablaufrinne» platziert haben. Beim Joggen fallen die Kabel der Kopfhörer negativ auf, verwendet man handelsübliche oder die mitgelieferten, dann klappern sie ständig im Ohr. Man sollte auf Kopfhörer mit steifem, kurzem Kabel ausweichen oder den Aufpreis für das Jabra Sport beziehungsweise Motorola S10-HD wagen, um mehr Bewegungsfreiheit zu erlangen.

Die Sprachqualität ist nicht schlecht und ein wenig Geräuschunterdrückung beherrscht das BH-111 auch. Am Revers placiert versteht der Anrufer auch dann noch etwas, wenn geflüstert wird – also Vorsicht.

Das Nokia BH-111 ist für kabellose Freiheit mit Kabelkopfhörern gut geeignet, es ist robust und kann sowohl beim Snowboarden oder Joggen eingesetzt werden. Die grossen Tasten erlauben eine einfache Bedienung mit Handschuhen und ohne hinzusehen. Man könnte sich bei dieser Grösse fragen, wieso man nicht gleich einen iPod nano kauft. Doch die Vielseitigkeit und der kleine Preis sprechen für das Nokia BH-111. Vorallem ist es eines der seltenen Geräte, die dann noch funktionieren, wenn man sie auflädt. Das prädestiniert das Headset für stationäres Streamen vom Smartphone zur HiFi-Anlage. Für mich ein lieb gewonnener Begleiter auf dem Motorrad und bei der dreckigen Gartenarbeit gleichermaßen.

Aliph Jawbone Icon

Jawbone Icon - Eine umfassende Ausstattung gepaart mit exklusivem Design (Bild: kaz)

Jawbone Icon - Eine umfassende Ausstattung gepaart mit exklusivem Design (Bild: kaz)

Nachdem ihr mich auch auf Aliph aufmerksam gemacht habt, musste natürlich auch ein Vertreter aus der Jawbone-Reihe in den Testparcours. Und so fragte ich eilig bei Aliph an, diese sandten mir freundlicherweise das Jawbone Icon «The Thinker» und brachten mich tatsächlich zum Nachdenken: Hatte ich zurecht das Jabra Supreme zum Headset-König gekürt?

Wie alle anderen Hersteller auch, bemüht sich Aliph schon mit der Verpackung den Kunden für sich zu gewinnen. Und auch nach dem Kauf wird man freudig überrascht, als einziger Hersteller liefert Aliph sieben(!) verschiedene Ohrpolster mit und einen Bügel mit 3-dimensionalem Gelenk. Hut ab. Der Fairness halber sei erwähnt, dass dem Nokia J auch eine Reihe von Ohrpolstern beilagen, es aber nur im Ohr getragen werden kann, das «Icon» dagegen wie auch das Motorola HX550 fast alle Tragarten beherrscht. Das «Jawbone Icon» selbst ist etwas spartanisch bestückt: Ein Einschaltschieber, eine Anruftaste. Punkt.

Jawbone Icon - (Bild: kaz)

Jawbone Icon - (Bild: kaz)

Das Headset-Äussere ist Geschmackssache, mir ist es zu pummelig und ausgefallen, aber das ist natürlich rein persönlich und als Kunde kann ich aus einer Reihe von weiteren Varianten auswählen. Was ich bisher immer verschwiegen hatte, die Hersteller mit Voice-Support – also irgendwelchen Stimmen, die einem ins Ohr faseln – wählen teilweise ganz grausige Frauen für die Aufnahmen. Jawbone verlagert die Qual der Wahl auf den Endverbraucher: Einfach auf MyTalk gesurft und flugs die schönste Stimme aufgespielt. So machen der Mann, bzw. die Frau im Ohr Spass.

