Asus Eee Note EA-800 im Test (3/4):
Groteske Märchen

Der Asus Eee Note EA-800 strauchelt ein paar Mal, bevor er den eBook-Reader Parcour beendet.

Wer mir bis hier im Test des Asus Eee Note EA-800 gefolgt ist, wird wahrscheinlich meine Begeisterung erkannt haben. Ehrlich gesagt, habe ich die ganze Zeit auf so ein Gerät zu einem vernünftigen Preis gewartet. Endlich hat wenigstens ein Hersteller kapiert, dass Akkulaufzeit mehr wert ist als farbige Bildchen – und mit Kuli geschriebene Notizen auch nur zweifarbig sind. Die andere Kernkompetenz sieht Asus im Lesen von elektronischen Büchern. Ob das wirklich so stimmt?

Das zweite Symbol auf dem Bildschirm des Asus Eee Note EA-800 führt uns zum “Reader”, der im Gegensatz zu vielen anderen nur PDF und ePub entschlüsseln kann – will man eine größere Auswahl, muss man die Desktop-Software bemühen, die unter anderem auch Office-Dateien ins PDF-Format konvertiert. Am enttäuschendsten war, dass nicht einmal das simple TXT-Format unterstützt wird, für ein angepasstes Linux einfach nur peinlich. Der schlechte Eindruck zieht sich leider durch die gesamte Applikation:

Aufgeräumte Bibliothek
Sie ist ebenfalls sehr simpel gehalten, wodurch man sich schnell zurechtfindet, doch eine Seite zeigt nur sieben Bücher an, und scrollen benötigt ca. eine Sekunde pro Seite. Natürlich hat Asus die Tag-Funktion beibehalten, mit der man schnell Kategorien anwählen kann; die funktioniert aber erst, nachdem man jedes einzelne Buch auch mit einer solchen markiert hat. Es gibt auch eine Suchfunktion, die nach Titel, Autor oder Tag sucht; die nützt aber nur, wenn man gezielt etwas finden möchte. Was ich aber vermisse, ist eine optisch aufgepeppte, komfortabel zu bedienende und zum Stöbern animierende Funktion, wenigstens aber eine Spaltenansicht, die nur den Titel auflistet und mehr Bücher pro Seite darstellt. Andererseits fand ich die Sortierfunktion recht solide und erlaubt mir nach Name oder Datum auf- und absteigend zu filtern.

Glanzleistung
Das entspiegelte Display kann hier auf voller Linie überzeugen: Direkte Sonneneinstrahlung stellt kein Problem dar, auch schlechte Lichtverhältnisse stören den Leser nicht. Der Eindruck ist mit der einer echten Buchseite nicht vergleichbar, trotzdem kommt er ihr recht nahe und wird umso besser, je direkter das Licht auftrifft. Ob eInk oder LCD – ich würde hier keine Unterscheidung vornehmen, für das LCD spricht immerhin die Härte von 3H – laut Asus.

Einfach nur “grotesk”

Das allgemeine ePub-Format für Bücher liest der Asus EA-800 klaglos und bietet sieben verschiedene Vergrößerungen an, angefangen bei 50%, was ungefähr dem Kleingedruckten in Verträgen entspricht, über 100% vergleichbar mit 13dpi Textausdrucken, 200%, deren Schriftgröße der “1″ auf einem Cent-Stück gleichkommt, bis hin zu 400%, bei der man nur noch ein bis drei Worte pro Zeile sieht. Asus mag von Technik Ahnung haben, Typografie bleibt dabei außen vor: Es ist Usus, in längeren Texten Serifen-Schrift einzusetzen (die mit den Füsschen unter den Buchstaben), der Eee Note setzt dagegen auf die “groteske” Arial – “Times New Roman” ist eine typisch verschnörkelte Serifenschriftart, “Helvetica” oder “Arial” dagegen serifenlos/grotesk. Eine gute Erklärung dazu findet sich beispielsweise auf dem Blog antikoerperchen. Das Fehlen einer Schriftauswahl beschränkt den Leser auf die Voreinstellung.

