Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (1/7):
Die Teilnehmer und Spezialbegriffe kurz erklärt

Im grossen Vergleichstest treten die aktuellen Bluetooth-Headset-Modelle der wichtigsten Hersteller gegeneinander an. Wer meistert den Alltagstest am souveränsten?


Fast alle Smartphones werden immer grösser, obwohl die Technik immer kleinere Geräte zuliesse – eine Ausnahme: Das Sony Ericsson Xperia Ray. Diesen Trend konnte man schon am Danger Hiptop erkennen und bei Bildschirmdiagonalen jenseits von 4 Zoll halten sich viele Smartphone-Nutzer heute wieder einen Ziegelstein ans Ohr. Höchste Zeit also für eine schnuckelige Freisprecheinrichtung. Ich habe mir Bluetooth-Headsets namhafter Hersteller geschnappt und einen grossen Vergleichstest gestartet.

Die Geräte lassen sich in zwei Kategorien einteilen: «Büro, Lärm, NoiseCancelling» und «Sport, Schweiss, Stereo».

Grosser BT-Headset-Vergleichstest
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Die Kandidaten
Für die Business-Kategorie sollten die Headsets klein, handlich und mit Geräuschunterdrückung ausgestattet sein, hier lieferten sich die folgenden Geräte einen erbitterten Wettstreit:

(Samsung wird das HM7000 Anfang November nachreichen.)

In der zweiten Kategorie geht es um Stereoklang und Schweissresistenz. Angetreten sind die folgenden Headsets:

(Das Sony Ericsson MW-600 wird mit einem Coupon für eine Office-Suite und eine Antiviren-Software für Android Handys ausgeliefert, deshalb wurde es in die Business-Kategorie eingeteilt und dem HBH-IS800 die Sportdisziplin zugewiesen, obwohl beides Stereokopfhörer sind.)

Vor dem eigentlichen Testbericht sind noch einige Fachbegriffe zu klären:

Multipoint-Advanced / Advanced-Multiuse / Multi-Connection
Man ist in der Lage mehr als ein Handy mit dem Headset gleichzeitig zu verbinden. Wenn es auf einem der beiden Geräte klingelt kann man am Headset den Anruf beantworten. Im Test waren alle Kopfhörer dazu in der Lage und konnten bis zu acht Geräte pairen.

A2DP
Dieses Bluetooth-Profil ermöglicht die Übertragung von Musik in ausreichend guter Qualität, normalerweise in Stereo. Die Business-Headsets empfangen Musik und andere Klänge des Smartphones aber auch in guter Monoqualität. Alle Kandidaten, ausser dem Nokia J, sind dazu in der Lage. Das Nokia J dagegen arbeitet mit dem qualitativ schlechteren HSP-/HFP-Profil. Dementsprechend klingt es deutlich schlechter als seine Mitstreiter.

AVRCP
Steht das auf der Verpackung, kann das Headset die MP3-Player-Funktion eines Handys steuern: Musik vorspulen, pausieren und Lautstärke verändern. Die Monoheadsets sind in Ermangelung eigener Tasten nicht fähig dazu, bei den Stereogeräten sind Tasten teilweise doppelt belegt, um diese Funktionen zu aktivieren.

AudioIQ / CrystalTalk / Noise Blackout
Jeder Hersteller nennt seine Geräuschunterdrückung anders, genauso vielfältig sind auch die Ergebnisse. Sobald Umgebungsgeräusche auftreten, werden diese digital herausgefiltert, dazu nutzen die Hersteller zwei bis drei Mikrofone. In das eine spricht man hinein, das andere schnappt Umgebungsgeräusche auf, so weiss das Headset zwischen Lärm und Stimme zu unterscheiden und filtert unerwünschte Geräusche heraus. In der Theorie klingt das recht gut, praktisch funktioniert es nur bedingt. Je leiser die Störgeräusche, desto besser klappt das.
Klang
Klanglich geben die Stereoheadsets wenig Grund zur Beanstandung. Als echte Sportkopfhörer können nur das Motorola S10 und das Jabra Sport durchgehen, die beide gegen Schweiss geschützt sind. Das Plantronics Backbeat 903+ sitzt zwar fest am Ohr, doch wie Peter Sennhauser bereits berichtet hat, ist die Elektronik nicht gegen Feuchtigkeit geschützt. Die anderen Teilnehmer kommen ohne grössere Abdichtungen aus. Sie klingen ähnlich gut, und können auch mit den eigenen Kopfhörern genutzt werden, was einen grossen Vorteil darstellt. Dafür hat man wiederum mehr Kabel am Körper hängen, was der Idee «kabelloser Freiheit» entgegensteht.