Doch wir sollten uns nicht zuviel mit Äusserlichkeiten beschäftigen, wie steht es denn um die Geräuschunterdrückung? Jawbone verspricht mit NoiseAssasin 2.5 eine Geräuschunterdrückung militärischer Güte. Nun gibt es natürlich Unterschiede zwischen dem Fussvolk und der Spezialeinheit, so auch hier: Prinzipiell steht die Geräuschunterdrückung den Anderen in Nichts nach. Sie funktioniert und filtert so gut es technisch geht, damit kann es sich in die oberen Ränge einreihen. Zur Verbesserung der Spracherkennung ist ein weicher Gummiknubbel auf der Innenseite, der die Wange berühren muss und die Bewegung erfasst. Darauf synchronisiert sich die Gräuschunterdrückung und versucht die Stimme besser zu erkennen, bei falschem Sitz versteht der Partner nicht viel – es empfiehlt sich am Anfang etwas zu experimentieren.

Durch das Software Update kann das Icon auch A2DP und somit Musik in angemessener Qualität empfangen. Doch leider knackt es beim Nokia E7 immer wieder in der Leitung, ein Blackberry Bold 9900 oder das iPhone 4S sehen darin keine Schwierigkeit, auch GPS-Navigation und anderes laufen darauf problemlos.

Jawbone Icon - (Bild: kaz)

Jawbone Icon - (Bild: kaz)

Eventuell wäre mit einem aktuelleren Modell (Aliph hat das Gerät selbst ausgesucht, welches uns zugesandt wurde) und NoiseAssasin 3.0 der Sieg klar an ein Jawbone-Modell gegangen. So schleicht es sich vor allem durch das reichhaltige Drumherum an die Spitze: Die vielen Ohrpolster, die Auswahl eigener Benachrichtigungsstimmen und auch die guten Einstellungsmöglichkeiten durch den Browser. Beispielsweise kann eine vordefinierte Nummer im Headset hinterlegt werden, um schnell den einen Anruf über die Headset-Taste zu tätigen. Leider funktioniert dann die Sprachsteuerung am Telefon nicht mehr – es gibt nunmal nur eine Taste am «Icon».

Das Aliph Jawbone Icon ist ein klarer Favorit bei den Geräuschunterdrückern. Man muss den exklusiven Stil mögen und am Anfang ein wenig mit dem Sitz des Headsets experimentieren, bevor man die gewünschte Verständlichkeit erreicht hat. Die tolle Stimmauswahl, die netten Erweiterungen, die aus dem Icon ein wahres Multitalent machen und die grosse Auswahl an Ohrpolstern katapultieren es aus der Nachzüglerriege in die erste Reihe mit dem Jabra Supreme. Leider gibt es Abzüge für die kurze Akkulaufzeit von nur vier Stunden – trotz des dicken Korpus’ und es hat leider kein Antischall wie das Supreme. Wer zugunsten der sexy Stimmen auf ein oder zwei Stunden Akku verzichten kann, muss hier zugreifen, denn das Jawbone Icon ist ein exklusives und äusserst begehrenswertes Stück Technik.

Puuh, das waren eine Menge Headsets auf einmal. Verwirrt? Immer noch unentschlossen? Keine Sorge, im letzten Teil gibt es noch einmal eine Hörprobe mit dem König des Lärms, einem Staubsauger, der alle Geräuschunterdrückungs-Headsets testet und ein für allemal klärt, wer es kann und wer nicht. Und für die Sportler-Herzen gebe ich Tipps für die richtige Wahl des zukünftigen Tonangebers. Dranbleiben!

 

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2 Pingbacks

  1. [...] einen der Jabra Clipper doch nicht so recht überzeugt, gibt es Alternativen. Das etwas größere Nokia BH-111 beispielsweise nutzt den Platz geschickt und hat für jede Funktion eine eigene Taste, die auch mit [...]

  2. [...] Planeten”. Das Jawbone Era von Aliph muss sich diesen Titel aber erst noch erkämpfen, denn das Jawbone Icon zeigte deutliche Schwächen. Mit einer Bewegungssteuerung, neuen, ausgefallenen Designs und einer [...]

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