Garmin Forerunner 610 im Test (2/2):
Trainingslager in der Cloud

Der Garmin Forerunner 610 ist eine tolle Trainingshilfe, doch ohne PC-Auswertung nutzt er wenig. Mittlerweile hat man die Wahl zwischen der völlig überholten offline Software Trainings Center und dem ansprechend gestalteten und vor Funktionen strotzenden Cloud-Service Garmin Connect.


Wie ich bereits im ersten Teil des Tests ausgeführt habe, überzeugt mich der Forerunner im Prinzip. Wunschlos glücklich macht er mich aber nicht: Als Triathlet vermisse ich einen Multisportmodus – den der Forerunner unmöglich bieten kann, denn er ist nicht wasserdicht.

Eine Schwachstelle bei Garmin war schon immer die Software-Anbindung. Das bisher angebotene Trainings Center konnte kaum überzeugen und wurde/wird von vielen sofort durch SportTracks ersetzt, es übertrifft die Standardsoftware an Funktionalität, Ausstattung und Design bei weitem. Das scheint Garmin endlich verstanden zu haben und vermarktet neuerdings Garmin Connect – ganz zeitgemäss eine cloudbasierte Lösung.

Garmin Forerunner 610 im Test
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Wo ist die Software?

Beim Packungsinhalt ist es ein Kompromiss zwischen Umweltschutz, Transportgewicht, Produktionskosten und Kundenfreundlichkeit. Zuviel Papierkram wie ich ihn vorfand, belastet nur die Umwelt und Druck und Pressung von CDs erhöhen den CO2 Ausstoß und das Gewicht. Lässt man aber alles weg, weiß der Kunde nicht mehr, wie das Gerät bedienen.

Genau so ging es mir. Die CD eingelegt und auf das Setup-Programm gewartet, doch außer der Kurz- und einer kleinen Bedienungsanleitung ist da nichts mehr drauf – der CD-Inhalt entspricht den mitgelieferten Papiermanuals. Also auf die Garmin-Seite gesurft und gesucht. Gar nicht so einfach, wenn man nicht weiß, was man sucht. Die Produktseite führte mich dann endlich auf eine Downloadpage, die nach Registrierung mir das nötige Treiberprogramm freigab. Wie das Bild belegt, musste ich etwas ins Blaue tippen, denn der Forerunner 610 ist noch nicht gelistet; links tippen, dort wo auch der Vorgänger 405 abgebildet wird.

Schön habt ihr es hier

Ab hier hat man das Schlimmste überstanden, die Datenübertragung funktioniert problemlos, schnell und ganz ohne Zutun. Allerdings ist sie nicht ohne Tücken. Beispielsweise ist die Voreinstellung der Privatsphäre auf “Öffentlich: Weitergabe meiner neu hochgeladenen Aktivitäten zulassen”. Als Linuxuser steht man ohne weitere Hilfe da und auch Windowsnutzer werden ab und an mit verwirrenden Fehlermeldungen konfrontiert – unter anderem wechselte die Sprache von einem Login zum nächsten unverhofft von Deutsch auf Englisch.

Verglichen mit dem alten Garmin Trainingscenter ist das neue aber ein riesen Fortschritt. Am auffälligsten erkennt man das an der hochauflösenden Karte: Wo früher eine lustlose comicartige Navigation eingeblendet wurde, begrüßt mich heute bing-Maps’ detailreiche Satellitenkarte. Über eine Play-Taste kann ich sogar meine Strecke aus der Vogelperspektive Stück für Stück ablaufen lassen – nette Spielerei.

Was mich etwas stört, ist daß meine Trainingsdaten irgendwo im Netz gespeichert werden und für Datenbank-Angriffe oder durch schlampige Sysadmins für alle zugänglich werden können. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten sprechen zwar für den kostenlosen Online-Service, auch das angenehme Design überzeugt. Andererseits bin ich der Ansicht, das nicht alles ins Internet gehört und SportTracks ist immer noch eine sehr gute Alternative.

Fazit

Es bleibt dabei, will man nur ein Gerät tragen und verlangt GPS, dann führt kein Weg an einem Forerunner von Garmin vorbei; kein lästiger Fußpod, kein Clip am Gürtel, kein weiteres Gerät um dessen Ladung man sich kümmern muss.

