Google Samsung Chromebook im Test:
Die Chrome-Chroniken, Teil 1

Mobilfunk-Netzbetreiber Simyo hat uns für einen Monat ein Google Chromebook zur Verfügung gestellt. Mit ihm werden wir der spannenden Frage nachgehen: Wie lebt und arbeitet es sich in der Wolke?

Google/Samsung Chromebook mit Simyo Mobilfunkkarte im Test (alle Bilder: thj)

Google/Samsung Chromebook mit Simyo Mobilfunkkarte im Test (alle Bilder: thj)

Die Ankunft erfolgte eher unspektakulär: Ein silberner Karton so gross, wie einer für eine Riesenpizza, enthält das 12-Zoll-Netbook. Die simyo-Karte steckt in einem separaten Umschlag, sie soll unterwegs für die Verbindung zur Cloud sorgen. Die erste Herausforderung bestand darin, die SIM-Karte einzusetzen, denn nirgendwo in den Unterlagen findet sich ein Hinweis, wie herum sie in den Schlitz zu fummeln ist. Naja, es gibt ja nur vier Möglichkeiten – im letzten Anlauf klappte es dann auch.

Auch bei der Verbindung mit dem WLAN gab sich das Chromebook etwas störrisch und verlangte nach einem Passwort, wo doch der Schlüssel bereits festgelegt ist. Ist man mit dem WLAN verbunden, kann man das Chromebook einrichten. Hierfür braucht man einen Googlemail-Zugang (mit dem zugehörigen Passwort meldet man sich übrigens nachher auch beim Googlebook an).

Nachdem das Gerät “up and running” ist, beschäftigen wir uns mit den Interna. Basis ist ein Netbook mit 12-Zoll-Display und Intel Dual Core-Atom-Prozessor sowie 2 GB RAM. Das “Betriebssystem” ist eine Linux-Variante, die “Benutzeroberfläche” der Browser Chrome, als “Festplatte” dient ein 16-Gigabyte-SSD.

Wer übrigens glaubt, man könne sich ein Chromebook kaufen und bei Nichtgefallen ja Windows drauf spielen, dem rate ich dringend davon ab. Nicht mal mit Linux würde ich das ansatzweise probieren.

Das Samsung-Serie-5-Netbook, das die Hardwarebasis für das Chromebook bildet, wurde speziell auf diesen Einsatz zugeschnitten. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Kindercomputer. Viele Tasten, die man von “normalen” Laptops kennt, fehlen einfach. Die Funktionstasten oben zum Beispiel, statt dessen ist eine Reihe Einstellknöpfe für Notebookfunktionen wie Abschaltung des Lautsprechers placiert.

Caps Lock ist auch nicht vorhanden. Stattdessen ist dort eine “Suchfifi”-Taste, die einen weiteren Chrometab öffnet. Das permanente Aktivieren der Grossschreibung ist etwas, was viele nicht vermissen werden. Wer es trotzdem braucht. soll beide Shift-Tasten gleichzeitig drücken – ein Trick, der bei mir nicht funktionierte (vielleicht fehlte noch ein Zauberspruch wie “PERMANENTUM MAGNUM!”, doch danach regnete es nur Schokoladeneis…).

Die Tastatur des Google Chromebook reduziert die Tastenvielfalt deutlich

Die Tastatur des Google Chromebook reduziert die Tastenvielfalt deutlich

Eine Taste, die mir mehr fehlt, ist das Entf/Delete, fehlerhafte Inhalte kann leider nur die Backspace-/Rückschritttaste beseitigen. Für Home und End habe ich noch keinen Ersatz gefunden, für PgUp/PgDn drückt man die Pfeil auf/ab-Tasten mit Alt. Immerhin gibt es Esc.

Der Mauspfeils wird mit dem Touchpad gesteuert. Das hat keine Taste, weder links noch rechts. Statt dessen muss man es mit einem Finger für den Links- und mit zweien für den Rechtsklick drücken. Scrollen mit zwei Fingern klappt auch ganz smooth, nur ist es sehr empfindlich eingestellt, so dass beim Schreiben der Daumen durch versehentlichen Tap schon mal den Cursor ins Irgendwo katapultiert. Positiv: Eine Microsoft-Maus wurde sofort erkannt und akzeptiert, sie funktioniert am Chromebook einwandfrei.

Mit dem Chromebook ist es wie mit einem Auto mit Direktschaltgetriebe: Man kann damit fahren, doch wer Kupplung oder Automatik gewöhnt ist, muss sich erstmal umgewöhnen. Wer nur das Fahren mit Direktschaltgetriebe gewohnt ist, kann sich dagegen kaum verstehen, dass einer Mühe haben sollte mit einem solchen Fahrzeug. Im Augenblick finde ich die Reduktion eher lästig, aber der Test hat ja gerade erst begonnen.

