Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (3b/7):
Sony Ericsson MW600 und LG HBM570

Im letzten Testteil zur ersten Kategorie halten wir noch zwei Schnäppchen-Empfehlungen bereit. Das Sony Ericsson MW600 und das LG HBM570 bieten viel Leistung für unter 30 Euro. Ausserdem liefern wird die versprochen Audio-Testdateien nach.


SonyEricsson MW-600
Das Sony Ericsson ist ein Aussenseiter im Test, denn obwohl ein Mono-Headset mit Geräuschunterdrückung verlangt war, bekamen wir ein anderes Gerät. Wirklich schlimm ist das nicht, wer keine Lust auf Stereo hat, steckt einen Monokopfhörer in die 3,5 mm Klinkenbuchse. Doch Sony kocht auch in anderer Hinsicht sein eigenes Süppchen: Aktive Geräuschunterdrückung gibt es nicht. Ein Ladegerät sucht man ebenfalls vergebens, es liegt für solche Zwecke nur ein Micro-USB-Kabel bei. Bei einem schnellen Blick auf den kleinen Preis von EUR 25 vergibt man Sony Ericsson jedoch gerne. Und dann ist da noch etwas: Als einziges Gerät im Test, zeigt das MW600 den Betriebsstatus, sowie Titel von Musikstücken auf einem Display an.

Es hat eigene Tasten für Vorspulen, Pausieren, eine touchsensitive Lautstärkeregelung und ein eingebautes Radio mit RDS – damit überrumpelt man den ahnungslosen Kunden mit einer Reihe von Features und lenkt von der fehlenden Geräuschunterdrückung ab. Doch während die anderen Geräte bei Umgebungslärm die Stimme verzerren und blechern klingen lassen, bleibt beim MW600 alles klar und scharf – inklusive Umgebungslärm. Damit verfehlt das Headset zwar die vorgegebenen Testkriterien, zeigt aber andererseits gut auf, wie gross der Unterschied zwischen hervorragender Ausblendung der Umgebung (Jabra Supreme) und einem normalen Headset ist. Trotzdem behauptet es sich im Windtest besser als die anderen Kollegen: Wie im Eingangsartikel angesprochen, ist eine mechanische Abschirmung gegen Wind jeder Elektronik überlegen und so hört man beim MW600 fast nichts vom tosenden Wind.

Doch auch an anderer Stelle schwächelt das Headset, denn während ich zum Beispiel beim Plantronics Savor M1100 mit einem Griff das Headset im Ohr und eingeschaltet habe, vergeht zwischen Einschalten und Kopplung eine kleine Ewigkeit – ohne zweite Hand ist das fast unmöglich. Das MW600 kann das durch die lange Akku-/Standbylaufzeit wettmachen (11h/ 500h sind angegeben, nach acht Stunden habe ich aufgegeben) – trotzdem unbefriedigend, wenn man einmal vergisst einzuschalten. Um dem SE-Gerät Business-Charakter einzuhauchen, bundelt man Freischaltcodes für einen Android-Virenscanner von McAfee und QuickOffice dazu. Das ist zwar nett gemeint, hat aber mit der Funktion des Headsets nichts zu tun.

Ein abschliessendes Urteil fällt nicht leicht. Das Sony Ericsson MW600 versagt beim Umgebungsgeräuschtest in Ermangelung eines zweiten Mikrofons, versagt beim schnellen Verbinden mit dem Smartphone und versagt beim einhändigen Aufsetzen. Trotzdem muss man ihm die Vorzüge eines für Bluetooth-Verhältnisse hervorragenden Klangs lassen (wenn man die mitgelieferten Kopfhörer austauscht), die gute Windabschirmung zubilligen und bei einem Preis von EUR 25 die reichhaltige Funktionsvielfalt erwähnen. Ginge es in diesem Test um Musikkopfhörer, wäre das Sony Ericsson MW600 die erste Wahl. Als Headset für laute Umgebungen ein totaler Reinfall, für den Bluetooth-Musikliebhaber mit kleinem Geldbeutel und Priorität auf Klang ein echtes Schnäppchen.