Hat man sich damit abgefunden, stehen einem die bekannten Auswahlwerkzeuge zur Verfügung, Vollbildsteuerung, Kommentarfunktion und Lesezeichen sind nur einige davon. Diese werden umso wichtiger, wenn man sich Monographien widmet – wissenschaftlichen Fachbüchern. Gerade Studenten können heute auf eine breite Palette kostenloser eBooks ihrer Vorlesungsinhalte zurückgreifen, aber wem erzähle ich das. Das dafür bevorzugte Format ist Adobes PDF, denn dadurch wird auch das Layout der Formeln und Grafiken beibehalten. Leider glänzt der Asus Eee Note hier überhaupt nicht. Wäre ich böswillig, müsste ich schreiben: “Setzen, Sechs!”

Adobe, wir haben ein Problem
Zwar zeigt das EA-800 PDF-Seiten original dar, aber erstens sind die Texte meist viel zu klein geschrieben und zweitens kennt er noch nicht mal eine Reflow-Funktion (Fließtext ohne Layout). Damit könnte man sich ja noch abfinden, indem man einfach reinzoomt, doch auch hier macht uns Asus einen Strich durch die Rechnung: Hat man die Seite vergrößert und mit dem Stift mittig ausgerichtet, so ärgert uns der Eee Note EA-800 damit, dass er beim Umblättern die Seite wieder links oben ausrichtet, also einen Teil des Textes aus dem Bild herausschiebt – gelinde gesagt “ärgerlich”.

So will kein Lesespaß aufkommen – hat man den überhaupt beim Lernen komplizierter Formeln? Ein flüssiges Lesen ohne Stiftinteraktion ist jedenfalls ausgeschlossen. Genauso irritierend ist die Notizfunktion: Während Kommentare in einer eigenen Leiste durchgehend am linken Rand markiert werden, sind Kritzeleien im Text selbst nur bei der jeweiligen Zoomstufe sichtbar. Angenommen ich male eine erklärende Zeichnung bei 100%, dann verschwindet sie bei 150% Zoom, ohne irgendeinen Hinweis – erst zurück bei 100% kommt sie wieder zum Vorschein.

Während der Asus Eee Note EA-800 “echte”, virtuelle Bücher akzeptabel darstellt, wurschtelt er sich in der Disziplin PDF gerade so hindurch, überzeugen kann er mich jedoch nicht, da den PDFs mein Hauptaugenmerk gilt – hier muss man klar feststellen: Für PDF-Bücher mit Formeln und Grafiken bedarf es einer Bildschirmdiagonale ab 9 Zoll, um bequem lesen zu können, acht dagegen sind grenzwertig und nicht jedermanns Sache.

Die schlechte Unterstützung ärgert mich umso mehr, weil das darunter liegende Linux auf Qt setzt, eine Erweiterung von C++, der altbekannten und weitverbreiteten Programmiersprache. Es müsste den Asus-Informatikern ein leichtes Sein, das zu beheben, und garantiert werden wir in naher Zukunft einen Reader eines Hobbyprogrammieres sehen, der genau das kann.

Offen für Alles
Das ist auch das Hauptargument, das ich bei jedem Negativ-Punkt anführe und vertreten werde: Asus hat mit dem Asus Eee Note EA-800 kein abgeschlossenes System, sondern eine Spielwiese für Linuxer und Programmierer. Auf den Supportseiten sind die Quellcodes frei zugänglich, etliche Enthusiasten und Early Adopters suchen jetzt schon fieberhaft nach Lösungen und Verbesserungen und haben bereits Programme portiert, bzw. Änderungen am System durchgeführt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle Mängel behoben werden.