Das Samsung Chromebook kostet nur mit WLAN circa 400, mit WLAN und 3G (Affiliate-Link) circa EUR 450 – letztere Variante ist dringend angeraten, da ein Chromebook derzeit den Charakter eines Briefbeschwerers annimmt, wenn es nicht mit dem Internet verbunden ist. Eine passende UMTS-Karte gibt es beispielsweise bei simyo. Für monatlich EUR 4,90 (100 MB inklusive, danach Reduktion auf GPRS-Geschwindigkeit), für EUR 9,90 (dto., 1 GB) oder EUR 14,90 (dto., 3 GB). Wenn man sich nicht exzessiv die Augen an Filmen eckig guckt (ob das überhaupt geht, werden wir noch feststellen), sollte die mittlere Option reichen.

Das Chromebook wird mich für die nächsten drei bis vier Wochen begleiten. Stilecht wurde dieser Post übrigens direkt in WordPress verfasst und ergänzt, nur für das Einfügen der Bilder habe ich noch Blogdesk benutzt. In der nächsten Folge werden wir uns mit den Apps und Programmen auf dem Gerät und in der Wolke befassen. Ich bin eigentlich ein Fan von lokalen Daten und Programmen, deswegen muss das Chromebook hier ordentlich Überzeugungsarbeit leisten.

 

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12 Kommentare

  1. Hallo Thomas,
    für die Tastenbelegung gibt es mit Strg+Alt+? eine interessante Hilfe.
    Inzwischen gibt es auch Offline GMail.
    Gruß
    Ulli

  2. Die erste Herausforderung bestand darin, die SIM-Karte einzusetzen, denn nirgendwo in den Unterlagen findet sich ein Hinweis, wie herum sie in den Schlitz zu fummeln ist.

    Auf Eurem Foto ist doch das Symbol der Sim-Karte auf dem Deckel zu sehen.

  3. Das hatte ich auch erst gedacht. Die Abbildung war aber falsch.

  4. Für den Preis würde ich mir lieber ein normales Notebook kaufen. Die Handhabung kommt mir auch zu umständlich vor.

  5. In Sachen ‘fehlende DEL-Taste’: Hast du es einmal mit Befehl ‘ALT + BS’ versucht?

    Ein echtes Problem gibt es mit den fehlenden Tasten ‘HOME’ und ‘END’. Ich sehe (noch) nicht, wie Google das in Ordnung bringen will.

  6. Auch zum Aktivieren der 3. Zeichen auf der deutschen Tastatur scheint es keine Loesung zu geben. – BSP: EUR-Zeichen auf ‘e’

  7. Ich habe eine Verständnisfragen zum Google Chromebook.

    Ist das in etwa so als wenn ich ein Großes Mobiltelefon bediene, nur ohne eigenen Speicher und ohne Telefon?

    • Hallo Josefine

      Der Vergleich hinkt: Das Chromebook steht zwischen einem Smartphone und einem ausgewachsenen PC
      - Für den Online-Betrieb (wie beim Smartphone) brauchst du eine permanente Internet-Verbindung.
      - Für den Offline-Betrieb verfügst du über lokalen Speicher (intern – bei Bedarf auch extern). Du musst deine Dateien aber vorher bereit stellen.
      – Fremde, indem du sie herunter lädst
      – Eigene, indem du sie aufsetzt

      Für den Zugriff aufs Internet verfügst du über zwei Quellen.
      - WiFi: Einen lokalen Internet-Adapter
      - G3: Analog Smartphone (also Netzabdeckung nötig)

      Damit eigent sich das Chromebook z.B. für folgende Aufgaben:
      - Zeitung ¦ Bücher lesen
      - Internet-Recherchen
      - EMAIL-Dienst betreiben
      - In der ‘Cloud’ schreiben etc. (Google Docs)

      Siehst du etwas klarer?

      Gruss – Studi1

  8. Hallo . Ich habe in ansicht mir kaufen Samsung XE500C21-AO3DE ohne 3G , aber mit Chrome system . Meine frage ist ob kann ich Chrome löschen und Xp instalieren ohne problemen ? Danke

    • Der Beitrag und der folgende sagen eigentlich deutlich, dass das nicht sinnvoll ist.

      Ob es möglich ist, habe ich nicht ausprobiert, weil es zu dem Preis bereits jede Menge Net- und Notebooks mit Windows gibt.

      Wenn es ein älteres sein soll (wegen Windows XP), sollte sich etwas auf dem Gebrauchtmarkt finden lassen.

      Aber Windows XP auf dem Chromebook: Finger weg.

  9. Danke sehr für die nette adw Die war sehr chilflich :-)

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