Garmin Forerunner 610 im Test (1/2):
Touch-tastic! Angefasst und durchgeschwitzt

Der Garmin Forerunner 610 muss sich im Sportlereinsatz bewähren und trotz meiner Vorurteile avanciert die Pulsuhr mit Touchscreen zu meinem Lieblingsbegleiter. Wieso? Das lest ihr hier.

Es ist ja eigentlich ein ewiger Kampf zwischen den beiden “Erzfeinden” Polar und Garmin. Während Polar sich stark auf Pulsmessung konzentriert, versucht Garmin als GPS-Spezialist mehr im Ortungssektor Fuß zu fassen. Jetzt scheint es einen neuen Goldmedallisten zu geben, denn der Garmin Forerunner 610 versucht sich mit Touchscreen und besserer Bedienung an die Spitze zu kämpfen. Wie in meinem ersten Beitrag zum Forerunner 610 zu lesen war, konnte ich mich vor Skepsis nicht retten (“Meiner Meinung nach gibt es Bereiche, in denen ein Touchscreen nichts zu suchen hat.”) Irren ist menschlich – und Auweia habe ich mich getäuscht!

Garmin Forerunner 610
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Auspacken

Die Verpackung ist klein, schwer und vollgestopft mit Zubehör: Die Uhr, der waschbare Brustgurt mit abnehmbarem Sensor, ein Ant+-Empfänger, eine Lade- und Syncstation, das obligatorische Netzteil mit Adaptern, eine CD und jede Menge Papier. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob nur mein Testmuster oder alle Käufer Kurzanleitungen in zwölf verschiedenen Sprachen erhalten.

Die Uhr ist erstaunlich klein, wenngleich hoch, und kann durchaus auch im Alltag getragen werden. Wie von den Vorgängern bekannt, sitzt die Antenneneinheit in optimaler Position unter dem Display. Durch die Verwendung eines Touchscreens, wurde die Anzahl der Tasten auf drei reduziert. Verglichen mit dem dicken Rand ist das Display sehr klein geraten, trotzdem können auch ältere Läufer das Display ohne Lesebrille ablesen.

Anfassen
Die Verwendung eines druckempfindlichen Touchscreens ist ein wahrer Segen: Wie auf dem Smartphone navigiert man mühelos durch die Menüs und selbst Unerfahrene finden sich schnell zurecht, denn das Menü ist klar strukturiert und läßt fast keine Wünsche offen. Man beginnt mit der Uhrzeit und hat mit der, durch drei Streifen markierten, Menütaste sofortigen Zugriff auf alle Einstellungen. Von hier aus sieht man sich alte Trainings an, erstellt oder beginnt ein neues Workout, verändert Alarme, Einheiten und Ansichten oder läßt sich an seinen Startpunkt zurückführen.

Anpassen

Was mir sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit die Ansichten anzupassen. Statt während des Laufens durch x-Seiten zu blättern, deaktiviert man für die jeweilige Sportart einfach diejenigen, die man nicht benötigt. Wie von den Vorgängern gewöhnt, lassen sich bis zu vier Infokästen definieren, die man frei zusammenstellen kann. Neben den bekannten Angaben zu Zeit, Distanz oder Herzfrequenz, sind auch exotischere Daten verfügbar, wie Neigung, Trittferequenz oder Uhrzeit. Ich betone die Uhrzeit deshalb, weil ich eingeschüchtert durch das komplexe Menü des Forerunner 305 mich anfangs nicht daran getraut hatte, das mal zu suchen – beim Garmin Foreunner 610 dagegen, macht es durch den Touchscreen richtig Spass, das Menü zu erkunden.

Aufladen
Die mitgelieferte Ladestation kann nicht nur zum Laden, sondern auch Synchronisieren genutzt werden. Natürlich liefert Garmin auch einen Funkstick mit, doch der Ladeclip ist viel faszinierender: Durch einen starken Magneten finden Clip und Uhr immer zueinander. Was des Laptop-Jüngers Freud’ ist des PC-Nutzers Leid, denn das Kabel ist etwas kurz geraten, entweder die Steckdose muss näher rücken oder man besorgt sich einen USB-Hub mit eigener Stromversorgung.

