Weltbild Aluratek Libre im Test:
Mehr eBook braucht kein Mensch?

Weltbild stellt einen kleinen eBook-Reader für kleines Geld vor: der Aluratek Libre. Wir haben ihn getestet und waren zufrieden.

Weltbild Aluratek Libre eBook-Reader

Weltbild Aluratek Libre eBook-Reader

Im Leben muss man viel warten: beim Zahnarzt, an der Bushaltestelle oder beim Frisör. Um die Zeit nicht mit geistigem Kaugummi wie den ausliegenden Illustrierten totschlagen zu müssen, empfiehlt es sich, ein gutes Buch mitzunehmen – nur daran denkt erstens nicht immer jemand, außerdem ist einem nicht immer nach dem gleichen Lesestoff – perfekte Gelegenheit für einen eBook-Reader wie den Libre von Aluratek, den wir versuchsweise mitnahmen.

Der beim «Buch-Discounter» Weltbild angebotene Reader zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus: Er ist kompakt genug auch für die Manteltasche (da scheiden z.B. ein iPad oder Kindle aus – wie auch Bücher, die über ein schmales Taschenbuchformat hinaus gehen) und er kostet unter hundert Euro (da scheidet der Rest aller Geräte aus, bis auf die Billigteile mit TFT-Display, doch die wollen dauernd an die Steckdose). Den Wermutstropfen muss man jedoch auch kennen: der Libre agiert mit Monochrom-LCD-Technik («ePaper») statt der in Kindle & Co verwendeten e-Ink.

Natürlich kann ich auch ein Smartphone dafür benutzen. Doch deren Display ist dann doch zu klein, zudem bleibt von der kostbaren Akkulaufzeit nicht mehr viel übrig.

Und was kann der Aluratek Libre? Er beherrscht die wichtigen eBook-Formate und kann auch aus dem Internet direkt mit Lesestoff bestückt werden. Weltbild ist so etwas wie der Aldi des Buchhandels: Hier gibt es viele Schmöker preiswerter in einfacherer Aufmachung. Und so ist das auch mit den eBooks: Während Amazon meist genauso viel für die Kindle-Variante haben will, ist ein eBook bei Weltbild im Schnitt bis zu 30 Prozent billiger. Ansonsten ist er aber ein Allesfresser und zeigt auch TXT, DOC und PDF-Dateien an, die ohne digitales Rechtemanagement geladen werden. Sogar HTML wird dargestellt.

Die Bedienung erfolgt über Tasten, einen Touchscreen gibt es nicht (ehrlich: ich finde das gut). Allein der Schieber zum Seitenblättern am Rand ist schwergängig, ich bevorzuge die beiden Tasten am unteren bzw. linken Rand (für Querformat). Die Dateien speichert der Libre auf seinem 100 MB internen Speicher oder er bedient sich von SD-Card, der Steckplatz verarbeitet auch SDHC bis zu 32 GB – da passen dann schon eine ganze Menge Bücher drauf.

Die Anzeige ist klar und scharf, wobei die Mitbewerber zum Teil deutlich heller strahlen – und es hängt vom Umgebungslicht ab. Kunststück: Im Aluratek steckt «ePaper», ein Monochrom-LC-Display und kein e-Ink wie in den höherpreisigen Geräten. Schaut man frontal auf das Display, wirken die Zeichen etwas matt, erst wenn man es etwas «kippelt», nimmt es Umgebungslicht auf und wird heller. Das ist der einzige Kritikpunkt. Ich fand den Inhalt trotzdem gut lesbar, andere dürften es als zu schwach empfinden.

Vorteil der LCD-Technik: Umschaltung des Seitenformats oder der Textgröße erfolgt schnell ohne Verzögerung, und zwischen den Seiten gibt es beim Blättern keine «Dunkelpause».

Aluratek Libre zeigt einzelne Sätze

Aluratek Libre zeigt einzelne Sätze

Gut gefällt mir die einstellbare Buchstabengröße, mit der sich der Text sogar so groß zoomen lässt, dass ein einzelner Satz den kompletten Bildschirm füllt (siehe Abbildung – das liegt hier auch an der Festlegung des unnötig dicken Seitenrandes durch das System). Und bei dem kleinen Format kann ich die Texte in quer besser lesen, auch wenn dadurch die Blättern-Taste deutlich mehr strapaziert werden dürfte – Ausnahmen sind fest formatierte PDF-Dateien, deren Seitengröße sich dem Zoom widersetzen.

Wie alle e-Book-Reader kann man dem Aluratek Libre auch MP3-Dateien zuführen. Da dürften vor allem Hörbücher zum Einsatz kommen. Der Player bietet die rudimentären Funktionen und erlaubt (wenigstens), im Stück schnell vorzuspulen (indem man die Tasten drückt).

Fazit: Schon das Weltbild Aluratek Libre bietet als eBook-Reader alles, was ich von ihm erwarte – allerdings auch nicht viel mehr, und beim Display sollte man sich die anderen Mitbewerber auch einmal wenigstens ansehen, damit man weiß, welchen Kompromiss man für den günstigen Preis eingegangen ist.

