Wysips Solardisplay:
Touchscreen mit Solarzellen-Überzug

Wysips legt eine durchsichtige Solarzellen-Schicht über den Touchscreen und kann ein Smartphone in sechs Stunden aufladen.

Es scheint, als sei sich die Welt einig: Regenerative Energien sind die Zukunft. Egal wie man diesem Konzept gegenüber steht, einen gewaltigen Vorteil bietet sie auf jeden Fall – Komfort. Wir berichteten schon über entsprechende Produkte, wie einen Laptop, der sich die Sonnenenergie zunutze macht oder die Boombox von Devotec. Mehr Sonnenschein sorgt für weniger Pausen an der Steckdose. Wer sich täglich mit seinem Smartphone an die Stromtränke begeben muss, wird diese kleine Neuigkeit zu schätzen wissen: Wysips kann angeblich den Touchscreen eines Smartphones mit durchsichtigen Solarzellen bestücken.  

Das Solarmodul soll rund 100 Mikron dünn sein, also 0.1 mm, der angegebene Wirkungsgrad von 10% läßt keine klaren Rücksclüsse auf das Material zu. Für Dünnschicht spräche der Wirkungsgrad von rund 8% und die billigen Produktionskosten, andererseits erreichen erst die mono- und polykristallinen SZ Wirkungsgrade jenseits der 10%, typischerweise zwischen 14-18%. Dünnschicht-SZ altern schneller und verlieren damit über die Zeit an Leistungsfähigkeit, aber das ist bei einer Lebenszeit von 2-4 Jahren bei Smartphones weniger wichtig.

Laut Wysips reichen 6 Stunden direkte Sonneinstrahlung aus, um den Akku eines “typischen Smartphones” voll aufzuladen. Endlich ein Argument, wenn das Gegenüber moniert, man würde sein Statussymbol auf den Tisch legen wollen. Der bisherige Prototyp soll die Ablesbarkeit deutlich eingeschränkt haben, da die Folie nachträglich aufgetragen wurde; Seriendisplays werden eine fast nicht sichtbare Schicht ab Werk erhalten. Als Endkonsument wird man als Nebeneffekt bei vollem Tageslicht weniger Reflexionen erwarten dürfen, dank des Solarfilms.

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Als Konzeptstudie sicherlich interessant, wird die Solarzellenschicht auch preislich keine großen Sprünge verursachen – wie erwähnt sind solche Solarmodule recht kostengünstig herstellbar. Doch erstens sind 6 Stunden Ladezeit nur bei vollem Tageslicht erreichbar (STC 1000W/m² ?), und zweitens hängt es dann noch davon ab, wie oft man das Gerät in die pralle Sonne legen will und kann – ganz zu schweigen von der starken Temperaturerhöhung und UV-Einstrahlung, die die Elektronik schneller altern läßt.

Wieso also nicht einfach einen dünnen Film (zusätzlich) auf der Rückseite des Gerätes einbauen? Für “Wald-und-Wiesen-Telefone” ist die Beschichtung sicherlich keine schlechte Eigenschaft, für Outdoor-Begeisterte fast die einzige Möglichkeit – aber bei einem Großstadt-Smartphone ist sie zum momentanen Zeitpunkt mehr Gimmick als wirkungsvoll. Noch.

In ungefähr einem Jahre soll die Technik serienreif sein.
Via Laptopmag.

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11 Kommentare

  1. Boris
    schrieb am 31. März 2011 um 09:05 Uhr (#)

    Eigentlich wäre es ja am Redaktor zu recherchieren (vor allem, wenn ihm dann noch etwas unwahrscheinlich erscheint, wie in diesem Fall die Dicke der Folie).

    http://www.wysips.com/applicationsgb.php :
    Depending on the application, WYSIPS is a flexible or rigid film with a thickness varying from 0.1 to 0.5 mm.
    The lenses can attain pixel size in screen-related applications. The WYSIPS Team is working on a wide spectrum of substrates: textiles, composites, glass, etc.
    With an efficiency of 10% (i.e. 100 W/m2), WYSIPS Technology opens a gateway to countless applications!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 31. März 2011 um 10:01 Uhr (#)

      Danke für den Hinweis Boris, eine entsprechende Anfrage wurde bereits an Wypsis gesendet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag jedoch noch keine Antwort vor. Ich werde diese nachliefern, sobald sich Wypsis bei mir meldet.
      Allerdings ist mir ein Fehler unterlaufen, denn die veraltete, nicht SI-Bezeichnung Micron ist 10^⁻6m, nicht wie von mir fäschlicherweise behauptet 10^-9m

  2. sinnvoll
    schrieb am 31. März 2011 um 09:07 Uhr (#)

    Ich halte dies für mehr als nur ein Gimmick,
    denn gerade der Akku des “Großstadt-Smartphone” wird doch sehr beansprucht. Da sind ein paar extra Stunden Akkulaufzeit durch eine Solarzelle Gold wert.
    Lebenserhaltene Maßnahmen für ein Smartphone, durchaus sinnvoll, bis die volle Akkuladung dann wieder an der heimischen Steckdose geladen werden.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 31. März 2011 um 11:01 Uhr (#)

