Linutop 4:
Schwachbrüstiger Linux-Atom-Nettop

Der Linutop 4 der gleichnamigen Firma verwendet veraltete Hardware, ein aktuelles Ubuntu-Derivat und ein lüfterloses Design. Leider stößt der enorm hohe Preis sauer auf.

Linutop 4

Linutop 4

Linux wurde lange nachgesagt, es sei schnell, effizient und nur für Nerds. Spätestens mit der bekannten Ubuntu-Distribution ist dieses Vorurteil wenigstens in Teilen entkräftet. Ein Linux-OS kann aber nicht zaubern, aus einer schwachen Hardware mag es vielleicht etwas mehr Leistung herausholen wie unter einem Windows, viel Unterschied merkt man mit einer Atom CPU jedoch nicht. Sind die 400 Euro für den Linutop 4 angemessen?

Die Hardware-Ausstattung ist äußerst spartanisch und nicht mehr auf der Höhe der Zeit: Eine Intel Atom N270 CPU kannten wir schon vor zwei Jahren, allzuviel hat sich an der Atom-Front (zumindest im Prozessorsektor) zwar nicht getan, bei einem Neukauf darf aber man zumindest neue Hardware verlangen.

Dazu gesellen sich der lustlose 1GB Arbeitsspeicher und der vergesslich kleine 2GB Flashmemory, von dem sich das OS anscheinend noch satte 600MB abzwackt. Die integrierte Intel GMA 950 Grafikeinheit löst bis maximal 1920x1440Pixel über HDMI/VGA auf, bei einem Speichertakt von gerade mal 250MHz sollte man für eine flüssige Wiedergabe von YouTube-Videos aber lieber ein paar Auflösungs-Stufen runterschalten. Linutop sieht zwei Plätze für SATA-Festplatten vor und erlaubt den Ausbau mit einer PCIe-Karte. Dazu gibt es 5 USB2.0 Anschlüsse und sogar den veralteten RS232 Com-Port, der immer noch rege Verwendung findet.

Das Hauptargument für den Linutop 4 soll das lüfterlose Design darstellen, in Kombination als ThinClient läßt sich damit eine stromsparende (ca. 14 Watt) und ruhige Arbeitsumgebung schaffen. Dies wird durch das Gigabit LAN und den aktivierbaren Kiosk-Modus des Linutop OS unterstrichen, also einer Arbeitsfläche, die nur Surfen, Video gucken und Emailabruf erlaubt. Linutop OS basiert auf Ubuntu und soll speziell an die Hardware angepasst worden sein. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass der Hersteller viele Anstrengungen bemühen musste, um Ubuntu auf die Atom-Platform optimal abzustimmen. Ubuntu sprintet nach dem Download auf fast jedem Atom-Netbook/ -Nettop ohne Probleme – WLAN-Karten bereiten oft Schwierigkeiten, doch die läßt Linutop vermissen..

So dürfte der Kaufgrund auf dem lüfterlosen Design beruhen, bei den genügsamen, mit leisen Lüftern ausgestatteten Atom-Prozessoren eigentlich auch kein überzeugendes Argument. Für 110 Euro weniger, erhält man dafür 2GB Arbeitsspeicher, eine 160GB Festplatte und sogar eine nVidia Ion GPU, der Zotac Mini Nettop (Affiliate-Link) hat dabei auch schon zwei Jahre auf dem Buckel, bei Bedarf kauft man sich das Linutop OS extra noch dazu.

Die Preisgestaltung verwundert mich nicht sonderlich, denn Linutop OS 4.0 alleine kostet schon 92 Euro, das mag für einen Hotelier ohne IT-Abteilung oder ein Internet-Café eventuell attraktiv klingen, als Privatmann darf man sich die Installation des originären Ubuntu getrost zutrauen: CD/ USB-Stick reinstecken, viermal auf weiter klicken und 15 Minuten warten. Das kriegen wir doch hin, oder?