Technische Daten

  • Modell: Aluratek Libre
  • Display: 12,7 cm “ePaper” (Monochrom LCD)
  • Buchanzeige in Hoch- oder Querformat
  • Speicher: 100 MB intern, erweiterbar durch SD/SDHC-Karte bis 32 GB
  • Stromversorgung: Lithium Akku, Laufzeit ca. 24h
  • 6 Schriftgrößen einstellbar
  • Liest EPUB, FB2, PDF, TXT und RTF Formate (sowie HTML, wie wir feststellen konnten), Adobe-DRM-Unterstützung
  • Sonderformate: MP3, JPG, GIF und BMP
  • Größe ca.: 11 x 15,3 x 1,2 cm (BxHxT)
  • Gewicht ca.: 210g
 

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10 Kommentare

  1. Ich glaube das dieses Gerät auch vielen das E-Book näher bringen können, welche sich bisher die teuren Geräte nicht leisten konnten. Das ist positiv und deswegen muss er auch nicht alles haben, was die teureren Geräte haben.

  2. “Im Leben muss man viel warten: beim Zahnarzt, an der Bushaltestelle oder beim Frisör.”

    Hier hilft es nicht weiter, sich mit den Dingen selbst
    zu versorgen, die sonst Entertainment oder effiziente Weiterbildung ermöglichen, da bei dieser Form des Wartens
    eine Ablenkung mit diesen Dingen nicht wirklich möglich ist.
    Vielmehr sollte man die Wartezeiten durch gezieltes und automatisiertes Abgleichen der “Terminpläne” verringern oder gar ganz unterbinden.

  3. “Die Bedienung erfolgt über Tasten, einen Touchscreen gibt es nicht (ehrlich: ich finde das gut).”

    Tatsächlich würde eine “Entkopplung” von der haptischen Welt zu denselben Symptomen bei der neuronalen Struktur und dem Rest des Körpers führen, wie ihn Astronauten under den Bedingungen der “Schwerelosigkeit” bislang erleben. Dies kann bis zu Wahrnehmungsstörungen (Verwechslung des rechten und linken Armes) führen und äußert sich im “nutty professor” Syndrom.

  4. Also,

    ich konnte letzte Woche den ALURATEK bei einem Buchhändler
    testen.
    Zuerst war ich wirklich angetan, das Blättern ging flott, und die Darstellung der Schrift war Ok.
    Doch dummerweise lag da auch ein Sony Reader PRS-350.
    Nachdem ich diesen ausprobiert hatte, gefiel mir der ALURATEK dann doch nicht mehr so.
    Ja, der Sony Reader kostet um die 179 €, aber ich gebe lieber etwas mehr aus und bin zufrieden statt mich danach zu ärgern.
    Und nachdem ich e-Ink gesehen habe ist ePaper kein Thema mehr für mich.

  5. Warum alle anderen Reader ausscheiden sehe ich nicht. Der Kindle kostet nur gerade 20 Euro mehr und kann aber alles. Hat dazu einen hervorragenden Bildschirm und läuft mit einer Batterieladung gerne eine Woche. Da muss sich das Aluratek aber warm anziehen und vielleicht mal auf den Boden der Tatsachen runterkommen.

  6. Man muss sich schon fragen, wie es hier zu dieser äußerst wohlwollenden Berichterstattung über ein bestenfalls mittelmäßiges Gerät kommt. Hat der Autor keine Ahnung von E-Book-Readern? Hat Weltbild da ein bisschen nachgeholfen? Oder gilt beides?

    Der Autor lässt jedenfalls wichtige Fragen unbeantwortet: Kann man die Anzeige formatieren, zum Beispiel eine Randgröße einstellen, Schriften auswählen oder hinzufügen? Lassen sich Bücher im Speicher in Regalen zusammenfassen? Wie stellt sich die Anzeige bei der Auswahl dar? Gibt es einen USB-Anschluss? Wie kommen Bücher in den Speicher? Wie lange dauert die Aufladung, und kann man das Gerät währenddessen noch benutzen?

    Aber das alles ist eigentlich auch egal. Der aktuelle Preis beträgt für den Aluratek offenbar 99 Euro, und das ist Nepp, Nepp, Nepp. Nur 24 Stunden Akkulaufzeit, mieses LCD-Display, kein WLAN oder gar UMTS-Anbindung, kein Browser, kein Touchscreen, das ist auch zu diesem Preis längst nicht mehr state of the art. Der Kindle leistet für dasselbe Geld wesentlich mehr, und wer das proprietäre Format von amazon nicht mag, findet im Kobo Reader Touch oder im Sony PRS-T1 für ein paar Euros mehr adäquaten Ersatz.

    Mein Fazit daher: Finger weg vom Aluratek!

    • Hallo, der Artikel ist jetzt fast ein Jahr alt, und inzwischen hat sich viel getan. Damals war der Aluratek durchaus eine Alternative, inzwischen würden wir ihn wahrscheinlich nicht einmal mehr anfordern. Um die Fragen zu beantworten: Ja es gibt Mini-USB, darüber erscheint der Aluratek als Massenspeicher im Windows-Explorer, so wird er auch geladen.

  7. Hi
    Ich gebe Herrn Jungbluth absolut Recht der Artikel ist ein Jahr alt und sicherlich ist Aluratek nicht meh der allerneuste, ich benutze Ihn aber immer noch und muss sagen er tuts auch heute noch.
    Inzwischen gibts Ihn als Restposten immer noch und das für 40€ inklusive Schutzhülle, Netzlade Gerät und USB Kabel inclusive.
    Wenn hier einer meint das wäre Weltbild lastig, so möchte ich daraufhinweisen das der ach so alte Libre keine Zusatzsoftware braucht um die gängisten Formate zu verarbeiten.
    Ein Kindle sollte man auch so sehen, das man mit dem Erwerb auch die moderne Sklaverei, Ausbeuterei und ein MERNSCHEN unwürdiges Arbeiten unterstützt, denn das ist Amazon und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Mein fazit Finger weg von Amazon

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