Shure SE535 im Test:
In-Ear Kopfhörer für Musiker
und Audio-Geeks

Der Shure SE535 ist ein High-End In-Ear-Kopfhörer, der günstigere Modelle bei Klangqualität und Verarbeitung locker in die Tasche steckt. Dafür stellt er einige Ansprüche an den Benutzer.

Shure SE 535 (Bild: jro)
Shure SE 535 (Bild: jro)
Um es gleich vorweg zu sagen: Der Shure SE535 ist ein Referenzkopfhörer. Für den sagenhaft saftigen Preis von rund 400 EUR verschafft man sich den Rolls Royce unter den In-Ear-Headphones. Shure peilt mit seinem High-End-Flaggschiff denn auch keine Gelegenheitshörer an. Die Zielgruppe sind ganz klar Musiker und besonders ambitionierte Hi-Fi-Geeks. Das wird auch am Design klar: Der SE535 ist als Monitorkopfhörer konzipiert, also für den Bühnen- und Studioeinsatz.

Am 2007 erschienenen Vorgängermodell hat Shure nochmals die Verarbeitung verbessert. Am deutlichsten wird das beim kompletten Redesign der Kabel. Diese sind mittlerweile mit Kevlarfasern verstärkt, wie sie so ähnlich auch bei kugelsicheren Westen zum Einsatz kommen.

Shure Se535: Kopfhörer für Musiker und Audio-Geeks (Bilder: jro)
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Für den herausragenden Klang hat Shure jede Menge Technik in die Hörer gestopft. Gleich drei Speaker sind beim SE535 verbaut: Ein Hochtonlautsprecher für Höhen und Mitten und zwei Tieftöner für die niedrigen Frequenzen. Die Konstruktion ist durchdacht, besonders angenehm ist die drehbare Befestigung der Kabel an den Hörern, die das Problem der verdrillten Kabel beseitigt.

Anziehen will gelernt sein

Wer sich solche High-End-Kopfhörer leistet, investiert neben dem nötigen Kleingeld auch deutlich mehr Zeit und Mühe ins Hören. Das richtige Anlegen des Shure 535 ist eine friemelige Sache und beinahe eine Wissenschaft für sich. Mit gutem Grund: Die Soundqualität hängt unmittelbar ab vom richtigen Sitz der Hörer, weswegen Shure falschem Tragen mit detaillierten Anleitungen vorbeugen will.

Bis man den richtigen Sitz raus hat, ist denn auch einiges an Experimentieren notwendig. Gerade das Herumschlaufen des Kabels um die Ohrmuschel ist bei den ersten Versuchen ungewohnt. Es lohnt sich aber, die nötige Zeit aufzuwenden – sonst verpufft der teuer erkaufte Qualitätsvorsprung sogleich wieder. Sitzt der Hörer nicht in der korrekten Tiefe im Ohr, leidet die Klarheit der Höhen, schliesst das Ohrstück nicht richtig ab, ist das Resultat ein schwachbrüstiger Bass.

Für die richtige Isolation hält Shure Zubehör bereit: Geliefert wird der SE535 mit einer Auswahl an Schaumstoff-, Silikon- und Tannenbaum-Ohrpassstücken, jeweils in mehreren Grössen. Im Test am besten funktionierten für mich die ”Foamies”, also die Schaumstoffaufsätze. Sie werden zwischen Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt und dann ins Ohr geschoben – um nachher richtig dicht zu halten. Das funktioniert bestens und die Passstücke sperren, einmal montiert, Umgebungsgeräusche wirksam aus. Gegen die geradezu Ohropax-hafte Geräuschdämmung kommt auch penetranter Strassenlärm nicht an.

Ein Nebeneffekt davon ist allerdings, dass die Kopfgeräusche beim SE535 stärker zur Geltung kommen als bei anderen Modellen. Seine Trümpfe spielt das Gerät darum erst wirklich beim Stillsitzen aus. Nicht nur deshalb ist es ratsam, den SE535 nicht als Jogging-Kopfhörer einzusetzen. Der Halt ist nämlich nicht so stabil dass der Shure bei starken Bewegungen an Ort und Stelle bleiben würde.

Der Ohrschmeichler

Und wie klingt er? In einem Wort: super. Und in zweien: natürlich und dynamisch. Der Klang ist bestens austariert, der Shure liefert keinen Trommelfell erschütternden Bass, sondern eine nuancierte Mischung. Wer sich von einem Kopfhörer in erster Linie viel Rums auf den tiefen Frequenzen erwartet, ist beim SE535 an der falschen Adresse. Eine akkurate und ausgewogene Wiedergabe des ganzen Spektrums war dem Hersteller wichtiger als dröhnende Bässe – hier verweist der Shure auf seine Ausrichtung als Monitoring-Kopfhörer. Das Resultat überzeugt auf ganzer Linie. Der Shure wartet auf mit kristallklaren Höhen, rundum toller Klangqualität und einer akkustischen Aufllösung, die gerade beim Anhören von Liveaufnahmen zu Geltung kommt. Ein besonders natürlicher Sound und eine gute Wiedergabe von klanglichen Details – entsprechend hochwertige Aufnahmen vorausgesetzt – zaubern dem Hi-fi-Geek ein Lächeln aufs Gesicht.

Design: Wir haben die etwas eigenwilligen Designvariante mit transparentem Gehäuse getestet – siehe Fotos. Wer mit diesem dezidiert technischen Look (Stichwort: Hobbylötarbeit) nichts anfangen kann, hat als Alternative eine schicke Ausführung in Bronze-Metallic. Die technischen Daten des SE535 präsentieren sich wie folgt: Empfindlichkeit von 119 dB SPL/mW, eine Impedanz von 36 Ω und eine Übertragungsbereich von 18 Hz – 19 kHz.

Soviel sollte klar sein: Wer “nur” ab MP3-Player hört, wird mit einem deutlich günstigeren Kopfhörer glücklicher sein als mit dem Shure SE535. Nicht nur spielt dieser Kopfhörer seine Stärken erst bei hochwertigen Aufnahmen aus, sondern auch die Unzulänglichkeit niedriger Bitraten wird gnadenlos offengelegt. Passende Qualität der Aufnahmen und des Abspielgerät sind darum Pflicht. Dann trumpft der SE535 dafür richtig auf.

Also – ein 400 EUR teurer Spass, für Liebhaber von Oberklasse-Hi-fi aber eine Überlegung wert. Bei Amazon gibt es den SE535 (Affiliate-Link) für 394 EUR, das Modell in Bronzefarbe (Affiliate-Link) für 400 EUR, Schweizer Fachhändler finden sich hier.

 

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2 Kommentare

  1. Ulrich
    schrieb am 15. August 2011 um 14:02 Uhr (#)

    Also ich hab einen SE315 und das anziehen ist gerade mal am ersten Tag ein wenig ungewohnt.

  2. AlphaOrb
    schrieb am 15. August 2011 um 15:33 Uhr (#)

    Die Tester hier sehen ja auch die Audio-Qualität von Apple-Produkten als Hochwertig an, da darf man sich nicht mit so Kleinigkeiten abgeben ;)

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