IFA-Überblick:
Alle Zeichen stehen auf 3D

3D Fernsehen und Gaming soll der Trend sein, der die Industrie in den nächsten Jahren über Wasser halten soll.

Vor zwei Jahren demonstrierte Philips auf der IFA den Prototypen eines Fernsehers, der 3D-Bilder zeigte, ohne dass man eine Brille benötigte. Um die Bilder sehen zu können, durfte man sich allerdings, wenn man denn einmal die richtige Position gefunden hatte, keinen Millimeter mehr bewegen.

Philips sprach davon, dass man nur ein wenig rumexperimentieren würde; 3D sei kein Trend, es würde noch Jahre dauern, bis man den Konsumenten an dem Punkt abholen würde können. Ein Jahr später war der Trend aber schon deutlicher. Und dieses Jahr gab es an der 3D-Gesellschaft kein Vorbeikommen mehr.

3D-Fernsehen für alle?
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Alle, wirklich alle Hersteller stellen 3D-Geräte vor, manche ganze Produktlinien. Das Ziel ist klar, die Käufer sollen spätestens 2012 damit beginnen, ihre “alten” Flachbildschirme auszutauschen. Die Frage ist nur: Will der Konsument das, und macht 3D überhaupt Sinn?

In dem ganzen Kuddelmuddel verschiedener PR-Aussagen und Nebelkerzen gibt es zwei ehrliche Nebensätze der Hersteller:

Panasonic berichtet, dass es bis zum Ende des Jahres maximal 40 Blu-Ray-Discs mit 3D-Content geben würde.

Sharp bezifferte die Verkaufszahlen bis Ende 2012 in Europa auf ca. 10 Millionen Geräte. Das ist nicht viel, aber immerhin sind das TV-Sets, die zusätzlich zu den “normalen” Geräten verkauft werden. Man sieht also einen Markt, wenn auch einen recht kleinen.

Die Frage, ob man 3D überhaupt braucht, stellt sich in einem Technikblog nicht. Die dritte Dimension macht durchaus Spaß. Wer Avatar oder Toystory 3 im Kino gesehen hat oder wenn man die Gelegenheit hatte, einen der neuen Fernseher ausprobieren zu können, wird man feststellen, dass das “Erlebnis” bereichernd ist. Für eine gewisse Zeit. Zudem: Technologien, auch wenn sie hier und da in eine Sackgasse führen, befruchten zumindest wieder andere Ideen.

Sinnvoll für Sport, Film und Gaming

Es gibt drei Punkte, in denen 3D eine große Rolle im Fernsehen spielen wird: Sport, Film und Gaming. Im Netz wird 3D vermutlich vor allem die angeschlagene Pornografiebranche zu neuen…ähm… Höhepunkten treiben.

Aber ich bleibe mal bei den familientauglichen Inhalten. Für die Gaming-Industrie ist 3D einerseits eine Herausforderung, andererseits wird sie viel Geld in die Kassen spülen. Die wenigen Spiele, die ich in 3D ausprobiert habe, waren wirklich beängstigend gut. Allerdings wird der Anspruch an ein “reales” Umfeld immer größer, was die Programmierkosten drastisch erhöhen wird.

Im Film-Sektor setzt Hollywood schon jetzt sehr stark auf 3D. Zwar erhöht die Technik die Produktionskosten, aber auf der anderen Seite zieht die Idee immer noch Zuschauer in die Kinos.

Der “Neu” Effekt wird sich zwar abnutzen, aber gerade beim üblichen Popcorn-Kino wird 3D vermutlich Standard werden. Das gilt dann auch für die Veröffentlichung auf Blu-ray.

Ein dritter Sektor werden Sportübertragungen sein. Auf der IFA zeigte Panasonic Bilder eines Tennistuniers in 3D, und das war tatsächlich eine fast atemberaubende Erfahrung. Auch die Ausschnitte eines Golftuniers, vom Fußball oder aus dem Motorsport zeigten, dass die neuen Bilder die Art und Weise verändern, wie man Sport betrachtet. Es wird tatsächlich aufregender, weil das “Mittendrin” Gefühl viel stärker ist.

Also alles schöne neue Welt? Mitnichten, denn die Industrie zeigt sich zerstritten, wenn es um einheitliche Technologien geht, und sie überschätzt die Schwierigkeiten, die die Kabelprovider machen werden. Dazu kommen noch ganz andere, menschliche Probleme.

Keine einheitliche Technologie

Im Prinzip setzen die Hersteller fast alle auf die “Shutter”-Technologie. Es wird ein Bild für das rechte und eins für das linke Auge gesendet, eine Brille schließt abwechselnd das eine, dann das andere Auge, so dass der 3D-Effekt entsteht. Es gibt aber auch Hersteller, die es mit der Polarisations-Variante versuche (Philips). Zwar hat sich die Shutter-Technologie für den Moment durchgesetzt, aber das bedeutet nicht, dass dies das Ende der Fahnenstange ist.