      Da stimme ich dir vollkommen zu, auch ein paar Minuten mehr sind viel Wert. Wir sollten aber nicht außer acht lassen, dass es sich um optimale Laborbedingungen handelt, wie oft arbeiten wir an der frischen Luft und können unsere Smartphones in die Sonne legen?
      Was ich verschwiegen habe: Die Konstante 1000 W/m² ist ein Mittelwert, die sich aus Sommer- und Winterhalbjahr zusammensetzt. Im Winter variieren die Zahlen im Mittelwert zwischen 230-320 kWh/m² und im Sommer reicht die Bandbreite von 790 kWh/m² – 890kWh/m² (laut Deutschem Wetterdienst, Jahre 1981-2000), je nachdem ob sonniger Süden oder Norden.
      D.h. im Winter dauert es grob gesagt dreimal länger, das Gerät zu laden wie im Sommer. Die Werte gelten aber nur für freie und direkte Strahlung, sitzt man im Biergarten unterm Sonnenschirm oder muss die Sonnenstrahlung durch ein Fenster hindruch, treten enorme Reflektionsverluste auf.
      Unter realen Bedingungen in der Großstadt dauert es somit länger als 6 Stunden. Nur als grobe, optimistische Beispielrechnung:

      Sommer:
      1000W/m² ^= 6h Ladezeit ==>Sommer 800W/m² ^= 6/0.8 = 7,5h Ladezeit
      7,5h ^= 100% Akku ==> 1h ^= 13,3% Akkuladung, unter freiem Himmel, bei freier Sicht auf die Sonne und Ausrichtung unter optimalem Winkel.

      Winter:
      1000W/m² ^= 6h Ladezeit ==>Winter 300W/m² ^= 6/0.3 = 20h Ladezeit
      20h ^= 100% Akku ==> 1h ^= 5% Akkuladung, unter freiem Himmel, bei freier Sicht auf die Sonne und Ausrichtung unter optimalem Winkel.
      In beiden Fällen sprechen wir von einem Sonnentag, bewölkte oder Regentage sind entsprechend geringer. Wir setzen außerdem voraus, dass das Handy in einem optimalen Winkel auf die Sonne ausgerichtet ist – sonst kann man nochmal grob 10% abziehen.

  3. Wanda
    schrieb am 31. März 2011 um 12:24 Uhr (#)

    Ich hoffe, dass sich die Industrie endlich dazu aufrafft, die kostenlose Energie Sonne endlich effektiv nutzen zu wollen. Ich sehe schon die Zukunft, dass es normal ist auf dem Dach Sonnenkollektoren zu haben. Das es selbstverständlich ist, das ein Autodach oder die Motorhaube mit so einer Schicht ausgestattet ist.

  4. Jerombl
    schrieb am 31. März 2011 um 16:57 Uhr (#)

    Das ist ja schon ganz nett für den Anfang. Wenn man mal die genannten Nachteile ausser Acht lässt…

    Was ich mir aber viel sehnlicher wünsche, wenn es doch endlich mal ein Display gäbe, dass das Umgebungslicht für die Hintergrundbeleuchtung nutzt. Ich habe schon gehört dass es Prototypen (von eInk mal abgesehen) davon gibt, aber gibt es auch bereits Massenprodukte?

    1. Schreibt hier auf dem Blog Kai Zantke
      schrieb am 31. März 2011 um 19:35 Uhr (#)

      Die Bezeichnung lautet: “transflektiv”. Diese Displays nutzen das Tageslicht, können mit ausgeschalteter Beleuchtung klar abgelesen werden und sind in direktem Sonnenlicht perfekt ablesbar – viele PDAs hatten solche Displays.
      Leider hat man sich für transmissiv entschieden, angeblich weil die Farben brillianter und die Beleuchtung gleichmäßiger seien. Der Unterschied ist aber nicht so gravierend und wird durch die viel längere Akkulaufzeit leicht aufgewogen.

    2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 31. März 2011 um 22:37 Uhr (#)

      Gibt’s doch. Die Bibliotheken sind voll davon…

    3. Florian
      schrieb am 1. April 2011 um 10:30 Uhr (#)

      Das ist ne absolut Geniale Idee Jerombl! Und dies hatte ich bereits 1994 in Form eines Taschenfernsehers auf dem Shuk Ha’Carmel (Markt in Tel aviv in Israel) erworben. Der kleine TFT Bildschirm ließ sich neigen und leitete durch Reflektoren, Sonnenlicht unterhalb des Display`s weiter. Sparte erheblich Energie.
      Ich gehe der Annahme das Kraftwerke, unabhängig Ihrer Kapazitäten, in Ihrer Entwicklung eine untergeordnete Rolle spielen. Zumal Mensch wie auch Tier nur eine einzige Energiequelle nutzt. Die Sonne. In wie fern wir diese Energie aus Steinen, Fossilien, Wasser etc. wieder zu einer, für den Mensch nutzbaren, Raffinieren sei nun dahin gestellt. Die nun einzig wichtige Entwicklung ist der Energiespeicher. Es ist wie beim Auto, jedes nutzt ein eigenes Kraftwerk. Wäre ein passender Energiespeicher vorhanden… wäre, wäre, wäre :-))

  5. kristijan kroflin
    schrieb am 31. März 2011 um 19:26 Uhr (#)

    Befindet sich das Gerät in der Jackentasche, Umhängetasche, Rucksack , etc., so wird es bewegt. Weswegen nicht auch diese Energie nutzen? Waren nicht auch mal Akkus gedacht, die alle möglichen Arten von Frequenzen nutzen, um sich darüber aufzuladen (und somit zugleich den “Elektrosmog” zu reduzieren). Nur zum Spaß: man könnte auch einen Dynamo verbauen und das Gerät mittels einer Kurbel notladen.

  6. Florian
    schrieb am 1. April 2011 um 08:52 Uhr (#)

    …es ist nur ein Marketinggag…

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