Asus Transformer im Test (2/3):
Das Tablet, das mehr kann

Asus’ Transformer TF101 ist ein Tablet-Computer mit Docking-Tastatur – und damit ein Kompromiss. Diese tendieren dazu, alles ein bisschen und nichts richtig zu können. Das gilt für den Transformer nicht.

Der Asus Transformer 101 ist ein Tablet mit Tastaturdock

Der Asus Transformer 101 ist ein Tablet mit Tastaturdock

Ich weiss von etlichen Kollegen und Kolleginnen, welche das iPad nach den ersten Wochen der Begeisterung und des Überall-Hin-Mitnehmens auf den Couchtisch gelegt und zum Sofa-Surfbrett degradiert haben:

Ein wunderschönes Lifestyle-Gerät, das für Zeitungen und iPad-Zeitschriften, Youtube-Videos und die gelegentliche Fotoshow hervorragend geeignet ist, zum Mail- oder noch-mehr-Schreiben unterwegs aber nur beschränkt geeignet ist.

Eine Tastatur könnte den ganzen Unterschied machen, und die hat Asus dem “Transformer” spendiert:

Nach dem Aufklappen und dem Ausklinken der Tastatur aus dem Dock fühlt sich das Tablet eben wie genau ein solches an. Es liegt gut in der Hand, wenn es auch dicker und schwerer scheint als das iPad 2. Es bringt mit Honeycomb (Android 3) ein stabiles System mit, das Android-Handy-Nutzer sofort schätzen werden, und mit dem Tegra 2 einen Dualcore-Prozessor, der Darstellung und Bedienung auf dem Tablet flüssig und elegant macht.

Startbildschirm des Transformers mit Honeycomb

Startbildschirm des Transformers mit Honeycomb

Als Tablet steht der Transformer dem iPad in wenig nach – auch wenn er an dessen Style-Faktor nicht herankommt. Die Hardware des TF101 ist sauber verarbeitet und wirkt wertig.

Die Software ist das lang ersehnte Android Honeycomb, das noch dazu vor wenigen Tagen auf die Version 3.3 aufdatiert wurde. Neu ist der Cursor im Normalbetrieb kein Pfeil mehr, sondern ein fingerabdruckgrosser Kreis – gut sichtbar auch auf überladenem Bildschirm, aber etwas schwierig präzise zu placieren, namentlich in Texten und Webseiten. Erst nach einigem Rumklicken merkt man dann, dass man den Stil des Cursors und das Tempo vor allem bei Bedienung über das Touchpad der Tastatur – einstellen und dabei zurück auf den Mauscursor-Stil wechseln kann.

Dafür versteht Android in dieser Version auch Multitouch-Gesten via Touchpad, die über das Zoomen mit Pinch hinausgehen. Man kann mit mehreren Fingern seitlich Wischen, um zwischen den fünf Startbildschirmen zu wechseln, und mit zwei Fingern scrollen. Und schliesslich lassen sich Bildschirminhalte, die für kleinere Mobilbildschirme angelegt sind, auf die volle Bildschirmauflösung hochrechnen – und zwar nicht durch ein reines optisches Zoom, sondern als Skalierung, wobei bisweilen enorme Freiräume zwischen den Funktionen einer App entstehen.

Honeycomb: Mit Ring statt Pfeil

Auf den ersten Blick präsentiert sich Honeycomb wie ein übergrosses Android, was es ja auch ist. Dass die Menu-, Zurück und die Home-Taste nicht mehr als Hardware vorhanden sind, sondern bei bedarf im unteren Bildschirmrand eingeblendet werden, ist zwar zweckmässig, aber bisweilen verwirrend, vor allem, wenn eine der Tasten dort nicht auftaucht, weil sie im gestarteten Programm keine Funktion hat. Die Suche-Taste fehlt ganz – ein Suchfeld auf dem Hauptbildschirm oben rechts übernimmt diese Funktion, die Menu-Taste wird in der Hauptansicht zu einer “vorherige Anwendungen”-Taste (bei Android wurde diese Geschichte der Apps bisher mit langem Drücken der Home-Taste aufgerufen).

Die Hauptansicht aller Applikationen ist bei Honeycomb auf dem Hauptbildschirm oben rechts in Textform angesiedelt. Ansonsten fällt an dem Betriebssystem wenig auf, das anders ist – abgesehen von der Auflösung, die zwar auf vielen Handys inzwischen ähnlich hohe Werte erreicht, aber natürlich nicht so zur Geltung kommt wie auf dem etwas mehr als 10 Zoll grossen Bildschirm. Im Vergleich zum iPad fühlt sich das TF101 von Asus etwas dicker, dafür schmäler oder in der Hochkantversion höher an.