2. Wo sollen die Sender herkommen?

sky hat angekündigt, ab Oktober einen 3D-Sender im Programm zu haben. Die Bundesliga soll ab der Rückrunde ebenfalls in 3D gesendet werden. Also werden die anderen Sender nachziehen? Keineswegs.

sky mag sich den Luxus eines 3D Senders erlauben müssen, weil man sonst keine neuen Kunden bekommt, bei ARD, RTL und Co sieht das anders aus. Zwar ist es theoretisch möglich, ein 3D Signal auszusenden, das auch von einem 2D Empfänger empfangen werden kann, aber zumindest die jetzigen Fernseher können damit nichts anfangen.

Und dann ist da die Format-Frage. ARD und ZDF senden “nur” ein 720p Bild, also kein FullHD, was man bei 3D schon eher braucht, um den ganzen Spaß zu haben (nötig ist es aber nicht), RTL usw. senden in der verschlüsselten HD+ Variante, die 3D-fähig sein sollte. Das Problem mit der Bandbreite ist ebenfalls ungeklärt.

In den Kabelnetzen ist jetzt schon kaum Platz für die HD-Sender. Wo soll man da noch einen weiteren 3D-HD-Sender unterbringen? Über Satellit sieht die Sache zwar anders aus, aber der Großteil der Bevölkerung bezieht sein Fernsehen über Kabel.

Und DVB-T Nutzer sind komplett ausgeschlossen. Möglich wäre es, zusätzliche Sender über VDSL bzw. LTE in die Häuser zu bringen, doch bis die Technologie flächendeckend eingeführt und bezahlbar ist, wird es noch etliche Jahre dauern. Wenn die Sender aber nicht mitziehen, hat man nur einen 3D-Fernseher für Blu-rays und ein wenig Gaming. Dafür sie die Geräte allerdings arg teuer.

Die Brille

Um 3D sehen zu können, benötigt man eine eigene Brille, was an sich schon eine etwas nervige Sache für all diejenigen ist, die es nicht gewohnt sind, eine Brille zu tragen.

Brillenträger (ich bin einer) leiden allerdings doppelt: Zum einen muss man zwei Brillen tragen, was per se schon mal nervig ist. Zum anderen sitzt die 3D-Brille wegen der “echten” Brille nicht gut. Weder saßen die von mir getesten Brillen der Hersteller fest, noch deckten sie das Blickfeld ab. Weil sie weiter vorne auf der Nase sitzen müssen, schaut man teilweise daran vorbei.

Unterschiedlicher Brechnungsindex der Gläser kann zusätzlich dafür sorgen, dass man entweder keinen 3D-Effekt sehen kann, die Bilder verschwommen sind bzw. Schlieren haben, oder dass einem schlicht und ergreifend übel wird.

Dazu kommt, dass die Brillen teuer sind. Zwischen 50 und 150 Euro muss man bezahlen, was eine vierköpfige Familie vermutlich nicht erfreuen wird. Natürlich wird der Preis sinken, vor allem wenn Noname-Hersteller auf den Markt kommen. Unter den, meist sehr skeptischen, Kollegen vor Ort einigte man sich darauf, dass bei 20 Euro Schluss ist, da die Dinger in Kinderhänden auch sicher schnell hinüber sind.

Die Hürden für die Industrie sind also größer, als man denkt und mich hat 3D auch nicht voll überzeugt. Da die meisten Filme, die in 3D gedreht, den 3D-Effekt auch voll ausnutzen, in dem einen dauernd was scheinbar um die Ohren fliegt, nutzt sich das Erlebnis auch schnell ab, bzw. wird einem zu viel.

Man würde sich ja auch nicht stundenlang vor den Pitcher bei einem Baseballspiel stellen, damit einem regelmäßig der Ball ein paar Zentimeter am Kopf vorbei fliegt. Für 2 Stunden ist der Effekt im Kino lustig, danach wird es schnell anstrengend. 3D muss man sehen wollen, man kann nicht nebenbei den Fernseher laufen haben. Oder mal schnell ein DVD-Abend mit Freunden? Wer keine 3D-Brille hat, kann zu Hause bleiben, wer sie vergessen hat, ist genervt.

So lange 3D nicht ohne Brille sehbar ist, macht die Technoligie keinen Sinn.

Sollte man sich dennoch einen 3D-Fernseher zulegen? Wer in den nächsten 12 Monaten eh plant, seinen Fernseher zu ersetzen, sollte zumindest darüber nachdenken, damit das Gerät wenigstens auf dem neuesten Stand ist. Die Industrie peilt als erste große Verkaufswelle 2012 an, weil dann die Fußball-EM und die olympischen Spiele in London stattfinden. Ein Mitarbeiter eines japanischen Konzerns meinte bei einem Bier allerdings 2014, wenn die nächste Fußball-WM ansteht.

Bis 2012 sollte man auf jeden Fall warten. Und auch darauf, dass die seit Jahren verkauften, langlebigen und tadellos funktionierenden Flachbildschirme evtl. umgetauscht werden. Man munkelte auf der IFA, das einige Hersteller sich in Zusammenarbeit mit den beiden großen Elektrohäuser zu einer Tauschaktion hinreissen lassen werden, sollte der Abverkauf zu schlecht sein.

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