LG HBM570

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte mich noch das LG HBM570. In typischer LG Manier präsentiert die Verpackung ein schön anzusehendes Headset, das mit metallischer Aussenhaut und Geräuschunterdrückung lockt. Ausgepackt sieht die Welt ein wenig anders aus: Die kantige Form eines USB-Sticks und das raue, dünn wirkende Plastik in Metalloptik enttäuschen, kleinere oder grössere Ohrstücke zum besseren Anpassen an die eigenen Ohren sucht man vergebens. Man ist von LG besseres gewöhnt. Der Ohrbügel wirkt zerbrechlich, Kundenbewertungen bei Amazon.com scheinen das zu bestätigen. Am durchsichtigen Oberteil scheint die blaue LED durch, bei einem Businessheadset ist das doch etwas fehl am Platz. Aber es sind wie immer die inneren Werte die zählen, und bei einem Preis von läppischen EUR 20 erwartet man kein Designerstück.

Zwei Mikrofone sollen Umgebungsgeräusche filtern und die Stimme klar beim Gegenüber ankommen lassen. Das LG HBM570 kann durchaus den teureren Kollegen die Stirn bieten. Bei geringem bis mässigem Lärm arbeitet die Unterdrückung fast genauso zuverlässig wie die der Konkurrenz. Doch der Preis muss sich in irgendeiner Weise bemerkbar machen, beziehungsweise macht sich nicht bemerkbar: Steigt die Geräuschkulisse auf die eines lauten Staubsaugers an, so verschluckt das HBM570 kurzerhand Lärm sowie Stimme und präsentiert dem Hörer ein Staccato aus Lärm und Nichts. LG hat offensichtlich die Unterdrückung recht aggressiv eingestellt. Vor allem begehen die Koreaner noch einen weiteren Fehler, indem sie die beiden Mikrofone auf der Unterseite des Headsets positionieren. Damit wird das Mikrofon richtungsempfindlich und eignet sich nur für Rechtsträger, weil es dann zum Mund zeigt, im anderen Ohr getragen, lauscht es mehr den Wolken als seinem Träger.

Und so ist auch das LG HBM570 ein Wackelkandidat. Einerseits zeigt es der Konkurrenz was man für schlappe EUR 20 alles in ein Headset packen kann. Andererseits macht sich der Preis bei den verwendeten Materialien und der aggressiven Geräuschunterdrückung bemerkbar.

Als Abschluss des ersten Teils biete ich hier noch die Audio-Testdateien zum Download an, anhand derer jeder für sich selbst die Qualität der Geräuschunterdrückung beurteilen kann.

Diese Testdatei wurde an einer stark befahrenen Bundesstrasse aufgezeichnet. Natürlich fahren nicht alle Autos gleichmässig vorbei, weshalb dies nur ein kleiner Ausschnitt ist. Sie gibt jedoch gut den Gesamteindruck wieder. Gerade das klare SE MW600 vermittelt einen Eindruck, wie laut es tatsächlich dort war.

Das LG HBM570 traf verspätet ein und bekam deshalb eine eigene Datei spendiert, da die Aufnahme an einer Ortsausgangsstrasse aufgezeichnet wurde und somit nicht ganz den Bedingungen der anderen Headsets entspricht.

In diesem MP3-File hört man die Unterschiede der Windabschirmung. Sie trägt den Kandidaten nicht ganz Rechnung, da man im Normalfall nicht unbedingt in so einem Wind spricht – es sei denn man steht am Bahnhof und wartet auf den ICE. Trotzdem erahnt man, wie gut die Windabschirmung auch mit einer kleinen Brise umgehen kann.

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Diesem Motto folgend, sind die nächsten Teile Steroeheadsets für Sport und Freizeit gewidmet. Wer hier die Nase vorn hat, ist schwer zu sagen. Warten wir auf das Zielfoto.

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1 Kommentar

  1. harald weinrich
    schrieb am 23. Oktober 2011 um 18:17 Uhr (#)

    hört sich eher an wie eine stimmunterdrückung. das (LG als auch Sony) wäre ein tolles geschenk von diktatoren ans volk.

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