Anlegen

Auf die Plätze, Fertig, Los.. In der Anfangszeit habe ich statt mich auf das Training zu konzentrieren mehr den Bildschirm begrabscht, er ist sehr klar und obwohl die Fotos anderes suggerieren, recht spiegelungsarm. Extreme Ablesewinkel, wie sie bei einem schnellen Blick während der Fahrt oder beim Lauf durchs Unterholz vorkommen, beweisen die gute Ablesbarkeit. Hinzu kommt die sanfte, babyblaue Beleuchtung, die bei jeder Info oder nur bei Knopfdruck reagiert. Der SIRF-Star III Chipsatz fand stets ausreichend Satelliten um unter 5m genaue Angaben machen zu können, egal ob in der Innenstadt, im Wald oder bei verregnetem Himmel. Die Rundenzeit und Start/Stop sind über die zwei Knöpfe rechts auch ohne Hinsehen erreichbar, der dritte Knubbel schaltet die Beleuchtung hinzu bzw. die Uhr aus. Ein Druck auf den Bildschirm öffnet die nächste Ansicht, während der blaue Pfeil am Rand wie ein Rettungsanker immer eine Einstellung zurückgeht.

Ausbimmeln

Eine der vielen Neuerungen, die den Garmin Forerunner 610 so besonders machen ist auch der Vibrationsalarm. Währen die Polar-Freunde neben mir ständig ihre Herzfrequenz-Schwelle über das lästige Piep piep signalisiert bekommen, schweigt der Garmin. Stattdessen rüttelt er wie wild an meinem Arm. Völlig lautlos und unauffällig. Eine sehr angenehme Sache, auch wenn mal der Alarm mitten im Meeting losgeht, kriegt das keiner mit. Ich will die Polar-Geräte hier aber nicht grundlos schlecht machen. Denn im Gegensatz zum Garmin, ist das Display des ungefähr gleich teuren Polar-Modells vielleicht nicht so fortschrittlich anmutend, aber erstens noch besser ablesbar, weil mit größer Schrift versehen und zweitens noch klarer in der Darstellung. Und außerdem ist unser Forerunner wasserscheu: Während nämlich der Polar auch beim Schwimmen mitmacht, traut sich das Garmin-Modell nur für eine kurze Reinigung unter die Dusche.
Das ist auch der Grund, wieso ich keine MultiSport-Einstellung finde, meistens werden bei Veranstaltungen Schwimmen und Laufen (Swim&Run) angeboten oder eben gleich Triathlon (Schwimmen, Fahren, Laufen). Mit einem Druck wechselt die Uhr die Sportart und damit auch die Anzeigetafel. Damit ist die Auswertung später am Computer sehr viel einfacher und unterwegs kriegt man immer nur das zu sehen, was momentan benötigt wird. Das alles läßt der Forerunner 610 vermissen.

Auch das Band lohnt einen aufmerksamen Blick, denn das Material fühlt sich weich wie Silikon und zäh wie Kautschuk an, ähnlich wie sie hochwertige Taucheruhren verwenden. Die Schließe ist breit und hochwertig ausgeführt, während die Schlaufe noch einen Widerhaken besitzt, um auch bei größeren Armbewegungen den Überstand an Ort und Stelle zu halten. Dabei wurde die Verbindung zwischen Band und Uhr nicht konventionell mit Federstegen hergestellt sondern mit durchbohrten Ösen, Uhrenfans schwärmen hier von sogennanten “drilled lugs”, wie sie auch bei Militäruhren eingesetzt werden.

Vorläufiges Fazit
Der Garmin Forerunner 610 stellt mit dem Touchscreen eine Bereicherung für den Trainingsalltag dar. Die Bedienung ist einfacher, intuitiver und schneller. Leider missfällt mir die Wasserscheuheit, es wäre ein leichtes gewesen, vor allem wegen des Touchscreens oder der intelligenten Schlaufe das Gerät noch schwimmer-tauglich abzudichten. Denn der schon etwas betagte, aber immer noch sehr geeignete Forerunner 310XT kostet hundert Euro weniger und leistet, bis auf den vorzüglichen Touchscreen, auch Triathleten gute Dienste.