Windabschirmung
Die Mono-Headsets mit Geräuschunterdrückung arbeiten unterschiedlich gut. Es zeigt sich, dass es besser ist auf windabschirmende Materialien zu setzen, so schweigt das Jabra Supreme selbst bei heftigstem Sturm, wenn andere nur noch unangenehmes Rauschen liefern; auch die Hardware-Dämmung des Sony Ericsson MW600 schlägt sich besser, als all die digitalen Rauschalgorithmen der Konkurrenz. Andererseits benötigt man auch eine ausgeklügelte Elektronik, um Umgebungslärm effektiv auszublenden.

Zusatz-Apps
Einen echten Gewinner oder Verlierer gab es im Test nicht, sämtliche Headsets liefern gute Qualität. Das ist auch der Grund, wieso die Hersteller mehr auf das Drumherum achten, Motorola liefert die kostenlose Android-Applikation «MotoSpeak», mit der man Texte diktieren und anhören kann. Plantronics schenkt ein Gratisjahr beim Service Vocalyst, der über Sprachsteuerung Twitter-Feeds vorliest und Emails versendet und Jabra gibt seinem Headset den kostenlosen Service Endomondo mit auf den Weg.

Genug palavert, die nächsten Teile werden die Geräuschunterdrückung unter die Lupe nehmen, bis wir uns dann dem «Spocht» widmen und die Stereoqualitäten beim Joggen testen werden. Soviel vorweg: Das Ursprungsland des Kronfavoriten hat ein Königspaar.

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9 Kommentare

  1. Hans-Jörg
    schrieb am 14. Oktober 2011 um 12:38 Uhr (#)

    Wer Umgebungslärm wirklich filtern will, sollte sich das Jawbone ERA ansehen… der Effekt wie im Werbespot gezeigt ist Tatsache und verblüfft!

    1. Jacko
      schrieb am 14. Oktober 2011 um 20:03 Uhr (#)

      Da kann ich Hans-Jörg nur zustimmen. Auch ich habe das Jawbone ERA und bin restlos begeistert. Klein und schnuckelig. Und vor allem absolut nebengeräuschfrei. Ich will da wirklich nichts mehr anderes in mein Ohr lassen.
      Der einzige kleine Nachteil besteht darin, dass die Nebengeräuschvermeidung durch eine Abnahme des Schalls am Kieferknochen (Jawbone) erfolgt und deshalb das Headset perfekt am Knochen aufsitzen muss. Wenn dem nicht so ist, bekommt man das erst durch die Beschwerde des Gegenübers mit. Kommt aber glücklicherweise nicht häufig vor.

    2. Tom
      schrieb am 14. Oktober 2011 um 21:44 Uhr (#)

      Aber wehe, das Jawbone bekommt von irgendwo Wind – das ist dann kaum zu bändigen (jedenfalls meines nicht). Dazu klingt es konstruktionsbedingt etwas dumpfer, weil es die Stimme ja vom Kieferknochen abnimmt. Und leider habe ich auch nicht die passenden Ohren dafür – jedenfalls nicht, wenn ich das mitgelieferte Zubehör verwende (Gummis, Ohrhaken). Musste von einem anderen Hersteller ein In-Ear Gummi nehmen, damit es sitzt.

    3. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 15. Oktober 2011 um 12:45 Uhr (#)

      Ooops, da habe ich wohl einen Hersteller übersehen. Ich werde versuchen einen Test des Jawbone nachzureichen und ihn gegen den Testsieger dieses Vergleiches antreten lassen.

      Allerdings sollten wir die Preise nicht außer Acht lassen: Der teuerste Vertreter bringt gerade mal 80€ zusammen, das Jawbone Era kostet 30-40€ mehr – der Testsieger ist sogar noch billiger!