Der Linutop 4 kostet 400 Euro und ist erhältlich bei Linutop.

 

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7 Kommentare

  1. wäre der Pokini ‘ne bessere wahl?

    • Rein von den Specs her? Nein. Der Pokini kostet ja ohne Betriebssystem schon genauso viel wie der Linutop 4 und der hat wenigestens ein “angepasstes” OS dabei.

      Für den Pokini sprächen nur das integrierte WLAN und der SPDIF-digital Tonausgang, wenn Du ihn als 400€ teuren Soundstreamer nutzen wolltest. Der Grafiktakt ist mit 200MHz geringer und wird also die gleichen Krankheiten mitbringen, dafür ist der Stromverbrauch bei 7-10 Watt nochmal gesunken.

      Ob der Pokini eine bessere Wahl wäre, hängt von Deinem Anwendungsszenario ab, für die angesprochenen Hoteliers (die jetzt ja mehr Geld in der Tasche haben) lohnt sich ein Linutop schnell, wenn sie wenig Ahnung von Computern oder keine IT haben. In diesem Moment würde ich den höheren Preis tolerieren.

  2. Hab mir letzes Jahr ne kiste von Jetway mit ähnlichen Spezifikationen geholt die weniger als die Hälfte des Linutop kostete. Festplatte oder CompactFlashCard jedoch extra kaufen.
    http://jetway.com.tw/jw/B…B&productid=753

    • Da Du keine Kritik mit anfügst, gehe ich davon aus, die Kiste läuft rund und ohne Probleme?!
      Sieht aus als hätte man hier auch auf den Lüfter verzichtet. Für 200€ sicherlich keine schlechte Kaufentscheidung und wenn ich das korrekt berechne: 5Ampère * 12Volt gleich 60Watt-Netzteil? Das ist richtig großzügig bemessen oder zieht der Jetway soviel Leistung? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Firmware manchmal nicht ganz sauber programmiert ist und zu Leistungseinbußen/ Mehrverbrauch führt – unbedingt Updaten. Welches OS benutzt Du damit?

  3. Das Netzteil ist sehr großzügig bemessen, wenn ich es noch nichtig im Kopf habe, werden Maximal 20Watt verbraucht und im Schnitt eher um die 10Watt.
    Leistungsmäßig ist auch soweit okay, habe Windows XP MCE und Ubuntu Server 10.10 darauf laufen und beides ist ohne Probleme möglich. Bei extremen Auflösungen wird die Kiste auf dauer im Sommer recht heiß. Im bios ist standartmäßig die Herabsetzung des Taktes auf 60°C eingestellt. Herrscht im Raum ein geringer Luftstrom sind 35-45° C bei mir zu messen.
    Wird wohl im Endeffekt auch an der verbauten Platte liegen. 7200rpm Platten werden sicher heißer. Und wie gesagt kann man auch eine CF-Card einbauen.

    Bei diesen Linutops scheint man erst noch ein HDD kit kaufen zu müssen?!

    Betriebssysteme passe ich immer gern selbst an, bei dem war ja auch nichts dabei, auser die Treiber. (fkt gut unter XP + Diversen Unixsystemen)

  4. Ich warte immer noch auf einen erschwinglichen Nettop. Mir als Schüler ist das alles zu teuer aber ich hätt schon gern etwas, dass ich mit meinem Fernseher kurz schliessen kann, klein ist und wenig Strom verbraucht.

  5. Für 60 Euro mehr erhält man einen Acer 5742G mit 8GB, einer 1GB nVIDIA Grafikkarte und einem 640GB HDD – wie auch einem sanft-matten Display (wobei das DVD-Laufwerk auch wegbleiben könnte, da selbst schon Windows (welches bei dessen Betrieb in etwa das doppelte an Energie verbraucht! Auch der VGA-Anschluß ist vernachlässigbar) nun schon via USB-Stick installierbar ist).

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