Toshiba 3D ohne Brille:
Ein bisschen wie Kipp-Postkarten

Auf der CES haben wir die brillenlosen 3D-Fernseher von Toshiba testen können. Fazit: Erstaunlicher Effekt mit leichten Nebenwirkungen.

Warteschlangen sind an der CES 2011 allgegenwärtig: Warten auf den Bus, auf Einlass zur Halle, vor dem Hotdog-Stand, in der Menschentraube um heisse Gadgets.

Am Stand von Toshiba allerdings wird das Warten organisiert: Für die Demonstration der brillenlosen 3D-TV-Geräte wollte der Hersteller falsche Eindrücke durch unsachgemässe Benutzung der Bildschirme vermeiden und hat die Geräte in einen abgedunkelten Pavillon gestellt, in den die Besucher nur in kleinen Gruppen von drei oder vier Personen eingelassen werden.

Um das Wunder des brillenlosen dreidiemensionalen Grossbildschirms zu sehen, muss man sich also schon 30 Minuten in der Schlange gedulden. Und, lohnt es sich?

Bilder sagen in diesem Fall weniger als tausend Worte, obwohl ich versucht habe, per Video die winkelunabhängigkeit des Stereo-Effekts zu dokumentieren. Weil die Ergebnisse erwartungsgemäss nichtssagend sind, muss ich Worte bemühen:

Der 3D-Effekt ist zunächst verblüffend. Auf dem 56-Zoll-Bildschirm, der in einem per Kordel gesperrten Kanal aus schwarzem Tuch zwei Meter vor mir steht, wirkt die Aufnahme eines Aquariums extrem lebensecht.

Allerdings ist auch mein idealer Standpunkt am Boden vor dem Bildschirm mit zwei Klebern markiert. Zwar stellt die Toshiba-Technologie den Parallaxen-Unterschied für neun verschiedene Winkel dar – aber sobald der Betrachter sich ein bisschen “zwischen” zwei Bildern befindet, sind am Bildschirm Streifen und eigenartige Tiefeneffekte feststellbar. Es fühlt sich ein bisschen so an wie die Stereo-Postkarten, die wir seit Jahrzehnten kennen, es handelt sich ja auch um das gleiche Prinzip: Kleine Linsen auf dem Bildschirm sorgen beim richtigen Abstand dafür, dass jeweil ein Auge nur das für es bestimmte Bild zu sehen kriegt. Weil Toshiba das für neun verschiedene Winkel ausrichtet, kann man sich vor dem Bildschirm bewegen, ohne dass der Stereo-Effekt verloren geht. während der Kopfbewegung selber aber sind störende Nebeneffekte bemerkbar.

Für den brillenlosen 3D-Genuss ist also Stillsitzen angesagt.

Ich bin dennoch beeindruckt von der Darstellung, sobald ich mich in die Mitte vor den Bildschirm stelle. Ich möchte indessen behaupten, dass ein Fussballspiel in dichter Menschentraube vor dem Bildschirm für die Zuschauer an den äusseren Winkeln ein getrübtes Vergnügen ist.

Der zweite Eindruck ist der, dass die “Linsen” auf dem Bildschirm nicht stören, solange der 3D-Effekt stark ist und die Tiefenwirkung sich einstellt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Abstand zwischen Vorder- und Hintergrund im Bild sehr gross ist – was viele eigens für 3D gedrehte Filme sich zunutze machen.

Wenn der Tiefeneffekt aber mässig oder durch Landschaftsansichten aus der Höhe kaum mehr wahrnehmbar ist, werden plötzlich wieder Streifen und Verschiebungen im Bild wahrnehmbar. Das HD-Bild wirkt dadurch plötzlich wieder wie ein gutes, altes, gestreiftes Fernsehbild.

Die brillenlose 3D-Technologie will Toshiba noch in diesem Jahr bis auf 40-Zoll-Geräte auf den Markt bringen, die grösseren sind für nächstes Jahr geplant.

Angesichts der beschränkten Ansichtsmöglichkeiten an der CES – ich wüsste beispielsweise gerne, wie sich das bild aus einem sehr flachen Winkel ansieht oder wie ein 2D-Bild auf den Monitoren wirkt – würde ich derzeit nicht sagen können, ob ich die Geräte den Shutterbrillen-Modellen vorziehen würde.

3D ist das Thema Nummer 1 für die Hersteller: Obwohl die Verkäufe sich mangels inhalten laut Medienberichten sehr schleppend anlassen, ist die dritte Dimension das unasuweichliche Thema neben Tablets auf der CES 2011. Inzwischen soll mit Technologien wie TriVector Conversion, ebenfalls von Toshiba, normaler 2D-Inhalt auf die dritte Dimension aufgeblasen werden können.

Ich denke dennoch, dass noch einiges passieren muss, bis wir alle täglich dreidimensional fernsehen. Die Effekte des Bildwechsels sind mit und ohne Brille noch immer recht störend, und inzwischen hat Nintendo sogar eine Warnung ausgegeben, wonach kleine Kinder keine 3D-Spiele spielen sollten, weil es die entwicklung ihrer Sehfähigkeiten beeinflussen könnte.

Denn ein Problem bleibt bei allen 3D-Technologien bestehen: Die Tiefe am Bildschirm ist eine Illusion, die durch zwei getrennte Bilder für jedes Auge im Hirn zu stande kommt. Das Auge aber muss ja auf die Bildpunkte am Bildschirm und damit auf die reale Distanz fokussieren – somit besteht spielfilm lang ein konstanter Widerspruch zwischen Bildauflösung im Gerhin und physikalischem Sehen des Auges.

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