Asus EeePC R011PX:
Ein neuer Versuch mit Linux-Netbooks

Asus begann die EeePC-Serie mit einem Linux OS um den Preis niedrig zu halten. Nun soll ein weiteres billig Netbook antreten, das Asus EeePC R011PX, doch die Ersparnis lohnt sich eher nicht.


Linux-Nutzer sind rar. Sicherlich nicht so selten wie noch ein paar Jahre zuvor, doch die Hürden fallen nur langsam. Die größten Probleme sind immer noch der Treiberunterstützung zuzuschreiben: Manche Geräte funktionieren unter Linux nur schlecht oder gar nicht. Das liegt zu großen Teilen daran, dass jeder Hersteller sich verpflichten muss seine Treiber unter der offenen GPL-Lizenz anzubieten und somit sein Know-How jedem zugänglich zu machen. Trotz dieser Hindernisse entwickelt sich Linux prächtig. Asus versucht sich erneut am Pinguin mit dem EeePC R011PX.

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, leider jedoch nicht nur wegen der Vorzüge des Gerätes. Ein Netbook, das hat uns die Erfahrung gelehrt, kann man den ganzen Tag benutzen ohne aufladen zu müssen. Der RAM ist knapp bemessen, die Festplatte speichert mit Mühe und Not gerade so die nötigsten Videos & MP3s. Dafür liegt der Preis um die 280 EUR im Schnitt. Tja, der Asus EeePC R011PX wird mit Ubuntu 10.10 ausgeliefert, deshalb gelten die Hardware-Restriktionen für ihn nicht. 2GB RAM und 320GB HDD sind schon mal ein guter Anfang. Danach geht es steil bergab: Die CPU ist ein Intel Atom N455, der Pinetrail wurde im Mai 2010 veröffentlicht und ist ein Single Core. Der Akku fasst nur drei Zellen und hält damit gerade mal 4 Stunden durch, für ein Netbook ist das ein schlechter Witz – ginge es nur um die Laufzeit, könnte man sich auch einen stärkeren Laptop zulegen, zum Beispiel das kürzlich getestete HP ProBook 5330m, das mit Core i5 CPU sogar eine halbe Stunde länger durchhält.

Wie halbherzig dieser Vorstoß seitens Asus ist, reibt uns der Taiwanese direkt unter die Nase: Das Windows Pendant mit Windows 7-Starter rechnet mit der aktuellen Dual Core CPU Intel Atom N570 nicht nur deutlich schneller (FSB: 666MHz vs 533MHz, doppelt so großer L2-Cache), es arbeitet auch länger. Trotz 2 Watt höherem Prozessorverbrauch sind ganze 10 Stunden drin. Der Fairness halber sei erwähnt, dass der Akku auch die üblichen 6-Zellen vorweisen kann. Halbherzig ist die Geschichte auch schon deshalb, weil Ubuntu 10.10 zwar eine stabile Version darstellt, aber bereits überholt ist und April nächsten Jahres nicht mehr mit neuen Updates versorgt wird. Wenn ich dann an die kontroverse “Unity-Oberfläche” denke und den verwirrenden Zusatz Ubuntu Desktop Edition Version 10.10 lese, muss dieses Netbook doch ein Flop werden. (Ubuntu pflegt Netbook- und PC-Versionen in der gleichen OS-Version, der Desktop Edition, doch das muss ein Neueinsteiger erst einmal wissen.)

Wenn es nicht um jeden Preis so billig sein muss, immerhin hat das sparen einen akzeptablen Preis von 210 EUR hervorgebracht, dann ist man mit der 1GB RAM, 250GB HDD Windows Version deutlich besser bedient – das neueste Ubuntu installiert sich kinderleicht auf einem EeePC. Übrigens muss es nicht immer Ubuntu sein auch der Blick auf Linux Mint oder Fedora lohnt sich.

Das Ubuntu Asus EeePC R011PX (Affiliate-Link) wird in zwei bis vier Wochen erhältlich sein, die Windows 7-EeePC-Version (Affiliate-Link) ist dagegen bereits verfügbar.

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5 Kommentare

  1. Jürgen
    schrieb am 16. Juli 2011 um 20:45 Uhr (#)

    Fürs Netbook kann ich wärmstens Lubuntu empfehlen. Sehr schlank und schnell.

  2. Marc
    schrieb am 17. Juli 2011 um 17:25 Uhr (#)

    Linux-Nutzer sind rar.

    Ja, wenn man die Menschen mit Android-Handy und MacOS-Computern weglässt. ;-) Ok, die kommen sich nicht wie Linux-User vor.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 17. Juli 2011 um 18:50 Uhr (#)

      Hmm, da hast Du teilweise Unrecht. MacOSX ist ein Unix-System. Linux stammt nicht aus den Bell Laboratorien und ist nur ein unixoides OS.

      Hinsichtlich Android hat Google seit April 2010 den Kernel verlassen und einen eigenen Zweig aufgebaut. Damit steht es in Konkurrenz zu beispielsweise Fedora, Slackware oder Debian, die glaube ich alle den gleichen Kernel nutzen.
      Zudem verdient der größte Feind des Pinguins an jedem verkauften Smartphone Lizenzgebühren, das ist sicherlich nicht sehr “linuxerig”.
      gruß

    2. Marc
      schrieb am 17. Juli 2011 um 19:21 Uhr (#)

      Ok, da hatte ich das beim Mac zu sehr verallgemeinert und bei Android was nicht mitbekommen. Wieder was gelernt.

    3. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 17. Juli 2011 um 19:54 Uhr (#)

      Nönö, das passt schon. Lange Zeit habe auch ich Unix und Linux in einen Topf geworfen. Android kann man im Prinzip schon dazu zählen, aber in diesem Zusammenhang eben nicht, weil es kein autarkes Betriebssystem darstellt. Sobald es zu echter Konkurrenz zu Windows oder OS X angewachsen ist, wird sich das nochmals ändern. Und wenn die Cloud-Entwicklung weitergeht, wird bald nur noch der Browser entscheidend sein.

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