Im letzen Artikel werde ich die restliche Ausstattung und Software durchleuchten und mein Fazit ziehen. Wir werden testen, wie die MP3-Wiedergabe funktioniert, was die Kamera hält, was sie nicht verspricht und ob es sich überhaupt lohnt über den Rest zu sprechen.

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7 Kommentare

  1. Interessant
    schrieb am 8. April 2011 um 11:56 Uhr (#)

    Hallo,

    könnten Sie bitte auch noch auf folgende Punkte eingehen?
    - Unterstützt der EA-800 auch “Landscape/Quer” Darstellung?
    - Werden wirklich nur ePub und TXT unterstützt?

    mfG,

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 9. April 2011 um 12:16 Uhr (#)

      Die Anzeige kann gedreht werden – ich werde das noch im Text nachtragen.
      Und “jain” es unterstützt tatsächlich nur ePUB und PDF, alles andere muss vorher konvertiert werden. TXT wird, wie ausdrücklich angesprochen, nicht unterstützt. Dateien ohne .pdf und .epub Endung tauchen in der Bibliothek erst gar nicht auf.

  2. Thorsten
    schrieb am 9. April 2011 um 13:21 Uhr (#)

    Hallo,
    Danke für die Antworten.
    Interessant wäre auch noch:
    - Wie ist die Haptik im alltäglichen? Empfinden Sie Größe und Gewicht als erträglich?
    - Wie werden die Notizen abgespeichert? Ist es wirklich ein so kompliziertes Verfahren im .cab Format? (Entpacken)
    - Könnten Sie bitte noch die Links zu den Sourcequellen anhängen? Bzw. wo gibt es die Quellen evtl. existierende Projekte? (Nur wenn sie welche parat haben)
    Es ist wirklich ein sehr interessantes Produkt und es freut mich sehr, das sie so ausführlich und detailliert darüber berichten.
    Vielen Dank für ihren Bericht.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
    schrieb am 9. April 2011 um 22:16 Uhr (#)

    - Haptik/Gewicht: Ist super, das Gerät wirkt wie aus einem Guss. Vermittelt den Eindruck eines Gebrauchsgegenstandes, ist mühelos längere Zeit zu halten um zu lesen.
    - Wie werden die Notizen abgespeichert? Es ist genau so, wie ich es beschrieben habe ;) (Als erfahrener PC-Mensch kann man .nte natürlich auch gleich mit einem Archivprogramm verknüpfen und sich ein kleines Script schreiben.)
    Eine komplette Linkliste gibt es im vierten Teil ganz am Ende.

    1. kristijan kroflin
      schrieb am 10. April 2011 um 02:03 Uhr (#)

      “Haptik/Gewicht”…und Ergonomie? Es ist übrigens nicht angemessen, das Gerät an die althergebrachten Bücher anpassen zu wollen – “diese” (tatsächlich ist es die Gravitation, die auf meine Arme wirkt) sind (auch die leichtesten – sprich: ein Blatt DinA5) schwer, in der prallen Sonne und im Dunkeln nicht wirklich lesbar (es sei denn, man ist Jurist oder BWLer und liegt im Sommer auf der Wiese und möchte mit der Lesepose Chicks anlocken). Zum Halten, Blättern und Notieren möchte ich meine Hände (man glaube es oder auch nicht: inklusive der Arme) nicht benutzen.

  4. kristijan kroflin
    schrieb am 10. April 2011 um 01:58 Uhr (#)

    Der Lesespaß bleibt selbst bei äußerst differenzierten/kontextualisierten Gleichungen
    erhalten – wenn man die “Fingerdeute” dazu auf
    Englisch vorliegen hat. Gleichungen sind darüber
    hinaus nicht zum (Auswendig)lernen, sondern zum
    Erstellen und zur Eingabe in Rechner da. Ok, ein
    paar wenige – grundlegende – bleiben auch so kleben…

    1. Wad?
      schrieb am 10. April 2011 um 18:34 Uhr (#)

      Wad? Klingt total schlau, macht aber gar keinen Sinn – wohl Politiker!

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