    4. Jacko
      schrieb am 15. Oktober 2011 um 14:25 Uhr (#)

      Naja, es gibt ja auch noch den Jawbone ICON Serie. Hiervon habe ich eines seit ca. 1,5 Jahren im Einsatz. Ist der Vorgänger des ERA und etwas schwächer in der Rauschunterdrückung und der Sprachqualität. Jedoch immer noch einwandfrei in der Funktion. Benutze ihn nur noch im Privatwagen, dennoch glaube ich, dass er die meisten Headsets in puncto Rauschunterdrückung schlägt und auch in vielen Shops für ca. 80€ zu haben ist.

      Aber wehe, das Jawbone bekommt von irgendwo Wind – das ist dann kaum zu bändigen

      Klar, Wind ist immer schlecht für ein Mikro. Aber das Phänomen ist auch bei allen anderen Headsets, die ich probiert habe zu sehen. Wenn jedoch das JAWBONE gut am Backenknochen anliegt, dann drückt es auch anständig die Windgeräusche weg. Nun telefoniere ich meist nur im Auto damit und kann somit weniger auf “Winderfahrung” zurückgreifen. Jedoch lässt sich mit dem JAWBONE auch locker bei offenem Fenster auf der Autobahn telefonieren, ohne dass der Gegenüber davon etwas groß mitbekommt. Das muss man erst mal mit einer normalen Freisprechanlage schaffen.
      Das größere Problem ist jedoch bei starken Nebengeräuschen die Stimme des Gegenüber zu verstehen. Da ist das Jawbone in der Lautstärke eher schwach ausgelegt.

  2. Hans-Jörg
    schrieb am 14. Oktober 2011 um 23:42 Uhr (#)

    Sorry, muss da korrigieren! Das Audiodignal kommt immer noch vom Mikro. Der Wangensensor erkennt “nur”, dass gesprochen wird und ordnet dieses Muster dem Audiosignal zu, welches dann von allen anderen Audioinhalten entledigt wird. Alle anderen schallabnehmenden Systeme wie eustachsche Röhre-Adaption oder Kehlkopf-Mikros etc. sind fürs Militär geeignet, aber dann hat es sich. ERA hat übrigens schon die Version 3 des Systems.

    1. Jacko
      schrieb am 15. Oktober 2011 um 14:30 Uhr (#)

      Klar, du hast recht. Ich habe mich etwas ungeschickt ausgedrückt. Jedoch nimmt der JAWBONE nicht nur die Erkenntnis auf, dass Gesprochen wird, sondern auch welche Frequenzen dabei zum Einsatz kommen. Dies brauch er nämlich, um sie mit den Frequenzen aus dem Mikro abzugleichen und die erforderlichen (nicht genutzten) Muster auszuklammern.
      Funktioniert wirklich gut. Es gibt übrigens auch hiervon eine militärisch genutzte Variante, die von Jawbone produziert wird. Soll mit der zivilen Variante identisch sein. Habe ich gehört ;-).

  3. Kai
    schrieb am 18. Oktober 2011 um 22:10 Uhr (#)

    Leute Leute Leute… hier werden echt Äpfel mit Birnen verglichen.
    Gegen das Jabra Extrem kann niemals ein Headset getestet werden, welches den Schwerpunkt auf Musik hat. Gegen Jabra extrem steht das Plantronics Discovery 975 oder Voyager HD.

    Man unterscheidet in der Bluetooth Headsetwelt mittlerweile zwischen Privat und Business.

    Dies nur als netter Tipp.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 19. Oktober 2011 um 08:36 Uhr (#)

      Hallo Kai,
      wie meinst Du das? Es gibt extra zwei Kategorien: Sport/Stereo und Business/Mono.
      Die Hersteller haben selbst entschieden, was sie einschicken und für welche Kategorie.
      Einzig das Plantronics habe ich aktiv ausgesucht, weil es frisch auf den Markt kam und drei Mikrofone hat. Drei sind immerhin mehr als zwei beim Supreme oder dem Voyager Pro. Die Plantronics Homepage sagt auch, die Platzierung helfe gegen direkten Wind.
      Kann Deine Kritik diesbezüglich verstehen. Warte doch den Test ab, vlt. änderst Du dann Deine Meinung.
      Gruß kai!

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