Die Statusmeldungen sind auf Honeycomb vielfältiger als auf den “kleinen” Android-Versionen, und sie stehen unten rechts statt oben über die ganze Seitenbreite – was zur Statusleiste mit den Funktionsbuttons unten links passt. Batterieladestand, Wifi-Verbindung sind jederzeit erkennbar, neue Mails werden auch von mehr als einem Konto unten angezeigt, und der Weg zu den übrigen Systemeinstellungen führt über einen einzigen Knopf.

Honeycomb kommt ausserdem mit einem Dateimanager, der einem Zugriff auf die internen und im Fall des Transformers auch auf die “externen” Speicher wie den Slot für Micro-SD am Tablet und die SD-Karte sowie USB-Laufwerke und -Sticks an der Dockingstation ermöglicht.

Videoschnitt und PDF-Zeitungen

Videoschnitt am Tablet: Leider viele Probleme mit externen Formaten.

Videoschnitt am Tablet: Leider viele Probleme mit externen Formaten.

Softwaremässig bringt Honeycomb neben den üblichen Google-Applikationen vor allem das “Video Studio” und den PressReader mit. Das erste ist ein einfaches Videoschnittprogramm. mit dem man vor allem mit der integrierten Kamera aufgenommene Videos schneiden und neu vertonen kann – externe Videos scheitern offenbar schnell an dem System nicht verständlichen Dateiformaten oder der Grösse.

PressReader ist ein um einen internationalen Zeitungskiosk erweiterter PDF-Reader. Die Herstellerfirma verkauft einzelne Zeitungs- und Zeitschriftenausgaben als PDF, so dass sie auf dem Tablet in der Originalansicht lesbar werden. Rund ein halbes Dutzend Einkäufe kann man testweise machen, danach wird ein Abo oder nach Hinterlegung der Kreditkartendaten ein Einzelpreis von knapp einem Dollar pro Ausgabe fällig.

Die NZZ Frontseite...

Die NZZ Frontseite...

...und der Hauptartikel

...und der Hauptartikel

Eigentlich ein gutes Konzept, weil man die Originale der Ausgaben kriegt, sie komplett aufs Pad geladen werden (was bei einer dicken Neuen Zürcher Zeitung am Wlan schon mal zwei Minuten dauern kann) und man bei einigen wie der NZZ eine Doppelansicht kriegt: Das PDF der Zeitungsseiten für den Überblick, mit einem Klick auf einen Titel den Artikel in besser lesbarer Form als Text mit Bild. Wenn auch unspektakulär – für mich könnte Zeitungslesen in Zukunft durchaus so aussehen. Die Überblickswirkung der grossen Zeitungsblätter wird unterschätzt – hier hat man sie nach wie vor zur Verfügung.

Asus’ eigene Cloud

Asus hat dem Transformer softwareseitig vor allem seine eigene Cloudlösung – einen Webspeicher, der zunächst kostenlos ist, mich aber schon als “Dreingabe” zum Notebook nicht überzeugt hat, obwohl ich dort sogar die kapazitätsmässig unbeschränkte Variante für knapp USD 30 im Jahr gekauft hatte. Hinter dem Icon “MyCloud versteckt sich aber auch ein Sammeldienst für Multimediadaten im gesamten Heimnetzwerk. Und schliesslich ein Fernsteuerungstool, mit dem man ab Tablet jeden Windows- und Mac-Rechner fernsteuern kann.

Der Mac, ferngesteuert ab Android-Tablet

Der Mac, ferngesteuert ab Android-Tablet

Die entsprechende Software namens Splashtop eines Drittherstellers vorausgesetzt. Sie funktioniert – ähnlich wie die bekannten VNC oder Logmein – plattformübergreifend, aber auch ohne Server – das heisst, man muss, wenn man nicht den Mac oder PC vom Sofa aus im eigenen Netz bedienen will, die richtigen Ports am eigenen Router freigeben und ausserdem die IP-Adresse des Heimnetzwerks kennen.

Polaris Office auf dem Asus Transformer

Polaris Office auf dem Asus Transformer

Schliesslich hat Asus das ansonsten kostenpflichtige Polaris Office spendiert, mit dem man alle Microsoft-Office und sonstigen Office-Dateien öffnen kann, und zwar lokal, ohne Google Docs benutzen zu müssen (was ich persönlich allerdings bevorzuge).

Damit ist zum Tablet eigentlich gesagt, was man sagen kann: der Rest ist Sofasurfen der bequemen Sorte; Videos sehen auf dem Tablet wunderbar aus, die Audio-Qualität lässt für den Musikbetrieb ohne Kopfhörer ein bisschen zu wünschen übrig. Webseiten werden schnell geladen und bieten – dank Flash-Player für Android, den man allerdings nach Auspacken des Geräts nachinstallieren muss – die volle Funktionalität des Internets.