Auf der Produktpage des Garmin Forerunners 610 gibt es weitere Infos.

Der
Garmin Forerunner 610 (Affiliate-Link) kostet zur Zeit um die 400 EUR, was sich mit der unverbindlichen Preisempfehlung Garmins deckt.

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6 Kommentare

  1. Hartmut Ulrich
    schrieb am 24. Juli 2011 um 13:20 Uhr (#)

    Soweit, so schön! War auch sehr gespannt und benutzte ihn nun seit einingen Wochen. Seinen eigentlichen Wert – aber auch seine Schwächen – zeigt der F610 allerdings erst im harten Trainingseinsatz. Beispielsweise der Touchscreen: Für meine Begriffe ist er bei weitem zu fisselig, zu kleinteilig aufgeteilt und damit outdoor quasi unbedienbar. Zumindest aber unglaublich nervig. Was man nicht voreingestellt hat, ist während des Trainings kaum mehr gezielt zu verändern. So empfinde ich die Scrollfunktion per Touchscreen als schlichte Katastrophe. Ein Trainigsgerät sollte sich quasi blind bedienen lassen, am besten nur mechanisch. Brillenträger haben so gut wie keine Chance – wer nimmt schon während des Trainings die Lesebrille mit! Für eine Weiterentwicklung sollte Garmin z.B. mal über ein Scrollrädchen nachdenken – wie bei einer Uhr. Das Glas liegt so exponiert, dass Kratzer nur eine Frage der Zeit sind – auch das ist nichts für harten Einsatz, beispielsweise am Berg. Und drittens würde ich mir eine mechanische Verbesserung des Gurts wünschen: Da ist der Wettbewerb schon deutlich weiter. Besonders bei kaltem Wetter empfinde ich z.B. die glatten Kunststoffpads im Sensorbereich als ziemlich unangenehm. Und die mechanische Schließe ist Geschmacksache – mal sehen, wie lange die hält.
    Trotzdem: OC-Bedienung und Basiskonzept sind toll. :-)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 24. Juli 2011 um 16:29 Uhr (#)

      Für meine Begriffe ist er bei weitem zu fisselig, zu kleinteilig aufgeteilt und damit outdoor quasi unbedienbar. … So empfinde ich die Scrollfunktion per Touchscreen als schlichte Katastrophe.

      Ich hatte das Gerät erst kürzlich wieder bei einem Wettkampf im Einsatz – natürlich erst beim Laufen angeschnallt – und konnte keinen Tadel daran erkennen. Ich starte eventuell in einer anderen Altersklasse, aber bei nur drei Informationen auf dem Display sollte die Schrift den Meisten ausreichend groß genug sein. Sicherlich stellt das kleine Display eine Barriere dar, keine Frage.

      Während des Laufens fand ich gerade den Touchscreen so toll, weil ich ihn eben blind bedienen kann. Einfach in die Mitte drücken und es wird weitergescrollt, einfacher gehts nicht. Linker Außenrand gedrückt und es geht zurück. Ein Scrollrad halte ich für einen fürchterlichen Vorschlag, weshalb das auch noch keiner realisiert hat, man hat ja ständig Erschütterungen beim Fahren und Laufen, ein Huppel zuviel und schon ist man zwei Tafeln weiter.. Nene, die Touchscreenbedienung ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit bisher.

      Ich bin noch nicht auf die Idee gekommen, während des Wettkampfes noch die Anzeigetafeln zu verändern. Wer vor dem Start nicht die nötigen Einstellungen vorgenommen hat, sollte die Uhr erst gar nicht mitnehmen, denn auf der Strecke habe zumindest ich keine Zeit, noch groß in den Einstellungen rumzufummeln, soweit ich weiß tun das die anderen Athleten auch nicht. Und weil es so viele “Homescreens” gibt, stellt man sich die gewünschte Konfiguration zusammen und vlt. noch zwei weitere, falls man sich umentscheidet, hat man dann die richtige dabei. Der Gurt ist genauso ausgeführt wie die von Polar und ich kann daran keinen Fehler entdecken – außer dass man alles wasserdicht machen sollte. Ältere Gurt waren genauso eklig, man trägt ja meist ein T-Shirt drüber (Der Triathlon-Verband verbietet nackte Oberkörper beim Laufen und Fahren).