Der Forerunner 610 ist ein gut durchdachter Trainingscomputer mit allem Schnickschnack den man sich wünschen kann, braucht aber für meinen Geschmack zu lange für einen GPS-fix. Es ist zwar ein unfairer Vergleich, aber das Smartphone mit A-GPS reagiert einfach schneller. Apropos: Warum soll ich mit einem Forerunner trainieren statt mit einem Smartphone? Immerhin: Die Batterielaufzeit von ca. 6 Stunden erreicht auch ein modernes Handy. Zudem bietet es ein grösseres Display. Wenn man die Daten nur aufzeichnen will, reicht ein Smartphone völlig aus. Brustgurte gibt es ja bereits dafür.

Gegen einen Forerunner könnte auch der Preis sprechen: stolze 400 EUR. Kommt dazu, dass der Forerunner nicht wasserdicht ist. Wäre er für Schwimmer geeignet und besäße eine Multisport-Einstellung, dann wäre der Forerunner der ultimative Trainingsbegleiter. So aber frage ich mich, welche überzeugenden Vorteile, eine Investition von 400 EUR gegenüber einem Smartphone bietet. Und: Was außer dem Design ist wirklich besser, als beim 100 EUR billigeren Garmin Forerunner 310XT (Affiliate-Link) oder meinem treuen Forerunner 305 (Affiliate-Link), der für 140 EUR ein echtes Schnäppchen darstellt. Der neue Forerunner 610 ist schick, toll zu bedienen, misst sehr genau; und die Bedienung macht einfach Spass. Dies rechtfertig meines Erachtens aber nicht den happigen Preisaufschlag gegenüber den ebenfalls sehr guten Vorgängermodellen.

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4 Kommentare

  1. Hugii
    schrieb am 3. August 2011 um 12:37 Uhr (#)

    Super Bericht, danke! Allerdings… was ist mit dem “Fahrrad-Mode”? Wechselt das “Lauf-Männchen”-Icon dann zu einem “Fahrradfahren”-Icon?
    Hintergrund: Ich fahre mehr Fahrrad als ich walke… und weil immer mit Musik (Jabra BT3030 oder HALO) unterwegs, würde mir der Vibra-Alarm schon sehr viel mehr dienen als die Handzeichen kreuzender Strampler oder Walker, die mich auf einen audiblen Alarm hinweisen. Leider gibt die 610-er Bedienungsanleitung nicht viel her und auch Youtube schweigt sich aus… was meint der trainierte Schreiber? Ebenfalls würde mich interessieren, ob die FR610+HR mit dem Brustgurt PN6260 oder dem PN6264 geliefert wird. Garmin deklariert das nicht auf der Homepage. Danke im Voraus für die Info!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 3. August 2011 um 13:13 Uhr (#)

      Huii. Das sind Fragen.. Das Männchen fährt tatsächlich Fahrrad im Bicycle-Modus. Allerdings sind das nur kosmetische Dinge. Der Virtuelle Partner (VP) kann in jeder Sportart – haha, es gibt nur zwei: Laufen und Fahrradfahren – aktiviert werden. Du gibst ihm entweder eine Zeit, eine Geschwindigkeit oder eine Distanz vor und kannst dann gegen ihn antreten. Auch ältere Trainings müssten als Ausgangsbasis dafür dienen können.

      Was den Brustgurt betrifft, die Produktcodes habe ich mir nicht angesehen, es ist der Textilgurt mit aufgedruckten/geklebten Sensorflächen, der den abnehmbaren Sensor besitzt. Erkennbar z.B. auf dem Foto hier. Der PN6260 ist das ältere Modell und wird nur noch beim 305 mitverkauft. Ich vermute selbst der 310XT hat schon den neuen, habe zumindest andere Athleten nie mit dem Plastikgurt gesehen – komme damit aber prima zurecht.

    2. Hugii
      schrieb am 3. August 2011 um 13:37 Uhr (#)

      Boah – super Service, danke für die Infos! Dann werde ich mal den Kontostand prüfen und… :-) “Freude herrscht”, sagte mal ein Bundesrat (allerdings war da ein Schweizer im All und nicht nur mit einer neuen 610-er unterwegs).

    3. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 3. August 2011 um 13:46 Uhr (#)

      Hehe, freue mich für Dich. Würd’ mich interessieren, was ein Fahrrad-Pro davon hält, lass also was von DIr hören.

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