Der Asus Transformer als Netbook

Der Asus Transformer als Netbook

Nach dem Anklicken der Tastatur dagegen wird das Tablet zu einem Netbook mit Android. Dabei lässt sich eigentlich alles über die Tastatur – mit einer proprietären und den Notebook-Tastaturen nachempfundenen Belegung, in meinem Fall Schweizer-Deutsch – erledigen. Sondertastenkombinationen, das Markieren von Text beispielsweise, funktionieren dabei im Windows-Stil: Ctrl-Shift markiert Wortweise etc. Ich habe mich dennoch immer wieder dabei ertappt, auf den Bildschirm zu tippen statt mit der Tastatur zu funktionieren: Das Anhüpfen von Formularfeldern und Eingabebuttons ist nun mal im Tablet-Modus intuitiver als über die Tastatur, die dafür bei der Texteingabe grosse Dienste leistet.

Ungewohnt und bisweilen schwierig wird es aber, wenn man sich vor einem Notebook wähnt und immer wieder an die Auslegung von Android als Tablet/Mobil-Betriebssystem erinnert wird. Ich denke beispielsweise an Dateien und möchte diese in einer Dateistruktur ablegen, wofür Tablets aber einfach nicht ausgelegt sind. Da kommen sich zwei Philosophien in die Quere, und solange man nicht einen eigenen Arbeitstil entwickelt und sich weitgehend von der “PC”-Denkweise loslöst, wird man immer wieder über Details stolpern.

Wichtig war mir dann aber auch die Funktionalität des Pads als Kommunikationszentrale. Der Transformer hat zwar derzeit noch keine UMTS-Funktionalität, die soll allerdings schon bald kommen.

Via Wifi und Skype, Google Chat und anderen Programmen kann Instantchat genutzt werden. Ich hätte gerne die Videochatfunktion in Skype genutzt, was aber an der fehlenden Video-Funktionalität von Skype scheiterte. Eine Videositzung via Google Chat funktionierte dann zwar, aber Gtalk wird nun mal sehr viel weniger genutzt als Skype.

Spass machte mir dafür die Implementierung von Voip, der auf dem SIP-Protokoll basierenden Internet-Telefonie. Sipdroid als Gratisprogramm macht dabei im Zusammengang mit einem Abo bei einem Anbieter wie Sipgate oder Callcentric aus dem Netbook/Tablet ein vollwertiges Telefon. Ich habe mich dabei unter anderem über die Audio-Kombischnittstelle für Mikrofon-Headsets gefreut.

Weniger überzeugt hat mich die Nutzung des Geräts als Netbook, was allerdings kaum an der hardware liegt. Darauf allerdings komme ich im Fazit, dem dritten Testteil, zurück.

 

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8 Kommentare

  1. Für Alle… ,,welche das iPad(2) nach den ersten Wochen der Begeisterung und des Überall-Hin-Mitnehmens auf den Couchtisch gelegt und zum Sofa-Surfbrett degradiert haben”…

    Zwischenzeitlich für unter 90€ zu haben.
    Habe meines in: Data Quest, Kapellgasse 16 in Luzern erworben.
    Oder natürlich bei Amazon, etc.

    http://dexim.net/us/produ…e-Office/DXA010.html

  2. Das Problem mit der fehlenden Tastatur beim IPAD habe ich meiner Meinung nach gut gelöst mit der Blutoothtastatur von Logitech.

  3. Kompliment, auch der zweite Teil ist sehr informativ geschrieben. Es macht wirklich Spass, das zu lesen.

    Natürlich ist die Software (bzw. einzelne Apps) nicht unbedingt an die Hardware gebunden. Aber der hier vermittelte Eindruck kann auch anderweitig weiterhelfen. So etwa “PressReader”, das kannte ich noch nicht.

  4. Da stellt sich wieder die generelle Frage, ob Notebook oder Pad.
    Zum passiven nutzen, also meist lediglich Abrufen von Informationen, Zeitungslesen etc. ist das Pad wohl allein durchs Handling besser geeignet.
    Ca. 150 $ mehr dann für die zusätzliche Tastatur ?

  5. Sehr guter Bericht über das Asus Transformer. sachlich ung ugt geschrieben, sehr ausführlich. Ich freu mich schon auf den 3. Teil. Uebrigesn eine tolle Sache auch die Synchronisation mit Outlook, wobei sogar Kontaktfotos von Outlook übernommen werden.

  6. Wann gibts denn den 3. Teil? :)

  7. Wann ist denn mit Teil 3 etwa zu rechnen?

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