      Mein einziger Tadel am Forerunner 610 ist, dass sich die GPS-Einheit im Standby abschaltet: Als ich vom Wasser in die Wechselzone kam, hatte der Garmin den GPS-Fix verloren und erst 400m vor Ende war der Empfang wiederhergestellt. Das ist absoluter Schrott! Und am Ende habe ich nur unnötigen Ballast mit mir herum getragen. Allerdings ist der 610 auch nicht für Triathleten gemacht, der 305 mit Multisport hat jedoch die gleiche Schwäche!

      Beim Display hast Du einen wichtigen Punkt angesprochen, den ich außer Acht gelassen habe: Es ist fast völlig schlüssig mit dem Rand und kann deshalb schnell verkratzen, da sind die Vorgänger oder Polars besser. Anderseits sind zum Beispiel die Suuntos sogar noch nach außen gewölbt. Bei meinem Testgerät habe ich mich nicht getraut, die Kratzbeständigkeit zu testen.

  2. Benjamin
    schrieb am 25. Juli 2011 um 10:10 Uhr (#)

    Der Unterschied zwischen deinem Amazon-Preis und dem empfohlenen Preis rührt zumindest zum Teil daher, dass die €349.- die Empfehlung für die Uhr ohne Brustgurt sind, während die Uhr auf Amazon mit Brustgurt kommt. Auf der Garmin-Webseite ist der empfohlene VP für die Uhr mit Gurt dann auch €399.- (http://buy.garmin.com/sho…D=142&pID=84374 unter “Versionen”).

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 25. Juli 2011 um 11:57 Uhr (#)

      Danke für den Hinweis, das hatte ich glatt übersehen. Der Amazon-Preis ist mittlerweile von 410€ wieder auf 400€ runter.

  3. Achim
    schrieb am 25. Juli 2011 um 23:31 Uhr (#)

    Der Test war sehr informativ. Leider wurde nicht auf die Schwächen des 310er im Vergleich zum älteren 305er eingegangen.Es wäre sehr interessant gewesen, ob das neue Elitestück von Garmin endlich wieder ordentliche Durchschnittswerte und Point2Point Navigation beherrscht. Als Anreiz mal wieder auf die Garminseite zu schauen, jedenfalls ganz ordentlicher Test ;-)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 26. Juli 2011 um 01:27 Uhr (#)

      Hallo Achim,
      meinst Du den 310XT oder den 610? Meiner Meinung nach sind die Schwächen beschrieben: Fehlender Multisport, kleineres Display – dafür klarer und langer GPS-fix. Wie auch beim Vorgänger dauert es manchmal ewig. Und schon seit dem 405 gibt es keine Kartendarstellung mehr, man sieht die Route nicht, sondern es führt nur ein Pfeil zurück nach Hause. Das ist dem kleinen Display geschuldet.

      Die ordentlichen Durchschnittswerte erhält man beim 305, genauso auch beim 610, indem man die GPS-Aufzeichnung von “Intelligent”/ “Smart Recording” auf “Jede Sekunde” setzt. (Einstellungen–>Allgemein–>Datenaufzeichnung) Alle anderen Durchschnitte verhunzt meiner Meinung nach das Garmin Training Center, entweder den online Dienst nutzen (ich werde im zweiten Teil darauf eingehen) oder aber SportTracks holen – Link sollte im Artikel stehen. Vielleicht kannst Du genau erklären welche Daten Du meinst?

      Ich bin und bleibe der Meinung: Nur wer eine kleine alltagstaugliche Uhr am Handgelenk will, kauft sich den 610. Der 305 und der 310XT können mindestens das Gleiche und kosten mittlerweile nur noch 140€ bzw. 270€. Da fällt für mich die Wahl nicht schwer. Sobald mein 305er futsch ist gibt es nur den 310XT oder eine wasserdichte Polar mit GPS-Pod.

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