Seagate Goflex Freeagent im Test (2/2):
Flexibel – oder wacklig

Seagates Goflex ist ein Konzept für Harddisks mit verschiedenen Controllern – und damit mehr Möglichkeiten für Ausfälle.

Externe Harddisk mit 1.5 Terabyte Speicherplatz, kleinen Abmessungen und jedem Anschluss von eSata bis USB 3.0. den man sich wünscht: Seagates Goflex, in diesem Test die ultra-portable Version, lässt wenig wünsche offen. Auch wenn die Platte mit 5400 Umdrehungen im Datendurchsatz die möglichen Geschwindigkeiten der Anbindungen nicht ausschöpft – was aber ohnehin die wenigsten Harddisks können.

Flexibilität ist dagegen das, was Seagate bei der Modellreihe gross schreiben wollte. Die ist mit den Ansteck-Adaptern inklusive Spezialkabeln gegeben – bietet damit aber auch mehr Risiko für Wackelkontakte:

Ich war mit meiner Goflex Freeagent recht zufrieden und habe sie als Hauptspeicher für meine recht umfangreiche und schnell wachsende Fotosammlung genutzt. USB 3.0 als Anschluss meiner Wahl erwies sich als schnell genug, um – im Gegensatz zu den zuvor genutzten USB 2.0-Platten – im Betrieb mit der Fotoverwaltung und -Nachbearbeitung Adobe Lightroom – keine spürbaren Performance-Rückstände im Vergleich zur internen Harddisk mehr aufzuweisen. Und mit der maximalen Grösse von 1.5 Terabyte ist die in der Hosentasche transportable Seagate-Harddisk ein idealer Datentresor.

Viel mehr, dachte ich, gibt’s zu einer Harddisk eigentlich nicht zu sagen: Entweder, sie arbeitet, oder sie fällt aus. Richtig?

Falsch. Wie sich immer wieder zeigt, sind digitale Geräte nicht immer “on” oder “off” – selbst Kabelmodems sterben langsam und mit abnehmendem Datendurchsatz, wie ich im Herbst feststellen musste. In solchen Fällen wird’s dann knifflig, den Sünder in einer Kette von möglichen Fehlern zu finden.

Harddisks dagegen haben sich bisher in meiner digitalen Erfahrung jeweils mit einem eigenartigen Geräusch und fast immer mit unlesbarem Inhaltsverzeichnis verabschiedet.

Das hatte dann jeweils zur Folge – wie beim letzten Fall mit einer 750GB Western Digital MyPassport – dass sich die Daten auf der Platte zwar mühsam, aber fast vollständig mit einem Recovery-Programm retten liessen, das ohne Verzeichnisse direkt auf der Platte Daten liest.

Soweit die Erfahrung. Die Seagate Goflex FreeAgent allerdings verabschiedete sich – nach einem kleinen Sturz im ausgeschalteten Zustand von vielleicht zehn Zentimetern – ohne eine auffindbare Spur der 400 GB Fotos, der Verzeichnisse oder auch nur der Partition. Das ging so:

Windows erkannte die Harddisk und wollte sie mit Chkdsk reparieren, durchlief angeblich alle Sektoren, gab sich damit zufrieden – und konnte dennoch keinerlei Daten mehr finden.

Die diversen Harddisk-Rettungstools – von Seagates Seatools über TestDisk (beide kostenlos) bis Kernel for Data Recovery und DDR Recovery (kostenpflichtig nach Datenfund) konnten selbst bei grösster Suchtiefe noch nicht einmal mehr eine Partition finden auf der Harddisk – und auch keine Dateien mehr. Dabei wurde die Platte aber beim anstöpseln durch die Tools mit sämtlichen technischen Daten richig erkannt.

Das hätte allerdings nach meiner Erfahrung heissen müssen, dass irgendwas die gesamten Daten mit Nullen überschrieben hat, was erfahrungsgemäss bei Harddisk-Failures, wie sie das Seagate-Tool meldete, nicht der Fall ist.

Der langen (langen, und bangen) Geschichte kurzes Ende ist sehr einfach: Nach etlichen Suchdurchläufen und anderen Versuchen, die Daten zu retten, um nicht auf das Backup zurückgreifen zu müssen, kam ich endlich auf die Idee, dass der aufsteckbare Controller einen Wackel haben könnte – und zwar zwischen Platte und Controller.

Ein sorgfältiger Neusteck-Versuch bestätigte den Verdacht: Das USB-3.0-Kabel sass sauber am Rechner, es sass sauber auf dem Controller, aber der Controller sass nicht sauber auf der Harddisk.

Das Resultat (nach meiner Annahme): Die technischen Daten wurden dem Rechner vom Controller geliefert, nicht aber die inhaltlichen Daten von der Platte. Einmal neu einstecken liess unter Windows – abrakadabra – die Verzeichnisstruktur und die Ordner und meine Fotos auftauchen.

Es gibt also durchaus mehr zu einer Harddisk mit einer cleveren Steckerstrategie zu sagen, als dass sie nicht die schnellste ist und das Gehäuse leicht zerkratzt. Die Seagate Goflex Freeagent ultraportable weist eine Stelle mehr auf, die einen Wackelkontakt haben kann – und dazu noch einen, den man durch das Verhalten der Harddisk nur schwer als einfachen, kleinen mechanischen Fehler erkennen kann.

Wenn man das einmal weiss, stellt die Steckverbindung wohl kein grosses Problem mehr dar – aber solange ich es nicht realisiert habe, hat es mich einige Zeit und Angstschweiss gekostet.

Dagegen hilft vielleicht die Regel, Geräte, die Steckerverbindungen haben, bei Pannen immer zuerst darüber zu prüfen. Es ändert aber nichts daran, dass eine solche Panne deutlich häufiger auftreten kann, wenn eben eine Schnittstelle mehr vorhanden ist.

Ich will die vorübergehende Gedächtnislosigkeit deswegen auch nicht dem Seagate-Speicher anlasten – ich habe die Platte schliesslich fallen lassen, und ich habe den Stecker – der gut zu sitzen schien – zu spät als möglichen Sünder eruiert. Aber was mir passiert, wage ich zu behaupten, kann auch jemand mit noch weniger technischem Verständnis passieren.

Und es wird ihm bei einer externen Harddisk mit lediglich einer einzigen Steckverbindung eher nicht passieren. Auch, weil dann bei Wackelkontakt das Betriebslichtlein nicht brennt.

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